Bodyguard – Das Musical: Eine Hommage an die unvergessene Whitney Houston

Seit dem 27.9.2018 hat Wien mit „Bodyguard – das Musical“ ein neues Stück am Ronacher.

Natürlich gab es, wie bei jeder Premiere der VBW einen roten Teppich, auf dem sich viele Promis tummelten und um den sich viele Fotografen und Schaulustige versammelt hatten. Man wollte schließlich bekannte Gesichter wie Dagmar Koller, Harald, Ingeborg und Daniel Serafin, Ramesh Nair, Arabella Kiesbauer, Uwe Kröger, Drew Sarich und Ann Mandrella, Thomas Borchert, Lilian Klebow, Reinwald und Gernot Kranner, um nur einige zu nennen, ganz nahe sehen.

Die Show basiert auf dem Warner Bros. Film mit Whitney Houston und Kevin Costner in den Hauptrollen. Im Film selbst kommt zwar der ein oder andere Houston-Song vor, aber definitiv zu wenig, um ein Musical füllen zu können. Deshalb hat man aus dem Vollen geschöpft und jede Menge Hits in das Musical aufgenommen. Auch wurde die Geschichte etwas adaptiert und Details geändert. So gab es im Film einen Stalker, der aber harmlos war, Nicki hingegen hatte im Film eigens einen Typ angeheuert, um ihrer Schwester einen Schrecken einzujagen. Im Bühnenstück gibt es nur einen Stalker, allerdings mit ein paar Ungereimtheiten, dazu aber später. Im Film lebte auch Franks Vater noch, im Musical nicht mehr.

Zum Leading Team:

Drehbuch: Lawrence Kasdan
Buch: Alexander Dinelaris
Regie: Thea Sharrock
Bühnen-& Kostümbild: Tim Hatley
Choreographie: Karen Bruce
Orchestrierung & zusätzliche Musik: Chris Egan
Produktion Musical Supervisor & Gesangsarrangements: Mike Dixon
Musical Supervisor & zusätzliche Gesangsarrangements: Richard Beadle
Lichtdesign: Mark Henderson
Sounddesign: Richard Brooker
Videodesign: Duncan McLean
Masken & Perückendesign: Campbell Young

Dirigent Herbert Pichler wird mit dem Orchester erst am Ende nach dem Finale sichtbar, allerdings nur via Videozuspielung auf der Leinwand, da sie sich in den Tiefen des Ronachers befinden. Die Nummern mit Konzertcharakter sind im Verhältnis zu den anderen um einiges lauter und man darf für die jeweilige Sängerin hoffen, dass das nicht zu einer zu großen Herausforderung im Lauf der Zeit wird.

Beim Bühnenbild wird hauptsächlich mit verschiebbaren Wänden gearbeitet, sodass man sich einmal im Haus von Rachel, dann wieder auf einer Konzertbühne befindet. Oft werden auch 3D Effekte mit den Wänden erzeugt. Einen großen Eindruck erzielt man am Ende mit dem eingenebelten Podest, das in die Höhe gefahren wird, während Rachel singt.

Die Kostüme, vor allem bei dem Showacts wie „Queen of the night“ oder „I’m every woman“ waren sowohl bei Rachel als auch dem Tanzensemble Hingucker und es wurde auch viel nackte Haut gezeigt. Aber auch die bronzefarbene Oscarrobe oder das traumhafte schwarze Abendkleid beim Schlusssong waren nicht zu verachten. Die Herren der Schöpfung trugen ihren Jobs angemessene Kleidung, lediglich bei der Oscarverleihung waren alle schick und aufgemascherlt.

Zum Inhalt:

Rachel Marron ist ein gefeierter Superstar. Allerdings hat sie nicht nur Fans. Jemand schreibt ihr Drohbriefe und ihr Team hat Angst um sie. Frank Farmer wird als Bodyguard angeheuert, der alle Sicherheitslücken beseitigen und Rachel beschützen soll. Anfängliche Vorbehalte Rachels gegenüber dem neuen Mann im Team lösen sich nach einiger Zeit und beide kommen sich näher. Das führt dazu, dass sich Farmer abgelenkt fühlt und Angst hat seinen Job nicht mehr zu 100% ausführen zu können. Nicki, Rachels Schwester, beäugt das Verhalten der beiden argwöhnisch. Fletcher, Rachels Sohn, ist von der ersten Stunde an ein Fan von Frank. Die Bedrohung nimmt zu und werden immer persönlicher, nicht nur Rachels Leben, sondern auch das ihres Sohnes ist in Gefahr. In Farmers Blockhaus herrscht nur kurz ländliche Idylle. Nicki gesteht, dass sie Kontakt zum Stalker aufgenommen hat und ihn offenbar animiert hat weiterzumachen, da sie nicht im Schatten der Schwester stehen will. Und hier stellt sich die Frage, die unbeantwortet bleibt – wie kann man mit jemandem, der Drohbriefe schreibt Kontakt aufnehmen. Das wäre wohl in einer eigenen Soko zu klären, im Stück bleibt es offen. Der Showdown beginnt. Der Stalker verschafft sich Zutritt zum Haus und ermordet irrtümlich Nicki. Soviel zu den Sicherheitsmaßnahmen. Rachel trauert, will aber trotzdem bei der Oscarverleihung auftreten, da sie und ihre Schwester nominiert sind. Bei der Gala kommt es zu dem schon vom Film bekannten Ende. Rachel wird von Frank mit seinem eigenen Leben beschützt. Farmer geht getroffen zu Boden, überlebt aber. Infolge entscheidet er sich gegen ein Zusammensein mit dem Star.

Patricia Meeden schlüpfte bereits in Deutschland in die Rolle der Rachel Marron und feierte ihr Wiendebüt. Bekommt man mit ihr eine zweite Whitney Houston zu hören? Und will man das überhaupt? Die Antwort ist nein – Meeden ist Meeden und Houston ist Houston, wer sich mit ihr messen will, hat vermutlich meist schon verloren. Meeden ist eine Spur kratziger und rauchiger und hat, wie man so schön sagt, etwas Dreck in der Stimme. Auch wenn sie am Premierenabend nicht zu 100% gesundheitlich fit war, so gab sie alles, um eine gute Show abzuliefern. Und die hatte es in sich, denn eigentlich ist es eine One Woman Show. Meeden singt fast 90% der Whitney Houston Songs selbst, zum Teil mit einer fetzigen Choreo und man fühlt sich oft wie in einem Konzert. Meeden erinnert etwas an Beyonce und zeigte sowohl in den schnellen Nummern als auch bei den Balladen wie „Greatest love of all“ oder „I have nothing“ was sie konnte. Ein magischer Moment war in jedem Fall bei „I will always love you“, als sie bei spektakulärer Beleuchtung und von Nebel umhüllt im traumhaften Kleid wie der Phönix aus der Asche auf einem Podest emporgehoben wird. Einen Gänsehautmoment gab es in jedem Fall bei „One moment in time“, dem Oscarsong. Von der etwas kratzbürstigen Frau, die es gewohnt ist, immer alles zu bekommen, wird sie zu einer Frau, die plötzlich Verantwortungsgefühl entwickelt und neue Werte wahrnimmt.

Jo Weil, vielen bekannt aus diversen deutschen Soaps und Filmen wurde als Bodyguard Frank Farmer engagiert. Auch wenn es sein erstes Musical ist, hat er eine Sprechrolle. Einzig sein Auftritt in der Karaoke Bar, wo er sich O-Ton Frank Farmer „für Rachel zum Affen macht“ und „I will always love you“ mehr spricht als singt, sorgt für Lacher im Publikum. Zumindest ein klitzekleines Duett mit den zwei Hauptcharakteren wäre schön gewesen. Vorwerfen könnte man der Figur des Bodyguards, dass sie eine Spur zu steif agiert, allerdings sind wir ehrlich, wer stellt sich einen tanzenden Bodyguard vor, der ausgelassen herumhüpft? Die Rolle ist so ausgelegt, dass Farmer ganz bei sich sein soll, keine Gefühle erlaubt sind und er deshalb einen klaren Kopf behalten will, was sich eben in der Haltung widerspiegelt. Natürlich trug auch der Anzug zu einer gewissen Strenge bei. Einzig im Blockhaus, als er in legerer Kleidung agiert und denkt er wäre in Sicherheit, legt er kurzfristig eine Lässigkeit an den Tag.

Der Wiener Publikumsliebling Ana Milva Gomes verkörpert Rachels Schwester Nicki. Leider hat sie nur sehr wenig zu singen, in jedem Fall ist ihr Solo „Run to you“ ein Highlight. Bei so einer Stimme fragt man sich natürlich warum nicht auch die Schwester eine musikalische Karriere geschafft hat. Als Frank in die Bar kommt, wird Nickis Gesicht gleich weicher und man merkt, dass sie den Song nur für ihn zu Ende singt. Wut oder Hass ist eigentlich nie aus Gomes Charakter zu hören. Erste Anzeichen von Eifersucht merkt man, als sie mitansehen muss, wie der nackte Frank in Rachels Bett liegt. Hier geschieht ganz viel in Gomes Gesicht und vor allem den Augen – die Bände sprechen „warum sie und nicht ich“. Trotzdem hat man ihr nicht den Tod gewünscht, der spektakulär ausfällt, da sie denkt Frank umarmt sie von hinten, sie sich an ihn anlehnt und doch in den Armen des Stalkers landet, der sie mit Rachel verwechselt. Wer Ana in der Titelrolle sehen möchte, der kann dies auch an manchen Tagen erleben, da sie auch ein Rachel-Cover ist.

In die Herzen des Publikums gespielt hat sich in jedem Fall der kleine Samuel Hollinek, der als Sohn Fletcher zu sehen war. Er teilt sich mit vier weiteren Burschen diesen Part, die ihm aus dem Publikum begeistert zusahen. Aufregung suchte man bei ihm vergebens. Locker und lässig nahm er Kontakt mit dem Bodyguard (fehlende Autobatterie!) auf und ebenso cool war er bei „How will I know“, wo er tolle moves zeigte und sogar ein wenig mitsang. Ein schöner Moment war auch „Jesus loves me“, wo er gemeinsam mit Meeden und Gomes sang.

Der Stalker Maximilian A. Ortner hat am wenigsten zu sagen, dafür aber einige spannende Momente. Mal sieht man ihn die Drohbriefe schreiben (wenn auch nur via Videoeinspielung), dann werden die Messer gewetzt. Auch dürfte er einen guten Sinn für‘s Tarnen und Täuschen haben, wie sonst hätte er sich unerkannt unter die Securities mischen oder bewaffnet auf die Oscarverleihung gelangen können? Seine Auftritte sind oft in kleinen Spotlights und mit düsteren Klängen angekündigt und man macht sich auf jeden Fall Sorgen, als er zuerst mit Fletcher spielt und im nächsten Augenblick ist dieser verschwunden. Bei der kleinen Berührung der vermeintlichen Rachel, vor Nickis Ermordung, sind seine Gedanken regelrecht spürbar „jetzt gehörst du mir“ und in der nächsten Sekunde „aber du selbst wirst niemals mehr jemand anderem gehören“. Ein kleiner Nachteil für das Publikum im Parkett auf der linken Seite ist die letzte Szene als Ortner als Attentäter auf der Gala auftritt nur schwer einsehbar, da sich das Ganze im ersten Rang abspielt und man nicht sofort mitbekommt, was sich dort oben abspielt.

Die restlichen Männer haben nur Sprechrollen und sind in den diversen Parts rund um Rachel im Einsatz:

Bill Devaney alias Martin Muliar ist Rachels Manager. Er bringt Farmer ins Spiel und gibt den väterlichen Freund.

Toni Scibelli (Nicolas Tenerani) ist Rachels Security Chef, der nicht sofort mit der Tatsache klar kommt, nicht mehr die erste Geige zu spielen und erst am Schluss Frank akzeptiert.

Sy Spector wird von Andreas Kammerzelt verkörpert. Als PR Berater ist er mit seiner großen Statur und tiefer Stimme eine markante Erscheinung (Achtung Zweitbesetzung Frank Farmer) und auch wenn seine medialen Ziele für Rachel nicht immer die Besten sind, ist er ein unverzichtbarer Teil des Teams.

Ray Court, ein früherer FBI Kollege Farmers wird von Peter Windhofer (ebenfalls eine Frank Farmer Besetzung) gespielt. Er hat mit seinen Hinweisen immer wichtige Tipps betreffend den Stalker für Farmer parat.

Das Ensemble wird hauptsächlich in den Tanzszenen gefordert und da ordentlich. Einen Backgroundgesang gibt es selten. Fulminant in jedem Fall das Finale, bei dem sowohl auf als auch vor der Bühne im Publikum bei „I wanna dance with somebody“ Partystimmung aufkam. Hier durften sogar die Herren der Schöpfung ein paar Worte mitsingen und mittanzen und das Premierenpublikum hielt nichts mehr auf den Sitzen.

Warum man das Stück vielleicht nicht so ganz als Musical ansehen kann, ist die Unterteilung der Gesangs-, Sprech- und Tanzparts auf verschiedene Personen. In den meisten Musicals machen meistens alle alles, hier ist alles stark an eine Rolle gebunden. Man darf gespannt sein, wie das Publikum dieses etwas andere Musical aufnehmen wird. Was es in jedem Fall ist – eine Hommage an Whitney Houston, bei der man mit vielen Hits ihrer gedenkt.

Fotos, wenn nicht anders gekennzeichnet: Andrea Martin (roter Teppich, Schlussapplaus, Premierenfeier)

Quelle: Andrea Martin
(c) Deen van Meer

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