Gedankengut: Wir verdienen kein Geld

Ich schreibe diese Zeilen gerade auf der Karibik. Wie ich dort hingekommen bin ? Na, mit meinem eigenen Jet natürlich. Eigene Villa am Strand. Ist doch klar.

Der Palast daheim wird gerade erweitert. Die 167 Zimmer waren dann doch zu wenig.

Klar.

In Wirklichkeit sitze ich in der Wohnung am PC, nach einem langen Arbeitstag und schreibe diesen Artikel.

“Ja klar, Arbeitstag. Im Netz rumsurfen und Posts teilen ist doch alles was Du tust, hast ja schließlich eine Webseite.”

Ja. Habe ich. Aber damit verdiene ich kein Geld. Im Gegenteil.

Seit 22 Jahren finanziere ich meine Webseite aus eigener Tasche. Monat für Monat. Jahr für Jahr.

Muß ich nicht. Weiß ich. Will ich aber.

“Schalte doch Werbung. Laß Dich für Artikel über Produkte bezahlen.”

Könnte ich. Vielleicht. Aber ich habe mich bewußt dagegen entschieden. Vor 22 Jahren.

Ich bin selbst Internetnutzer und mich nerven Werbebanner. Dafür gibt es Adblocker. Aber was noch mehr nervt, sind diese Banner mit “Du benutzt einen Adblocker, deswegen darfst Du die Seite nicht sehen.” – und “klick”, Seite geschlossen.

Man möge mich nicht falsch verstehen. Ich weiß, daß für viele Werbung wichtig ist, weil man damit Geld verdient. Und all die Influencer, Blogger und Schreiberlinge haben das Internet nunmal als ihre Einnahmequelle auserkoren. Das ist legitim. Aber genauso, wie ich nicht in jeden Laden gehen muß, muß ich auch nicht jede Webseite besuchen. Und genau wie ich beim Briefkasten “Keine Werbung” aufklebe und Flyer ins Altpapier gebe, genau so installiere ich mir einen Adblocker. Wenn jemand das nicht akzeptieren kann, dann ist das so.

Ich selbst möchte nichts aufgezwungen bekommen und deswegen zwinge ich auch niemanden etwas auf. Keine Werbung, keine Zwangsregistierung und keine Popups.

Das kostet. Auch wenn man davon nichts sieht.

Für den Server muß ich zahlen, monatlich. Für Theaterbesuche zahlen wir mindestens das Benzin. Manchmal kommt noch Übernachtung, Verpflegung, Karten, Merchandise dazu. Je nach Theater und Produktion.

Klar, muß man nicht machen. Machen wir aber. Und meckern nicht.

Unterm Strich: ein Verlustgeschäft und weil ich keinen Goldesel habe: der lange Arbeitstag.

Und das Schreiben ? In der Freizeit. Genau die Zeit, in der man 100 Dinge tun möchte, aber nur eines tun kann.

“Du wolltest das so”

Ja. Aber eine Webseite haben, ist weit weg von der romantischen Vorstellung, daß man dafür eben nur mal ein wenig was schreibt. Da gehört schon etwas mehr dazu: Das Darumherum muß aktuell gehalten werden, die Sicherheit muß geprüft werden, neue Gesetze müssen berücksichtigt werden, manchmal programmiert man sogar selbst etwas, mit den Theatern wird kommuniziert und noch viele andere Dinge, die manchmal Stunden verschlingen. Was man davon sieht ? Nichts.

Jeder Webseitenbetreiber wird mir da wohl zustimmen.

“Dein Pech, nun jammer nicht rum.”

Ich jammere nicht, aber ich ärgere mich über die Selbstverständlichkeit und die Geldgier mancher Leute, in diesem Fall: Gastautoren.

Vor einiger Zeit haben wir einen Aufruf gestartet, über den wir Gastautoren gesucht haben. Wider Erwarten haben sich sogar einige gemeldet. Zum Aufruf haben wir auch auf eine Seite verlinkt, die detailiert das Vorgehen und die Bedingungen aufgelistet sind. Unter anderem: keinerlei Gegenleistung, da wir eine private Seite sind und selbst alles aus eigener Tasche zahlen.

Ich selbst habe jede Bewerbung beantwortet und nochmals darauf hingewiesen, daß es keine Gegenleistung in Form von Geld gibt. Es konnte also keiner sagen, daß er oder sie es nicht wußte.

Wie man momentan sehen kann, haben wir keinen Gastautor. Und das, obwohl sich fast ein Dutzend gemeldet haben.

Was ist also passiert ?

Geldgier ist passiert. Obwohl die Bewerber spätestens nach meiner ausführlichen Antwortmail nochmals gesagt bekamen, daß Geld nicht drin ist, wurde danach gefragt. Geduldig habe ich geantwortet, daß wir kein Geld zahlen. Daraufhin kam keine Antwort mehr.

Wir hatten auch schon Bewerbungen, bei denen in dem im letzten Absatz stand: Ich arbeite auf Rechnung. Schön. Toll für Dich, weiter so. – klassisches Beispiel für “Ich lese Texte nicht durch, weil es könnte ja etwas Wichtiges drinstehen.”

Es geht immer nur ums Geld.

Das ist in Ordnung. Wer das auch im Kleinen braucht, soll es brauchen.

Aber es als selbstverständlich anzusehen oder der Meinung zu sein, daß es einem zusteht ? Das geht gar nicht.

Ich möchte natürlich die paar Bewerber nicht unterschlagen, die wirklich kein Geld wollten (oder zumindest das nicht erwähnten). Sie waren augenscheinlich begeistert von der Idee und konnten es gar nicht erwarten. Klingt toll, nicht wahr ? Kam aber nie was, noch nicht einmal eine Mail mit “Sorry, ich schreib doch nichts.”

Gut. Haben wir eben keine Gastautoren. Die Welt geht davon nicht unter.

Wir machen einfach weiterhin Urlaub in der Kabrik, vom Geld das wir nicht haben.

Und werbefrei bleiben wir auch.

“Und was wolltest Du mit diesem Text nun bezwecken ?”

Nichts. Schließlich bekomme ich kein Geld für diesen Text…

Quelle: Alexander Brock

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