Interview mit Maximilian Mayer

Wer schon einmal eine Produktion der letzten Zeit im Staatstheater am Gärtnerplatz in München gesehen hat, der hat vermutlich auch den jungen Maximilian Mayer darin erlebt. In der Saison 2018/19 wird er u.a in „Cosi fan tutte“, „Die lustige Witwe“, „Die Zauberflöte“, „Im weißen Rössl“ oder „My fair lady“ auf der Bühne stehen. Seit der Saison 2016/2017 ist der Tenor fixes Ensemblemitglied und darf meist in Opern, aber auch Musicals oder Operetten das Publikum mit seiner wunderbaren Stimme verzaubern.

Grund genug, um mit diesem jungen Talent ein Interview zu führen:

Stell dich bitte einmal kurz mit eigenen Worten unseren Leserinnen und Lesern vor.

M.M.: „Ich heiße Maximilian Mayer, bin 27 Jahre alt, Opernsänger, komme aus Regensburg und habe eine wahnsinnige Freude daran, andere Menschen zu unterhalten.“ 

Wann hat es sich herauskristallisiert, dass du singen kannst und wolltest du immer schon Sänger werden oder kam dieser Wunsch erst später? 

M.M.: „Ich habe schon immer gerne gesungen, weshalb mich meine Eltern auch auf das Gymnasium der Regensburger Domspatzen geschickt haben. Auf die Idee, dass ich später berufsmäßiger Sänger werde, bin ich allerdings lange nicht gekommen. Selbst nach dem Abitur war mein Berufswunsch eigentlich noch Mediengestalter für Bild und Ton.“ 

Bist du gesanglich erblich vorbelastet? Wenn nein, wie hat es deine Familie aufgefasst, dass du Sänger werden wolltest?

M.M.: „Mein Großonkel war Vorsitzender im Gesangverein, aber ich bin tatsächlich der erste Sänger der Familie, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Ich glaube, meiner Familie war klar, dass es genau das ist was ich machen muss und nichts anderes. Deshalb haben sie mich von Anfang an zu hundert Prozent unterstützt und tun es heute noch, wofür ich Ihnen unglaublich dankbar bin.“

Du scheinst mehr in der Opern- als in der Musicalschiene daheim zu sein? Wie kam es dazu und findest du ist Oper schwieriger oder einfacher als Musical zu singen und zu spielen? Gibt es in einem der beiden Bereiche eine Rolle, die unbedingt noch auf deiner to-do-Liste steht?

M.M.: „Nach dem Abitur bin ich mehr oder weniger durch Zufall über einen Schulkollegen in den Extra-Chor am Stadttheater Regensburg gekommen, dort war meine erste Produktion „Lohengrin“ von Richard Wagner. Das hat mich so fasziniert, dass ich mir gesagt habe: Das will ich beruflich machen. Dann bin ich nach Wien gefahren zur Aufnahmeprüfung und wurde genommen. Ich würde nicht sagen, dass das eine schwieriger ist als das andere. Beides kann einen bis an seine Grenzen führen, die man dann im besten Fall erweitert.Die Stimme kann sich noch in viele verschiedene Richtungen entwickeln, deshalb kann ich gar nicht sagen welche Rollen ich noch machen werde oder unbedingt machen will, aber das macht das ganze ja auch irgendwie spannend.“

Wenn du dich entscheiden müsstest, Oper oder Musical, wie würde diese ausfallen und warum?

M.M.: „Für die Oper, weil dort der Sänger und die Stimme noch ein bisschen mehr wertgeschätzt werden. Während man im Musical häufig sechs bis acht Shows in der Woche spielen muss, singt man in der Oper selten an zwei Abenden hintereinander. Die Chance, dass man verheizt wird, ist glaube ich in der Oper noch ein wenig geringer.“

Muss man sich auf Oper (stimmlich und schauspielerisch) anders als auf’s Musical vorbereiten?

M.M.: „Ich denke nicht. Für beides muss man körperlich absolut fit sein. Der Körper inklusive Stimme ist das Kapital, wenn das nicht funktioniert kann man nicht arbeiten.

Die Gesangstechnik ist natürlich eine andere und ich würde nicht an einem Tag Musical und am nächsten Tag Oper singen, aber grundsätzlich bereite ich mich nicht anders darauf vor.“

Hörst du privat auch gern Oper/Operette/Musical oder vielleicht zum Ausgleich etwas völlig Anderes?

M.M.: „Privat bin ich eher in der Rockmusik zuhause. Ich gehe auch gerne auf Konzerte und Festivals, was sich mit meinem Beruf leider nicht allzu oft verbinden lässt.“

Du bist am Gärtnerplatztheater in München seit der Spielzeit 2016/2017 fixes Mitglied. Wie ist das, wenn man quasi irgendwo „sicher“ ist und immer wieder Rollen bekommt?

M.M.: „Der Begriff „sicher“ ist relativ, weil wir ja auch immer nur Ein- oder Zwei-Jahresverträge bekommen. Natürlich ist es angenehm zu wissen, dass man sein Gehalt auch dann bekommt, wenn man mal krankheitsbedingt für ein paar Vorstellungen ausfällt. Dafür kann ich mir aber meine Rollen nicht aussuchen, sondern muss spielen was auf dem Spielplan steht. Auch eine Ruhezeit für seine Stimme kann man sich als festes Ensemblemitglied nicht selbst einteilen. Nach zehn Produktionen im Jahr ist man dann ganz schön ausgelaugt.“

 

Du darfst ja offenbar nebenbei auch andere Engagements annehmen, wie ist das für dich, dass du dann andere Locations auch kennenlernen kannst und wo hat es dir bis jetzt am Besten gefallen.

M.M.: „Ich finde die Abwechslung ist mit das schönste an meinem Beruf. Neue Locations, neue Leute, neue Rollen. Im Sommer 2016 durfte ich beispielsweise bei den Seefestspielen Mörbisch singen. Das war schon eine besondere Location. Es gibt Platz für 6.000 Zuschauer und die Bühne befindet sich auf dem See, sodass man zwischen den Proben oder auch nach der Vorstellung einfach kurz mal in den See springen und schwimmen gehen konnte.“

Wenn du für dich Werbung machen müsstest, aus welchen Gründen sollte man ausgerechnet dich für eine Rolle engagieren?

 M.M.: „Ich finde gerade die Oper und die Operette ist eine sehr verstaubte Gattung für die sich fast ausschließlich ältere Leute interessieren. Ich als junger Sänger kann da frischen Wind rein bringen und damit das Theater vielleicht auch wieder für junge Menschen interessant machen.“

Was denkst du, macht dich besonders geeignet für das Showbusiness und falls es für dich absehbar ist, dass du längere Zeit kein Engagement bekommst – was würdest du machen?

M.M.: „Ich glaube die Tatsache, dass ich nichts anderes kann oder zumindest langfristig mit nichts anderem glücklich werden könnte macht mich so geeignet für das Showbusiness. Man muss alles auf eine Karte setzten. Wenn es einen Plan B geben würde, dann würde mich für Plan B entscheiden.“

Steckt in den Rollen, die du bisher verkörpert hast irgendetwas von Maximilian Mayer oder sind sie meist total unterschiedlich zu deiner Person?

 M.M.: „Ich würde behaupten, dass in jeder einzelnen Rolle zumindest ein Stückchen von mir selbst steckt, sonst könnte ich die Rolle nicht authentisch spielen. Natürlich gibt es Rollen, die meiner Person näherliegen, aber es ist auch aufregend in den anderen Rollen eine vielleicht verborgene Seite von mir zu entdecken.“

Wenn du ein Stück gar nicht kennst, wie bereitest du dich darauf vor (neben den üblichen Proben)?

M.M.: „Ich lese mir die Handlung auf Wikipedia durch und suche dann auf Youtube nach Aufnahmen die mir gefallen.“

Was macht dir an Deinem Job am meisten Spaß?

M.M.: „Andere Menschen zu unterhalten. Sie zum lachen und manchmal vielleicht auch zum weinen zu bringen.“

Wenn du dich mit 3 Emojis beschreiben müsstest, welche wären das?

Vielen herzlichen Dank an Maximilian Mayer und viel Erfolg bei der weiteren Realisierung seines Plan A!

(c) Alexander Moitzi
Quelle: Andrea Martin

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