Boybands Forever on tour

Am 4.10.2017 startete für fünf Jungs in München eine Reise durch Deutschland, begleitet von einer fast schon Fanhysterie, mit der niemand gerechnet, die aber zumindest erhofft wurde. Thomas Hermanns hatte die Idee dem Boyband-Phänomen der 90er Jahre in einer komödiantischen Musikshow (Musical würde ich es nicht nennen) auf den Grund zu gehen und stellte eine abendfüllende Show auf die Beine. Nach einer ersten Tournee, die bis März 2018 quer durch Deutschland führte, ging es nach einer Pause im Oktober weiter. Ganz so, als ob eine echte Boyband auf Tour gegangen wäre. Aber am 18.11.2018 ist Schluss und die Show findet ihr Ende in Hamburg.

Fünf Boys wurden gecastet und wurden im Lauf der Zeit zu einem eingeschweißten Team. Einige nutzten auch die Vorteile der sozialen Netzwerke und versuchten mehr Fans für ihre anderen Projekte zu bekommen.

Wir waren in Wien mit dabei, um uns nochmals von der Energie, die die Show mit sich bringt anstecken zu lassen. Nicht überall waren allerdings die Hallen vollgefüllt, so auch in Wien und wenn man sehr wenig Publikum sieht, dann hat man schon Bedenken, ob die Show funktionieren wird oder nicht. Aber wie sagt man so schön, man kann das Glas halb voll oder halb leer sehen. Im Fall der Show am 27.10. in der Stadthalle wurden schon alle Bedenken zerstreut, nachdem der Moderator die Bühne betreten hatte. Vollblutcomedian Ole Lehmann sorgte (obwohl in Österreich eher ein unbeschriebenes Blatt), noch bevor ein Song gesungen worden war, für Megastimmung und war definitiv ein Highlight der Show. Zunächst beschwichtigte er alle, dass sie kein schlechtes Gewissen wegen des Besuchs haben mussten und das Boybandfeeling voll und ganz ausleben dürfen.

(c) Andrea Martin
(c) Andrea Martin

 

Auch die wenigen „mitgeschleppten“ Männer begrüßte er humorig. Nachdem geklärt wurde, ob mehr „Take That babes“ oder „Backstreet Boys bitches“ anwesend waren (der ultimative Schrei machte den Unterschied) konnte es losgehen. Nachdem der Moderator von seinen eigenen Boybandvorlieben geschwärmt hatte und zugab, dass er selbst gerne Mitglied einer solchen Band gewesen wäre, stellte er seine Boybandqualitäten bei „Pray“ unter Beweis. Danach gab er mit ein wenig Wiener Dialekt „Oida, ich bin zu alt für sowas“. Aber das merkte man ihm gar nicht an, die Töne saßen und auch die Bewegungen waren top. Das war auch schon der erste Einsatz der 4köpfigen Band, die auf der Bühne Platz genommen hatte und einen tollen Sound lieferte, sodass die Show zu einem Konzerterlebnis wurde.

Dann informierte Lehmann, dass es für eine Boyband ein ganz einfaches Rezept gibt und dieses wurde anhand einer 5er Boybandkonstellation erklärt. In jeder Band gab es fünf Typen, die verschiedene Personenkreise ansprachen und so den Erfolg garantieren sollte.

Typ A ist der Schwiegermuttertyp und Strahlemann der Band, um den herum die anderen gruppiert werden. In der Show hieß er Sunshine John und wurde von Josh Randall (der sich wieder zum Frisör zwecks Haarblondierung begeben hatte) verkörpert. Er stellte sich mit „It only takes a minute girl“ vor. Er war sehr brav und fast schon züchtig gekleidet und hatte die ein oder andere akrobatische Einlage parat.

Typ B ist der Brudertyp, aber auch gleichzeitig der mit dem besten Körper. Bei „Boybands Forever“ hieß er Fitboy Rik und wurde von Christopher Haul dargestellt. Lehmann versprach einen Hundeblick und den Hintern einer römischen Statue und natürlich war auch Haul perfekt gecastet und Lehmann hatte nicht zuviel versprochen. Von ihm gab es „Je te donne“ (Worlds Apart) und jede Menge Gejohle, als er sich sein Hemd theatralisch aufriss.

Typ C ist der Süßeste, der wie ein Mädchen aussieht, dass sich dazugeschummelt hat. Lehmann klärte auch über dessen Sexualität auf und dass nicht immer alles so war, wie vom Management dargestellt. Als Sweetheart Sascha war Robbie Culley engagiert worden. Mit rosa Shirt und Schuhbändern wurde er auch dem ihm angehängten Girlieimage treu. Bei Take Thats „Could it be magic“ hatte er einen sehr charismatischen Auftritt und zeigte schon hier eine unglaubliche Gelenkigkeit.

(c) Andrea Martin
(c) Andrea Martin

 

Für Drama und Drogen stand Typ D, der Gefährliche bzw. der Bad Boy. In der Band trug er den Namen Lucian, im wahren Leben David Lei Brandt. Als er in Pelzmantel und Pelzmütze die Bühne betrag und Stück für Stück alles abwarf, wurde das Gekreische der Girls im Publikum immer ohrenbetäubender. „Show me the meaning of being lonely“ passte dann so gar nicht zu seinem provokanten Auftreten, da er eine sehr weiche Stimme hatte und es ein Song zum Kuscheln war.

Zwischen den Präsentationen der Jungs wurden auf einer LED Wand im Hintergrund auch Bilder von echten Boygroups eingeblendet und als Beispiele die Namen der Jungs für jeden Typ genannt. Dann war da noch einer, der sogar Lehmann nicht einfallen wollte und so wurde er nur „Der Fünfte“ genannt. Er muss alles machen und können, was die anderen vier auch können, nur an ihn erinnert man sich am wenigsten. So wurde Hector Mitchell Turner sogar bei der Vorstellungsrunde abgewürgt und durfte nichts singen – sogar das Publikum fand das schade und äußerte sich mit „oh“ und „Buh“-Rufen. Auf sich besonders aufmerksam machte Turner, da er sogar einige Brocken deutsch einbaute.

Dann wurden im Lauf der Show verschiedene Schritte, die eine Boyband durchläuft durchgegangen. Vom Verlassen der Freundin, dem Verhältnis zum Management, dem ersten Video, dem ersten großen Stadionauftritt bis zur Auflösung. Bis zum Ende des ersten Teils folgten vom Quintett: „Step by Step“, „Tearin‘ up my heart“ und „I’ll never break your heart“. Wie ein Verhältnis mit dem Management aussehen könnte, zeigten sehr humorig Culley und Lehmann, wobei bei Culley zwei Hosen fielen und auch eine Polestange zum Einsatz kam, an der Lehmann im Endeffekt gefesselt endete. Lehmann gab auch beim Videodreh den Regisseur und Kameramann und fing die Jungs, die sich zum Schluss bei „It’s alright“ (East 17) unter Duschstangen aalten, ein. Bei seinen Anweisungen versuchte sich der Comedian wieder etwas am Wienerischen und entschuldigte sich gleich, wenn es vielleicht nicht so klang, wie es richtig gewesen wäre.

(c) Andrea Martin
(c) Andrea Martin

 

Nach der Pause waren alle wieder trockengelegt und der „Wechsel-das-Outfit-Marathon“ ging weiter. Auch die Choreos, die niemand geringerer als Marvin A. Smith entworfen hatte, waren eine schweißtreibender als die andere und die fünf Jungs legten sich ordentlich ins Zeug. Bei „Love me for a reason“ durfte ein Girl aus dem Publikum ihren ganz speziellen Moment erleben, da es zu den Jungs auf die Bühne geholt und von ihnen umgarnt wurde. Nach „I swear“, bei dem Randall selbst am Keyboard saß, gab es mit Haul und Culley emotionale Verstrickungen, da ihre Charaktere bei „I want it that way“ nicht lange ihren Gefühlen widerstehen konnten. Dann kam endlich der Soloauftritt von der noch namenlosen Nr. 5. Turner verkündete gleich zu Beginn stolz seinen Bühnennamen – Alex und legte mit „When will I be famous“ von Bros eine starke Soloeinlage hin. Unter der Nietenlederjacke war natürlich der nackte Oberkörper zu sehen und es dauerte nicht lange, bis diese beiseite geworfen wurde. Mit „Bye bye bye“ wurde auf einem Klettergerüst der Abschied gefeiert und nochmals bei Blues „Breathe easy“ durchgeatmet.

Danach durfte das Publikum zu Handy und Fotoapparaten greifen und Fotos und Filme machen, was das Zeug hielt. Mit einer kleinen „Mitsingsession“ (die Lyrics wurden für die nicht Textsicheren eingeblendet) ging es bei „Babe“ (die Jungs mischten sich unter das jubelnde Publikum und flirteten auf Teufel komm raus), „Back for good“ und „As long as you love me“ weiter. Eine etwas jüngere Boyband wurde dann mit „One Direction“ ins Spiel gebracht und es gab zwei Lieder von ihnen zu hören. Fetzig ging es mit „Everybody“ dem Ende der Show zu. Die Jungs hatten Outfits mit Glitzereffekten und gaben mehr als 100%. Die Halle tobte und nachdem Ole Lehmann eine Zugabe ankündigte, wurde es bei den Outfits noch heißer. Fast nichts mehr wurde verhüllt. Die Jungs traten in engen Höschen auf, ließen ihre Bauchmuskeln spielen und sonnten sich bei „Relight my fire“ im Gekreische der Girls. Auch Ole Lehmann performte bei der letzten Nummer mit und durfte im Glitzersakko Gas geben. Wenn es nach dem Stadthallenpublikum gegangen wäre, hätte es noch ewig so weitergehen können. Die Stimmung kochte und die Jungs hatten wirklich eine tolle Show abgeliefert. Eine Ankündigung war natürlich besonders für viele Mädls ein must-do nach der Show. Es gab nämlich noch die Möglichkeit sich mit den Jungs im Foyer der Halle fotografieren zu lassen. Viele nützten die Chance auf ein Bild mit den sympathischen Boys.

Quelle: Andrea Martin
(c) Andrea Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!