„It takes two“ – nämlich Navina Heyne und Thomas Borchert

„Die Musik ist die Sprache der Leidenschaft“. Dieses Zitat stammt von Richard Wagner und kann wunderbar auf das aktuelle Duoprogramm „It takes two“ von Navina Heyne und Thomas Borchert angewandt werden. Beide haben soviel Leidenschaft in sich und ergänzen einander wunderbar auf der Bühne. Das durfte das Publikum im vollen Metropol in Wien am 17.9.2018 miterleben und hätten die zwei am liebsten gar nicht mehr gehen lassen, aber der Reihe nach…

Verraten wurde während des Abends, wie sich die beiden kennengelernt haben. Zum ersten Mal wahrgenommen hatte Thomas Borchert seine zukünftige Traum- und Ehefrau erst bei seinem Engagement „Luther – Rebell Gottes“, das beide ins Stadttheater Fürth geführt hat. Wie es der Zufall wollte, haben sie dort ein Ehepaar verkörpert und kurz nachdem Borchert ihre Stimme das erste Mal vernommen hatte, war es auch schon um ihn geschehen und eins ergab das andere. Man kann ihn aber auch gut verstehen, Navina hat wirklich eine sehr angenehme Stimme, ist eine sehr sympathische Erscheinung und hat ihre Feuertaufe an der Seite von Thomas Borchert in Wien bravourös gemeistert.

Bei Borchert’s Solokonzerten ist man gewohnt, dass er hinter seinem Klavier sitzt, bei diesem Programm hatten sie sich einen dritten im Bunde dazu geholt, nämlich Axel Goldbeck. Er gab eine tolle Begleitung hinter dem Klavier, die manchmal sogar auch nach anderen Instrumenten klang und ab und an sprang er auch als Background ein. Borchert begrüßte mit einer fast schon sinnlichen Stimme das Wiener Publikum auf der Bühne. Heyne kam durch den Saaleingang auf die Bühne und meinte, dass sie gerne eine spritzigere Ansage gehabt hätte und am liebsten hätte sie es gemeinsam mit ihm getan… Natürlich kam diese kleine Zweideutigkeit gut an und natürlich lief dann alles nur mehr zu zweit. Mit dem titelgebenden „It takes two“ aus „Into the woods“ wurde eröffnet. Sehr flott ging es mit „You’re the one that I want“ in einem tollen Arrangement weiter, indem sogar eine kleine Jodeleinlage enthalten war. Da Navina Heyne eine kleine Schwäche für Disneyfilme hat und sie gerne einmal die Jasmin von Aladdin sein wollte, wurde ihr dieser Wunsch im Programm erfüllt. Borchert ließ sie auf den imaginären Teppich aufspringen und beim „stand up paddling“ besangen sie „In meiner Welt“. Man hatte das Gefühl, als ob sie wirklich in ihrer eigenen Welt sind, aber dennoch das Publikum einen kleinen Einblick gewähren ließen. Mit den Worten „Für alle Zeit“ endete dieser Titel und man kann den beiden nur alles Glück der Erde für genau diese Zeitspanne wünschen. Beim „Phantom der Oper“ in deutscher Sprache zeigte Borchert einmal mehr seine ausdrucksstarke Stimme. Natürlich ließen die Befehle des Phantoms Christine alias Navina singen wie ein Engel und sie sang natürlich nicht nur für das Phantom alias Thomas, sondern für alle Anwesenden, die die Leistung der beiden mit tobendem Beifall goutierte. Als Bühnenbild diente eine römische zwei, die aus vier Balken bestand. Diese wurden zeitweise mittels eines kleinen Umbaus anders platziert, sodass sich die Sänger z.B. gegenübersaßen oder dahinter verstecken konnten. Da Thomas Borchert gerne einmal ein Lied aus einer Operette singen wollte, weil es da immer um schöne Frauen geht, stand als nächste Nummer „Einmal nur/Es muss was Wunderbares sein“ aus „Im weißen Rössl“ am Programm. Schade, dass sie das Lied nur einmal sangen, denn es war wirklich wunderbar, vor allem dank des plötzlich ausgepackten wienerischen Dialekts. Auf „Is it written in the stars“, bei dem Gänsehautgefühl angesagt war, folgte „As long as you’re mine“ aus „Wicked“. Ein weiteres Mal wurde man mit der Stimmgewalt beider Interpreten konfrontiert, die sich gewaschen hatte, sogar die Bühne wurde extra in grünes Licht gehüllt, Herz, was willst du mehr? Natürlich noch mehr Lieder bzw. Duette die dann auch prompt mit einem Medley aus der „West Side Story“ bestehend aus „Somewhere, One hand, one heart und Tonight“ folgten. Viele Duette in Musicals sind O-Ton Borchert „Trauerspiele“, aber die beiden litten gerne für die Fans. Und so folgte „When love is true“ aus „Der Graf von Monte Christo“, bei dem es in Frank Wildhorn Manier zu schmachten galt. Natürlich gab es nicht nur dramatische Duette, auch der Humor kam nicht zu kurz. Und welches Musical wäre prädestinierter für Humor als „Spamalot“, aus welchem es „The song that goes like this“ mit vielen dramatischen Gesten zu erleben gab, denn ein Erlebnis war diese Interpretation allemal. Danach gab es einen witzigen Schlagabtausch die Kleider Navinas betreffend. Gottseidank war das alles nur gespielt und der restliche Abend wurde nicht abgesagt, sondern lediglich der entsprechende Titel „Let’s call the whole thing off“ gesungen.

Nach der wohlverdienten Pause setzte man mit „Wunderbar“ aus „Kiss me Kate“ fort. „Ein gefährliches Spiel“ wurde es dann für alle, die eine Allergie gegen Gänse hatten, denn da war sie schon wieder die berühmt berüchtigte Gänsehaut, die einem die beiden grandiosen Stimmen mit dem „Jekyll & Hyde“ Titel verschafften. Ein selten gehörter Titel, ebenfalls von Wildhorn“ aus „Bonnie & Clyde“ war „Viel zu spät um umzudrehen“, bei dem sich beide nichts schenkten. So richtig kuschlig wurde es, als sich die beiden auf einem ihrer Balken niederließen und „Jetzt hast du Seymour“ aus „Der kleiner Horrorladen“ anstimmten. Natürlich fiel auch Thomas kleine Textveränderung „niemals lässt Thomas dich allein“ auf, einmal mehr eine kleine Liebeserklärung für seine Frau auf der Bühne. Bei „Somewhere over the rainbow“ in jazzigem Gewand hatte Borchert einer seiner berühmten Freestyleeinlagen. Das Lied, das beide quasi einander nähergebracht hatte, durfte auch nicht fehlen: „Ich gehör zu dir“ aus „Luther – Rebell Gottes“. Es war als würden sie in den Augenblick von damals eintauchen und ihre ersten gemeinsamen Momente heraufbeschwören, ein schöner Moment für das Publikum, das teilhaben durfte. Dann kam eine flammende Ansprache, in der beide für die Unterstützung (Blutspenden, Särge, Zahnersatz) für Vampire plädierten. Ein witziger Übergang zu „Sei bereit“ aus „Tanz der Vampire“. Thomas Borchert hatte sogar seine Zähne mit dabei und beide gaben sich „krolockisiert“ im roten Bühnenlicht. Danach hatten sie „The time of my life“, bei der Partystimmung aufkam. Stillstehen war Fehlanzeige, Borchert zeigte Hüftmoves und wandelte den Text in „I never felt those teeth before“ um, da er noch immer mit spitzen Zähnen sang. Grenzenloser Jubel, standing ovations und natürlich hoffte und ahnte das Publikum, da geht noch was. Auf der Bühne gab es dann die Zahnentfernungszeremonie und mit „True Love“ aus „High Society“ sollte der Abend ein stimmungsvolles Ende nehmen. Aber auch danach feierte das Publikum die beiden Sänger, sodass Borchert gutgelaunt meinte „sie haben es nicht anders gewollt“ und hinter dem Klavier Platz nahm. Inspiriert von den „Asterix und Obelix“ Geschichten hatte er das folgende Lied „Das Wildschweinduett“ geschrieben. Ein Liebesduett mit dem besonderen schweinischen touch, das sehr gut ankam.

Danach war der Abend aber wirklich zu Ende. Gratulation an die beiden, Navina Heyne und Thomas Borchert, a) zu ihrem Zusammenfinden b) zu ihrer Hochzeit im nachhinein und c) zu einem stimmungsvollen Programm, bei dem sie dem Publikum bewiesen, wie sehr sie zusammengehören.

Quelle: Andrea Martin

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