Interview mit Dr. Peter Hofbauer

Vor kurzem feierte Dr. Peter Hofbauer sein 20jähriges Jubiläum (unserer Rezension zur Gala ist hier zu finden) als Direktor und künstlerischer Leiter des Wiener Metropols. Aus diesem Anlass haben wir ihn zum Interview gebeten.

Können Sie sich noch an ihren ersten Besuch im Metropol erinnern? Was haben Sie damals gedacht?

P.H.: Ich habe mir gedacht: „So ein Spielzeug hätte ich auch gern.“ Dabei habe ich damals, beim Eröffnungsevent im Jahr 1981 gerade auf der größten Medienorgel des Landes gespielt – der Fernsehunterhaltung des ORF.

Wie kam es dazu, dass Sie sich entschieden haben, das Metropol zu sanieren und rückblickend – wie schwierig war dieses Vorhaben?

P.H.: Ich war zu diesem Zeitpunkt schon drei Jahre lang für den Spielplan zuständig, und somit für den inhaltlichen Relaunch, der sich samt Publikumsaustausch erfolgreich angelassen hat, wenn ich beispielsweise an die österreichische Erstaufführung von „Guys & Dolls“ denke. Das Problem waren die finanziellen Lasten, die der betreibende Kulturverein vor sich herschieben musste. Bis es eines Tages nur noch die Alternative gab: Zusperren oder Privatübernahme. Ich habe mich für letzteres entschieden. Die darauffolgende Phase der Sanierung war kein Honiglecken. Rückblickend bin ich aber froh, dass ich mich so entschieden habe.

Das Metropol ist zu einem wichtigen Bestandteil der Wiener Theaterlandschaft geworden. Was ist „typisch Metropol“ (z.B. vom Spielplan her gesehen?) und was glauben Sie, war der größte Erfolg während Ihrer Laufbahn als Direktor?

P.H.: Typisch für dieses Haus ist eine traditionelle Wiener Mischung: Das Publikum mit Musik verzaubern und mit publikumsnaher Komödie zum Lachen bringen. Was daran am erfolgreichsten war, lässt sich an der Länge der Spielserien bzw. Wiederaufnahmen ablesen: „Go West“, „Ti amo I, II und III“, „Strangers in the night“, „Charleys Tante“ und „Wonderboys“.

Gibt es einen Künstler, den Sie gerne einmal im Metropol begrüßen würden und wenn ja, warum?

P.H.: Bob Dylan. Schön wär’s schon (aber spiel’n werd’n sie’s nicht).

Sie haben ja auch gemeinsam mit vielen anderen kreativen Köpfen das Genre „Metropolmusical“ salonfähig gemacht. Was ist das Besondere an diesen Stücken und wie schafft man es sich immer wieder neue auszudenken, die das Publikum jedes Mal gut unterhalten?

P.H.: Ich knüpfe gezielt an die leider kaum mehr gepflegte Tradition der Musicalcomedy an. Also – wenn Sie so wollen: Lachtheater mit Musik. Dabei erscheint es mir wichtig, den Plot in einen klar erkennbaren, lokalen Rahmen zu stellen. So geschehen bei „Go West“, wo ein Rocker nach einem traumatischen Erlebnis sein Gedächtnis verliert und sich plötzlich für die Wiedergeburt von Buffalo Bill hält und im Wiener Prater einen darniederliegenden Western-Saloon auf Hochtouren bringt.

Welches ist ihr persönliches Lieblingsmusical im Metropol und warum?

P.H.: Ich habe sehr viele „Lieblinge“. Ein Metropol-Musical, das mir allein durch seine Entstehungsgeschichte ans Herz gewachsen ist, sind die „Wonderboys“. Bei aller Begeisterung für die Machart der „Jersey Boys“ war mir klar, dass die Story von Frankie Valli und den Four Seasons das Wiener Publikum nicht sonderlich interessieren würde. Und so habe ich gemeinsam mit Markus Gull die eine dreiste Retro-Fiktion – sprich: Geschichtsfälschung kreiert, derzufolge vier Ex-Sängerknaben die erste Boyband der Rockgeschichte gegründet und als erste den typischen Vocalgroup-Sound erfunden haben, mit dem einige Jahre später die Beach Boys und die Bee Gees ihr Glück gemacht haben.

Wollten Sie das immer sein – ein Theaterdirektor – oder ist das einfach „so passiert“?

P.H.: Sowohl als auch. Das heißt: Ich wollte es zwar im Grunde meines Herzens schon immer, habe es aber nie bewusst angepeilt. Bis es sich eines Tages von selbst ergeben hat.

(c) Metropol

Sie sind ja seit fünf Jahren auch noch zusätzlich der Intendant vom Schloss Weitra Festival. Warum noch ein zusätzliches Theater, wollten Sie Ihre „Sommerpause“ nützen, um etwas anderes als Urlaub zu machen?

P.H.: Mein berufliches Selbstverständnis ist das eines Produzenten. Es geht mir also in erster Linie um das Produkt und dass es bei den Leuten optimal ankommt. Bildlich gesprochen ist es vergleichbar mit der Kombination aus einem Chefkoch, der auch aus knappen Mitteln etwas Bekömmliches herauszaubert und einem Wirt, der sich freut, wenn es den Gästen schmeckt. Und wenn die dann am Ende glücklich und zufrieden zur Tür hinaus schweben, dann weiß er: Er hat den schönsten und wichtigsten Teil seiner Aufgabe erfüllt. Dieses Gefühl kann einem der verlockendste Urlaub nicht ersetzen.

Warum sollte jeder Theaterbegeisterte zumindest einmal in seinem Leben Metropolluft geschnuppert haben?

P.H.: Das Lokal ist tatsächlich eine stilistische Einmaligkeit und könnte genauso gut im Londoner SOHO oder am Pariser Montmartre stehen. Es ist ein Wiener Modell 1910, dessen Vorgeschichte bis in die 1860er Jahre zurück reicht. Ursprünglich war es ein Stadtheuriger, also von Beginn an ein beliebter Hot-Spot der Wiener. Und diese Anmutung hat es auch noch heute – eine Mischung aus Wirtshäuser und Thannhäuser.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Metropols? Wird es so weitergehen wie bisher oder wird es irgendwelche Neuerungen geben?

P.H.: Ich möchte das Angebot an musikalischem Unterhaltungstheater noch weiter ausbauen. Abgesehen von neuen Projekten, die noch im Entstehen sind, verfügt das Metropol bereits über einen erprobten Vorrat an repertoirefähigen Eigenschöpfungen. Für 2019 und 2020 habe ich schon programmierte Leckerbissen in Arbeit, u.a. „Rock my Soul“ und eine eigene Musicalfassung der „Fledermaus“

Vielen Dank an Herrn Dr. Peter Hofbauer für das interessante Gespräch und weiterhin ganz viele erfolgreiche Spielzeiten dem Wiener Metropol.

(c) Prader
Quelle: Andrea Martin

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