120 Jahre – alles Gute der Volksoper Wien

Ein großes Fest wollte man anlässlich 120 Jahre Volksoper Wien im nahegelegenen Arne-Carlsson Park veranstalten. So ein Anlass gehört schließlich gebührend gefeiert. Diverse Programmpunkte wie musikalische Unterhaltung im Park, Musikquiz, Kinderschminken, Hüpfburg und natürlich ein großes Open Air Konzert hatte man sich vorgenommen und alles wurde bis ins kleinste Detail geplant. Doch am 1.9.2018 blieb der Park verwaist und keine Gratulanten waren vor Ort. Was war passiert? Die Outdoor-Veranstaltungen fielen zum Leidwesen der Veranstalter schlichtweg ins Wasser. Es hatte sich schon abgezeichnet, aber erst am 1.9. selbst wurde es veröffentlicht. Alle Aktivitäten, die im Park vorgesehen gewesen wären, mussten ausfallen. Einzig und allein das Konzert konnte stattfinden, da es kurzerhand in die Volksoper selbst verlegt wurde. Sobald diese Neuigkeit in den sozialen Medien verbreitet wurde, wurde die Theaterkasse gestürmt, da man sich mittels einer Zählkarte ab dem späten Vormittag einen Sitz- oder sogar Stehplatz sichern konnte. Das taten viele Fans und Freunde der Volksoper, zumal es auch gratis war. Offenbar hatte man nicht mit so einem Ansturm gerechnet, aber Interessierte, die erst am Abend zum Theater gekommen wären, hatten definitiv das Nachsehen gehabt, da bereits gegen 17:00 alle Karten vergriffen waren. Auch wir hatten das Glück, Karten ergattert zu haben und durften einen tollen Cross-over-Abend mit Highlights aus Oper, Operette und Musical vom Feinsten erleben. Aber der Reihe nach.

Um 20:00 fing die Veranstaltung an. Das große Orchester der Volksoper, unter der Leitung von Alfred Eschwé, hatte in all seiner Pracht auf der Bühne Platz genommen Ebenso durfte bei der Eröffnungsnummer der Chor nicht fehlen. Mit „O Fortuna“ („Carmina Burana“) wurde das Publikum von einem unglaublichen Klangkörper begrüßt, der seinesgleichen suchte. Und viele werden Fortuna im Geheimen gedankt haben, dass sie noch ein Ticket ergattert hatten. Sowohl Direktor Robert Meyer als auch Bezirksvorsteherin Mag. a Saya Ahmad hießen dann alle Anwesenden willkommen. Meyer war zwar ein wenig sauer, dass die Schicksalsgöttin zugeschlagen hatte, wollte sich diesen einmaligen Abend aber letztlich nicht vermiesen, sondern im Gegenteil versüßen lassen. Dazu trug auch noch eine eigenes kreierte riesige Torte (3×1,2m) bei. Kein Wiener Schmäh! Diese wurde dann auch auf die Bühne geschoben, damit sie alle gebührend bewundern konnten – ein wahres Meisterwerk. Es handelte sich um eine Nusstorte mit Walnusspralinenfüllung. Meyer verriet einige Tortendetails z.B. wurden 12 kg Schokolade und 5 kg Walnüsse verwendet. Die Menge des Zuckers wollte er nicht verraten. Er versprach jedem im Publikum einen kleinen Teil der Torte nach der Gala, da diese währenddessen in kleine Stücke geteilt und verpackt wurden – abholbereit bei den Garderoben – und das Versprechen wurde gehalten und die Tortenstücke gingen weg wie die warmen Semmeln.

Das Programm bot einen Rückblick auf Volksopernhighlights, aber auch Titel, die eine Vorschau auf die kommende Saison lieferten, waren vertreten. Christoph Wagner-Trenkwitz hatte die Moderation übernommen und hatte während des Abends noch die ein oder andere ungewohnter Funktion.

Lukas Perman schlüpfte noch einmal in die Rolle des Freddy aus „My fair lady“ und sang „In der Straße wohnst du“. Für die krankheitsbedingt verhinderte Daniela Fally sprang kurzfristig Rebecca Nelsen ein. Sie hatte einen denkwürdigen Auftritt und sorgte schon beim Betreten der Bühne für Aufsehen. In einem roten Kleid betrat sie die Bühne. Die Schleppe wurde von niemand anderem als Wagner-Trenkwitz getragen und als sie eine passende Position gefunden hatte, solang drapiert, bis sie ihn wieder wegschickte – ganz die große Diva, der alle zu Füssen liegen müssen. Dann folgte ihr Auftritt mit „Glitter and be gay“ aus „Candide“. Sie legte sich ordentlich ins Zeug. Bei unglaublich hohen Tönen zeigte sie sexy viel Bein, überraschte mit Shimmies und ließ eine Kette, die sie aus ihrem Täschchen zog, in ihrem Ausschnitt verschwinden. Am Ende krönte sie sich selbst und das zu Recht – das Publikum liebte sie für diese Einlage. Sie musste sogar nochmals auf die Bühne und dieses Mal half ihr sogar der Dirigent mit ihrem Kleid. Kleines Detail am Rande – sein, ebenfalls rotes, Mascherl passte perfekt zu ihrem Kleid.

Als erste Opernproduktion der Saison wird „Zar und Zimmermann“ am Programm stehen. Wagner-Trenkwitz informierte, dass es sich um eine Spieloper handelt und viele diese vielleicht sogar in die Kategorie Operette einordnen würden. „Einst spielt‘ ich“ wurde sehr andächtig von Daniel Schmutzhard dargeboten und hatte fast schon einen weihnachtlichen touch. Mit seiner markanten tiefen Stimme sang Stefan Cerny (er gab sein Volksoperndebüt bereits vor 18 Jahren) „I got plenty o’nuttin“ aus „Porgy and Bess“. Ihn begleitete Andrea Wild am Banjo und war in ihrem Outfit ein roter Blickfang. Drew Sarich kam lässig gekleidet und gut gelaunt, wie man es von ihm gewöhnt ist auf die Bühne. Seine Nummer „It ain’t necessarily so“ war die erste Sing-along Mitmachnummer für’s Publikum. Nach dem ersten Versuch haute es Sarich im wahrsten Sinn des Wortes regelrecht um. Um die Leute anzuspornen verkündete er sogar, dass seine Gage vom Mitmachen des Publikums abhinge. Er schaffte es dann doch das Publikum zu animieren und musste sicher nicht mit leeren Taschen nachhause gehen.

Maria Happel gab mit „Manch einer“ einen Einblick in „Gypsy“ und zeigte eine willensstarke Frau, die ihre Träume auf die Kinder projiziert. Eine kleine Vorschau auf „Meine Schwester und ich“ (April 2019) bekam man dann dank Lukas Permans „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin“. Ein Liebeslied, das zeigte, dass auch eine Schuhverkäuferin ihre Reize hat. Sarich wird ab 9.12. die Rolle des Redakteurs Robert Baker in „Wonderful Town“ spielen. Juliette Khalil piesackte ihn bei „Verliebt“ solange, bis er es endlich zugeben konnte, dass er offenbar wen ins Auge gefasst hatte. Ein weiteres Lied aus diesem Stück „Conga“ hätte auch zum Mitmachen anregen sollen. Das Wort „Conga“ hätte zum richtigen Zeitpunkt gerufen werden sollen – das Publikum war aber so fasziniert von der humorigen Darbietung von Khalil und den brasilianischen Seekadetten (Jugendchor), dass es lieber die Profis machen ließ.

Gut zusammenspielten Schmutzhard und Elissa Huber bei „Weißt du es noch“ aus „Die Csárdásfürstin“. Ebenfalls aus dieser Operette stammte „Jaj Mamán“ vom schwungvollen Trio Elissa Huber, Boris Eder und Jakob Semotan. Vor allem wenn alle drei zusammen agierten, klatschten und ihre Tanzeinlagen ablieferten kam gute Stimmung auf. Vor dem großen Finale wurde es dann noch dank „Lauretta mia“ („Der Mantel/Gianni Schicchi“) von JunHo You und Rebecca Nelsen romantisch. Christoph Wagner-Trenkwitz widmete den letzten Song „You’ll never walk alone“ („Carousel“) dann dem erst kürzlich verstorbenen Ensemblemitglied Hermann Lehr.

Martina Mikelić, aufgrund ihrer Größe und der unerwarteten Stimmfarbe ein Hingucker leitete den Song ein. Alle anderen und auch der Chor betraten dann die Bühne und man bekam ein fulminantes Finale geboten. Die von Christoph Wagner-Trenkwitz angekündigten Tortenstücke mussten dann bei den Garderoben noch etwas warten, da der Jubel so groß war, dass der letzte Titel einfach nochmals gesungen wurde. Ein toller Abend, der gleichzeitig auch ein Dankeschön an die vielen treuen Gäste des Hauses war.

Quelle: Andrea Martin

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