„Mamma Mia!“ – was für ein Tourneeauftakt im Musiktheater Linz

Auf eine 11monatige Tournee (mit Unterbrechungen) schickt die Stage Entertainment das gute Laune Musical „Mamma Mia!“. Seitdem es die diversen Theaterbühnen erobert hat, ist daran kein Vorbeikommen, denn die Abba-Hits sind einfach schon seit Jahren aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. Ok, die deutsche Übersetzung der 22 Songs ist vielleicht manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit drückt man ein Auge zu und ertappt sich dabei, dass man nicht nur mit dem Fuß mitwippt, mit den Händen klatscht und am liebsten aufspringen und mittanzen möchte – nein, man kann sogar die Texte mitsingen. Das Bühnenbild ist seit jeher recht einfach gestrickt, eine blaue Bühne – das Meer, in der Mitte ein paar drehbare Elemente – die griechische Taverne, das reicht schon aus. Natürlich eignen sich möglichst wenig Elemente auch gut für einen Transport und oftmaligen Wiederaufbau. Die Band, unter der Leitung von Aday Rodriguez Toledo, hauchte den alles andere als verstaubten Abba-Hits ordentlich Leben ein.

Gleich zu Beginn der Show werden die Zuschauer mit schwachen Nerven und Herzproblemen gewarnt, dass Schlaghosen und Plateauschuhe zum Einsatz kommen. Sind wir doch ehrlich – genau deshalb liebt man dieses Stück, vor allem wenn am Ende… aber der Reihe nach.

Die Story sollte hinlänglich bekannt sein, zumal im TV auch der erste Teil aktuell oft gezeigt wird, da in den Kinos gerade der zweite Teil anläuft.

Sophie süße 21 Jahre hat hinter dem Rücken ihrer Mutter Donna ihr Tagebuch gelesen. Sie hat herausgefunden, dass sie mit Harry, Bill und Sam drei mögliche Väter hat und will alle zu ihrer bald stattfindenden Hochzeit mit Sky einladen. Sie ist sich sicher, wenn sie ihren leiblichen Vater einmal sieht, weiß sie sofort, wer er ist. Auf die griechische Insel kommen somit neben den besten Freundinnen von Sophie, Lisa und Ali, und den besten Freundinnen von Donna, Tanja und Rosie, auch die drei Herren. Das Trio versteht sich gut, ist sich aber nicht sicher, was es auf der Insel zu suchen hat. Donna feiert mit ihren Freundinnen noch einmal ihre vergangenen Zeiten als „Donna & The Dynamos“, sehr zur Freude von Sophie und den anderen. So kann sich Donna auch etwas von den finanziellen Problemen und den Sorgen, die sie betreffend die Heirat hat, ablenken. Rosie und Tanja schaffen es Donna auf ihre Art und Weise zu unterhalten und man sieht oft ein unschlagbares Freundinnentrio. Mit der Zeit, Sophie horcht die drei Männer aus, haben sie den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und alle drei wollen schlussendlich Sophie zum Altar führen. Vor allem mit Sam verbindet Donna nicht nur schöne Erinnerungen, ist sie doch der Meinung, er hätte sie verlassen, um eine andere zu heiraten. Im Endeffekt können alle Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden. Donna führt Sophie zum Altar, diese entscheidet sich jedoch vorerst noch nicht zu heiraten, sondern will erst mit Sky die Welt bereisen. Die Hochzeitsvorbereitungen sollen aber nicht umsonst gewesen sein – Sam (er ist mittlerweile geschieden) fragt Donna die Frage aller Fragen und sie sagt ja. Auch Rosie, die kleine Probleme mit der Männerwelt hat, kann sich mit Bill einen Mann angeln. Nur Harry geht auf der Insel leer aus, da zuhause sein Klaus wartet. Und Tanja hat ohnehin schon drei Ehen hinter sich und flirtet für ihr Leben gern.

Am Ende geht natürlich alles gut aus und das Publikum bekommt die angekündigten Schlaghosenoutfits an Donna, Rosie und Tanja zu sehen und sogar Sam, Bill und Harry beweisen Mut zur Farbe und schmeißen sich in Schlaghosen.

Ein Großteil der Hauptrollen war mit bereits „Mamma Mia!“ Erprobten besetzt worden. Es gab aber auch einige, die noch nie auf der griechischen Insel gewesen waren.

Für kurze Zeit heißt es für Sabine Mayer zurück in die österreichische Heimat (auch wenn sie aus Niederösterreich stammt). Nach vielen Produktionen in Österreich lebt sie jetzt in Berlin und sowohl für ihre Fans in der Heimat als auch sie selbst, ist es sicher etwas Besonderes, dass der Tourneeauftakt in Österreich begann. In Stuttgart und Berlin schlüpfte sie bereits in die Rolle der alleinerziehenden Donna und auch nach x Vorstellungen merkt man ihr kein bisschen Langweile an. Kaum erblickt sie die drei verflossenen Liebschaften wähnt sie sich einem (Alp-)Traum – speziell Sam weckt keine guten Erinnerungen. Gerade aber dank dieser Erinnerungen singt sich Mayer bei „Der Sieger hat die Wahl“ regelrecht die Seele aus dem Leib. Das Publikum goutiert diese Leistung mit extratosendem Beifall. Zu einem sehr intimen Mutter/Tochter Moment kommt es bei „Durch meine Finger rinnt die Zeit“. Ein Lied für jede Mutter, die meint ihre Tochter zu verlieren, anstatt einen Schwiegersohn zu bekommen. Aber natürlich ist Donna nicht dauernd die Traurigkeit in Person selbst. Sowohl bei „Dancing Queen“ als auch „Super Trouper“ gibt sie mit Rosie und Tanja mächtig Gas und alle drei leben den Abbasound von der Haar- bis zur Zehenspitze. Auch die silbernen „Super Trouper“ Outfits bekommen extra Beifall.

Mit Rosie und Tanja stehen Donna zwei sehr unterschiedliche Personen zur Seite. Alle drei verbindet aber eine langjährige Freundschaft und genauso kommt es auch rüber. Sowohl Barbara Raunegger (Rosie) als auch Betty Vermeulen (Tanja) sind mit ihren Rollen bestens vertraut und so gut wie eins mit ihrem Charakter. Beide zusammen sind richtig verrückte Nudeln und man kann ordentlich Spaß mit ihnen haben. Auch das Trösten von Donna verbinden sie mit einer spassigen Performance. Mit „Chiquitita“ wird versucht Donna aufzumuntern, nachdem sie einen Dreifachtestosteronschock erlitten hat. Mit diversen Accessoires (warum wohl finden auch hier Bananen ihre Verwendung?) wird hier gespielt und natürlich kann Donna bei soviel Action um sie herum auch nicht lang traurig rumsitzen. Betty Vermeulen sorgt für Lacher, wenn sie die Luftmatratze lieber saugt statt aufzublasen und auch bei „Wenn das Mami wüßt“ geizt sie nicht mit Reizen und weiß, wie sie ihren jungen Verehrer Pepper sowohl anheizen als auch auf Abstand halten kann. Raunegger als Rosie hat weniger Erfahrungen mit dem männlichen Geschlecht. Es ist aber herrlich, wie sie aufblüht, als sie Bill kennenlernt und ihn am Ende bei „Komm und wag’s mit mir“ durch die Gegend jagt, um schlussendlich mit ihm am Boden herumzukullern. Beide brauchen dringend Zweisamkeit, diese gibt es aber erst nach der Hochzeit am Ende.

Auch die drei Männer Sam, Bill und Harry alias Karim Khawatmi, Detlef Leistenschneider und Jörg Zuch waren schon des Öfteren zu Gast auf der griechischen Insel und dementsprechend ein eingespieltes Team. Khawatmi gibt sich von Anfang an verträumt und sentimental. Ihm fehlt die Insel, die Taverne, die nach seinen Entwürfen gebaut wurde und natürlich am meisten ihre Besitzerin. Dass er Inselverbot bekommen hat, macht ihm sichtlich zu schaffen und man merkt, da ist doch noch was…Besonders schmerzhaft für ihn als er „SOS“ funkt und er beim Duett mit Donna bei dieser abblitzt. Gottseidank erhört ihn diese am Ende doch noch und sagt „Ich will, Ich will, Ich will, Ich will, Ich will“. Zuch gibt den Indiana Jones Draufgängertypen, wobei er nicht überall so kühn und verwegen agiert. Speziell, wenn es um die Damenwelt geht, ist er plötzlich ein wenig tollpatschig (tanzbärenhaft auch seine tänzerischen Einlagen) und zurückhaltend, was natürlich vor allem im Zusammenspiel mit Raunegger süß wirkt. Leistenschneider gibt Harry „Headbanger“, auch wenn er aktuell nicht mehr ganz so der Vorstellung eines Rockers entspricht. Kaum findet er seine Gitarre klimpert er „Danke für die Lieder“. Vermutlich eher ein „Danke für die schöne Zeit von damals“ an die Insel und ihre Bewohner. Dass Harry die Zeit von damals sehr genossen hat, spiegelt sich auch im Duett „Unser Sommer“ mit Donna wider. Man merkt aber auch, dass es hier rein um eine Freundschaft geht, da ja Harry anderweitig vergeben ist.

Endlich hat Katharina Gorgi ihre erste Hauptrolle, zu der wir nur gratulieren können. Erst heuer machte sie an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien ihren Abschluss. Sie hatte aber bereits einige Engagements, zuletzt im Ensemble bzw. Cover Emma Carter in „I am from Austria“. Aber die Erstbesetzung einer Hauptrolle ist doch gleich etwas Anderes. Sie spielt mit einer Selbstverständlichkeit und Lebenslust, dass man ihr den Spaß am Beruf von der ersten bis zur letzten Sekunde anmerkt. Einmal ist sie quirrlig und kaum zu stoppen, wenn sie mit ihren Freundinnen zusammensteckt und bei „Honey, Honey“ alles auf den Punkt bringt, auch wenn es ein paar zuviele sind (kleiner Insider). Dann kann sie aber auch regelrecht sprachlos und erstaunt sein, wenn es ihr beim Anblick ihrer drei Väter den Atem verschlägt. Dass sie ihr Herz noch nicht an eine Leine legen will, bringt sie schlussendlich auch Sky bei, denn es ist ihr wichtig herauszufinden, wohin sie ihr Traum trägt… Auch gesanglich kann man nicht meckern, alles sitzt und man kann Gorgi nur viel Glück für alles Kommende (und das wird so einiges sein) wünschen.

Als ihre zwei BFF’s Lisa und Ali sind Abla Alaoui (sie spielt auch Zweitbesetzung Sophie) und Livia Wrede zu sehen. Sie sind zwei ausgeflippte Girlies, die das restliche Ensemble bei einigen Tanzszenen anführen und versuchen Sophie bei ihrer Vätersuche etwas unter die Arme zu greifen.

Marvin Kobus Schütt alias Sky hat es etwas schwierig, da diese Rolle nicht soviel hergibt. Mit seinen Jungs darf er Sprüche klopfen und Scherze machen. Besonders lustig natürlich die Flossenshow bei „Leg dein Herz an eine Leine“ oder wenn er in Sophies Alptraum bei „Unter Beschuss“ als Braut erscheint.

Vom Männerensemble mit Charakternamen versehen sind Eddie alias Timo Muller und Pepper, den Matthew Bailey verkörpert. Bailey kann vor allem während „Wenn das Mami wüßt“ durch tolle Tanzmoves und Luftsprünge überzeugen.

In weiteren Rollen waren am Premierenabend zu sehen:
Gerd Achilles, Camilla Bates, Eva Maria Bender, Brad Corben, Anneka Dacres, Rosalie de Jong, Eiko Keller, Peter Knauder, Oliver Koch, Tommie Luyben, Marc Schlapp, Bettina Schurek, Marije van Sonsbeek und Enya Oshaug Weibell.

 Beim großen Finale in Linz, bei dem es nochmals „Mamma Mia“, „Dancing Queen“ und das englische „Waterloo“ zu sehen gab, hielt das Publikum nichts mehr auf den Sitzen. Die Produktion, die Darsteller und der Abba-Sound wurden abgefeiert, dass es für alle Beteiligten eine wahre Freude war. Ein triumphaler Auftakt in Linz, der sich mit Sicherheit in den weiteren Tourneestädten (Graz, München, Köln, Frankfurt am Main, Wien, Bregenz, Zürich, Basel und Baden-Baden) fortsetzen lässt.

Mehr Infos zur den Tourstädten, der Produktion und wie man zu den Tickets an den einzelnen Spielorten kommt, findet man hier

Quelle: Andrea Martin

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