Wenn die Vampire Don Giovanni das Blut aussaugen wollen, dann ist es wieder einmal Zeit für: Musical meets Opera

Wenn die Vampire im Ronacher schon frühzeitig, nämlich genau gesagt ab 11:00 Uhr aus ihren Gräbern steigen müssen, dann ist das einmal im Jahr stattfindende Matineespecial „Musical meets Opera“ angesagt. Am 6.5.2018 fand diese Kooperation zwischen den Vereinigten Bühnen Wien und der Freunde der Wiener Staatsoper bereits zum 10. Mal statt. 2010 wurde das erfolgreiche Crossover zwischen Musical und Oper aus der Taufe gehoben. Auch damals fing alles im Ronacher an und auch damals ging es um die Vampire.

Inhaltlich hat man versucht Parallelen zwischen den Blutsaugern aus „Tanz der Vampire“ und Mozarts „Don Giovanni“ zu ziehen.

Fast das komplette Ensemble (insgesamt 32 DarstellerInnen) hatte sich nur für dieses Programm bereits vor der Vorstellung am Nachmittag in ihre Kostüme geworfen und zeigte zu so früher Stunde vollsten Einsatz.

Als SängerInnen aus der Vampirriege traten auf: Drew Sarich und etwa später auch Filippo Strocchi (Graf von Krolock), Sebastian Brandmeir (Prof. Abronsius), Raphael Groß (Alfred), Diana Schnierer (Sarah), Nicolas Tenerani (Chagal), Floor Krijnen (Rebecca), Marle Martens (Magda), Charles Kreische (Herbert) und Florian Resetarits (Koukol). Alle „Tanz der Vampire“ Darsteller traten in ihren jeweiligen Outfits auf und werden im Folgenden auch u.a. mit ihrem Rollennamen genannt.

Die Opernsparte war mit Adam Plachetka, Morten Frank Larsen, Maximilian Mayer und Jasmina Sakr vertreten. Das Orchester der VBW spielte unter der Leitung von Péter Bíró. Walter Lochmann begleitete als Onemanband die OpernsängerInnen am Klavier.

Als Bindeglied zwischen den Musical- und OpernsängerInnen fungierte Dr. Thomas Dänemark, seines Zeichens Generalsekretär der Freunde der Wiener Staatsoper. Er zeichnete auch für die Idee und das Konzept verantwortlich. Von ihm erhielt man zwischen den musikalischen Darbietungen immer wieder Hinweise, warum beide, der Graf von Krolock und Don Giovanni, Verführer und Nomaden sind. Er versuchte auch der Frage auf den Grund zu gehen, ob vielleicht beide miteinander verwandt sein könnten. Er berichtete auch von diversen Gemeinsamkeiten, die einem, wenn man die beiden Stücke miteinander vergleicht, auffallen können, wenn man ganz genau hinsieht. Auch seine kleinen Interviews mit den SängerInnen waren sehr interessant und entlockten dem ein oder anderen humorige Details oder interessante Fakten über ihr Leben.

Aber der Reihe nach…

Dieses Mal „verirrten“ sich gleich mehrere Personen in das Schloss des Grafen. Jasmina Sakr, Alfred, Prof. Abronsius, Thomas Dänemark, Maximilian Mayer sowie Adam Plachetka betraten durch die Gänge im Saal die Bühne. Dort erwartete sie Drew Sarich als Graf von Krolock, der alle mit dem „Finale des ersten Aktes“ begrüßte. Dann folgte „Gott ist tot“, bei dem er, genauso wie im Stück ein schaurig gruseliges Schattenspiel mit seinen langen Fingern lieferte. Abgehen musste er danach nicht, da er dann zum Interview gebeten wurde. Dänemark sprach ihn auf seine langen Haare an und erfuhr, dass Sarich diese „liebt und jeden Abend weint, wenn er sich die Perücke herunternimmt“ 😉 Es folgte auch noch eine sehr lustige Anekdote, bei der Sarich erzählte, wie er beinahe einen älteren Besucher davon abgehalten hätte während der Vorstellung das WC zu besuchen. Danach kam Plachetka mit dem Ständchen „Deh, vieni, alla finestra“. In Frack sang er auf italienisch für seine bella amore und noch dazu vor dem Vollmond der Karpaten, was für ein Bild. Im Kurzinterview mit Dänemark gab er dann preis, dass er eigentlich Musical studieren wollte, aber dann doch sein Herz für die Oper entdeckt hatte. Er bewundert die Kollegen des Musicals, denn er könnte nicht jeden Tag dasselbe singen und spielen. „Alles ist hell“ kam dann aus „Tanz der Vampire“ an die Reihe. Der Prof. wurde sauer, weil ihm die anderen nicht zuhören und Brandmeir lieferte hohe Töne, die sicher auch Fenster zum zerspringen hätten bringen können. So flog nur Chagals abgesägtes Holz zu Boden. Floor rupfte als Rebecca an ihrer Gans herum, Marle versuchte ihren Charme bei Alfred spielen zu lassen, dieser hatte aber nur einen treuen Hundeblick für den Professor über und folgte ihm auch wie ein braves Hündchen. Zum anschließenden Interview stieß dann auch noch Resetarits als Koukol dazu. Brandmeir stellte fest, dass es schon ein wenig gedauert hatte, bis er den schnellen Text intus hatte und Krijnen gab unumwunden zu, dass sie auch gerne einmal von Krolock gebissen werden würde. Wie auf Kommando erschien von der Seite Sarich mit einem Grinsen, was nicht ist, kann ja noch werden… Alfred bezeichnete Dänemark nicht als Gewinnertypen, dafür aber Raphael, der sogar schon gemeinsam mit Helene Fischer auftreten durfte. Resetarits informierte, dass er seine Rolle sehr gern hat, aber auch einen guten Physiotherapeuten benötigt, da er die ganze Zeit bucklig herumgehen muss. Drew Sarich durfte dann die „Einladung zum Ball“ aussprechen, allerdings ohne badender Sarah. Für alle, die das Glück hatten, bei der Veranstaltung weiter vorne zu sitzen war der Anblick des Grafen natürlich ein Genuss, da man die Mimik perfekt sehen konnte und Sarich wirklich aussah, als würde er gleich jemanden verschlingen wollen. Wer das Musical kennt, weiß, dass in dieser Szene der Graf in Windeseile vom Dach bei Sarah erscheint. Sarich darauf von Dänemark angesprochen meinte nur mit einem Grinsen, sowas lernt man in der Vampirschule. Auch kam Dänemark zu Ohren, dass Sarich der blutrünstigste Graf wäre und immer mehr Blutpäckchen haben möchte, als die anderen. Das war das Stichwort für Koukol, der an dieses Mal auch Dänemark zu Diensten stand. Er kam mit einem Champagnerglas voll Blut. Dieses wurde an Adam Plachetka weitergegeben, der infolge die „Champagnerarie“ zum Besten gab. Hatte man vorhin noch Brandmeir für seinen schnellen Text bewundert, so stand ihm Plachetka in nichts nach. Danach nahm Plachetka noch ein Schlückchen aus dem Glas mit der blutroten Flüssigkeit, verzog das Gesicht und Dänemark war gespannt, ob vielleicht im Lauf der Zeit eine Verwandlung vollzogen würde. Nachdem Koukol die roten Stiefel auf der Bühne platziert hatte, ging es mit „Draußen ist Freiheit“ weiter, das in die Tanznummer „Rote Stiefel“ überging und mit dem „Gebet“ endete. Zu einem Smalltalk holte Thomas Dänemark das Sarah Double Lucy-Marie Fitzgerald und den schwarzen Vampir Arltan Andzhaev zu sich. Gebührend wurde dessen durchtrainierter Körper bewundert und auch, dass sie noch nie bei den vielen Hebefiguren heruntergefallen ist, war eine gute Nachricht, denn so leicht, wie es aussieht, ist es sicher nicht immer.

Mit „La ci darem la mano“ hatten Jasmina Sakr und Adam Plachetka einen Auftritt in der Wirtshauskulisse. Auch wenn man nicht alles verstand, soviel war klar, er will, sie ziert sich, er fällt auf die Knie, sie gibt nach und am Ende gab’s nen Kuss. Nach einer kleinen Konversation mit Sakr kamen Chagal und Koukol auf die Bühne. Chagal konnte Gottseidank die gegrunzten Anweisungen des Dieners übersetzen und wusste, dass er sich jetzt zum Sterben hinlegen sollte. Tenerani nahm vorschriftsgemäß in liegender Position seinen Platz am Tisch ein, wurde mit dem Leichentuch zugedeckt und wartete. Dänemark, Sakr und Plachetka verblieben am Wirtshaustisch auf der Bühne und hatten ein Liveerlebnis der besonderen Art. Marle Martens hatte dann ihr Solo „Tot zu sein ist komisch“. Plachetka hielt sich beim Biss die Augen zu und Sakr wich sogar etwas zurück. Nach dieser Szene bekam das nunmehr blutige Paar eine kleine Gesichtsreinigung dank einer Maskenbildnerin und Dänemark wollte wissen, ob beißen blind macht. Nach dieser Einlage ging es mit „O statua gentilissima“ aus „Don Giovanni“ weiter. Plachetka trat die Titelrolle an Morten Frank Larsen ab, der sogar mit Säbel ausgerüstet die Bühne betrat. Beide hatten einen stimmgewaltigen Auftritt, der es in sich hatte. Dänemark zeigte sich als Statue des Komtur standhaft und doch war sein „si“ in diesem Titel von entscheidender Wirkung. Nach einem blitzschnellen Umbau, der sonst für das Publikum im Verborgenen stattfindet, durfte Alfred bei „Für Sarah“ dahinschmelzen. Groß gab den jungen Verliebten glaubwürdig und jeder Ton saß wo er hingehörte. Der jüngste aus der Opernriege, Maximilian Mayer, musste wahrlich keinen Vergleich mit den großen scheuen. Mit einer tollen Bühnenpräsenz und starken Stimme interpretierte er „Dalla sua pace“. Nach einer kleinen Konversation mit Dänemark, bei der man erfuhr, dass er nicht nur die Oper liebt, sondern auch Musical und Rock, ging es mit dem Duo Alfred/Herbert weiter. Kreische und Groß sangen routiniert das Duett, auch wenn sie etwas aufgrund des Bühnenbildes improvisieren mussten. Bei der Frage danach, ob sie nicht einmal die Rollen tauschen wollen, musste nicht lang überlegt werden. Sehr zur Freude des Publikums bekam Charles Kreische die Jacke von Alfred angezogen und schon ging das Spiel von vorn los, aber mit anders verteilten Rollen. Was dann kam sorgte für viele Lacher und war unglaublich amüsant anzusehen. Vor allem Raphael hatte sichtlich Spaß in die Rolle des schwulen Herbert zu schlüpfen und einmal seinem Kollegen zu sagen „du hast einen süßen Popo“, worauf sich dieser sogar bedankte. Am Ende hatte dann sogar Groß Zähne, allerdings flüchtete Kreische rechtzeitig. Amüsant war, dass sie dann händchenhaltend wieder die Bühne betraten und Dänemark meinte „lasst sie doch, die wollen ihre Ruhe haben“. Einen kleinen Ausflug in ein anderes Musical wurde mit dem Titel „Stars“ aus „Les Miserables“ unternommen. Sarich und Plachetka teilten sich den Song des Javert und verpassten doch glatt damit einigen Gänsehaut. Mit der Szene „Ewigkeit“ aus „Tanz der Vampire“ ging es weiter. Natürlich hatte sich auch das Ensemble in Schale geworfen und es ist immer wieder großartig diese Szene zu erleben, wenn sich die Untoten aus den Gräbern erheben. Ein besonderes Zuckerl gab es dann für die Vampirfans, nämlich als „Die unstillbare Gier“ in einem Quartett vorgetragen wurde. Auf einmal gab es zwei Krolocks (Sarich, Strocchi) und zwei aus Team Don Giovanni (Larsen, Mayer), bei dem einem fast die Worte fehlten. Vom Publikum gab’s einen ohrenbetäubenden Jubel und man wusste, dieses Experiment hatte sich gelohnt. Dann bildeten sich bei „Reich mir die Hand, mein Leben“ interessante Paarungen wie Diana Schnierer und Adam Plachetka, Drew Sarich und Marle Martens… und alle Solisten traten der Reihe nach auf die Bühne und sangen gemeinsam diesen Operntitel. Vor der Zugabe wurde sogar schon die 11. Ausgabe für nächstes Jahr angekündigt, eine Veranstaltung, die man sich auf jeden Fall nicht entgehen lassen sollte. Der Graf von Krolock beschloss statt der Mitternachts-, die Mittagsstunde und es gab nochmals das Finale des 1. Aktes aus „Tanz der Vampire“. Die Tür des Schlosses knallte in ihre Angeln und eine sehr interessante und unterhaltsame Veranstaltung war definitiv zu Ende.

(Danke an Diane Bauer für die freundliche Zurverfügungstellung der Fotos)

Quelle: Andrea Martin

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