Cleveres und tapferes Vögelchen

Ballett ist nun wirklich nicht jedermanns Sache. Muss es ja auch nicht. Für den einen ist es “nur blödes Rumgehopse”, für den anderen ist es eine Verzauberung und Entführung in eine andere Welt. Für mich… naja, ich musste eben lernen, dass man (oder besser ich) nicht in allem eine Geschichte suchen sollte.

Aber zurück zum gestrigen Abend: Geboten werden sollte ein dreiteiliger Ballettabend mit Musik von Igor Strawinsky. Es wurde jedoch ein zweiteiliger Abend, da eine Darstellerin verletzt war und diese aber unabdingbar für den ersten Teil des Abends war: Das Septett. Und da man leider aus dem Septett auf die Schnelle kein Sextett machen kann und auch die Choreo zu anspruchsvoll war, um sie schnell jemand Neuem beizubringen, musste es leider entfallen. Dies gefiel nun wirklich nicht jedem im Publikum. Und ganz ehrlich, es macht jetzt wirklich neugierig auf dieses Septett. Na vielleicht wird es ja mal alleine aufgeführt, wie eine Dame vorschlug. Wobei, alleine? Das Stück ist nur 13 Minuten lang, wäre dann ein sehr kurzer Ballettabend.

Da man nun nicht mit dem Septett begann, war der zweite Teil gleichzeitig auch der Anfang: Die “Pulcinella Sweet” in einer Choreografie von Takashi Yamamoto. Nein, das ist kein Schreibfehler. Er meint wirklich das englische Wort für süss und nicht das allbekannte “Suite”. Nichts für Leute mit Coulrophobie. Aber die Clowns bleiben ja auf der Bühne. Die Suite versteckt ihre Tänzer hinter Masken, so wie wir alle uns hinter Masken verstecken. Dies ist der Teil, den man einfach so auf sich wirken lassen sollte, ohne nachzudenken, oder, wie ich es versuche, eine Geschichte dahinter zu sehen. Einfach mal das Hirn abschalten und zuhören. Vielleicht auch mal die Augen schließen und die Musik wirken lassen. Ein Tipp, den ich gestern Abend bekam und mal befolgen werde.

Getanzt haben Chih-Lin Chan, Lauren Limmer, Jaume Costa i Guerrero, Joshua Limmer und Joel Paulin. Und nun egal, ob es einem gefiel oder nicht, man muss neidlos zugeben, dass die 5 wirklich perfekt getanzt haben. Solch ein Ausdruck in jeder Bewegung. Wow, und sowas von süss.

“Der Feuervogel” dagegen hat eine Geschichte, die man auch gebannt verfolgen wird. Die typische Prinz-Prinzessin-Bösewicht-Retter-Geschichte, aber dennoch fesselnd. Da verging die Zeit wie im Fluge. Man beachte den Wortwitz 🙂 Und ganz schnell verwandelte sich die Bühne zurück in ihr erstes Aussehen und Prinz und Prinzessin schlenderten verliebt darüber. Happy End und begeisterter Applaus. Auch wenn das Haus nicht ausverkauft war, war der Applaus dennoch tosend laut und wurde von den Füßen noch unterstützt. Nach drei Vorhängen war dann Schluß und das Publikum wurde in die (noch nicht ganz dunkle) Nacht entlassen.

Hier tanzten Lauren Limmer als Feuervogel, Jaume Costa i Guerrero als Iwan Zarewitsch, Lucia Sara Colom Garcia als die schöne Zarewna, Joel Paulin als unsterblicher Kastschei, Takashi Yamamoto als Dämon, Joshua Limmer als Phoenix und Chih-Lin Chan, Natalie Holzinger und Miki Nakamura als verzauberte Prinzessinnen. Zum einen schafften sie es, den Zuschauer zu fesseln und zu bannen, so dass man Raum un Zeit vergass, zum anderen tanzten sie so dermaßen leichtfüßig, dass man neidisch werden konnte. Oder um es in einem Wort zu sagen: Heiss!

Ja das Publikum war begeistert, das konnte man dann auch beim Rausgehen bemerken. Auch wenn das Septett schmerzlich vermisst wurde, fanden die Leute es dennoch supergeil (Originalton einer Zuschauerin). Und mal ganz ehrlich, solch euphorische Worte und die glänzenden Augen der Dame, das sind doch die schönsten Komplimente, die man dem Haus Coburg und seinem Ensemble machen kann. Da kann man noch so hochtrabende Rezensionen schreiben, diese Dame hat es mit einem einzigen Wort auf den Punkt gebracht.

Quelle: Christine

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