„Pflanz der Vampire“ – was für ein Spaß, schade, dass er nicht eine Ewigkeit gedauert hat!

Nein, wir haben uns definitiv nicht verschrieben. Das Stück nennt sich „Pflanz der Vampire“ und damit wollen wir niemanden pflanzen. Es handelt sich um ein kabarettistisches Musical oder vielleicht doch eher Grusical in drei Akten und stammt von Markus Ch. Oezelt und Helmut K. Vavra. Einen besseren Zeitpunkt für die Aufführung dieses Stücks hätten sich die Verantwortlichen rund um die Tschauner Bühne nicht aussuchen können. Der „große Bruder“ „Tanz der Vampire“ war im Ronacher abgespielt und viele fragten sich was es wohl mit diesen anderen Vampiren auf sich hat und besorgten sich Karten. Diese gingen weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln – alle Vorstellungen waren komplett ausverkauft.

Wir besuchten am 27.7. die zweite Show nach der Premiere und hatten einen äußerst vergnüglichen Abend.

Besonders gefordert war Markus Richter. Er war für die Regie, die musikalische Leitung zuständig und spielte auch noch den Obervampir Lutz Draculic. Das Stück war ihm nicht fremd, da er es bereits zwei Mal in seinem eigenen Theater, dem Theater 82er Haus in Gablitz aufgeführt hatte. Es gab allerdings auch Änderungen zu früheren Produktionen. Einige Namen der Charaktere wurden aktualisiert und zum Teil bekannten Personen nachempfunden. Charakteristisch für das Stück sind viele Musicalsongs, die man aufgrund der Melodien wohl kannte, die aber mit neuen Texten versehen und passend in die Szenen eingefügt wurden. So bekam man Ohrwürmer aus „Elisabeth“, „Phantom der Oper“, „My fair lady“ oder „Die Schöne und das Biest“ in völlig neuem Gewand geboten. Die Texte waren humorig und sorgten für Lacher. In dieser Fassung wurden auch einige zusätzliche Musicalmelodien hineingenommen. Die Choreo stammte von Lilly Kugler, die ebenfalls mitwirkte.

Petra Fibich hatte das Bühnenbild entworfen und vor allem in der Gruftszene wähnte man sich wirklich wie in einer Miniausgabe von „Tanz der Vampire“. Barbara Langbein war für die Kostüme zuständig, von denen natürlich das von Lutz herausstach. Monika Krestan und Chantal Rieser sorgten mit dem perfekten Styling für die Verwandlung in Geschöpfe der Nacht. Kleines Detail am Rande. Das Dach der Tschaunerbühne kann man öffnen, aber auch einfahren. Zu Beginn war es offen, doch nach einer kurzen Begrüßung aus dem Off hieß es „und nun tauchen sie mit uns ein in die Dunkelheit…“ Und weil es doch noch hell über den Köpfen war, wurde als kleiner Effekt einfach das Dach geschlossen. In der Pause ging es wieder auf und blieb den Rest der Vorstellung auch so, damit alle Frischluft hatten.

Der Inhalt lässt sich wie folgt zusammenfassen (Anm. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen waren sicher nicht nur zufällig und mehr als beabsichtigt)

Vier hoffnungsvolle Menschen, Uwe Dröger, Albert Koss, Elisabeth Schikaneder und Doris Arata sowie ein Vampir, Lutz Draculic, sind bei einer Audition zu „Tanz der Vampire“. Jeder hat so seine eigenen Besonderheiten und auch der Regisseur Christopher Kepplinger ist ein ganz eigener Charakter. Mit „Wir“ („Eins/A Chorus Line“) wird eine gemeinsame Knoblauchkettenchoreo (Ausnahme Lutz, der nimmt seinen Stock) erarbeitet, um zu sehen, wer Talent hat. Dummerweise hat der Produzent Stefan Ruppach keine Zeit mehr und so werden alle genommen. Bei „Es hat passt“ („Sei hier Gast/Die Schöne und das Biest“) feiern sie sich selbst. Lutz ist ein Charmeur erster Klasse, kommt bei den Frauen gut an, ihm hat es aber vor allem Elisabeth angetan. Dann befindet man sich mitten in den Proben. Die Gruftszene ist dran. Prof. Abronsius alias Albert Koss steckt dieses Mal in einem Fenster fest und Uwe als Alfred soll den schlafenden Vampir (Lutz) pfählen. Besonders Kepplinger hat hohe Anforderungen an seine Darsteller, so soll Lutz z.B. ängstlich schlafen. Dass Lutz besonders Angst hat merkt man, da er dem Pfahl nicht traut und sich immer wieder vergewissern muss, dass es sich um eine Attrappe handelt. Der Produzent ist noch guter Dinge und präsentiert die Merchandiseartikel, eine Vampimed Zahnpasta, ein Knoblauchparfüm, dass den Geruch dort verstärkt, wo er herkommt und den Vampibutterkeks, der nur mit 32 Zähnen echt ist. Regisseur Kepplinger, der den ganzen Stress nur mit Cognac überstehen kann, hat schon Angst vor Tag X und schmettert in „Phantom der Oper“-Manier „Ganz nah ist der Premierentermin da“. Witzig, dass ihn der Produzent als Fährmann im Sarg begleitet und ihm den Pflock an die Kehle setzt. Dann sieht man wie der Tanz geprobt wird. Hier werden die „Transsylvanischen Vamps“ auf Basis der „Jellicle Katzen“ besungen. Am Ende kann sich Lutz nicht mehr halten und holt sich sein erstes Opfer – Elisabeth Schikaneder.

Nach der Pause haben alle furchtbares „Lampenfieber“ (Melodie von „Mamma Mia“), da die Premiere ansteht. Elisabeth ist sichtlich blass geworden und der Bühnentechniker stellt in breitem Kärntner Dialekt fest, dass diverse Sachen kaputt sind und bringt den Regisseur zur Verzweiflung. Die frisch Gebissene fühlt sich sehr zu Lutz hingezogen, denn „Da ist etwas in mir, was ich vorher nicht sah“ („Schöne und das Biest“). Lutz lernt ihr in Prof. Higgins Manier mit dem Wort Blut umzugehen („Es tut so gut, fließt rotes Blut in Fluten“). Dann folgt die Bettszene mit Koss und Dröger, in der Koss seinen Text vergisst und sich auch vom Souffleur alias Kepplinger nicht beirren lässt. Doris alias Sarah hat ihren Schwamm vergessen und umgarnt Koss. Allerdings geht es dann in der Badewannenszene rund, da Lutz sein zweites Opfer fordert. Beide fanden danach „Schön war dieser Biss“ („Schöne und das Biest“). Elisabeth ist wegen dieses Seitenbisses sehr eifersüchtig, zumal sie glaubt, dass er nicht „save“ gebissen hat. Sie ist aber zu stolz um aufzugeben und schmettert „Ich bin ein Vampir“ („Ich gehör nur mir“) und holt sich in Folge ihr erstes Opfer – Uwe. Letztendlich umgarnen vier Vampire Kepplinger und er macht einen „Abgang“ („Mondlicht“). Dann folgt ein musicalischer Showdown bei dem man so schnell gar nicht alle Musicals erfassen kann, die angesungen werden. Plötzlich taucht Koss auf – da er noch Mensch ist, wollen ihn die anderen auch verwandeln. Doch er hat ein Kreuz mit und kann die vier besiegen. Eine Stimme aus dem Off informiert, dass Koss ein gefeierter Star wurde, aber einer hat überlebt und das Unheil in der Musicalszene verbreitet – Kepplinger erscheint in Michael Jackson Thriller Manier und macht auf sich aufmerksam. Jetzt hat er wohl einen Durst auf etwas ganz Anderes als Cognac.

Mit einem großen Finale „Es hat passt“ verabschieden sich alle. Und es hat dem Publikum wahrlich mehr als „nur“ gepasst. Alle waren hellauf begeistert. Es gab für diesen launigen, unterhaltsamen Abend standing ovations und er hätte noch gerne länger dauern können.

Zu den Charakteren:

Markus Richter gab den vornehmen Lutz Draculic, der solange die Opfer – weibliche bevorzugt – umgarnte, bis diese sich ihm schon fast freiwillig hingaben. Den andere gefiel sein „Grufti“-Outfit weniger, dafür gefiel er sich selbst (zu dumm , da er sich nicht in einem Spiegel betrachten konnte) umso mehr. Elegant schwarz gekleidet mit Rüschenhemd und langen schwarzen Haaren hatte er eine unglaubliche Wirkung auf die Kolleginnen aber auch auf das Publikum. Besonders amüsant war er in der Gruftszene, als er immer wieder die angedeutete Pfählung mit wissbegierigen Fragen unterbrach. Ihm stand die Angst, dass Dröger der Pfahl auskommt ins Gesicht geschrieben.

Melanie Wurzer hatte die Rolle der Elisabeth Schikaneder übernommen und gab als Auditionsteilnehmerin die hypernervöse Heulsuse par excellence. Mit Lutz hat sie sich richtig schön eine gemeinsame Ewigkeit erträumt, doch als er sich anderweitig vergnügte wird sie richtig selbstbewusst und schmetterte, bevor sie sich ihr erster Opfer holt „Ich bin ein Vampir“.

Obwohl Lilly Kugler alias Doris Arata während des Stücks ausnahmslos von allen nur auf ihre zwei „runden großen Dinger“ reduziert wurde, hatte sie weit mehr zu bieten. Sie war das Selbstbewusstsein in Person und natürlich spielte sie auch die Sarah. Bei der Szene mit Alfred sorgte sie mit ihren „unschuldigen“ Annährungsversuchen und dem Auftauchen des Schwamms in Fussform für Lacher. Diese setzten sich fort, als Lutz mit ihr fangen spielte. Erst danach wurde es bei „Schön war dieser Biss“ schaurig schön. Schaurig wegen der Situation im allgemeinen, schön wegen des Gesangs der beiden neuen Turteltauben.

Jürgen Kapaun spielte den harmoniesüchtigen Albert Koss, der fast gegen alles ein Mittelchen parat hatte. Seien es die Knoblauchpastillen, an den Händen halten oder am Ende das Kreuz. Er wusste immer etwas, außer es war während des Stücks selbst. Hier verlor sein Charakter des Prof. Abronsius den Faden und konnte ihn partout nicht mehr finden. Das trottelige Verhalten sorgte für viele Lacher. Ebenso seine Versuche bei den Proben im Fenster fester zu stecken und mit allen akustischen Mitteln davon loszukommen. Apropos akustisch – die Sprechweise des alten Professors hatte er sich auch bestens angeeignet.

Georg Hasenzagl war in die Rolle des homosexuellen Uwe Dröger geschlüpft, der vor allem in der ersten Szene dank seines bauchfreien T-Shirts alle Blicke auf sich zog. Sowohl bei den Proben als auch im Stück selbst gab er sich sehr Alfred-like, natürlich aber mit einer gehörigen Portion gutem overacting, wie es sich für einen „Pflanz“ eben gehört.

Dennis Kozeluh als Regisseur Christopher Kepplinger war eine Nummer für sich. Das Stück fand er furchtbar, die Darsteller noch schlimmer und sein Leiden konnte er immer nur in noch mehr Cognac ertränken. Seinem Leitspruch „Die Grundlage jeder Basis ist das Fundament“ blieb er treu und je später der Abend wurde umso betrunkener agierte er. Besonders gelungen seine „Phantom der Oper“ Einlage und seine andauernden Zornesausbrüche.

Thomas Schreiweis hatte eine Doppelrolle inne. Einerseits war er der Produzent Stefan Ruppeck, andererseits Franz der Techniker. Bei ersterem konnte man sich sehr gut denken, an wen sein Charakter erinnern soll, hier hatte wer seine Hausaufgaben in Sachen Charakterstudie gemacht. Er tauchte immer dann auf, um in Erinnerung zu rufen, dass kein Budget mehr verfügbar wäre oder aber bei der Merchandise Präsentation. Als Techniker stellte er zwar immer den Herd des Übels fest, das Richten überließ er aber dann doch lieber den anderen.

Bei dem Erfolg waren Zusatzvorstellungen ein Muss und wer weiß vielleicht gibt es nächstes Jahr eine Wiederaufnahme, hungrig sind die Vampire sicher weiterhin!

Quelle: Andrea Martin
(c) Sigrid Mayer

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