This is us – bloody real, ein Benefizabend mit jeder Menge Überraschungen

Was passiert, wenn die Darsteller aus „Tanz der Vampire“ in Wien am Pfingstmontag frei haben, nämlich gleich im doppelten Sinn, einerseits ist an Montagen immer spielfrei, andererseits war es ein Feiertag….richtig, sie stellen sich in den Dienst der guten Sache. Genau das taten nämlich gleich sechs der Hauptdarsteller und luden am 21.5.2018 zu einem Benefizabend ins Theater am Spittelberg. Sie wollten eine ganz besondere Einrichtung unterstützen, die sogar einen Bezug mit ihrem derzeitigen Engagement vorzuweisen hat – die Universitätsklinik für Transfusionsmedizin. Angekündigt wurden in der Ankündigung einige Überraschungen und hier wurde nicht zuviel versprochen.

Die sechs SolistInnen waren Raphael Groß, Diana Schnierer, Sebastian Brandmeir, Nicolas Tenerani, Dawn Bullock und Florian Resetarits (er gab auch den Moderator des Abends). Begleitet wurden sie von Michael Römer am Klavier.

Gleich zu Beginn ging es schwungvoll mit „There’s no business like showbusiness“ zu, welches vom Sextett gemeinsam dargeboten wurde. Zur Himmelstür entführte dann Nicolas Tenerani, so versprach es zumindest der Text von „On this night of a thousand stars“ und versprühte jede Menge italienischen Charme. Endlich einmal durfte man ihn singen hören, da Chagal aus „Tanz der Vampire“ doch nicht soviele Gesangseinlagen hat und er konnte sich wahrlich hören lassen. Das Musical „Mozart!“ ist für Sebastian Brandmeir nichts Neues. Allerdings spielte er in Wien nicht den Schikaneder, ein guter Grund, um den Song des Charakters „A bissl für’s Hirn und a bissl für’s Herz“ zu singen, welchen er sehr humorig meisterte. Diana Schnierer hatte sich für „Dyin ain’t so bad“ entschieden. Es handelte sich um einen Titel aus dem Musical „Bonnie & Clyde“ (welches man in der deutschen Fassung im Sommer in Baden sehen kann). Mit ihrer voluminösen und kräftigen Stimme füllte sie den Raum und es war eine Freude ihr zuzuhören.

Dann durfte endlich einmal Resetarits singen, der gleich lachend anmerkte „ja ich singe auch“, da er ja als Koukol nur grunzend, ächzend, stöhnend, kurz „koukolisch“ auf der Bühne unterwegs ist. Er hatte sich für eines seiner Lieblingslieder „But the world goes round“ entschieden. Mit seiner markanten tiefen Stimme rollte er das „r“ und sorgte mit seiner Darbietung für Begeisterungsstürme. Diese sollten nicht die letzten gewesen sein. Raphael hatte dann für seine Kollegin Dawn eine große Freundschaftserklärung parat, die sich auch im gemeinsamen Song fortsetzte. Beide hatten sich erst bei der Pressekonferenz in der Maske kennengelernt und verspürten schon damals gleich eine große Sympathie füreinander. Aus „Waitress the musical“ sangen sie dann mit sehr viel Gefühl „You matter to me“, was natürlich sehr passend war, weil sie sich wirklich wichtig sind. Bullock durfte dann solo noch ein weiteres Lied aus ihrem Lieblingsmusical „Waitress“ zum Besten geben. Ein Freund hatte ihr den Titel empfohlen als es ihr nicht so gut ging und seitdem ist „She used to be mine“ einer ihrer Lieblingssongs. Die sympathische Holländerin überzeugte einmal mehr mit ihrer herzlichen Art und warmen Stimme und legte ganz viel Gefühl in den Titel. Nach diesem Lied war ein kleiner Bühnenumbau nötig, damit dieser nicht so viel Beachtung fand, hatten sich die SängerInnen etwas Besonderes überlegt. Unter einem Sessel im Saal war ein Post-it versteckt, wer dieses fand, der durfte eine aktuelle „CD Tanz der Vampire Die 3 Grafen“ sein eigen nennen. Dann brach kurzfristig völliges Chaos aus, da alle Sessel hochgeklappt, verrückt … wurden und alle wie wild daruntersahen, bis jemand rief, dass er ihn gefunden hatte. Das Ablenkungsmanöver war perfekt gelungen.

Das Klavier, das in eine andere Position gebracht werden musste, war bereit und Raphael Groß nahm dahinter Platz. Als Überraschung hatte er eine Eigenkomposition mitgebracht, in der es um Menschen geht, die offenbar irgendwann zusammenfinden, aber das manchmal so lange dauert, wie das Meer auf Land trifft. Raphael bildete eine perfekte Einheit mit dem Klavier und war danach sichtlich erleichtert, dass sein Beitrag so jubelnd aufgenommen wurde. Dann nahm Brandmeir hinter dem Klavier Platz und zeigte ebenfalls gleich mehrere Talente. Singen, spielen und komponieren sind auch seine Talente. Sein Song „Dann wirst du alt“ (den er in Zusammenarbeit mit Florian Stanek selbst geschrieben hatte), indem diverse Anzeichen des Älterwerdens beschrieben wurden, sorgte für zahlreiche Lacher. Gleichzeitig war die Melodie („Ballade pour Adeline“) auch eine Hommage an Richard Clayderman.

Vor der Pause kam ein „Tanz der Vampire“ Medley der etwas anderen Art, das so niemand erwartet hätte. „Gott ist tot“ sangen noch alle gemeinsam, dann gab es Rollentäusche am laufenden Band und man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Dawn erschien mit einer Salamistange und gemeinsam mit Nicolas gab sie eine Parodie von „Du bist wirklich sehr nett“ zum Besten. Nachdem Bullock die Salami kess zu Boden geworfen hatte, hob sie Tenerani verblüfft auf und meine erstaunt „eine Wurst“, daraufhin Dawn “so hart“, du liebe Güte, was sollte da noch kommen, das Publikum konnte sich schon vor lauter Lachen fast nicht mehr auf den Sitzen halten. Tenerani „das ist eine sehr schöne Wurst“, erst als er sich dann sein Hemd aufknöpfen will, begleitet von einem johlenden Publikum, wird schlussendlich auch Dawn heiß. Danach stürmte Raphael mit roten Stiefeln auf die Bühne und sang den dazupassenden Sarah-Song. Seine eigenen Schuhe riss er sich von den Füssen, zu dumm nur, dass er in einer Hand das Mikro hielt, somit konnte er die Stiefel auch nicht anziehen und warf sie sich kurzerhand um den Hals. Das Jackett diente kurz als Sarah-Tuch unter dem er sich verbarg und ehe man sich versah stieß Diana dazu und umgarnte ihn lustvoll und schmetterte „Tot zu sein ist komisch“. Damit man nicht auf Brandmeir vergaß, drängte sich dieser zwischen die zwei und gab, bewaffnet mit einem Bild in Händen, „Für Klara“ zum Besten (auf dem Bild war niemand anderer als Brandmeir selbst abgebildet, der sich in eine ältere Dame verwandelt hatte). Man hatte die Rechnung aber ohne Florian Resetarits gemacht, der sich sogar seine Koukolzähnchen mitgenommen hatte und mit unverwechselbarem Koukolgang eine bestimmte Melodie summte. Alle erkannten natürlich, dass es „Wahrheit“ war. Was dann kam, war dann eine Darbietung auf koukolisch vom Feinsten. Selbst die SängerInnen auf der Bühne mussten ernst bleiben. Sebastian stoppte den Wahnsinn und wollte ihm beibringen, wie der Text wirklich geht und riet Florian/Koukol doch mehr zu spucken, man kann nur hoffen, dass die erste Reihe weit genug weg saß. Im Endeffekt kamen alle zu dem Lied auf die Bühne und beendeten es gemeinsam mit den Worten „und jetzt gibt’s Bier“, welche die Pause einläuteten.

Nach der Pause fragten sich Tenerani und Schnierer „How deep is your love“ und legten viel Gefühl in ihre Darbietung. Nach einem kleinen Sarghoppala, erzählt von Resetarits, unterstützt von Nicolas mit einer liegenden Darbietung, sang Florian aus „Jekyll & Hyde“ „Dies ist die Stunde“. Eine unglaublich starke und intensive Leistung mit Gänsehautfaktor. Dawn Bullock machte dann geschickt Werbung für ihren Youtubekanal und informierte, dass sie ihre Kollegen gefragt hatte, ob sie nicht bereit wären Duette mit ihr zu singen. Resetarits war der erste, der nicht lange nachgedacht hatte und das Resultat bekam das Publikum dann zu hören. Beide ließen sich auf ein „Dangerous Game“ ein, ebenfalls aus „Jekyll & Hyde“. Da fehlen einem fast schon die Worte, um diese Intensität, die diese beiden Sänger auf die Bühne zauberten zu beschreiben, wow, einfach nur wow. Auch Diana Schnierer konnte mit Hoppalas aufwarten, die allerdings als sie passiert sind, gar nicht so lustig für sie waren. Einmal fiel sie gegen Ende der Show über die Treppe, die in den Zuschauerraum führte, laut Raphael, der mitmischte, mit einem „Riesenplatsch“, Gottseidank ging das damals glimpflich aus und es waren keine Sanitäter nötig. Ein weiteres Problem bereitete ihr einmal die Türklinke in der Badezimmerszene, bei der sie von ihrem Einfallsreichtum erzählte, als sie die Klinke in der Hand hatte und improvisieren musste. Im Anschluss an diese Anekdote sang sie „Keepin‘ out of mischief now“ und zeigte, was für ein Organ in ihr steckt.

Da es auch jede Menge Stories aus der Gruft gibt, erzählte Brandmeir von einem Problem, wo die Brücke ein Loch aufwies und er einfach mutig drübersprang. Assistent Alfred alias Raphael machte ihm das allerdings nicht nach und erfand lediglich einen neuen Text „aber Herr Professor, ich kann nicht zu ihnen“. Die Szene wurde in jedem Fall auch anders als gedacht gespielt, Gottseidank wurde das Loch dann letztendlich doch geschlossen. Von dem Herrenduo gab es dann einen Ausflug ins Musical „Elisabeth“, bei dem Brandmeir in die Rolle des Todes und Groß in die des Kronprinzen schlüpfte und sie gemeinsam die Schatten länger werden ließen.

Romantisch wurde es dann mit Nicolas Tenerani, als er den Lovesong „You’ll never know“ sang. Tenerani verriet dann, wie er auf Kollegen Raphael Groß aufmerksam wurde und von diesem gab es dann in einer sehr reduzierten, homogenen Version am Piano eine Kombination aus „I wanna dance with somebody“ und „Total Eclipse of the heart“. Danach war es vorbei mit Ruhe und Besinnlichkeit. Brandmeir legte mit dem „Opernboogie“ von Georg Kreisler los und berichtete darin, was passiert, wenn er eine Oper schreibt. Unglaublich humoristisch – sowohl Darbietung als auch Text, eine wahnsinnig schnelle Textabfolge – so könnte man ganz kurz diesen Titel beschreiben, in dem er alle Register der Unterhaltung zog.

Das große Finale wurde mit dem perfekten Song bestritten, nämlich „This is me“ aus der erfolgreichen Kinofilm „The Greatest Showman“. Dawn Bullock hatte die Leadstimme über und dieses Finale war einfach nur magisch. Endlich konnten die Begeisterungsstürme losbrechen, das Publikum war mit dem dargebotenen Programm sehr glücklich, was man an den Reaktionen merken konnte. Die Einnahmen an dem Abend konnten sich auch sehen lassen. Es waren EUR 4.500,–, es kamen aber noch zusätzlich EUR 100,– dazu (das Klarabild mit allen Autogrammen wurde versteigert) und auch die Salamistange fand in einer Auktion für EUR 12,– eine Abnehmerin). Von Frau Univ. Prof. Dr. Agathe Rosenmayr als Vertreterin der Klinik gab es dann noch nomen est omen ein Röschen für alle und eine kleine Dankesrede. Als geplante Zugabe bekam man dann noch „Seasons of love“ von allen gemeinsam geboten. Die Euphorie wollte gar nicht vergehen und so entschlossen sie sich für eine weitere Zugabe, nämlich noch einmal den Opener des Abends „There’s no business like showbusiness“. Ein absolut gelungener Abend, der für viele noch gekrönt wurde, da sich die SängerInnen danach noch für Autogramme und Fotos viel Zeit nahmen.

(c) Nicolas Tenerani

für alle, die nicht dabei sein konnten hier noch ein paar Magic Moments von dem Abend:

Quelle: Andrea Martin

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