“Catch me if you can”: Gefangen, von Anfang an

Am 6. Oktober 2018 feierte das Musical “Catch me if you can” von Terrence McNally, Marc Shaiman und Scott Wittman eine glänzende Premiere, die den Saal nicht nur überzeugte, sondern schon von der ersten Minute an mitnahm. Mitnahm auf die Reise durch das Leben eines Täuschers und eines einsamen jungen Mannes.

Pilot, Arzt, Anwalt… Frank W. Abagnale hatte sie alle. Nicht als Diplom, sondern im Repertoire. Geschickt bluffte er, vermittelte Wissen, Stärke und Fähigkeiten nur durch sein Auftreten und manchmal auch eine Uniform. Und die Menschen glaubten ihn, ja liebten ihn sogar. Jahrzehnte lang hat er das FBI zum Narren gehalten, bis er dann Ende der 60er Jahre in Frankreich festgenommen wurde.

Der Inhalt ist kurz erzählt: Das Musical handelt von der wahren Geschichte Frank Abagnale, der durch seine Fähigkeit jeden Beruf ausüben konnte. Was seine Fähigkeit war? Er konnte gut bluffen. Als ob es nichts wäre, wechselt er seine Rollen und kommt mit allem durch. Dabei läuft er nicht nur vor der Polizei weg, sondern auch vor sich selbst.

Von Steven Spielberg schon auf der Kinoleinwand unsterblich gemacht, setzte man 10 Jahre danach noch Einen drauf und bastelte ein Musical aus der Story. Der Komponist Marc Shaiman kreierte dafür eine witzige, temporeiche Show, die die wichtigsten Stationen Abagnales Laufbahn in Szene setzt, ganz im Stile der 60er Jahre, deren Sound so unverkennbar ist.

Es waren turbulente Zeiten, diese knapp 3 Stunden im Opernhaus Nürnberg – 3 Stunden vollstes Vergnügen und bunte Unterhaltung – “Live und ganz in Farbe”.

Unter der musikalischen Leitung von Jürgen Grimm brachte die Frank William Abagnale Band den Saal vom ersten Takt an in Stimmung und der unverkennbare Sound der 60er Jahre tat sein Übriges.  Regie bei diesem unterhaltsamen Spektakel führte Gil Mehmert, während für die Dramaturgie Wiebke Hetmanek verantwortlich zeichnete – zusammen eine hervorragende Leistung. 

David Jakobs  (Frank W. Abagnale Jr.) und Rob Pelzer (Carl Hanratty), die beiden Stars der Frank W. Abagnale Live Show (und auch des Abends) führten durch den Lebensabschnitt des jungen Frank, der sein gesamtes weiteres Leben prägen sollte. Mit Hingabe und sprühender Spielfreude vermochte es David Jakobs das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Verfolgt von einem herausragendem Rob Pelzer, der die persönliche Besessenheit aber auch den Zwiespalt und Einsamkeit seiner Rolle perfekt widerspiegeln konnte. Beide überzeugten nicht nur stimmlich sondern auch schauspielerisch ohne Wenn und Aber.

Franks Eltern, hingebungsvoll von Dirk Weiler (Frank Abagnale Sr.) und Alexandra Farkic (Paula Abagnale) dargestellt, legten den Grundstein, wenn auch ungewollt, für Franks Reise durch die Welt der Lügen und der Täuschung. Vom liebenden Paar mit Geheimnissen bis hin zur gescheiterten Ehe und Existenzen überzeugten die beiden Darsteller auf ganzer Linie. Auch von ihnen wurde das Publikum nicht enttäuscht und durfte höchste Qualität erleben.

Inga Krischke spielte Brenda Strong, die der Geschichte fast ein Ende setzte. Zusammen mit Peter Lesiak (Roger Strong) und Tanja Schön (Carol Strong) bildete sie die Familie, die Frank nicht mehr hatte und sich so danach sehnte. Inga Krischke verlieh der Rolle die schon fast kindliche Unschuld und damit auch die bedingungslose Liebe. Ihre wunderbare Stimme lud zum Träumen ein und das Duett mit David Jakobs war herrlich. Ihre Eltern wurden von Peter Lesiak und Tanja Schön wundervoll zum Leben erweckt, als sie Frank in ihre Mitte aufnahmen und man schon selbst fast mitsingen wollte, so mitreißend war die Herzlichkeit, die auch vor dem Bühnenrand nicht Halt machte.

Neben ihren Hauptrollen spielten sie noch kleinere Rollen, selbstverständlich mit nicht weniger Hingabe.

Natürlich sei auch das Ensemble bestehend aus Tim Hüning, Christian Louis-JamesYara Hassan,Robert JohanssonAdrian Hochstrasser,Amber-Chiara Eul und Anneke Brunekreeft erwähnt, das mit Rollenvielfalt und Spielfreude glänzte. Mit schwungvollen Choreografien von Melissa King umrahmte und untermalte es den Lauf der Dinge, während das Geschehen durch die zeitgemäßen und schicken Kostüme von Falk Bauer, das fabelhafte und wandlungsfähige Bühnenbild von Jens Kilian und das glänzende Licht-Design von Karl Wiedemann in Szene gesetzt und ins rechte Licht gerückt wurde.

Alles in Allem also eine überaus gelungene Inszenierung, die eine Abend voller Unterhaltung versprach und dieses Versprechen gehalten hat und so startete das Staatstheater in die neue Spielzeit und unter neuem Intendanten wieder einmal mit einem Knaller im Genre “Musical”. Passend zu dem neuen Auftritt, vom Logo über Webseite bis hin zu Plakaten erscheint das Staatstheater frischer, frecher und irgendwie belebter. Fast schon ein Neustart, auch wenn es das nicht unbedingt gebraucht hätte, aber im Angesicht so mancher trägen Dinge überaus erfrischend.

Wer einen Abend mit einer gelungenen Mischung aus Unterhaltung, Spannung, Liebe und guter Musik möchte, dem ist ein Besuch bei “Catch me if you can” im Staatstheater Nürnberg durchaus zu empfehlen.

Termine und weitere Infos:

 

Quelle: Redaktion KulturAspekte.de

 

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