Interview mit Oliver Hoppmann

Wie war der erste Kontakt mit dem Friedrichstadt-Palast? Wie ging es danach weiter? Warum sind Sie ausgerechnet dort hängen geblieben?

O.H.: „Eine Kollegin, die noch heute am Palast arbeitet, hatte mir von der besonderen Geschichte des Hauses und den unbeschreiblichen Möglichkeiten der größten Theaterbühne der Welt erzählt. Das hat mich sofort begeistert und fasziniert. Ich habe mich dann 2010 direkt beworben und wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Nach dem Kennenlernen gab es für mich zwei Optionen, entweder zum Masterstudium nach London gehen oder die angebotene Stelle am Palast antreten. Ich habe mich dann glücklicherweise für letzteres entschieden.“

Was bedeutet Ihnen der Friedrichstadt-Palast und warum ist dieser Ort genau der richtige Platz für Ihre Kreativität?

O.H.: „Der Palast bedeutet mir sehr viel! Er ist ein magischer Ort mit einer besonderen Aura, an den ich gerne jeden Tag komme. Mir gefällt das Genre der Show besonders gut, da es keine Grenzen gibt. Alle Kunstbereiche können hier ineinanderfließen. Es macht mich glücklich, am Palast mit einem so starken Team an einer Show zu arbeiten, die in erster Linie unterhalten soll, deshalb fühle ich mich hier ziemlich gut aufgehoben.“

Wann haben Sie Ihre kreativsten Phasen und Momente?

O.H.: „Das ist wirklich ganz unterschiedlich, je nachdem, wann ein inspirierender Reiz etwas auslöst. Das kann morgens nach dem Aufstehen sein, mitten in einem Gespräch, oder abends beim Entspannen oder Kochen“

Gibt es auch Tage, wo Sie komplett unkreativ sind, wie äußern sich diese und wie kommt man aus einem Schaffenstief wieder heraus?

O.H.: „Ein Schaffenstief musste ich zum Glück noch nicht erleben. Natürlich brauchen manche Ideen etwas länger und manche sind sofort da. Ich finde es wichtig, immer genug Zeit und Ruhe zu haben, damit sich Kreativität entfalten kann.“

Gibt es irgendetwas, das sie unbedingt im Rahmen einer Show einmal realisieren möchten, es aber bis jetzt nicht möglich war? (Budget, Gegebenheiten…) 

O.H.: „Auf jeden Fall gibt es noch sehr viele Ideen, die bis jetzt noch nicht umgesetzt wurden. Um eine Idee zu realisieren, braucht es neben dem richtigen Stück dann auch das Budget, das richtige Timing und Personen, die die Ideen umsetzen können, Nur wenn alles zusammen passt, kommt die Idee auf die Bühne, ansonsten wartet sie zunächst in der Schublade.“

Wie oft können sie sich eine Show im Palast (z.B. die letzte?) ansehen, ohne zu sagen, dass es langweilig wird? Eine Show läuft ja in etwa zwei Jahre, bleibt die Show so, wie sie bei der Premiere aufgeführt wurde oder verändert sie sich im Laufe der Zeit? 

O.H.: „Langweilig wird es mit unseren Shows nie! Unsere Produktionen sind live und daher jeden Tag etwas unterschiedlich. Die Begeisterung der Tänzer*innen und Darsteller*innen auf der Bühne gibt mir selber viel Kraft, daher wird es mir auch nicht langweilig. Da die Künstler*innen auf der Bühne immer besser werden, verändert sich die Show auf jeden Fall über die Zeit. Die Laufzeit ist für mindestens zwölf Monate geplant. Wir versuchen die Show immer auf dem höchsten Niveau zu halten und ggf. zu verbessern, daran arbeitet ein ganzes Team. Größere Veränderungen gibt es nur selten.“

Sie sind seit 2015 Kreativdirektor des Friedrichstadt-Palastes. Die von Ihnen betreuten Kreativen sitzen in 15 Städten: Belgrad, Berlin, Budapest, Düsseldorf, Hannover, Las Vegas, London, Los Angeles, Melbourne, Montreal, New York, Paris, Portland, Rom und Stockholm. Wer stellt das Team wie zusammen (Ausschreibungen, Kontakte…?) und was sind bei so einem großen Team genau Ihre Aufgaben?

O.H.: „Das Team wird spezifisch für das jeweilige Showkonzept zusammengestellt. Dabei arbeite ich intensiv mit unserem Produzenten als auch mit der Regie zusammen. Wichtig ist uns immer, dass die Kreativen zueinander passen. Manche Kreativen befinden sich dafür bereits in unserer Datenbank und manche werden neu recherchiert oder auf Empfehlung angesprochen. Wenn ein Team gefunden ist, geht es um die Koordination und die künstlerische Leitung. Wer muss wann eingebunden werden. Wer braucht wann welche Informationen? Wer muss seine Kreation zu welchem Tag einreichen? Grundlegend geht es um eine reibungslose Kommunikation, damit sich alle im Austausch befinden und dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren.“

(c) Dennis Weinbörner

Wie lange dauert der kreative Prozess, bis eine neue Show auf die Bühne gebracht werden kann? Haben Sie z.B. gleich nach der Premiere von „The One“ mit dem Konzept für die neue Show begonnen?

O.H.: „Eine Show braucht ca. zwei Jahre von der ersten Idee bis zur Premiere, daher haben wir nach der Premiere der THE ONE Grand Show direkt mit dem neuen Konzept angefangen. Jetzt nach der Premiere der VIVID Grand Show geht es auch schon um Ideen für unsere nächste Grand Show.“

Bei dieser Show sind Sie ja auch Co-Regisseur und Co-Autor. Ist dass das erste Mal, dass Sie diese Funktionen zusätzlich übernehmen? Was kamen zusätzlich zum Kreativdirektor noch für Arbeiten dazu?

O.H.: „Es ist das erste Mal, dass ich diese Funktionen zusätzlich übernommen habe und es kamen eine ganze Reihe von neuen Aufgaben hinzu. Im Prinzip kann man es so runterbrechen, dass ich mich als Kreativdirektor darum kümmere, dass es eine neue Show gibt. Als Co-Regisseur und Co-Autor kümmere ich mich dann darum, was in dieser neuen Show passiert.“

Wer lässt sich die Namen und den Inhalt der Show, der ja ohne jeglichen Text präsentiert wird, einfallen?

O.H.: „Der Inhalt der VIVID Grand Show wird von den Autor*innen geschrieben, in diesem Fall von Krista Monson und mir gemeinsam. Unsere Geschichte basierte auf einem Grundlagenkonzept, das unser Produzent Dr. Berndt Schmidt und ich gemeinsam geschrieben haben. Berndt Schmidt ist als Produzent auch für den Namen der Show verantwortlich, er hat sich den Namen VIVID ausgedacht.“

Sind Sie auch zuständig für die Wahl der richtigen Künstler? Sowohl im Gesangs- als auch akrobatischen Bereich? Wonach werden diese ausgewählt und wie läuft eine Audition (müssen die Artisten etwas vorturnen…) ab? Werden alle Stellen immer neu ausgeschrieben oder gibt es auch Leute, die immer am Haus beschäftigt sind z.B. wenn es immer Vertikaltuchartistik gäbe, dürften diese dann bleiben oder gibt es bei jeder neuen Show einen Wechsel?

O.H.: „Ja, ich bin mit für die Auswahl der Künstler*innen verantwortlich. Dies machen wir allerdings gemeinsam im Team. Die Auswahl der Akrobat*innen und Special Acts beispielsweise erfolgt zusammen mit unserem Leiter Casting & Besetzung, Sebastian Hüchtebrock, und die Auswahl der Sänger*innen mit unserem Musikdirektor Daniel Behrens. Auch unsere Ballettdirektorin Alexandra Georgieva ist immer mit dabei. Damit die Auswahl stattfinden kann, tauschen wir uns vorher genau über unsere Vorstellungen aus, so dass alle nach dem Gleichen suchen. Die Audition wird dann so aufgebaut, dass die Künstler*innen jeweils auf unsere Vorstellungen hin getestet werden. Unser Ballettensemble und unsere Show-Band sind festangestellt, auch, weil wir sie immer neu darstellen können, z.B. durch neue Tanzstile oder neue Musikrichtungen. Sänger*innen und Akrobat*innen sind oftmals sehr spezialisiert, daher werden diese Positionen meistens neu besetzt. Aber es gab in der Vergangenheit auch bereits Künstler*innen, die mit übernommen wurden oder nach einer Showpause wiederkamen.“

Wenn Sie VIVID mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

O.H.: „Farbgewaltig, spektakulär, verzaubernd“

Der Zusatz zur Show heißt ja „Eine Liebeserklärung an das Leben“, wie sieht Ihre persönliche aus?

O.H.: „VIVID ist meine persönliche Liebeserklärung an das Leben.“

Vielen Dank an Oliver Hoppmann und weiterhin viele kreative Einfälle für alle kommenden Projekte!

(c) Kathleen Springer
Quelle: Andrea Martin

Wir haben uns bereits von “VIVID” selbst überzeugen können, hier geht’s zu unserer Kritik.

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