Der Musical Frühling in Gmunden geht 2019 in die 5. Runde, wir haben mit dem Intendanten Markus Olzinger über sein Herzensprojekt gesprochen

2019 geht der Musical Frühling in Gmunden in die 5. Saison. Nach „Blutsbrüdern“, „Der geheime Garten“ „Sofies Welt“ und „Jane Eyre“ folgt im April nächsten Jahres die österreichische Erstaufführung von „Doktor Schiwago“. Das Stück nach dem Roman von Boris Pasternak und bekannt durch die herausragende Verfilmung mit Omar Sharif in der Titelrolle wird von 11. bis 28.4.2019 im Stadttheater von Gmunden zu sehen sein.

Das Musical stammt aus der Feder der Komponistin Lucy Simon, die u.a. die Musik zu “Der geheime Garten” schuf und so auch dem Gmundner Publikum bereits ein Begriff ist. Es inszeniert erneut der Intendant des Musical Frühlings in Gmunden Markus Olzinger. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Caspar Richter.

Bereits zwei Darsteller wurden bekanntgegeben. Die Titelpartie übernimmt Yngve Gasoy Romdal, die Rolle der Lara Elisabeth Sikora. Beide feierten bereits 2018 bei „Jane Eyre“ große Erfolge in den Hauptrollen.

Vorstellungen
DO. 11.4. Premiere / 19:30
FR. 12.4. / 19:30
SA. 13.4. / 19:30
SO. 14.4. / 17:30
SO. 21.4. / 19:30
MO. 22.4. / 17:30
DO. 25.4. / 19:30
FR. 26.4. / 19:30
SA. 27.4. / 19:30
SO. 28.4. / 17:30

Nähere Infos unter: http://www.musical-gmunden.com/

Der Musical Frühling in Gmunden geht 2019 in die 5. Runde. Wie ist das allgemeine Gefühl – funktioniert der Standort oder gibt’s noch immer wo Schwachstellen?

M.O.: „Wir sind tatsächlich sehr glücklich mit dem Standort. Schwachstellen gibt es nicht wirklich – einzig, dass wir künftig auch das regionale Publikum noch stärker ansprechen möchten, da bisher über 80% der Besucher von eher weiter her anreisen.“

Was gefällt dir an Gmunden am besten und warum fiel die Wahl seinerzeit für euer Projekt auf Gmunden?

M.O.: „Wir haben bei der Gründung tatsächlich über viele Standorte nachgedacht, darunter auch Wien und Linz, aber haben etwas gesucht, wo es noch kein Musical gab. Gmunden hat zudem eines der schönsten Stadttheater Österreichs und eine fantastische Lage am wunderbaren Traunsee. Wer kommt da nicht gerne hin?“

Wie ist es zur Entscheidung betreffend des nächstjährigen Stücks „Dr. Schiwago“ gekommen? Und wie lang dauert im Normalfall eine Stückfindung?

M.O.: „Erstmals aufmerksam wurde ich auf das Stück vor ca. drei Jahren durch Internet-Recherchen und war sofort begeistert. Wir haben es dann intern mehrmals diskutiert und erstmal wieder verworfen und uns schließlich für „Sofies Welt“ und „Jane Eyre“ entschieden. Was so auch eine sehr gute Wahl war. Ich denke jetzt zum 5 Jahres Jubiläum passt es auch ganz gut. „Doktor Schiwago“ ist ein relativ großes Stück und wir werden da auch etwas mehr Personal auf der Bühne brauchen.“

Du bist genaugenommen für alles zuständig (Gesamtleitung, Regie, Bühnenbild…) Wie kam’s zu der Entscheidung? Kostengründe oder bist du einfach so ein Kontrollfreak, der nichts aus der Hand geben kann und gerne alles selbst macht?

M.O.: „Meine Hauptmotivation für den Musical Frühling war eine Plattform zu haben, um Regie führen zu können und da ich es mir bis heute nicht vorstellen kann in einem fremden Bühnenbild zu inszenieren, war das für mich eine klare Sache. Aber auch Dinge wie Marketing und Organisation machen mir inzwischen große Freude. Finanzielle Gründe waren es somit also nicht, dennoch wäre der Musical Frühling so wie man ihn kennt anders nicht realisierbar.“

Bei welchen Sachen gibst du dennoch gerne das Ruder aus der Hand?

M.O.: „Ganz klar etwas wie die musikalische Leitung, weil ich es schlicht nicht kann. Aber ich denke hier haben wir mit Caspar Richter wirklich den besten Mann mit an Bord. Oder auch unsere fantastische Choreografin Julia Ledl, und all die Gewerke wie Maske, Kostüm, Licht, Ton etc.. Tatsächlich ist es auch so, dass ich nicht alles ganz selbst mache, Elisabeth Sikora als Mitbegründerin und Teil der Organisation ist eine wichtige Säule des Musical Frühlings und in alle Prozesse und Entscheidungen miteingebunden. Zudem arbeiten inzwischen im Hintergrund auch einige ehrenamtliche Mitarbeiter, die das Projekt mit ihrem Engagement unterstützen.“

Du hast ja auch Musical studiert. Rein theoretisch könntest du also mitspielen auch noch. Wurde das „auf der Bühne sein“ zugunsten der anderen Tätigkeiten auf Eis gelegt? Wie kam es zu dem Entschluss? Trittst du überhaupt nicht mehr auf? Reizen dich die backstage Tätigkeiten mehr?

M.O.: „Das Inszenieren ist ganz klar meine Leidenschaft und war es eigentlich auch schon immer. Das Darsteller-Sein geht mir daher nicht ab und fände es auch unseriös wenn ich in Gmunden auch noch mitspielen würde. Aktuell habe ich zwar ein Darsteller-Engagement wieder angenommen, aber auch nur deshalb, weil es sich um eine Wiederaufnahme handelt und ich die Rolle, wie auch die Inszenierung von Sebastian Welker sehr toll finde. Ich werde also für einige Vorstellungen an der Oper-Wuppertal erneut in der „Rocky Horror Show“ spielen, eine Produktion, in der ich bereits 2011-15 in Saarbrücken stand.“

Nach welchen Gesichtspunkten werden die Darsteller ausgewählt?

M.O.: „Neben erstklassigem Handwerk ist vor Allem auch entscheidend, ob die Künstlerpersönlichkeit zu uns und der zu besetzenden Position passt. Ich muss auf die Bühne sehen und spüren, der/die DarstellerIn tut das aus bedingungsloser Liebe zur Kunst. Es braucht Profil und Haltung. DarstellerInnen gelten ja beispielsweise oft als schwierig, wenn sie für ihre Meinung eintreten, ich finde genau das aber mitunter spannend und bin dann auch durchaus für einen produktiven Austausch im Sinne der Kunst. Ich möchte ja den Menschen den ich gecastet habe mit all seinen Facetten auf der Bühne sehen und kein Abziehbild von mir. Nur starke Persönlichkeiten sorgen für eine starke Inszenierung.“

Wenn du dich für ein Stück entschieden hast – wie schnell weißt du wie du was haben möchtest?

M.O.: „Die ersten Bilder, Bühnen Wechsel etc. entstehen meist schon ca. ein Jahr vorher. Ich arbeite da immer von außen nach innen – zuerst kommt mir ein Gefühl für den optischen Rahmen, sprich Bühnenbild etc. Wenn dieser steht wird es immer feinsinniger und schließlich mit Leben erfüllt.

Hast du das Stück „Dr. Schiwago“ vorher schon einmal gesehen bzw. informierst du dich irgendwie über bereits existierende Inszenierungen oder fängst du alles von neuem an, so als wäre es in Gmunden das erste Mal?

M.O.: „Wenn ich mich diesbezüglich informiere, dann nur damit ich nicht Gefahr laufe etwas zu machen, das es schon mal gab. Ich würde mich als Künstler anders selbst nicht ernst nehmen können und meine Definition von Kunst in Frage stellen.“

Die bisher ausgesuchten Stücke haben eines gemeinsam – ein bisschen Drama – einmal mehr, einmal weniger – ist immer dabei. Warum gerade solche Stücke und könntest du dir vorstellen auch andere zu spielen, wenn es kein Passendes mehr geben sollte?

M.O.: „Passende Stücke wird es, denke ich, immer geben, da wir uns ja keineswegs nur auf Drama fokussieren, auch eine Komödie könnte durchaus mal dabei sein. Die Stücke sollten jedoch eher selten gespielt sein und einen gewissen Wert haben.“

Welche Stücke gefallen dir selbst am besten?

M.O.: „Es sind tatsächlich die, an denen ich gerade arbeite. Da ich sie mir in Gmunden ja auch selbst aussuchen kann, ist das eine besondere Freude.“

Welches Musical der vergangenen vier Jahre war organisatorisch gesehen am schwierigsten umzusetzen und wie flexibel ist überhaupt die Bühne im Stadttheater Gmunden?

M.O.: „Eine Herausforderung ist jedes Stück, da ich dem Publikum gerne auch optisch etwas biete und die Bühne in Gmunden tatsächlich im Bühnenraum von Platz und Technik doch sehr begrenzt ist. Gott sei Dank haben wir aber auch einen unglaublich tollen Lichtdesigner, Ingo Kelp, der uns jedes Jahr technisch voll ausstattet und die vorhandenen oder eben die nicht vorhandenen Gegebenheiten mit Traversen und Schienen-Systemen, sowie der modernsten Licht-und Tontechnik bestückt.“

Ich bedanke mich für das Interview !

Wir haben zu danken und noch ganz viele erfolgreiche Jahre mit dem Musical Frühling in Gmunden!

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