Hände hoch, das ist ein Banküberfall!

“Komödie mit Banküberfall” – eine erfrischende Inszenierung des Staatstheaters Nürnberg feierte am 20. Obktober 2018 nicht nur Premiere sondern auch Deutschsprachige Erstaufführung. Augen blieben bei dem Spaß nicht trocken, die Bühne auch nicht und zum Schluß strahlten Diamant, Schauspieler und glückliche Zuschauer um die Wette.

Der Inhalt ist schnell erzählt, genauso schnell, wie es auf der Bühne zuging, so daß es keinen Moment der Langweile geben konnte: Mitch bricht aus dem Knast und in eine Bank ein. Cooper hilft ihm bei beidem. Sam wird ungewollt in die Sache hinein gezogen, will aber die Freundin von Mitch und spielt mit. Alle anderen betrügen, gaunern und schlängeln sich so durch. Solange, bis am Ende dann der Diamant im Besitz von … nein, das wird nicht verraten.

Die Komödie lebt von der Schnelligkeit, der Präzision und der Professionalität des Ensembles – anders könnte dieses Tempo an Gags nicht funktioniert. Und das Ensemble (vor und auch hinter der Bühne) hat seine Aufgabe mehr als “nur” professionell erledigt.

Allen voran Maximilian Pulst in seiner Rolle als Sam Monagham (Mitte 20 und Taschendieb) sowie in einer kleineren Rolle als Wärter 2. Irgendwie erinnerte er an Prinz Harry, aber das nur mal so an Rande. Er ließ an Professionalität und Können an nichts mangeln. Gekonnt schlüpfte er in alle Rollen, die das Stück für ihn vorsah und hüpfte gekonnt mal eben in das oberste Regal. Mancheiner würde da wie ein nasser Sack rumhängen.

Ihm zur Seite stand Nicolas Frederick Djuren als Mitch Ruscitti (Ende 20, ein Häftling) sowie in kleineren Rollen als Lieutnant und Beverly (ja Beverly, selber reingehen und ansehen). Sein ganzes Auftreten, die Mimik und Gestik, alles passte haargenau in die Zeit, in der das Stück spielt. Auch seine Haare passten haargenau. Er lebte seine Rollen mit seinem ganzen Körper. Ebenso Lea Sophie Salfeld als Caprice Breimann (Mitte 20, Trickbetrügerin) sowie in einer kleinen Rolle als Ehefrau. Auch sie passte wunderbar in die 50iger Jahre, in der dieses Stück spielt. Ihr nahm man jede Rolle ab, egal ob als ungarische Attaché oder als süße Tochter. Naja Trickbetrügerin eben…

Mit ihnen stand Pius Maria Cüppers als Klaus Breimann (Mitte 60, Direktor der Minneapolis City Bank und Vater von Caprice) sowie als Wärter 4, Commisioner und Dolores (ja Dolores…) auf der Bühne und spielte und cholerischte sich in die Herzen und Ohren des Publikums. Ihm zuzusehen war ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus, so lebhaft spielte er seine Rollen. Ebenso erging es uns bei Janning Kahnert in seiner Rolle als Warren (Ende 60, ein vom Pech verfolgter Angestellter bei der Minneapolis City Bank) sowie als Aufseher, Superintendent und Gloria (ja Gloria). Besonders als Warren nah, er das Publikum gefangen und man wollte ihn einfach nur in den Arm nehmen und trösten, oder ihm einen richtigen Job geben. Er tat einem wirklich in seiner Rolle menschlich leid.

Auch mit Adeline Schebesch als Ruth Monagham (Ende 50, Kassiererin bei der Minneapolis City Bank und Sams Mutter) sowie als Wärter 3 und Iris litt und lachte man in ihren Rollen mit. Sie haben wir schon öfter in Nürnberg gesehen und freuen uns immer wieder, wenn sie in den Besetzungslisten zu finden ist. Noch nie wurden wir von ihr enttäuscht, so auch am gestrigen Abend nicht. Ihre Rolle flirtete sehr heftig mit Felix Mühlen alias Randall Shuck (Ende 50, Agent der Spezialeinheit). Er spielte ebenso die Rolle des Toni. Es war ein herrlicher Spass, ihn in seinen Rollen zu erleben. Es blieb kein Auge trocken vor Lachen.

Auch bei Amadeus Köhli als Cooper (Mitte 30, Wächter an der Strafvollzugsanstalt) konte man so richtig herzhaft lachen. Und das tut manchmal einfach gut. Er spielte den etwas trottligen Cooper so herrlich naiv, dass man nicht anders konnte als ihn zu mögen. Ebenso spielte er den Captain und Debbie (ja Debbie…). Raphael Rubino spielte ein paar mehr Rollen: Raul, Mark, Bankräuber, Polizeipräsident, Maitre D. Hanratty, Blumenverkäufer, Eddy, Earl, Jean-Pierre, Gus, Constance und Ludwig (ja Constance…). Doch egal welche Rolle er spielte und wie schnell er wechseln musste, er war immer konzentriert und spielte, nein er lebte diese Rollen.

Thomas Esser stand seinen Kollegen als Musiker auf und hinter der Bühne zur Seite und spielte sich somit in die Herzen der Zuschauer, im doppelten Sinne. Zuguterletzt spielte Martin Bordo einige kleinere Rollen wie Angestellte, Kunden, Kinder im Gefängnis, Kirchgänger, Möwen und die Räuber 2 und 3. Doch egal wie gross oder klein eine Rolle ist, wichtig ist, dass man sie mit Leben und Liebe erfüllt. Und das tat Martin Bordo sehr gut.

Dies war die tagesaktuelle Besetzung vom 20.10.18. Weitere Infos zu den Besetzungen, sowie die Möglichkeit, Tickets zu buchen, gibt es auf der Webseite des Staatstheaters Nürnberg.

Und seien wir doch mal ehrlich: Es geht doch nichts über eine herrliche Komödie, die einen Tränen lachen lässt und den Rest eines Tages, der nicht so gut verlief, einfach vergessen zu lassen, oder? Wenn nun diese Komödie mit Live-Musik untermalt ist, jeder Gag wirklich auf den Punkt genau sitzt und das Bühnenbild einen manchmal ein bißchen schräg (im architektonischen Sinne) vorkommt, dann ist ein unvergesslicher Abend garantiert. Das Publikum lachte wirklich Tränen und bei so manchen Gags bekam man sich einfach nicht mehr ein. Ein riesengrosses Bravo an das gesamte Team des Schauspiel und Staatstheater Nürnberg für diesen wirklich wundervollen Abend.

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