Aloha hieß es im Sommer in Bad Ischl – beim diesjährigen Lehár-Festival durfte man „Die Blume von Hawaii“ bewundern

Neben „Das Land des Lächelns“ haben sich die Verantwortlichen des Lehár Festivals auch für die Operette „Die Blume von Hawaii“ von Paul Abraham entschieden. Am 5.8. fand eine Nachmittagsvorstellung um 15:30 statt, die wir besuchen durften. Passend zum hawaiianischen Klima herrschten auch außerhalb des Theaters tropische Temperaturen. Der Zuschauerraum war gut (teilweise fast schon zu gut) gekühlt, die Akteure auf der Bühne hatten etwas das Nachsehen und der Schweiß floss bei vielen binnen kürzester Zeit.

Die Regie hatte Intendant Thomas Enzinger selbst übernommen und sich etwas Besonderes als roten Faden durch das Stück ausgedacht. Der Verlag hatte zugestimmt und so wurde eine neue Figur in das Stück integriert, nämlich der Komponist selbst. Mark Weigel schlüpfte in diese Rolle. Man erfuhr während des Stücks so einiges über ihn und sein Leben, wie ihn die Kriegsjahre geprägt haben und auch dass er krankheitsbedingt in einer Psychiatrie behandelt werden musste. Erst am Ende des Stücks kann man aber 1+1 zusammenzählen, denn Abraham befindet sich von Anfang an in der Heilanstalt und lässt für seinen Pfleger (Gaines Hall) seine Geschöpfe aus „Die Blume von Hawaii“ wieder erwachen. Bei diesem Vorhaben half ihm auch Gerald Krammer, der die wunderbaren eingängigen Melodien dem Franz Lehár Orchester entlockte. Toto hatte die Ausstattung übernommen. Viele Blumen (die Nationalblume von Hawaii ist der gelbe Hibiskus) dominierten das Bühnenbild und auch das Ensemble sah oft aus wie eine Blume oder gleich eine ganze bunte Blumenwiese. Viel wurde auch mit Licht (Sabine Wiesenbauer) und Glitzereffekten gearbeitet, sodass alles in allem ein sehr farbenfroher Eindruck entstand.

Zwei der drei Akte spielen auf Honolulu um 1895. Hawaii ist von Amerika besetzt und Gouverneur Lloyd Harrison möchte daran auch nichts ändern. Die einzige rechtmäßige Erbin Prinzessin Laya befindet sich im Ausland. Um die amerikanische Herrschaft zu sichern will er seine Nichte Bessie Worthington mit dem hawaiianischen Nationalisten Prinz Lilo-Taro verloben. Bessie findet das toll im Gegensatz zum Sekretär des Gouverneurs John Buffy, da dieser bereits ein Auge auf sie geworfen hat. Laya befindet sich jedoch gerade unerkannt auf dem Weg in ihre Heimat. Sie ist auf einem Schiff und hat sich als Sängerin Susanne Provence getarnt, da sie ihr ähnlich sieht. Jim Boy, der Jazzsänger hilft ihr bei ihrem Tarn- und Täuschmanöver. Mit diesem hat sie auch Kapitän Reginald Harold Stone getäuscht, der sich in sie verliebt hat. Während Buffy mit Hilfe der Hawaiianerin Raka Bessie für sich gewinnen will, enttarnt der Prinz Laya, da er schon lange in sie verliebt ist. Laya soll sowohl zur Königin gekrönt werden, als auch den Prinzen heiraten. Sie will allerdings niemanden heiraten, den sie nicht auch liebt. Lilo-Taro hat diese Aussage gehört und ist traurig darüber. Stone will mit Laya fliehen, doch diese steht zu ihrer Heimat und die Krönung wird vollzogen. Der Gouverneur will, dass sie auf ihren Herrschaftsanspruch verzichtet, doch Laya weigert sich und Stone soll sie festnehmen. Dieser kann das nicht und wird statt ihr verhaftet. Laya kann das nicht zulassen und unterschreibt für seine Freilassung. Lilo-Taro sieht das und deutet den Akt als Liebesbeweis für Stone. Daraufhin entschließt er sich in den ewigen Frühling zu gehen, was soviel bedeutet wie Selbstmord zu begehen. In der Zwischenzeit hat es Buffy sogar mit einem Liebestrank bei Bessie versucht, diese hat ihn aber durchschaut und ihm einen kleinen Streich gespielt. Als Laya Raka um Rat fragt, wer sie mehr liebt, sagt diese „der Prinz“, da dieser sogar für sie sein Leben opfern will. Sobald Laya das erfährt, geht sie nochmals in sich und befragt ihr Herz, danach weiß sie, wie ihre Entscheidung ausfallen wird.

Im dritten Akt treffen sich alle in einem Spielcasino in Monte Carlo. Lilo-Taro ist dank einer Rettung durch Stone am Leben. Buffy hat die Aufgabe sowohl Stone als auch Lilo-Taro zu überzeugen, dass sie Bessie nicht heiraten wollen und soll sich das schriftlich bestätigen lassen. Diese Aufgabe ist leicht und nebenbei verkuppelt er auch noch Stone mit Susanne Provence, die sich ebenfalls dort aufhält und der Prinzessin wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Der Prinz bekommt auch seine Prinzessin und plötzlich findet auch Bessie Buffy attraktiv. somit haben sich drei Paare gefunden, ein viertes kommt noch dazu. Raka hat nämlich beschlossen von Hawaii auszuwandern und angelt sich Jazzsänger Jim, der nicht viel zum Mitreden hat. Somit ein Happy End für acht Personen, wie es turbulenter nicht hätte sein können.

Sieglinde Feldhofer verkörperte die Prinzessin Laya. Sie spielt eine starke Frau mit Prinzipien. Vor allem möchte sie niemanden heiraten, den sie nicht liebt. Sehr stark bringt sie dieses Statement in „Kann nicht küssen ohne Liebe“ zum Ausdruck. Am Ende lässt sie zwar den Kuss des Prinzen zu, aber man spürt regelrecht, dass sie dabei nichts empfindet. Auch wenn sie diese Einstellung hat, gegen ein wenig harmlose Flirterei hat Laya auch nichts einzuwenden, was sichtbar wird, wenn sie mit Kapitän Stone schäkert. Feldhofers wunderbare Stimme begeisterte u.a. auch bei „Du traumschöne Perle der Südsee“, eine Ode an ihre Heimat, bei der man die Heimatverbundenheit ihres Charakters stark spürt. Dass Laya nicht nur die liebreizende Prinzessin von nebenan ist, merkt man, als Stone verhaftet wird und sie etwas lauter wird, denn Ungerechtigkeit verträgt die Prinzessin ganz und gar nicht. Feldhofer darf aber auch eine andere Seite von sich zeigen, nämlich als sie am Ende als Laya-lookalike Susanne Provence mit Raka auftritt und „Heut‘ hab ich ein Schwippserl“ singt. Beide Frauen finden ihren Zustand äußerst amüsant und Feldhofer setzte sich sogar kurzfristig auf den Schoss eines Gastes im Publikum.

Clemens Kerschbaumer schlüpfte in die Rolle des Prinzen Lilo-Taro. Gleich zu Beginn lernt man seinen Charakter als totalen Womanizer kennen. Wie ein Popstar wurde er mit Gekreische begrüßt und bei seinem Solo „Vor meinem Haus am Silbersee“ genoss er diesen Status sichtlich. Dazu trugen die herrlichen Fotomontagen bei wie z.B. der Prinz als Baywatch-Rettungsschwimmer, der Prinz als Sumoringer, der Prinz als Muskelpaket… Dass er aber eigentlich nur eine liebt bemerkt man u.a. beim Titel „Die Blume von Hawaii“, wo man bei Kerschbaumer fast schon kitschig die Herzerln in den Augen sehen konnte.

Ramesh Nair ließ a) als Choreograph alle nach seiner Pfeife tanzen und schlüpfte b) auch noch selbst in die Rolle des John Buffy. Nicht nur das Tanzensemble musste sich ordentlich bewegen, sondern auch die Gesangssolisten hatten ihre Tanzparts und das nicht zu wenig. Die flotten Rhythmen des Stücks schrien für ihn nach Steptanz und es gab viele Nummern, die zu einer Herausforderung für die Beine wurden. Steppen ist kein Spaziergang oder gar Herumgehopse, sondern eine Kunstfertigkeit und viele bewiesen, dass in ihnen ein toller Steptänzer steckt.
Nair zeigte neben tänzerischem Können auch sein Talent für Comedy. Sein John Buffy war binnen kürzester Zeit der Liebling des Publikums und es war einfach herrlich ihm zuzusehen, wenn er dusselig und auch schusselig versuchte Bessie von ihrer Liebe zu ihm zu überzeugen. Nach seinen Duetten („My little boy“ oder „Ich hab ein Diwanpüppchen“) mit Kollegin Nina Weiß hätte man gerne noch einmal zurückgespult. Aber auch in Susanna Hirschler (Raka) hatte er eine Partnerin bekommen, die ihm in Sachen Humor in nichts nachstand. Besonders einen Teil seiner ganz persönlichen Choreo hatte er sich auf den Leib geschneidert und allein dafür einen Oscar verdient – seine einzigartige Gesichtschoreographie. Es war ein Vergnügen ihm zuzusehen und wenn er als Freudensbekundung nur ein jämmerliches „Oh“ und „Juhu“ zusammenbringt, obwohl ihm zum Heulen zumute ist, würde man ihn am liebsten trösten und in die Arme nehmen.

Etwas vorsichtiger beim in die Arme nehmen hätte man bei Susanna Hirschlers Raka, eine Hawaiianerin, sein müssen. Im Gegenteil, sie nahm alle auf den Arm, im sprichwörtlichen Sinn, wenn sie alle möglichst schnell um ihre Dollars brachte. Hirschler hatte sichtlich Spaß an ihrer Rolle und das Publikum fand auch ihre plötzlichen wilden Ausbrüche spassig. Sobald Raka lachte bebte der Saal und man musste einfach mitlachen. Hirschler war in ihrer Rolle fast so etwas wie ein ungezähmtes Raubtier und natürlich musste sie dann auch fragen „Was hat der Gentleman im Dschungel zu tun?“ Eine sehr witzige Nummer in allen Belangen, die auch noch Tage später im Kopf herumspukte. Witzig auch als sich Raka an Jim Boy ranschmeißt und dieser etwas überfordert scheint. Die ruhigste Szene gibt es von ihr als sie Laya bei einer schwierigen Entscheidung zur Seite steht.

Vor vielen Entscheidungen steht auch Nina Weiß alias Bessie Worthington. So z.B. welchen der möglichen Heiratskandidaten sie am besten finden soll. Weiß gibt eine äußerst quirrlige Bessie, bei der keinen Stillstand gibt. Was Bessie alles von einem Mann will, erwartet und erhofft bekommt man in „My little boy“ zu hören – ein Tausendsassa muss es allemal sein. Nachdem sie Buffy eine Lektion hinsichtlich des Liebestranks erteilt hat – dazu ist auch das Anmachen Jim Boys nötig – zeigt sie mit Kollegen Gaines Hall bei „My golden baby“ eine rasante Stepnummer.

Gaines Hall bediente sich in seiner Rolle des Jazzsängers Jim Boy des teilweisen „blackfacing“ (Künstler malten sich das Gesicht schwarz an, um damit afroamerikanische Jazz- und Bluessänger zu imitieren). So malte er sich selbst zwei schwarze Augenbrauen und auch ein gemalter Bart musste her. Er gab den Entertainer par excellence und unterhielt bei seinen Nummern wie z.B. „Wir singen zur Jazzband“ (Gottseidank wiederkehrend, dann konnte man ihn immer wieder bewundern). Auch bei seinem „Ich muss Mädeln seh’n“ hätte man am liebsten mitgemacht. Von einer anderen Seite lernte man ihn kennen, wenn er als Betreuer von Abraham mit diesem sprach.

Kapitän Stone alias Renè Rumpold hatte es in dieser Rolle nicht so leicht und musste mit vielen Gefühlen umgehen. Begehrt fühlte er sich als Laya auf seine Flirterei eingeht „Will dir die Welt zu Füssen legen“. Dann wieder hielt er bei Marschklängen cool im schmucken Anzug und mit Pfeife zu „Wo es Mädels gibt“ mit den Matrosen nach eben diesen Ausschau. Dass er so richtig in Laya verknallt ist merkt man, als er sie fragt, ob sie mit ihm flüchten will und als er sie nicht festnimmt. Sehr bewegend sein „Frage dein Herz noch einmal“. Er will nicht begreifen, dass sie sich gegen ihn entscheidet. Wenigstens bekommt er am Ende die Doppelgängerin der Prinzessin ab, auch wenn es so wirkt, als wäre diese eher auf sein Geld aus.

Mark Weigel gab einerseits den strengen Gouverneur, den man anhand des Monokels erkennten konnte, andererseits den Verfasser der Operette selbst. Dank einer interessanten Darstellung durfte man sehr viel über dessen Leben erfahren.

Als Kanako Hilo war Stefan Jovanovic zu sehen. Zum Ensemble zählten: Nicole Eckenigk, Jonas Kägi, Nicolas Lugstein, Melanie Oster, Thomas Karl Poms und Lisa Tatzber.

„Die Blume von Hawaii“ ist definitiv keine Pflanze, die man unter Naturschutz stellen sollte und nur von weitem ansehen darf. Ganz im Gegenteil, sie gehört ganz oft betrachtet und das von möglichst vielen Leuten, damit alle eine Freude an dieser wunderbaren Operette haben.

Quelle: Andrea Martin

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