Zwei Newcomer in der Musicalszene touren als Traumpaar Sandy und Danny in „Grease“ noch bis Mai im deutschsprachigen Raum

Feste soll man feiern, wie sie fallen. Das dachte man sich auch anlässlich des 40jährigen Jubiläums des High School Films schlechthin – „Grease“. Wer hat nicht mindestens schon einmal mit Danny und Sandy die lauen „Summernights“ erlebt und sich gefreut, wenn alle am Schluss „We go together“ singen? John Travolta und Olivia Newton John machten das Rock’n’Roll Musical mit Songs zum Mittanzen und Mitsingen unvergesslich und viele viele Darsteller wagten sich nach ihnen an diese Rollen auf unzähligen Bühnen.

Auf einer mehrmonatigen großen Tournee durch viele deutsche und österreichische Städte heißt es jetzt wieder „Grease is the word“, Petticoats dürfen fliegen und Haartollen zurückgestrichen werden.

Wir durften bei der Wienpremiere dabei sein und konnten jede Menge prominente Gesichter wie Marika Lichter, Sabine Petzl, Gary Lux, Caroline Vasicek samt Tochter Marvie, Susanna Hirschler uvam sichten.

Die Songs wurden im englischen Original gesungen (man mag sich gar nicht vorstellen, wie diese auf Deutsch klingen mögen), die Texte waren in einer neuen sehr modernen Übersetzung von Martin Harbauer und sorgten für den nötigen Pep. Es war schön, einmal nicht die üblichen Texte zu hören, sondern etwas Neues. Das versuchte auch Regisseur Christian Stadlhofer einzubauen. Bei „Grease“, noch dazu einer Tourneeproduktion, die sehr flexibel im Aufbau sein muss, ist das nicht immer gut möglich, aber schon zu Beginn wurde man beim Intro mit einem witzigen Flashback in die Vergangenheit entführt. Auf einer Videowall gab es einen Countdown mit vielen bekannten SängerInnen der Jetztzeit bis zur Zeit von „Grease“. Man sah lediglich eine Silhouette und den Vornamen, aber wer sich einigermaßen im Musikbusiness auskennt, wusste natürlich wer mit Robbie, Madonna, David, Jimi, James, Peter (Kraus) etc. gemeint war.

Die 7-köpfige Band (Olly Ashmore: Musical Supervision & Arrangements) war für das Publikum unsichtbar, da sie in einem extra Bandraum eine Etage höher spielte. Dass eine Liveband spielte, war lediglich an den zwei vorhandenen Bildschirmen für die Darsteller zu merken. Livesound bei Tourneen ist auch nicht selbstverständlich und mit Verlaub, er war so richtig „fett“ und er trug zu einem perfekten Liveerlebnis bei. Carla Kama sorgte für eine fetzige Choreographie und arrangierte wunderbar die Hauptakteure und das Ensemble zu einer homogenen Einheit. Die perfekt auf die einzelnen Charaktere abgestimmten Kostüme stammten von Liliana Pirogov. Bei den Damen dominierten natürlich Petticoats, bei den Herren Jeans und Lederjacken.

Zur Story sollte man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren müssen, „Grease“ ist so bekannt, da spricht der Titel schon für sich und man weiß, ah ja Sandy, Danny, Kenickie, Rizzo und all die anderen der Clique sorgen für jede Menge Spaß und Spannung. Sandy und Danny haben sich in den Sommerferien kennengelernt und eine kleine Romanze gehabt. Dass sie sich gerade in derselben Schule, der Rydell High School wiedertreffen, hätten beide nicht für möglich gehalten. Sandy freut sich, doch Danny gibt sich unnahbar, da er seinen Ruf bei den Jungs nicht auf’s Spiel setzen möchte. Sandy hängt mit den Pink Ladies ab, es gelingt ihr aber aufgrund ihrer zurückhaltenden Art nicht so ganz Teil von den Girls zu werden. Kenickie der Anführer der T Birds bastelt an seinem „Greased Lightnin‘“ herum und Patty von den Cheerleadern macht Danny schöne Augen. Bei einem Tanzwettbewerb siegt Danny mit Cha Cha, sehr zu Sandy’s Leidwesen. Auch eine Versöhnung im Autokino scheitert dank Danny’s ungeschickten Annäherungsversuchen. Rizzo, die Sandy als Anführerin der Pink Ladies das Leben schwer macht, hat selbst Sorge schwanger zu sein, doch Sandy findet die richtigen Worte und dank Rizzos Wink mit dem Zaunpfahl weiß sie, was sie am Ende tun muss… Das Ende ist hinlänglich bekannt, aus dem grauen Mäuschen wird ein sexy schwarzer (wer kennt nicht das Outfit am Ende) Schwan, bei dem es Danny fast die Sprache verschlägt… „You’re the one that I want“ können beide nur mehr sagen und es gibt natürlich ein Happy End.

Für die Rollen der Sandy und des Danny wurden zwei absolute Newcomer verpflichtet.

Die Oberösterreicherin Veronika Riedl ist eine zum Musical Spätberufene. Nach der Matura an der Handelsakademie in Steyr und mehreren Jahren Arbeit bei einem Softwareunternehmen absolvierte sie das Musicalstudium am Vienna Konservatorium und noch ehe sie es sich‘s versah hieß es für sie raus aus dem Büro und rauf auf die Bühne. Erst 2017 bekam sie das Diplom und dass das Casting für „Grease“, noch dazu für die Hauptrolle klappte glich natürlich einer Sensation.

Veronika Riedl’s Sandy ist um einiges stärker, als die Sandys in anderen „Grease“-Produktionen. Man hat nicht mehr das Gefühl, dass sie eine Einzelgängerin ist, sehr wohl hat sie aber ihre eigenen Prinzipien wie z.B. beim Versuch der ersten Zigarette, kann diese aber nicht immer vertreten, da sie schließlich zur eingeschweißten Gruppe dazugehören möchte. Auch stimmlich ist Riedl eine sehr starke Sandy mit angenehm samtiger Stimme, die sich aber auch, abgestimmt auf die Verfassung ihres Charakters ändern kann. So zeigte sie sich z.B. Patty gegenüber eifersüchtig, als diese mit Danny anbandelte und wurde sogar richtig zickig.

Alexander Jahnke ist einem breiten Fernsehpublikum durch seine Teilnahme an der 14. Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ im Jahr 2017 bekannt, wo er den zweiten Platz belegte. Er ist ein Singer und Songwriter, spielt mehrere Instrumente und gründete mit zwanzig eine Punk-Rock Band. Jahnke’s Danny merkt man an, dass er sehr ungern den Macho raushängen lässt, wenn es um Sandy geht. Mit deutlichen Bewegungen versucht er jedoch seine Jungs schnell auf eine falsche Fährte zu locken und reagiert überheblich, sobald sie auf das Mädchen seines Herzens zu sprechen kommen. Anderen Dannys nimmt man vielleicht eher ab, dass sie Sandy die kalte Schulter zeigen, aber Jahnke’s Danny hat durchwegs mehr Herz und man sieht ihm an, wie schwer es dem Danny in ihm fällt sich zwischen seinen Freunden und seine Sommerliebe zu entscheiden.

Bei Rizzo Darstellerin Maria Mucha ist schön zu merken, wie sie gegenüber ihren Pink Ladies die Anführerin raushängen lässt, um akzeptiert zu werden. Dass das aber nicht ihr eigentliches Wesen ist, kann man, wenn man genau hinsieht erkennen, kommt erst gegen Ende so richtig heraus, wo sie „There are worse things I could do“ mit sehr angenehmer Stimme singt und Sandy den Wink mit ihrer Lederjacke gibt, der sie zur Veränderung bewegt. Rizzo ist somit das beste Beispiel für die Redensart „harte Schale, weicher Kern“.

In der Rolle des Kenickie kann sich Alexander Sasanowitsch vor allem bei der „Greased Lightnin‘“ Szene austoben. Gegenüber seinen Kumpels verteidigt er gekonnt die Schrottlaube und gemeinsam wird sie von der verbeulten roten Karre, bei der nicht mehr alles dort ist, wo es sein soll, in ein strahlend weißes spritziges Fahrzeug verwandelt. Ein wahres Rock’n’Roll Feuerwerk wird sowohl stimmlich wie auch tänzerisch geboten.

Überzeugend ist Chanelle Wyrsch alias Marty. Auch sie ist aus derselben DSDS Staffel bekannt wie Jahnke und erreichte den 6. Platz. Sie hatte schon diverse Auftritte auf Bühnen gehabt und man merkte, dass das Spielen einer Rolle kein Problem für sie war. Ob ihrer Größe ist sie definitiv ein sexy Blickfang, gesanglich ist nichts auszusetzen („Freddy my love“) und auch im Flirten u.a. mit Vince Fontaine gibt sie sich sehr geschickt.

Als Roger wird Dimitri Vassiliadis aufgrund seiner besonderen Leidenschaft, nämlich dem Zeigen seines Hinterteils (worauf das Publikum allerdings verzichten muss) von seinen Kollegen aufgezogen. „Mooning“ ist dennoch keine Ode an die vier Buchstaben, sondern ein Liebeslied an Jan, die ihn auch erhört und miteinstimmt. Auch sein „Born to Hand Jive“ lädt zum Mitmachen ein und man würde sich am liebsten unter die Tänzer mischen und mitmachen.

Jan wird öfters als burschikos dargestellt. Ruth Lauer darf aber in der Rolle sehr wohl ein Kleidchen tragen und ein bisschen schüchtern und unbeholfen agieren, vor allem, wenn es um Jungs geht. Schön anzuhören ist ihr Beginn von „It’s raining on prom night“, welches ja von Sandy zu Ende gesungen wird.

Eine absolut entzückende Frenchy ist Isabel Waltsgott, die große Träume hat, sie aber leider weiterträumen muss, da sie sich nicht so schnell erfüllen. Sowohl ihre Französischkenntnisse (wohlgemerkt nicht in der Sprache, sondern beim Rauchen), als auch die Besessenheit von Sandys Ohrläppchen sorgen für Schmunzeln. Knuddeln und trösten möchte man sie am liebsten, als sie mit missglückten rosa Haaren am Bühnenrand sitzt und auf ihren Engel wartet, der ihr den Weg weist.

Tim Hunziker darf im ersten Teil für den berühmten „Doody-Überraschungsmoment“ sorgen. Zuerst gibt es eine sehr mühsam erklommene Tonleiter zu hören, die sich dann aber doch in tollen Gesang verwandelt. „Those magic changes“ mit neuen Einschlägen und ordentlichem Hüftschwung kann überzeugen und natürlich die drei heißen im trockenen duschenden Ensembleherren sind zusätzlich ein schöner Anblick. Am Ende fallen sogar die Handtücher und man bekommt nackte Popos zu sehen.

Tommie Luyben als Sonny ist der Chaot der Clique und leider aufgrund seines Akzents nicht ganz so gut verständlich wie seine Kollegen. Es macht aber trotzdem Spaß ihm zuzusehen, wenn er wieder einmal bei Ms. Lynch ins Fettnäpfchen tritt.

Mareike Zupp ist eine herrliche nervende sehr theatralische Patty mit Besitzansprüchen an Danny, die Sandy nicht gerne sieht.

Eugene (Sebastian Prange) hat seinen kleinen, aber dafür umso intensiveren Auftritt bei „We go together“ wo sein übertriebener Solopart von Kennern des Stücks schon erwartet wird und man wird auch nicht enttäuscht, wenn er allein alle möglichen Verrenkungen außer Takt zeigt.

In einer Doppelrolle ist Marc Chardon zu sehen. Einerseits stellt er Vince Fontaine dar, andererseits Frenchy’s Teen Angel. Als Vince mit Dreitagebart, mächtig hochgegelter Haartolle und strahlendem Lächeln lässt er die Herzen der Mädels on stage und vielleicht auch ein paar im Publikum schmelzen. Mit Haarkringel und jede Menge Glitzer in den Haaren gab Chardon dann noch elvislike den Teen Angel mit „Beauty School Dropout“. Vor allem das männliche Ensemble hatte hier interessante Tutu Outfits bekommen. Wer würde sich nicht gern von so einer Erscheinung trösten lassen.

Als Cha Cha hat Michelle Catherine Härle einen kurzen Auftritt beim Tanzwettbewerb, bei dem sie gemeinsam mit Alexander Jahnke tolle Tanzeinlagen liefert. Sie wird herumgewirbelt und dank der akrobatischen Einlagen gewannen beide natürlich.

Als Ms. Lynch ist Josephine Niesen zu sehen. Aufgrund ihres Alters hat ihre Lynch natürlich eine sehr junge Stimme, sie hatte aber viele Grimassen und eine gute Portion Schrulligkeit parat, sodass ihre Lynch viele Lacher bekam.

Beim großen Finale, wo nochmals alle Hits in Kurzform angestimmt wurden, hielt es das Publikum bei der Premiere nicht mehr auf den Sitzen und weil’s so schön war, würde man an liebsten alles von Anfang an gleich nochmal sehen.

Mehr Infos zur Tournee unter:

https://www.grease-dasmusical.com

Quelle: Andrea Martin

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