Wer ist…Denise Jastraunig?

Ein junge Frau, die auszog, um das Glück zu finden und es auch fand…. nicht am Ende des Regenbogens, wohl aber in vielen vielen Theatern, vorwiegend in Deutschland.

Das ist in unseren Augen eine sehr kurze Beschreibung für Denise Jastraunig. Wir haben uns mit ihr unterhalten und durften sehr viel über die aus Brunn am Gebirge in Niederösterreich stammende Musicaldarstellerin erfahren (wir wurden auch hingehend ihres Namens aufgeklärt, Kenner können nämlich erahnen, dass sie zur Hälfte aus Kärnten stammt, da in Kärnten die meisten Namen nämlich mit „–nig“ enden). Warum sie nicht in der Heimat, sondern vorwiegend in Deutschland spielt, welche Auditionstipps sie hat und warum sie Süßem nie widerstehen kann.

Denise absolvierte ihre Ausbildung als Musicaldarstellerin an den Performing Arts Studios Vienna. Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie bereits in jungen Jahren in verschiedenen Jugendmusicals wie z.B. Disney’s High School Musical oder Disney’s Camp Rock. 2011 tourte sie für ein Jahr mit „Cats“ unter anderem durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Danach ging es 2012 direkt ins Palladium Theater nach Stuttgart, wo sie als festes Ensemblemitglied in „Rebecca“ sowie als Cover der weiblichen Hauptrolle “Ich” angestellt war. Sie blieb in Stuttgart und spielte von 2013 bis 2014 im ABBA-Musical-Hit „Mamma Mia!“ zunächst Ensemble und Cover Sophie und danach Erstbesetzung Ali und ebenfalls Cover Sophie. Mit der deutschsprachigen Uraufführung von „Shrek – Das Musical“ tourte sie durch Deutschland, die Schweiz und Österreich. Hierbei gab sie neben der Position als Swing auch den Assistant Dance Captain, sowie Cover Fiona, Cover Rotkäppchen/ Lebkuchen-männchen und Cover Teen Fiona. Im Sommer 2015 kehrte sie nach Stuttgart zurück um in „Tarzan“ im Ensemble und als Cover Jane im Apollo Theater zu spielen. Dann rief die Tourneeproduktion des Musicals „Sister Act“, wo Denise im Ensemble und als Cover der Mary Robert unter anderem in Berlin zu sehen war. Dann ging es wieder retour nach Stuttgart, wo sie im Ensemble und als Cover der Titelrolle „Mary Poppins“ im gleichnamigen Disney-Musical zu sehen war.

Somit lebt Denise schon seit fast 7 Jahren durchgehend in Deutschland, ist aber immer wieder gern in ihrer Heimat, die ihr sehr wichtig ist. Viele Urlaube oder die Weihnachtszeit führen sie immer wieder zurück in den Schoß der Familie und es fällt ihr immer wieder schwer diesen zu verlassen. Vor allem vermisst sie kleine Ausflüge zum „Brotway“ (was für ein witziger Name, wenn ein Darsteller davon spricht), wo sie immer wieder gerne mit ihrer Mutter frühstücken geht. Aber auch die gemeinsamen Heißhungerattacken , die dann in einem Fastfoodlokal gestillt werden, lassen sie schmunzeln und Heimatgefühl aufkommen.

Natürlich interessierte es uns, ob sie gerne einmal in Österreich arbeiten möchte, warum sie glaubt, dass es in Deutschland einfach bisher besser mit den Engagements klappte und welche Erfahrungen sie in Sachen Auditions gemacht hat. Jastraunig: „Als Musicaldarsteller muss man sehr flexibel sein und oft an den Ort ziehen, in welchem das jeweils aktuelle Engagement ist.“ Natürlich hat sie auch an Auditions für Produktionen in Wien teilgenommen, aber bisher hat es leider nicht geklappt. „Ich bin dennoch sehr glücklich, dass ich nun seit einigen Jahren in Deutschland durchgehend Jobs bekomme. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn ich muss immer wieder Auditions/Castings machen und mich immer wieder auf’s Neue beweisen. Ich denke, dass die Castingdirektoren & Co mittlerweile wissen, was sie an mir haben und, dass ich gut und hart arbeite. Vielleicht kommen die Wiener da auch irgendwann drauf ;).“ Vielleicht sollte man an dieser Stelle auch gleich das schönste Kompliment erwähnen, das ihr je gemacht wurde, das lautete nämlich, dass sie eine „Allzweckwaffe“ sei und man sich auf sie verlassen kann. Also was gibt es besseres für eine Produktion, als so ein Mitglied zu haben?

Welche Auditiontipps hat Denise für jemanden der neu im Business ist? Drei klare Worte kommen wie aus der Pistole geschossen: „Sei du selbst!“. Das betont Jastraunig sehr deutlich, denn keine Jury möchte eine unechte Person vor sich sehen. Weiters ist es ganz wichtig, dass man sich mit der Show, für welche man sich bewirbt, vorher auseinandersetzt und sich gewissenhaft darauf vorbereitet. Ganz wichtig ist ihr auch der Spaß an der Sache. Schon das Besuchen einer Audition muss Spaß machen, denn so Jastraunig, „wenn es eine Tortur ist, sollte man die Berufswahl doch noch einmal überdenken, da Castings ein großer Bestandteil eines Bühnendarstellers sind“. Ein absolutes No-Go bei Auditions sind z.B. nicht geklebte Noten! „Man will doch, dass der Pianist einen gut begleitet und unterstützt, deshalb sollte man ihm auch gute Noten mitbringen.“

Geht die Künstlerin zu jeder Audition oder muss das Musical, für das sie sich bewirbt auch etwas Spezielles „können“ oder „haben“, damit es für sie interessant wird?

Jastraunig: „Das Gesamtpaket muss stimmen. Ich denke da immer an meine Mama, wenn wieder Mal eine Ausschreibung zu einer Audition herauskommt. Damals, wenn ich mir zum Beispiel Klamotten kaufen wollte, hat sie mich gefragt: „Bist du sicher, dass du das auch anziehst? Ziehst du es mehr als einmal an? Macht es dich glücklich? Und so weiter…

Bevor sie sich wo bewirbt gibt es eine genaue Punkteliste, die wie folgt lautet und abgehakt werden sollte:

*Passt du ins das Stück?
*Magst du das Stück/die Musik?
*Kannst du dir vorstellen in der Stadt zu leben/ so lange auf Tour zu sein?
*Stimmt das Angebot? (Rolle, Bezahlung,…)
*Macht es dich auf Dauer glücklich?

Wenn Denise diese Fragen mit „ja“ beantworten kann, dann stimmt das Gesamtpaket und es steht einer Bewerbung nichts mehr im Weg. Der Weg bis zur Rolle ist aber mitunter ein langer. Nach der Bewerbung muss noch eine Einladung zur Audition kommen, leider ist diese auch nicht selbstverständlich. Nach mehreren Auditionrunden, die sich auch über Monate ziehen können, kommt dann möglicherweise die Zusage und das damit verbundene Angebot.

Denise Jastraunig’s Lebensmotto „Das einzige, das man aufgibt sind Briefe!“ kommt in ihrem Beruf sicher deshalb öfters zum Tragen, um sich nicht entmutigen zu lassen. Natürlich liebt sie aber ihren Beruf und auf die Frage, was ihr am meisten Spaß macht und was weniger toll ist, gibt sie wie folgt Auskunft: „Ich liebe es auf der Bühne zu stehen und das machen zu dürfen, was mir die Welt bedeutet. Doppelshows könnten von mir aus ausfallen .

„Die Berufswelt“ besteht für die Künstlerin aktuell hauptsächlich aus deutschen Städten. Gibt es irgendetwas, was Denise immer am Anfang zur Eingewöhnung macht, wenn sie in eine neue Stadt kommt? Sie hat zumindest einen Vorsatz, nämlich gleich zu Beginn mit einem sogenannten Hop on Hop off Bus zu fahren. Aber durch sehr viele Proben findet das, wenn überhaupt, erst später statt. Sie liebt es aber durch die neuen Städte zu spazieren und die neue Umgebung zu erkunden.

Seit Ende 2017 ist sie bei der deutschsprachigen Uraufführung von „Kinky Boots – Das Musical“ im Hamburger Operettenhaus im Ensemble und als Cover “Nicola” dabei. Wir waren sehr neugierig, wie ein typischer Arbeitstag so abläuft und bekamen auch einen Einblick.

Jastraunig geht den Tag in Ruhe an, nach dem Aufstehen folgt ein Frühstück und eventuell eine Folge einer Serie im Fernsehen. Sollten keine Proben sein, ist der Tag „frei“. Aber Denise weiß auch das zu nützen. Es wird trainiert, eingekauft oder einfach nur relaxed. An solchen Tagen kann sie das machen, was die „Normalos“, wie sie all diejenigen, die nicht am Theater beschäftigt sind, liebevoll nennt, nach ihrer Arbeit so machen. Denn wenn diese frei haben, dann steht Denise Jastraunig auf der Bühne und arbeitet. „Ich muss eine Stunde vor Beginn der Show im Theater sein. Meistens bin ich früher da, um genug Zeit für Schminken und Aufwärmen zu haben. Dann geht‘s in die Maske und mir werden die Haare zu Schnecken gedreht und mit Haarnadeln am Kopf befestigt. Dann noch ein Strumpfband auf den Kopf, das Mikrofon festgesteckt und dann kommt auch schon die Perücke drauf. Dann muss ich noch das Mikrofon im sogenannten “Radioraum” checken lassen – so wird sichergestellt, dass es auch funktioniert und nicht nur zur Zierde auf meinem Kopf sitzt. Umziehen und fertig.“

Nach der Show geht sie mit ihren KollegInnen gerne auch mal was trinken oder essen, alle kommen sehr gut miteinander klar und es gibt auch gemeinsame Freizeitaktivitäten. Schwierig wird es, wenn man sich mit jemandem untertags treffen möchte, der einen „normalen“ Beruf hat.

Wie kann sich das Energiebündel am besten vom anstrengenden Job entspannen? Jastraunig verrät, dass sie liebend gerne bäckt und kocht. Auch bei Thai-Massagen, bei einem Besuch einer Therme oder einem Kinobesuch kann sie relaxen. Gemütliche Abende mit Freunden und Kollegen dürfen auch nicht fehlen, dazu gibt es Gottseidank den „heiligen“ freien Montag, „Natürlich darf bei diesen Treffen auch der Kuchen nicht fehlen“ fügt sie mit einem Schmunzeln hinzu.

Sowohl den Hang zum Süßen und Essen, die Liebe zum Backen, ihren schwarzen Humor und ihre Nase gibt sie als ihre persönlichen Markenzeichen an.

Was Denise weniger mag ist früh aufstehen, sie schätzt sich eher als Nachtmenschen ein, was ja auch sehr passend für ihren Beruf ist. „Ich hasse es, wenn ich mich wieder mal für eine Audition um 4 Uhr morgens aus dem Bett quälen muss. Gibt es Jemanden, der das gerne macht??!“ Um in die Gänge zu kommen wäre Kaffee vermutlich eine große Hilfe, da Jastraunig aber keine Kaffee-Trinkerin ist, fällt diese Form des Erwachens flach. Meist hilft ihr, um richtig wach zu werden, ausgiebiges Dehnen, eine Dusche und ein gutes Frühstück. Einen kleinen Aufstehtrick hat sie auch schon für sich erfunden: „Ich versuche mich oft selbst auszutricksen, indem ich abends nichts esse und dann morgens wenn ich aufwache so hungrig bin, dass ich sofort aus dem Bett springe. Funktioniert aber auch nicht immer. Für Tipps und Tricks bin ich immer offen! ;)“

Wenn man so oft in verschiedenen Stücken mitspielt, dann muss man sich doch auch irgendwie auf die Rollen/Stücke vorbereiten oder? Jastraunig: „Es kommt natürlich immer darauf an, ob es von dem Stück eine literarische Vorlage in Form eines Buches oder eines Filmes gibt. Wenn dem so ist, bereite ich mich sehr gerne gut vor und studiere alle mir möglichen Medien. Bei “Cats” half mir sowohl der Film, als auch Dokumentationen und tatsächlich Katzenvideos, wo ich dann die Katzensprache studierte und diese Tiere nachzuahmen versuchte. Für “Rebecca” las ich das Buch von Daphne du Maurier und sah mir natürlich auch den Film an. Bei „Kinky Boots“ hatte ich wenig Möglichkeiten mich vorzubereiten. Da konnte man nur YouTube Videos und vielleicht die Show in London anschauen.“

Trotz einer guten Vorbereitung auf die Rolle kann es schlussendlich auch passieren, dass auf der Bühne etwas Unvorhergesehenes geschieht. Wie wirkt sich das auf Denise Jastraunig aus? Wir haben nachgefragt. „Man versucht natürlich Fehler immer zu überspielen, aber es kommt auch vor, dass man mal lachen muss. Ich denke das ist menschlich.“ Was war das schlimmste Hoppala? „Das geschah vor nicht all zu langer Zeit in „Mary Poppins“ in Stuttgart. Da habe ich unter anderem die Titelrolle gespielt und als ich gerade allerlei Dinge aus meiner Tasche rauszaubern wollte, bleibt eine große Pflanze in der Tasche stecken!! Ich habe Sie einfach nicht mehr rausbekommen und musste dann die ganze Nummer, welche “Völlig ohne Fehler” heißt, mit dieser feststeckenden Pflanze machen. Völlig ohne Fehler war das nicht wirklich. Da war mir aber mehr zum Heulen als zum Lachen zumute. In solch einer Situation darf man sich nichts anmerken lassen. Viele Zuschauer kennen die Show nicht und wissen nicht, wie es eigentlich aussehen sollte. Ich bin natürlich trotzdem im Erdboden versunken.

Zum Abschluss dieses sehr aufschlussreichen Gesprächs haben wir natürlich wieder nachgefragt, mit welchem Emojis sich Denise beschreiben würde:

   

Danke an Denise Jastraunig für diese Einblicke und noch ganz viele süße Momente in ihrem Leben!

Quelle: Andrea Martin

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