„Gestatten, ich bin „das HEIDI“

Am 14.10.2018 feierte das Musical „Heidi“ von Michael Schanze und Hans Dieter Schreeb seine Premiere im Wiener Museumsquartier.

Viele bekannte Gesichter wollten sich das neue Stück nicht entgehen lassen und so konnte man u.a. Waltraud Haas, Patrick Lindner, Ramesh Nair, Ingrid Riegler, Laszlo Malecky, Lottle Ledl oder Robert D. Marx erblicken.

Auf einem heruntergelassenem Vorhang wurde man von Johanna Spyri, der Heidi Buchautorin begrüßt, die mittels einer nervigen Fliege und einem daraus resultierenden Nieser zum Leben erwachte. Alfons Haider schlüpfte in die Rolle und wurde als Spyri videotechnisch immer wieder eingeblendet. Er fungierte somit als Erzählerin und gab die ein oder andere Info an das Publikum betreffend der Geschichte weiter. Bei seinen Texten war man sehr auf Kinder fokussiert, von denen man sich auch etwas Interaktion erhofft hätte. Am Tag der Premiere fehlten diese aber zum Großteil und so verliefen die Versuche, Reaktionen aus dem Publikum zu bekommen, im Sand. Leider war das eingespielte Video für diejenigen, die in den ganz hintersten Reihen saßen sehr dunkel, was auch nicht optimal war. Der heruntergelassene Vorhang diente auch dahinter für Umbauten, diese waren besonders im zweiten Teil sehr laut, was für die Erzählungen von Spyri nicht vorteilhaft war.

Das Leading Team:
Produzenten: Wolfgang Werner, Walter Egle
Regie, Bühnenbild: Manfred Waba
Musikalische Leitung: Clemens Schaller
Choreografie: Michael Kropf
Kostüme: Gerlinde Brendinger
Make up Design & Perücken: Cordula Lingler

Die Geschichte rund um „das Heidi“ (weibliche Vornamen werden in der Schweizer Mundart öfters versächlicht, auch wenn es für viele vielleicht seltsam klang) ist eigentlich hinlänglich bekannt. Das Waisenkind Heidi wächst einige Zeit bei seiner Tante Dete auf, bis diese ihrer überdrüssig wird und zu ihrem Opa, dem Alm Öhi, der oberhalb des Schweizer Ortes Maienfeld auf einer Alm lebt, bringt. Der Öhi ist ein zurückgezogener Mensch, er lebt im Einklang mit der Natur und hat nur den Geißenpeter samt den Geißen um sich. Als Dete das Heidi bei ihm abliefert ist er nicht sehr erfreut, was sich aber im Lauf der Zeit ändert. Er wird Heidis Bezugsperson und auch mit Peter schließt sie schnell Freundschaft. Später kommt es zu einer herzzerreißenden Trennung, da Dete das Heidi nach Frankfurt nimmt. Dort soll sie die Spielgefährtin für die kranke, im Rollstuhl sitzende Klara Sesemann, werden. Klara ist einsam, hat keine Mutter mehr und ihr Vater kümmert sich arbeitsbedingt wenig um sie. Nur das strenge Frl. Rottenmeier kümmert sich um das kranke Kind, aber indem sie ihr alles, was Spaß machen könnte verbietet, ist Klara nicht besonders gut dran mit ihr. Nur die liebe Oma sorgt für erheiternde Momente bei Klara. Als Heidi ankommt wird der Haushalt ordentlich aufgewirbelt. Klara und Heidi werden beste Freundinnen, sehr zum Leidwesen von Frl. Rottenmeier, da sie Heidi als nicht kultiviertes menschliches Wesen sieht. Da Heidis Heimweh immer deutlicher wird, darf sie von Herrn Sesemann aus wieder ihre Alm besuchen. Kurze Zeit später kommt auch Klara auf die Alm. Dort macht sie ihre ersten Gehversuche, die auch gelingen. Der Geißenpeter ist eifersüchtig, doch schlussendlich können sich alle, auch die, extra aus Frankfurt, angereiste Sesemann-Reisegruppe, freuen, dass Klara offenbar wieder geheilt ist. Auch Hr. Sesemann beschließt wieder mehr Papa sein zu wollen und will den Job hinten anstellen. Dass „Freundschaft“ Berge versetzen kann, erfährt man im großen Schlussfinale, wo sich alle Beteiligten gemeinsam auf der Bühne finden.

Das Stück selbst wurde als Familienmusical tituliert, eine Dauer von 3 Stunden ist für Kinder dennoch eine Spur zu lang und man will doch eigentlich bis zum Schluss mit dabei und gefesselt sein. Auch ist fraglich ob in einem Stück, wo Kinder drinnen sitzen das A-Wort fallen muss, auch wenn eine Redewendung Himmel, A. und Zwirn heißt, muss sie nicht zwingend in einen Song („Hut und Stock“) eingebaut werden.

Sehr für Kinder geeignet ist dann wieder „Ich hab dich“, wo Heidi mit Peter auf der Alm spielt und vier Ziegen herumhüpfen. Viele der Lieder sind sehr volkstümlich angehaucht, und passen gut in Schweizer Gefilde. Sowohl die Eingangsnummer das „Ankunfts G’stanzl“ als auch im zweiten Akt „Gespenster“ waren Shownummern. Zu Beginn kam sogar die Band in zünftiger Tracht spielend auf die Bühne und es wurde geschuhplattelt was das Zeug hielt. Bei „Gespenster“ wurde die Köchin von ihren Kollegen erschreckt, leider geriet dieses Szenario etwas sehr langatmig.

Für das Ensemble konnte man einige namhafte KünstlerInnen gewinnen.

Allen voran zu erwähnen sei Vanessa Zips als „das Heidi“. Mit ihren erst 23 Jahren (sie sieht aber wesentlich jünger aus, wenn auch natürlich nicht wie eine 8jährige) hat sie schon jede Menge Erfahrungen, vorwiegend an der Wiener Volksoper sammeln können. Sie war der Sonnenschein der Produktion, quicklebendig, hatte weder Angst vor dem Alm Öhi noch vor der Großstadt Frankfurt oder Frl. Rottenmeier.

Heidi war vor allem zum Opa sehr forsch, auch wenn sie anfangs unerwünscht war und zeigte allen wo’s lang ging und dass sie niemand so einfach wegschickt, vor allem wenn sie sich wohl fühlt. Zips zeigte eine Heidi, die im Einklang mit der Natur ist (das Schweizer Alpenidyll wurde, mittels zum Teil bewegter Projektionen, im Hintergrund dargestellt, lediglich die Blockhütte vom Alm-Öhi und ein paar Felsen bzw. angedeutete Bäumen befanden sich auf der Bühne) und manchmal sogar ein wenig zu unbekümmert, sodass sie von Peter sogar während eines Gewitters gerettet werden musste. Berührend ihr Auftritt beim Schlafwandeln in Frankfurt. Sie hatte ganz großes Heimweh, dass sie während der Szene „Die kleine Alm“ zum Ausdruck brachte und sogar mit dem Großvater und Peter sprach. Leider wurde zumindest ein wenig Schweizer Dialekt bei Heidi komplett vermisst.

Den alten Alm-Öhi (bei dem man den Schweizer Dialekt auch vergeblich suchte) verkörperte niemand geringerer als Uwe Kröger. In Wams, Schlapphut, mit Pfeife, hinkendem Gang und etwas tieferer Stimme als man von ihm gewohnt ist, spielte er den Griesgram, der anfangs keine Verwendung für das kleine Mädchen hat. Er versucht sie sogar tunlichst zu ignorieren und hielt es nicht einmal für nötig in ganzen Sätzen mit ihr zu sprechen. Obwohl er dem Kind ablehnend gegenüber reagierte, verteidigte er vehement Heidis Hiersein gegenüber dem Pfarrer (Gerhard Karzel) & Co, da sie ihm das Kind wegnehmen wollten.

In „Öhis Ballade“ ging ihm aber sein, für die Umwelt offenbar verschlossenes, Herz auf und er fragte sich, ob es wirklich möglich sein kann, dass das kleine Heidi ihn ändern konnte. Ein im Vergleich zu den anderen Titeln sehr langer Song, in dem es auch um den Verlust von Heidis Eltern ging. Gegen Ende merkte man Krögers Öhi auf jeden Fall an, dass er für andere offener und zugänglicher wurde und er somit nichts gegen den großen Besuch aus der Stadt bei sich auf der Alm hatte.

In einer 3fach Rolle war Alfons Haider zu erleben. Wie eingangs erwähnt wurde er des öfteren als Johanna Spyri eingeblendet. Zur Eröffnung des Stücks wurde er zum Bürgermeister von Maienfeld, bei dem man schon 2x hinsehen musste, um ihn zu erkennen. Als vornehmer Hr. Sesemann, der sich mehr für das berufliche als das private Leben interessierte war er in den Frankfurt-Szenen zu sehen. Mit dem Auftauchen von Heidi bekam er auch mehr Zugang zu seiner Tochter und sah endlich das Wesentliche – Klara, die ihn braucht.

Als Frl. Rottenmeier hatte man Maya Hakvoort verpflichten können. Ihre strenge Haushälterin ist aber keine zweite Mrs. Danvers („Rebecca“). Natürlich waren ihr gemeine Texte in den Mund gelegt worden, um Heidi zu verletzen, wie z.B. „Heidi ist eine Wilde bzw. sie ist kein kultiviertes menschliches Wesen“, aber ihr an ein Pferd erinnernder schnaubender Abgang, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlte, sorgte immer wieder für Lacher. Ihr Lied „In diesem Haus herrscht Disziplin“ wurde von einer kleinen Stepeinlage des Dienstpersonals begleitet, entpuppte sich aber gegen Ende doch zu einer eher humorigen Nummer als Frl. Rottenmeier in langem weißen Nachthemd mit Schlafhaube weiter den Ton angab.

Rebecca Soumagne als Klara mit blassem Teint, Korkenzieherlocken, schönen Kleidern und althergebrachtem Rollstuhl war wirklich für die Rolle perfekt hergerichtet. Sie wünschte sich glaubhaft mehr Zeit mit ihrem Vater und mochte ohne ihn ihren Geburtstag gar nicht feiern. Im eigenen Haus fühlte sie sich als Fremde und das auch dank Frl. Rottenmeier. Soumagnes Klara blühte regelrecht auf, als sie Heidi als Spielgefährtin bekam. Ein schönes Lied von Klara und Heidi „Die große Welt“ beschloss nach ca. 1,5 Stunden den ersten Akt. Beide Frauen harmonierten wunderbar miteinander und setzten ihre Phantasie ein, um der Wirklichkeit zu entfliehen.

Als liebenswerte Oma Sesemann war Inez Timmer (sehr blass geschminkt) zu sehen, die sowohl ihrer Enkelin als auch Heidi immer beistand und vor der auch das Frl. Rottenmeier buckelte.

Stephan Luethy, wie man an seinem Nachnamen ersehen kann, ist ein waschechter Schweizer, passte perfekt in das Schweizer Idyll, zumal er auch öfters einige Schweizer Ausdrücke fallen lassen durfte, selbstverständlich mit Erklärung. Da er auch etwas einsam ist, ist er sofort Feuer und Flamme und freundet sich mit Heidi an. Er war genauso, wie man sich Peter vorstellt, etwas vorlaut, fand Schule blöd und tobte sich lieber in der Natur aus. Alles andere als lustig fand er es, als sich Heidi beim Besuch von Klara nur mehr um diese kümmerte und zornig den Rollstuhl zerstört („Trauriger Peter“).

Das Ensemble vervollständigten:

Sascha Ahrends, Christoph Apfelbeck, Klaus Brantzen (Dr. Clasen/Studienrat), Frank Brunet (Herr Kandidat), Katrin Fuchs (Tinette), Nicolas Huart (Sebastian), Agnes Nagy, Robert Petak, Isabell Pannagl (Barbel/Köchin), Veronika Rivo, Daniela Sandhofer (Dete), Markus Schiefer, David Schuler, Valer Somai, Viktoria Soos, Josefine Tyler, Tom Wagenhammer, Carmen Wiederstein, Theresa Wollnitzke

Wer es dieses Jahr nicht zu “Heidi” geschafft hat, der hat 2019 noch die Möglichkeit das Stück zu sehen:

10. April 2019  MQ Halle E Beginn: 19:30 Uhr
11. April 2019   MQ Halle E Beginn: 19:30 Uhr
12. April 2019   MQ Halle E Beginn: 19:30 Uhr
13. April 2019   MQ Halle E Beginn: 14 Uhr & 19 Uhr
14. April 2019   MQ Halle E Beginn: 13 Uhr & 17 Uhr

Tickets unter www.oeticket.com

Quelle: Andrea Martin
(c) M. Spitzauer
(c) M. Spitzauer

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