„Die Blume von Hawaii“ durfte auch für die ganz Kleinen in Bad Ischl erblühen

Geplant war der Besuch eigentlich nicht, aber Intendant Thomas Enzinger machte am Vorabend so neugierig, dass ich mich am 5.8. um 10:30 beim Kongress- und Theaterhaus in Bad Ischl einfand. Eine kindergerechte Fassung von „Die Blume von Hawaii“ stand am Programm. Das Motto war „Musiktheater hautnah erleben von 0 bis 99 Jahre“. Und es waren auch alle Altersgruppen vertreten. Die Oma kam mit dem Enkel, der Onkel mit Nichte oder Neffe oder es kam gleich die ganze Familie und machten einen 90minütigen Ausflug ins Theater. Auf jeden Fall eine gute Möglichkeit um der draußen herrschenden sengenden Hitze zu entkommen, da der Saal gut klimatisiert war.

Die Vorstellung wurde passend für das junge Publikum adaptiert und von Thomas Enzinger selbst moderiert. Ihm zur Seite stand Walter Witzany, ein in der Gegend bekannter Radiomoderator. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass alle Beteiligten auf Gehalt verzichtet hatten. Dieser Vormittag kam dem Projekt Alalay zugute. Es handelt sich dabei um eine Non-Profit-Organisation, die sich für Straßenkinder in Bolivien einsetzt. Witzany ging diese Benefizveranstaltung besonders zu Herzen, ist er doch der Vereinsvorstand. Von ihm erfuhr man am Ende auch einiges Wissenswertes zum Projekt. So wurden schon rund 20.000 Kinder von der Straße geholt, drei Kinderdörfer gebaut und es konnten bereits viele Erfolge verzeichnet werden (Infos unter www.alalay.at).

Enzinger hatte sich perfekt vorbereitet, was sich auch in der Wahl seiner Kleidung widerspiegelte – er trug nämlich ein Hawaiihemd. Sehr humorig stellte er sich mit „Ich bin der Thomas“ vor und wollte anfangs gleich von den Kids wissen, was sie gleich sehen werden und ließ sich den Stücknamen entgegenbrüllen. Dann wurden diverse Faktoren aufgezählt, die man für eine Operette benötigt. So auch ein Orchester, in dem Fall 40 Mann/Frau stark und den dazugehörigen Dirigenten. Dieser betrat dann auch die Bühne und wurde als Gerald Krammer vorgestellt. Betreffend seines „Staberls“ alias Taktstock wurde aufgeklärt, dass er damit nicht wie Harry Potter zaubern kann, wohl aber sollten ihm alle „unten“ also im Orchestergraben folgen. In action sah man ihn dann bei der Ouvertüre, die er von der Bühne aus dirigierte.

Enzinger bereitete das Publikum vor, was es zu sehen bekam und wie die Szenen in das Stück gehörten. Als erstes sah man Nina Weiss alias Bessie und Ramesh Nair alias Buffy bei „My little boy“. Ihnen zur Seite stand das Tanz- bzw. Gesangsensemble. Eine sehr flotte Nummer, bei der die Damen sogar Radschlagqualitäten bewiesen. In einem Kurzinterview sprach Nair über seine doppelte Tätigkeit als Choreograph bzw. als einer der Darsteller. Dann erschien Mark Weigel als Bessies Vater und informierte sie über ihren Zukünftigen. Sehr humorig, wenn man in Buffys Gesicht blickte und er sich als dieser betrachtete. Doch es soll der Prinz Lilo-Taro sein. Dieser erschien in Person von Clemens Kerschbaumer, heiß umworben von den Tänzerinnen. Er gab dann „Vor meinem Haus am Silbersee“ zum Besten. Witzig die gestellten Bilder von ihm, die auf einer Leinwand eingeblendet wurden. In einem kurzen smalltalk mit Kerschbaumer erfuhr man, dass er sich schon mit 16 Jahren für’s Musical in der Schule begeistert hatte und eins zum anderen führte. Seinen Eltern hat er viel zu verdanken, da sie ihn sehr unterstützt haben. Als Tipp für alle anwesenden Eltern, die ein begabtes Kind haben gab er folgendes mit auf den Weg: das Kind soll Spaß und Freude an der Sache haben und darf nie überfordert werden.

Dann kam eine Nummer, mit dem sich Gaines Hall alias Jim Boy (auch Sieglinde Feldhofer als Laya trat in Erscheinung) in die Herzen der jungen Besucher steppte. „Wir singen zur Jazzband“, eine tolle eingängige Nummer, bei der Hall sein Steptalent unter Beweis stellte. Witzany hatte das Interview mit diesem Darsteller übernommen und wollte wissen, woher er so gut steppen kann. Hall verriet, dass seine Mutter schon eine Steptänzerin war und er somit quasi schon steppend bei der Geburt herauskam. Dann wurde die Szene gezeigt, in der Raka (Susanna Hirschler) und Buffy einander begegnen. Hirschler versuchte sich furchteinflößend in hawaiianischer Kampftechnik und Buffy als kleiner Witzbold. Das war die Szene, wie sie gespielt gehörte und einstudiert worden war. Regisseur Enzinger gab dann einen Einblick wie sie anders aussehen hätte können, wenn a) beide einen Schnupfen haben, b) wenn beide ganz furchtbar traurig sind und c) wenn sie wütend und mit gebrochenem Fuss agieren. Besonders die letzte Szene verlangte den beiden Darstellern so einiges ab, vor allem konnten sie nicht lange ernst bleiben und in den Lachanfall stimmten natürlich alle herzlich mit ein. Was für ein Spaß dieser kleine „was wäre wenn“ Ausflug.

Es folgte der nicht minder lustige Ausschnitt der beiden mit „Was hat der Gentleman im Dschungel zu tun?“ Beide Akteure frisch, frech und fröhlich und das Publikum hatte seine Spass. Dann durfte René Rumpold alias Kapitän Stone auf die Bühne kommen und mit seinen Matrosen das Seemannslied „Wo es Mädels gibt, Kameraden“ interpretieren. Kurz vor dem nächsten Lied erfuhr man, warum die Figur des Buffy 365 Pyjamas zuhause hat. Weiss und Nair zeigten dann, was es mit dem Diwanpüppchen so auf sich hat und sie ließen im wahrsten Sinn des Wortes die Puppen (sprich sich gegenseitig) tanzen.

Dann baute Enzinger ein wenig Spannung auf, denn da sich Laya offenbar gegen den Prinzen entschieden hatte, wollte der nicht mehr länger leben („Ein Paradies am Meeresstrand“). Und plötzlich wusste dann auch die Prinzessin, wen sie liebt.

Zum großen Finale wurden alle auf die Bühne geholt. Enzinger gab einen kurzen Überblick, wer mit wem zusammenkommt und wie es für die einzelnen Protagonisten ausgeht.

Am Ende bedankte sich ein sehr emotionaler Walter Witzany für das Ermöglichen der Veranstaltung. Einige kostümierte Darsteller sammelten dann auch noch nach der Vorstellung eifrig weiter und standen auch für gemeinsame Fotos und Autogramme zur Verfügung.

 

Es war wirklich eine gelungene Matinee und am Nachmittag waren einige Kinder wieder im Theater und sahen sich dann die lange Version an.

Während der Veranstaltung konnten EUR 3.322,41 eingenommen werden, der Ischler Bürgermeister und Festival-Präsident Hannes Heide rundete noch einmal um 200 Euro auf.

Quelle: Andrea Martin

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