Im 29. Jahr und kein bisschen leise: Rock of Ages feierte die Österreichpremiere beim Musicalsommer in Amstetten

Jedes Jahr ging bisher ein Krachermusical an den Start, aber dieses Jahr war es vermutlich das lauteste und wildeste, was Amstetten je erlebt hatte.

Am Premierenabend, dem 18.7.2018 rockten jede Menge bekannte Gesichter im Publikum mit so z.B: Ramesh Nair, Zoë Straub, Christopher Dederichs, Jacqueline Braun, Percival, Susa Meyer, Werner Sobotka, Elisabeth Sikora, Markus Olzinger, Peter Hofbauer uvam.

Nach einer Begrüßung durch die Bürgermeisterin von Amstetten, Frau Ursula Puchebner sowie einleitende Worte vom Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Bärnkopf konnte das Spektakel schon beginnen.

Zunächst fielen einem einmal die vielen Details des Bühnenbildes auf (Sam Madwar hatte sich wieder einmal ausgetobt). Man konnte die Clubatmosphäre des „Bourbon Rooms“ regelrecht spüren, zumal die Bühne samt Zuschauerraum ordentlich eingenebelt worden war. Schallplatten, Gitarren, BH’s und eine riesige fast nackte Lady hingen an den Wänden. Die 5köpfige Band unter der Leitung von Christian Frank hatte auf der Bühne Platz gefunden. Die Bühnenkante war extra neugestaltet worden und mit Ecken und Kanten versehen, eine beherbergte sogar eine Windmaschine, die des Öfteren Haare fliegen ließ. Schon die Band war ein Hingucker für sich, da sie sich auch in rockige Outfits geworfen hatte. Sogar riesige Perücken wurden verwendet, sodass fast schon lookalikes der Bands Bon Jovi oder Guns n‘ Roses dabei waren. Man musste mehr als zwei Mal hinsehen, um zu erkennen, wer sich dahinter verbarg.

Regie führte Alex Balga, Jerome Knols war für eine fetzige Choreo zuständig, die so manche Überraschung parat hatte. Für die Kostüme zeichnete Diego Andrés Rojas Ortiz verantwortlich. Wilde Katzenmuster, Jeansstoffe, rockige Shirts und viel Haut (bei den Ladies) im Club dominierten. Das Hairdesign stammte von Daniela Skala und sie konnte sich bei so gut wie allen Charakteren ordentlich austoben und viele Frisuren waren ein ordentlicher Blickfang.

Bei „Rock of Ages“ handelt es sich um ein Jukebox-Musical. Es werden bereits existierende Songs genommen, in dem Fall diverse (Rock-) Songs aus den 80er Jahren und rund um diese eine Story geschaffen. Manchen ist vielleicht der Film aus dem Jahr 2012 in Erinnerung. Die Hauptdarsteller waren u.a. Tom Cruise, Alec Baldwin, Julianne Hough und Catherine Zeta-Jones. Das Musical selbst beherbergt einige andere Charaktere und weist leichte Unterschiede auf. Vorrangig ist aber in jedem Fall die rockige Musik, die von Interpreten wie Starship, Twisted Sister über Bon Jovi, Pat Benatar oder Journey reicht.

Trotzdem versuchen wir an dieser Stelle die Geschehnisse rund um den „Bourbon Room“ zusammenzufassen:

Im Hollywood Club „Bourbon Room“, der Dennis Dupree gehört, arbeiten Lonny (dieser Charakter fungiert auch als Erzähler) und Drew Boley. Dank Drews Fürsprache darf auch die junge Sherrie dort anfangen, die es zuhause nicht mehr ausgehalten hat. Drew würde liebend gern eine Rocksängerkarriere als sein Alter Ego Wolfgang von Colt starten, nur die Gelegenheit und der Mut fehlen. Zur gleichen Zeit wollen zwei Schweizer Investoren, Herz und sein Sohn Franz Kleinmann, den Sunset Strip von jeglichem Rock’n’Roll bereinigen. Dazu gehört auch der Abriss des Clubs. Dupree versucht mit einem Auftritt von Jacee Staxx Geld für den Club aufzubringen und ihn so halten zu können. Doch die Dinge entwickeln sich anders. Drew steht auf Sherrie, diese lebt aber ihre Bedürfnisse mit dem exzentrischen Staxx sehr offen aus. Der hat das Drama mitbekommen und nimmt ein Angebot eines Managers, der ihn singen gehört hat, an. Dank Staxx wird Sherrie gefeuert. In ihrer Not landet sie bei Justice in einer Stripper Bar und wird dort etwas, was sie vorher nie gedacht hätte. Es gibt Proteste, die zum Bestehen des „Bourbon Rooms“ beitragen sollen. Allen voran die Aktivistin Regina, die es aber auch schafft in Franz Zweifel zu säen. Keine Zweifel gibt es, dass sich Franz und Regina zueinander hingezogen fühlen. Ein weiteres Duo gesteht einander seine Gefühle – Dennis und Lonny. Abermals glaubt Drew seine Liebe verloren zu haben, nämlich als er sie mit Jacee in einer verfänglichen Situation im Striplokal antrifft. Der Showdown lässt sich verkürzen: Franz stellt sich gegen seinen Vater. Regina hält im wahrsten Sinn des Wortes flammende Rede und kann Hertz von einer weiteren Zerstörung abhalten. Drew kann seine Sherrie noch rechtzeitig von einer Abreise abhalten und beide gestehen einander ihre Gefühle. Happy End für alle und es kam zu einem großen Finale, bei dem man erfährt, dass sich jeder seinen Traum (z.B. wollte Franz eine Confiserie in Zürich eröffnen) erfüllen konnte.

Die große Message am Schluss war „Don’t stop believin“ und diese wurde von allen bis in den letzten Winkel des Saals getragen und es herrschte Partystimmung pur.

Zu den Charakteren im Einzelnen:

Alex Melcher gab Lonny Barnett. Einerseits den sehr überdrehten Erzähler, der immer wieder auf bevorstehende Ereignisse hinwies oder sogar selbst die Fäden in der Hand hatte, andererseits der Assistent von Dupree im Club. Erst als es mit dem „Bourbon Room“ bergab geht, wird aus der Geschäftsbeziehung mehr. Melcher war ein absoluter Wirbelwind auf der Bühne und das was man gut und gern als Rampensau bezeichnen kann. Allein sein erster Auftritt – er rutscht das Geländer im Club runter, zeugt von jeder Menge überschüssiger Energie, die man sehr oft zu sehen und zu hören bekam. Mit Vokuhila und Rotzbremse passte er natürlich perfekt in die 80er. Bei diversen Songs wie u.a. „Cum on feel the noize“ stach er in jedem Fall auch gesanglich hervor und alle hatten ihren Spaß mit seinem Charakter.

Angesichts der unglücklichen Sachlage des Clubs gestanden schlussendlich einander auch Dennis Dupree (Mischa Mang) und Lonny ihre Liebe bei „Can’t fight this feeling“. Eine süße, fast schon „Dirty Dancing“ mässige Einlage folgte und Melcher landete in Mangs starken Armen und beide besiegelten das neue Glück mit einem langen Kuss. Anfangs strotzte Mangs Charakter nur so vor Einfallsreichtum, um wieder zu Geld zu kommen. Doch die Zeit arbeitete gegen ihn und man merkte ihm an, dass er zu resignieren begann, als es mit seinem Club bergab ging. Alles andere als bergab ging es mit Mang’s Stimme. Auch er hatte tolle Momente und stach mit seiner markanten Stimme heraus. Für eine Überraschung sorgte er beim Finale, hier erfährt man von Lonny, dass Dupree bereits gestorben war. Da Mang aber auch beim Finale dabei sein wollte kam er einfach als „Goldener Engel“ mit Flügeln und Heiligenschein und gab sich bei „Don’t stop believin“ äußerst lebendig.

Sasha di Capri alias Drew Boley alias Wolfang von Colt durfte in diesem Stück eine Achterbahn der Gefühle durchleben. Als „Mädchen für alles“ war er im „Bourbon Room“ angestellt und träumt doch nur davon Rocksänger zu werden. Auch wenn Drew nicht so aussah, war er doch sehr schüchtern und unbeholfen, was den Umgang mit Frauen betraf. Di Capri schafft es perfekt in diese Rolle zu schlüpfen und man hätte ihn am liebsten schütteln und sagen „aufwachen, tu was, um Sherrie zu kriegen“. Dass diese seine Traumfrau ist, merkte man nur allzu gut so z.B. bei „Waiting for a girl like you“. Doch weil er ihr „nur ein Freund“ sein will, passierte etwas, was ihn aus der Bahn wirft. Gar nicht schüchtern war er als sein Alter Ego Wolfang van Colt als er u.a. „I wanna rock“ zum Besten gab. Gottseidank kamen die beiden am Ende doch noch zusammen, davor zog di Capri aber bei „Oh Sherrie“ nochmal alle Register – was für ein fulminanter Endton – wow.

Barbara Obermeier hat man schon in vielen Rollen erlebt als Sr. Mary Robert in „Sister Act“ oder als Elle Woods in „Natürlich Blond“. Jetzt als Sherrie Christian konnte man sie wieder in einer völlig anderen Rolle erleben und neue Seiten sowohl vom schauspielerischen als auch beim Gesang entdecken. Von wegen braves Mädchen vom Lande – Sherrie hatte es die meiste Zeit faustdick hinter den Ohren und machte oft auch Sachen, ohne über deren Konsquenzen nachzudenken. So ging es z.B. während der Klo-Szene mit Jacee Staxx aber sowas von zur Sache, dass es schon fast nicht mehr jugendfrei war. Obermeier lag am Boden und war mehr als bereit für das große Abenteuer. Bei „I wanna know what love is“ gab es also ordentlich „Shades of Barbara“ zu sehen. Ebenfalls heiß her ging es bei der Traumsequenz von „Waiting for a girl like you“, bei dem di Capri völlig unbeteiligt wirken musste. Ein absoluter Hingucker war sie vor allem im zweiten Teil, da hier die Outfits um einiges freizügiger und knapper waren. Blonde Lockenpracht, High Heels und sexy moves zeigten eine Barbara wie aus einer anderen Welt. Noch dazu mit einer unglaublich lauten und präsenten Stimme, dass einem vor Staunen nur der Mund offen blieb.

Staunen verursachte auch Filippo Strocchi. Es ist noch nicht allzu lange her, da spielte er u.a. den Graf Krolock und verführte Sarah. In „Rock of Ages“ war Jacee Staxx, so sein Rollenname, ein Girl beileibe nicht genug. Für das Outfit stand sicher Kid Rock Pate, wobei Staxx’s noch eine Spur exzentrischer war. Eine hautenge Legging mit Leopardenmuster, die noch dazu extra gut befüllt worden war, ein Netzshirt oder gleich oben ohne, damit man die für die Rolle notwendigen Tattoos sehen konnte und lange blonde Haare – das war der sehr auffallende Look den Strocchi für seine Rolle verpasst bekommen hatte. Staxx ist cool, egoistisch, selbstverliebt und liebt es, wenn er angebetet wird. Eine sehr heiße Aktion als Strocchi eine pinke Damenunterhose aus seiner Kleidung zutage beförderte und sie ins Publikum warf. Vor allem bei „Wanted dead or alive“ zog er eine heiße Show ab, nützte die Windmaschine und zeigte eine tolle Tanzshow. Für viele war sein Charakter auf jeden Fall zu selten auf der Bühne zu sehen.

Das Gleiche galt für Ana Milva Gomes in der Rolle der Justice Charlier. Sie war die Besitzerin des Stripclubs, in dem Sherrie Zuflucht fand. Sie bekam eine wahnsinnig tolle blonde Perücke (Ähnlichkeit mit Ru Paul durchaus zu erkennen) verpasst und ein raffiniertes goldenes Kleid mit megalangem Seitenschlitz. Gomes‘ Justice sah heiß aus, ohne billig zu wirken, im Gegenteil sie wirkte elegant und ladylike und ist sich bewusst, was Männer so mögen. Sowohl bei „Shadows of the night“ als auch bei „Any way you want it“ zog sie alle Register und man bekam alles, wofür die Holländerin steht zu hören und zu sehen. Ein Genuss für alle Sinne.

Mut zur Farbe, wenn auch nur zu einer, bewies Rebecca Soumagne alias Regina. Eine grüne Strumpfhose sah noch nie so gut aus, wie bei ihr. Als Aktivistin Nr. 1 war sie die Anführerin für alle Protestaktionen und schreckte vor nichts zurück. Toll ihr rebellischer Auftritt bei „We’re not gonna take it“. Reginas interessante hochexplosive Bekehrungsversuche fruchten bei den Kleinmanns. Franz verliebt sich in sie und auch Hertz zeigt seine weiche Seite.

In dieser Fassung waren „die Bösen“ nicht aus Deutschland, sondern der Schweiz. Das Vater/Sohn-Gespann Hertz und Franz Kleinmann waren trotz Anzügen und geschniegelten Frisuren die waren Bad Guys, da sie den Lebensinhalt vieler zerstören wollten. Bei Patrick Imhof als Hertz musste man wirklich zwei oder besser drei Mal hinsehen, um ihn zu erkennen. Mit Schnauzer und blonder Perücke, die etwas Ähnlichkeit mit der Frisur eines internationalen Politikers, der in aller Munde ist, hatte. Er setzte auf die Macht des Geldes und konnte schnell den Bürgermeister für sich gewinnen. Neben der Skrupellosigkeit in Person konnte er aber auch anders, nämlich dann, als er glaubte seinen Sohn verloren zu haben. Bei „Keep on loving you“ war er die Verzweiflung in Person. Vor allem das Geständnis, dass er gerne Hundemode entworfen hätte, überraschte am Ende.

Aber das Motto war ja „Don’t stop believin“ und so hätte auch das von Franz sein sollen. Simon Stockinger standen regelrecht die Selbstzweifel ins Gesicht geschrieben und immer wieder sah man ihm an, dass er nicht nach dem Diktat seines Vaters leben will. Umso erschrockener war dieser, als es plötzlich ein „nein“ vom Sohnemann gab. Vom schüchternen Buben wurde Franz plötzlich zum Rebell und das nur dank der Liebe. Stockinger zeigte sehr gut, wie sein Charakter immer mehr aufblühte. Der größte Überraschungsmoment des Stücks wurde Stockinger bei „Hit me with your best shot“ zuteil. In diesem Song reißt er sich als Befreiungsschlag seinen Anzug vom Leib. Darunter kam ein Glitzerbody zum Vorschein, in dem er gemeinsam mit Kollegin Soumagne, die ebenfalls plötzlich im Glitzeroutfit dastand, die Bühne rockte.

Cedric Lee Bradley schlüpfte gleich in mehrere Rollen. Als Bürgermeister gab er sich bestechlich und als Ja’Keith dem vorübergehenden Manager von Drew wollte er diesen komplett ummodeln und rannte gegen die Wand. Ins Auge stach er im Ensemble, wenn er sich mit seinen geflochtenen Zöpfen bei der Choreo austobte.

Stefan Mosonyi unterstützte auch das Ensemble und trat als exzentrischer Joey Primo, der Nachfolger von Staxx bei seiner Band auf. Was für ein Look – Pumuckl auf Ecstasy.

Die Ensembledamen waren immer und überall eine Augenweide: Chayenne Lont, Taryn Nelson di Capri sowie Petra Ilse Dam (was für lange Beine!) und Maria Moncheva. Letztere zeigte spektakuläre Einlagen an Ketten in luftiger Höhe.

Die Show und das Ensemble machten den Premierenabend unvergesslich und es ist kein Wunder, dass insgesamt 6 (in Worten sechs) Zusatzshows angesetzt wurden – da wird sogar der Sommer zu kurz.

2019 feiert dann der Musicalsommer Amstetten sein 30jähriges Bestehen – mal schauen was da geboten wird.

Quelle: Andrea Martin

 

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