Sherlock Holmes in Wunsiedel: Abgefuckt!

Krasser Titel, hm? Ist mir aber leider nicht selber eingefallen, er stammt aus dem Stück. Sherlock Holmes hat nämlich ein ägyptischen Abgefuckt, äh Artefakt erhalten und so beginnt eine Komödie der Spitzenklasse am 13.07.2018 bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel. Wie Birgit Semmler, ihres Zeichens die künstlerische Leiterin, zu Beginn der Aufführung sagte, ist die Komödie die Meisterklasse unter den Stücken und kann sehr schnell nach hinten los gehen. Doch dieses Stück riß alle vom Hocker und die Lachmuskeln wurden ordentlich trainiert.

Mit Wortspielen und Wortwitz ging es durch das ganze Stück, dazu passend gab es immer wieder Toneinspielungen, die wirklich punktgenau saßen. Und saßen sie nicht punktgenau, dann war auch das gewollt. So stellt man sich eine richtig gute Komödie vor. Zu Recht gab es während und auch nach der Vorstellung tosenden Applaus. Das Publikum in Wunsiedel, alle 1776 Personen, war restlos begeistert. Woher wir die genaue Anzahl der Zuschauer wissen? Tja, fragt Sherlock, der weiß alles.

Nun waren es nicht “nur” die vielen Wortwitze, die das Publikum vom Hocker holten, sondern auch die diversen Dialekte und dazu passenden Kostüme. Gespielt wurde das Ganze nicht von über 20 Personen, wie man annehmen möchte, sondern es waren nur derer 4 (!). Aber die vier hatten es in sich und faustdick hinter den Ohren. Sie meisterten diese Herausforderung mit Bravour, und das Publikum liebte sie dafür.

Otto Beckmann spielte Sherlock Holmes und “nur” Sherlock Holmes. Achja, wir kennen nun auch eine Abkürzung des Namens Sherlock, Loki. Das nur mal so am Rande. Otto Beckmann hatte das Publikum mit seinem ersten Auftreten und seinem ersten Satz sofort auf seiner Seite. Und dann gingen die Wortspiele und -witze los. Man fragt sich, wie er und auch seine Kollegen sich das alles merken können. Unsereins ist ja froh, wenn er/sie sich seinen Sitzplatz merken kann. Achso ja, richtig gut singen und tanzen kann Otto Beckmann übrigens auch noch.

Anton Pleva spielte Dr. Watson und den Kini, aber hauptsächlich war der Sherlokis Gehilfe mit den tausend Akzenten, der sich den Menschen, mit denen er sprach, dialektisch anpasste. Und das richtig gut, man kam aus dem Lachen bei ihm nicht mehr raus. Auch an ihn das Riesenkompliment, sich all das merken zu können. Ein Fehler hätte alles kaputt machen könne, aber dem war ja nicht so. Auch sein Gesangs- und Tanztalent darf hier nicht unerwähnt bleiben.

Malte Arkona und Marius Hubel
Die beiden spielten den größten Teil der Rollen und das Ganze im fliegenden Wechsel. Die Umkleidemöglichkeiten waren auf der Bühne gelagert, so daß man dabei zusehen konnten, wenn man es wollte. Das war schon sehr interessant, muss man sagen. So hatten wir noch nie die Möglichkeit, dabei mal zuzusehen. Doch zurück zu den beiden. Also wirklich allerhöchsten Respekt für diese Leistung. Unsereins hat ja schon mit zwei Persönlichkeiten (Arbeit und privat) seine Probleme und die Herren schaffen es, von einer Rolle in die nächste zu springen ohne darüber nachzudenken und ohne Fehler zu machen. Singen und Tanzen konnten sie auch sehr gut. Und nochmal: Respekt an die beiden Herren!

Aber jetzt mal ganz im Ernst: Worum geht es in dem Stück denn überhaupt? Gute Frage, hier ist die Antwort: Wie in jedem Sherlock Holmes Film erscheint erst einmal eine Klientin in der Baker Street und bittet den berühmten Detektiv und seinen Assistenten um Hilfe: Ihr Cousin, ein Kulturliebhaber, hat ein ganz besonderes ägyptisches Abgefuckt… Artefakt: eine Mumie. Nun der Haken an der Sache: während des Transports der Mumie sind alle gestorben und der Verwandte der Dame fürchtet nun um sein eigenes Leben. Und es kommt noch besser: die Mumie spricht zu ihm, auf bayrisch. Und nun die Frage, wer ist dieser kulturliebhabende Verwandte der Dame? Niemand Geringerer als der Kini selbst! Ludwig der Zweite von Bayern! Und die Dame ist seine Cousine Therese von Bayern. Holmes Neugier ist geweckt, die des Publikums war es auch. Und auf gehts von der Baker Street nach Bayern.

Mehr Infos zum Stück gibt es hier.

Zum ersten Mal waren wir in Wunsiedel zu Gast und haben es dort sehr genossen. Die Kulisse ist einfach traumhaft. Nicht nur auf der Bühne, sondern das gesamte Ambiente dort ist einfach malerisch. Eingebettet in das Felsenlabyrinth bietet dieser Ort zahlreiche Möglichkeiten zum Erholen. Achja, gutes Essen gibt es dort auch. Einen einzigen Wermutstropfen gab es dennoch und den wollen wir auch nicht verschweigen: die Abfahrt vom Parkplatz gestaltete sich zur Geduldsprobe, da leider kein Parkplatzwächter mehr anwesend war. Eingewiesen wurde man beim Ankommen, aber nicht bei der Abfahrt. Alle Parkplätze wollten sich zur gleichen Zeit auf die kleine Strasse, die wieder hinunter führte, einreihen und das sorgte für mächtiges Chaos. Und wenn man, wie wir, eine doch etwas längere Anreise hat, dann ist das schon nervenzehrend, wenn man erst nach 30 Minuten vom Parkplatz wieder herunter ist.

Quelle: Christine

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