Bonnie & Clyde – eine Liebe bis dass der Tod sie für immer vereint

Am 28.7.2018 fand im Stadttheater Baden die österreichische Erstaufführung des Musicals „Bonnie & Clyde“ statt.

Das Buch ist von Ivan Menchell, die Musik von Frank Wildhorn und die deutsche Fassung stammt von Holger Hauer. Die Musiknummern sind eigentlich nur für eine kleine Band gemacht, aber in der BühneBaden war natürlich bigger is better angesagt und Pavel Singer schuf für ein großes Orchester die passenden musikalischen Arrangements. Für die musikalische Leitung war Michael Zehetner zuständig. Leonard Prinsloo war gleich für zwei Bereiche verantwortlich, nämlich für die Inszenierung und die Choreographie. Die Ausstattung war einfach und zweckmäßig. Es gab drei bewegliche Teile, die so gut wie alles darstellten. Die oberen Bereiche wirkten wie Bretterwände. Diese wurden sowohl mit Fotos (zum Großteil im Polaroid-Look) als auch Videos bespielt. Die Fotos zeigten die echten Bonnie und Clyde von damals, aber auch Bilder der damaligen Situation der Bevölkerung wurden als Anschauungsmaterial eingeblendet. Beklemmend – Bilder des zerschossenen Autos und des toten Gangsterpärchens. Manche Szenen wurden live gefilmt und in Sepafarben an die Wände geworfen.

Die hitzigen Gefechte nicht entgehen lassen wollten sich am Premierenabend u.a. folgende bekannte Gesichter: Marika Lichter, Birgit Sarata, Ulrike Beimpold, Benjamin Plautz, Ulrike Figgener, Gernot Kranner, Boris Pfeifer, Susan Rigvava-Dumas…Heiß wurde es dann nicht nur des Stückes wegen, sondern auch aufgrund der herrschenden brütenden Hitze im Theatersaal selbst, sodass ein allgemeines Fächer fächeln angesagt war.

Mit „es war einmal“ könnte man beginnen, allerdings fangen so im allgemeinen nur die Märchen an, doch Bonnie und Clyde hat es tatsächlich gegeben, sie starben gleichzeitig im Jahre 1934 durch einen Kugelhagel auf ihr Fluchtauto in Bienville Parish, Louisiana. Genau mit dieser Szene beginnt auch das Musical, dann erfolgt ein Rückblick in ihre Kindheit.

Übermut tut selten gut, dennoch heißt es oft, man soll seine Träume verwirklichen. Die junge Bonnie Parker träumte von jeher schon von einer Karriere als Schauspielerin. Schlussendlich landete sie zwar auf den Titelseiten, aber anders als geplant. Der kleine Clyde hat großes vor und will ein Gangster werden, die (nunmehr toten) Hühner hatten schon unter ihm zu leiden. Gleich zu Beginn schlüpften Tara Oberkofler (sehr präsent während des Songs „Superstar“) und Melvin Hirschmann in die Rollen der jungen Hauptcharaktere. Gleich in dieser Szene werden die Nachwuchsdarsteller gegen Dorina Garuci und Mark Seibert getauscht. Es kommt zur ersten Begegnung der beiden. Er repariert ihr Auto, sie nimmt ihn mit. Bei beiden gibt es einen leichten Funkenflug und sie offenbaren einander ihre Wünsche. Clyde will wie Billy the Kid sein und Bonnie träumt vom Dasein eines It-Girls. Beide wünschen sich „Dass die Welt sich erinnern wird“. Eine ungeheure Anziehungskraft ist zwischen den beiden zu spüren, natürlich gibt es nach dem Song den ersten Kuss (auf den viele folgen). Dann hört man die Polizei, Clyde und sein Bruder Buck sind gerade aus dem Knast ausgebrochen. Seibert gab sich auch beim Klang der Polizeisirenen cool und lässig, wobei so heiß sahen Hosenträger wohl noch nie aus und manch ein weiblicher Fan wird vielleicht gar nicht mehr den Vampirumhang, den er bis vor kurzem noch trug, vermissen. Als strenger Sheriff Schmid will Thomas Smolej die Verfolgung aufnehmen. „Ich bin das Gesetz“ stellt er klar, fragt sich nur, wie lang das gut geht. Buck (Reinwald Kranner) überrascht seine Frau Blanche (Michaela Christl) bei der Arbeit im Frisörsalon. Diese muss ihn decken, da die Polizei auftaucht. Sehr schlau – er nimmt den Platz einer Dame unter der Trockenhaube ein und liest einfach Zeitung. Es folgt eine sehr gelungene Musiknummer „Du gehst wieder in den Bau“, bei dem Blanche Buck bittet sich zu stellen. Ein Song im Countrystil, der Christl absolut gut steht, zeigt wer zu dem Zeitpunkt die Hosen anhat und Gottseidank dafür sorgt, dass man ihren Charakter nicht nur nachdenklich erlebt, auch wenn es ein frommer Wunsch ist, den sie an ihren Gatten heranträgt. Humorig auch die drei Damen aus dem Chor als Trish (Ivana Zdravkova), Eleanor (Maria Koreneva) und Stella (Dessislava Filipov), die alle einhellig der Meinung sind, dass es besser ist, wenn der Mann nicht zuhause ist, da die Frau dann viel mehr Freiheiten hat.

 

Clyde will Bonnie unbedingt singen hören und Garuci versetzt sich bei „Nur einen Tanz“ in eine andere Welt, so als ob sie wirklich vor viel Publikum, das sie sich nicht nur erträumt, auftritt. Auch wenn Garuci sehr zerbrechlich wirkt, ihre Stimme ist das genaue Gegenteil. Kraftvoll und mit ein wenig Schmutz (trotz ihrer jungen Jahre) in der Kehle interpretiert sie den Song und singt sich nicht nur in das Herz von Clyde. Bonnie und Clyde schwindeln ihre Mutter betreffend seiner Herkunft an und er darf übernachten. Als die Polizei kommt flüchtet er. Ted (Artur Ortens) warnt Bonnie und das wird nicht das erste Mal bleiben. Buck hat noch einmal eine heiße Nacht mit seiner Frau verbracht, dann will er sich stellen. Daran kann auch Clyde, der dort auftaucht nichts ändern. Bei „Wenn ich fahr“ versucht er seinen Bruder an den gemeinsamen Kick, den sie gerne haben und brauchen, zu erinnern. Diese Nummer zählt zu den musikalischen Highlights, auch wenn die Melodie vielleicht nicht mehr ganz so neu ist. Sie verlockt in jedem Fall zum Mitgrooven und das vor allem dank eines wirklich gut harmonierenden Männerduos. Wobei Kranner an ein paar Stellen noch stimmlich das ein oder andere Extra einbaut und die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. In dieser Szene begegnen einander auch die Frauen das erste Mal, Freundinnen werden sie wohl nie werden. Der Priester (Martin Berger) vergibt Buck während „Der Herr steht dir zur Seite“ (am Anfang noch sehr ruhig und verhalten entwickelte sich der Titel zu einem tollen Gospelsong, bei dem Berger ordentlich Gas gab, seine geistliche Würde aber immer bewahrte).

Die Polizei tut es nicht und nimmt ihn fest. Clyde macht aufgrund seiner Straftaten Schlagzeilen, bis er eines Tages gefasst und eingesperrt wird. Bonnie besucht Clyde im Knast (interessant, dass berühren oder besser küssen gestattet ist) und Ted warnt sie erneut vor dem Kerl. „Du hast was Besseres verdient“ ist er der Meinung und macht sich um seine langjährige Freundin Sorgen, doch Clyde weiß, er ist der Beste für sie. Bonnies Mutter Emma (Carin Filipcic) hat herausgefunden wo sie war und stellt sie zur Rede. Sie ist sehr besorgt um die Tochter. Beide Frauen, sowohl Bonnie wie auch Blanche lieben ihre Männer, auch wenn sie vielleicht nicht gut für sie sind. Es folgt ein ausgesprochen starkes Damenduett, das es in sich hat. „Du liebst, wen du liebst“ ist genau das, was man von Wildhorn erwartet und er hat hier wirklich ein wunderbares Lied geschrieben. Trotz der Hitze im Saal war hier echte Gänsehaut angesagt. Danke an die beiden Damen für diesen erfrischenden Moment. Buck wird entlassen, Clyde fasst 16 Jahre aus. Harte Arbeit und kein Mitleid erwarten ihn. Im Gefängnis lassen die Wärter kein gutes Haar an ihm und lassen es zu, dass ein Mithäftling (Miki Stojanov) ihn misshandelt. Seibert hat blutige Flecken im Gesicht und ist hin und hergerissen zwischen Aufgabe und Weiterleben. Bei „Reißt die Hölle auf“ explodiert er regelrecht und tötet infolge seinen Widersacher mit einem Stein. Als Bonnie ihm eine Pistole in den Knast schmuggelt ist klar, mit ihm ist nicht zu scherzen. Er flüchtet und mit ihm Bonnie. Beide wünschen sich „Dass die Welt sich erinnern wird“ (auch dieses Lied hat eine eingängige Melodie) und man spricht ja noch heute von ihnen, insofern ging ihr Wunsch in Erfüllung. Bonnies Mutter deckt ihre Tochter, wird jedoch hellhörig, als sie die Sache mit dem Ausbruch von Clyde hört. Ted hält das Mädchen für unschuldig, der Sheriff ist sich aber sicher, dass sie nicht nur das süße Mädchen ist. Buck ist stolz auf das was sein Bruder geschafft hat und Clyde baut sich ein Leben auf der Flucht auf, um eine lebende Legende zu werden.

Nach der Pause sieht man den Priester vor Leuten, denen es nicht so gut geht, predigen („Made in America“). Clyde möchte nicht warten, bis der Herr seine Situation richtet und nimmt die Sache selbst in die Hand. Er überfällt einen Drugstore, hat aber nicht mit einem wagemutigen Polizisten gerechnet, der sich ihm in den Weg stellt. Es war dessen letzter Tag. Clyde ist ob seiner Tat paralysiert. Bonnie erkennt in seinen Augen was passiert ist und will aufhören, sie will keine Mittäterin sein. Doch Clyde (ein sehr eindrücklicher Mark Seibert, der weiß, was er will) weiß eines, es ist „viel zu spät um umzudrehen“. Es folgt ein gesanglicher Schlagabtausch. Clyde sieht nur eine Möglichkeit Bonnies Zweifel aus dem Weg zu räumen – er nimmt ihr mit einem Kuss die Luft zum atmen und zum sich weiter beschweren. Dann ändert sie ihre Meinung. Wenn sie schon kein Filmstar wird, der in der Zeitung steht, so will sie dort aus anderen Gründen aufscheinen. Buck bekommt von seinem Bruder kurze Briefe mit den aktuellen Lageberichten. Man sieht Kranner richtig an, wie es seinen Charakter Buck in den Fingern juckt selbst wieder als Gangster mitzumischen.

Er fragt sogar Blanche, ob sie sich nicht auch nach mehr sehnt, als sie sich eigentlich leisten kann. Doch diese hat andere Träume („Sowas nenn ich einen Traum“). Ihr reicht ein trautes Heim und ein liebevoller Mann. Christl strahlt bei diesem Song eine tiefe innere Ruhe aus, doch mit dieser ist es vorbei, als die Polizei kommt. Sie müssen zugeben Nachrichten von Clyde erhalten zu haben. Die Polizei fordert Kooperation von ihnen. Clyde besucht seine Eltern (Gabriele Kridl, Franz Josef Koepp). Doch diesen ist er schon lang entglitten, trotzdem nehmen sie Geld von ihm, das er erbeutet hat. Für ihre gemeinsamen Raubzüge haben sich Bonnie und Clyde schick gemacht. Seibert steht der Nadelstreifanzug sehr gut und Garuci wurde zur roten Femme Fatale. Für sie besonders befriedigend, dass sie Geiseln Autogramme geben darf oder dass diese das Paar sogar gegen die Oberen aufhetzen und es gut finden, was sie machen. Bei einer Schießerei in einer Bank wird Clyde verletzt. Buck will seinem Bruder zu Hilfe eilen, Blanche ihn aufhalten, doch Bruderliebe siegt und Buck geht. Blanche eilt ihm hinterher. Die Polizei (inzwischen mit Verstärkung Bob Alcorn alias Florian Resetarits und Captain Frank Hamer alias Beppo Binder) versuchen nachwievor die Flüchtigen zu erwischen. Buck und Blanche tauchen beide bei Clyde und Bonnie auf und ob sie es wollen oder nicht, es bildet sich ein Quartett. Bonnie will weiterhin ihre Mutter sehen, Clyde erlaubt es. Emma Parker redet ihrer Tochter gut zu, sie hätte sie gerne lebendig und nicht tot. In das Lied „Der Teufel“ legt sie alle ihre mütterlichen Gefühle, fragt sich, was sie falsch gemacht hat und gibt sich am Ende die Schuld für die Situation.

Auch der Gouverneur Miriam Ferguson (streng: Shlomit Butbul) wird hinzugezogen. Das Stück nähert sich seinem Showdown. Clyde und Buck geben ein höllisches Duo, das auf diverse Raubzüge geht. Sie fühlen sich beide stark, brauchen immer wieder einen neuen Kick und nichts und niemand kann sie aufhalten. Doch die Obrigkeit hat mehr als ein Auge auf sie geworfen und die Schlinge zieht sich immer enger. Blanche hofft weiter auf ein Happy End, da sie keine Mittäterin sein möchte. Doch Bonnie hat sich damit abgefunden „Sterben ist nicht schlimm“, solang sie mit Clyde zusammen sein kann. Ein wunderbar emotionales Solo von Garuci, indem sie zeigt, dass Bonnie nur durch Clydes Liebe gelebt hat. Nach einem weiteren Bankraub sind die vier relaxed in ihrem Unterschlupf. Doch plötzlich ist das Haus von Polizei umstellt. Blanche fordert die Aufgabe, doch mitgefangen mitgehangen. Es kommt zu einer Schießerei bei der sowohl Bonnie als auch Buck verletzt werden. Buck schwer und Blanche will ihn nicht alleine sterben lassen. Unglaublich emotional wie Christl in ihrer Rolle den sterbenden Buck nicht gehen lassen will und ihn bis zuletzt verteidigt. Clyde und Bonnie haben die beiden im Stich gelassen und sind geflüchtet. Buck ist tot. Blanche verhaftet.

Der Polizei wurden Fotos von Bonnie und Clyde und Bonnies Mutter zugespielt. Sie kombiniert richtig, nämlich, dass die Verbrecher immer wieder in den Schoß ihrer Liebsten zurückkehren. Somit werden auch diese überwacht. Man beschließt,die beiden in ihrem fahrenden Auto zu erschießen, Ted, dem noch immer etwas an Bonnie liegt plädiert für eine Verhaftung, stößt aber auf taube Ohren. Bonnie und Clyde planen wieder ein Zusammentreffen, es soll ihre letzte Autofahrt werden. Am Ende werden Archivbilder des echten Gaunerpärchens eingeblendet.

Das Publikum reagiert ob der herrschenden Stimmung betroffen, um aber relativ schnell in Jubel auszubrechen und sich von ihren Sitzen zu erheben und standing ovations zu geben. Das für viele neue Stück wurde lautstark bejubelt und gefeiert und dank eines wunderbaren Ensembles waren alle Vorstellungen in Nu ausverkauft und es wurden sogar zwei Zusatzvorstellungen angesetzt. Gratulation an die BühneBaden, da hat man offenbar wieder einmal ein gutes Händchen in allen Belangen gehabt.

Quelle: Andrea Martin

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