Mangastyle meets Star Wars Todesstern: „Ein Käfig voller Narren“ in Baden hatte mitunter interessante Details zu bieten

Von 17.2.-25.3. verwandelt sich das Stadttheater Baden in einen Käfig voller Narren oder sind es letztendlich doch Menschen wie du und ich? Wir durften bei der Premiere am 17.2. dabei sein und waren ebenso gespannt wie jede Menge bekannte Gesichter. Birgit Sarata, Edith Leyrer, Gerda und Renate Rogers, Richard Lugner, Thomas Smolej, Maya Hakvoort, Caroline Vasicek, Susanna Hirschler uvam.

Das Musical von Jerry Herman (Buch Harvey Fierstein) ist hinlänglich bekannt, aber es kommt immer wieder auf Ausstattung, Kostüme und natürlich die Darsteller an, die die jeweilige Inszenierung einmalig machen sollen. In Baden ist die Inszenierung und Choreographie von Leonard Prinsloo, für die Ausstattung war Monika Biegler verantwortlich, die Kostüme stammten von Friederike Friedrich. Bei der Badener Erstaufführung wurde auf das Videokonzept von Aron Kitzig gesetzt, dass zum Teil sehr speziell gelungen war. Im Hintergrund waren bewegte Motive, hauptsächlich Wellen oder der Ort der Handlung St. Tropez zu sehen. Alles war in eigenem Comicstil gehalten und wenn man genau hinsah, dann sah man in einer Nachtszene eine riesige Fledermaus herumflattern und auch der sehr interessante Mond (da ist wohl jemand Star Wars Fan) war auf jeden Fall ein Hingucker. Auch die Kostümabteilung hatte sich ausgetobt. Da waren einerseits die Cagelles, die egal ob Männlein oder Weiblein in Korsetts steckten, viel Bein zeigten und einmal auf Marilyn, flottes Häschen, Rokokolady oder Mangapüppchen beim großen Finale machten. Auch der Charakter der Zaza wurde alles andere als spießig eingekleidet und hatte tolle funkelnde Abendroben erhalten, bei denen Federn in allen Formen und Farben eine große Rolle spielten. Das Aufstellen eines Umzugsrekords wurde vom Charakter des Butlers, der eigentlich eine Zofe sein möchte, abverlangt. Hier konnte man ob des Einfallsreichtums nur so staunen. Leider wurde dieser bei manchen Bühnenbildern vermisst, so z.B. in der Wohnung von Georges und Albin vor der Umgestaltung. Die Tapete war sehr retro, aber nicht anstößig, das Sofa war zwar rosa und aus Plüsch, aber auch nicht so furchtbar und auch die Skulptur des männlichen Geschlechtsorgans war jetzt nicht so ausgefallen, wie in so manch anderer Produktion, in dem Fall wäre mehr auch mehr gewesen und es wäre nachvollziehbarer gewesen, warum der Sohn eine neue Einrichtung wollte.

Das Musical basiert auf dem Stück „La Cage aux folles“ von Jean Poiret. In der Badener Erstaufführung wurde die deutsche Fassung von Erika Gesell und Christian Severin gezeigt.

Georges ist der Inhaber eines Cabarets namens „La Cage aux folles“. Die Cagelles treten dort sehr erfolgreich auf. Star ist und bleibt aber Zaza. Zaza ist der Künstlername für Albin, dem Lebensgefährten von Georges. Eines Tages eröffnet der Sohn von Georges, Jean-Michel, der von beiden elterlich großgezogen wurde, dass er heiraten möchte. Seine Auserkorene ist Anne, die Tochter des konservativen Abgeordneten der Partei für Tradition, Familie und Moral, Eduard Dindon. Jean-Michel hat seine Schwiegereltern in spe eingeladen und damit beginnen die Probleme. Er möchte, dass Albin für einen Abend verschwindet und dekoriert die ganze Wohnung um, damit nichts auf ein homosexuelles Paar schließen lässt. Auch die biologische Mutter Sybil ist eingeladen. Die sagt jedoch im Endeffekt ab, Albin, der Mitleid mit Jean-Michel hat, springt als Mutter ein und schlägt sich bis zum showdown auch recht gut. Die Gesellschaft verschlägt es ins Lokal „Chez Jacqueline“. Dort drängt die Besitzerin Albin zu einem Auftritt als Zaza. Er lässt sich überreden, doch zum Schluss fühlt er sich so wie im Club und reißt seine Perücke vom Kopf. Mehr hat er nicht gebraucht, die Dindons, vor allem natürlich das väterliche Oberhaupt der Familie sind entsetzt und als dann auch noch die Cagelles ins Lokal strömen wird die Flucht in die Wohnung von Georges und Albin angetreten. Dort sitzen die Dindons nun fest. Nach kleinen Streitigkeiten gibt es letztendlich nur eine Lösung, um der Presse, die vor der Haustür lagert zu entkommen und die führt zum Grande Finale.

Die Doppelrolle des Albin/Zaza darf man nicht einfach nur spielen, sondern man muss sie verinnerlichen. Man muss sich in die Welt dieses Charakters hineinversetzen und das Publikum auf eine Reise mitnehmen können, wo am Ende als Ziel groß Akzeptanz, Toleranz und Gleichberechtigung geschrieben steht. In Baden schlüpfte René Rumpold in diese Rolle und hat somit laut Programmheft etwas ganz Einmaliges damit geleistet. Er war der erste Künstler, der diese Rolle sowohl im Sprechstück von Jean Poiret verkörperte als auch im Musical von Jerry Herman. Auch wenn er oft in die Frauenrolle schlüpfte, so hatte er als Albin doch auch die Hosen an, vor allem in der Beziehung mit Georges. Rumpold gab einen sehr sensiblen, verletzbaren Charakter, vor allem als das Stück auf „die“ Nummer „Ich bin was ich bin“ zusteuerte. Kurz nachdem er erfahren hatte, dass er unerwünscht ist, ist ihm das Lachen vergangen. Im langen schwarzen Zweiteiler mit großen Herz als Ausschnitt und mit umgeschnalltem Rokokofedernkleid hätte er gemeinsam mit den Cagelles eine Nummer gehabt. Er schickt aber alle weg, reißt sich die Perücke vom Kopf, setzt sich allein auf die Stufen und beginnt die ersten Takte a cappella zu singen. Dann singt er sich im wahrsten Sinn des Wortes die Seele aus dem Leib und am Ende bleibt er hoch erhobenen Hauptes stehen und zeigt sich selbstbewusst, obwohl ihn vorher einige Aussagen hart getroffen haben. Nicht nur in den emotionalen Szenen weiß Rumpold zu unterhalten. Auch kurz vor „La Cage aux folles“ wusste er bei einem kurzen Publikumsfreestyle zu amüsieren. Trotz nicht gleich mitarbeitendem Publikum ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und irgendwann klappte es auch, dass das Publikum mit ihm sprach. Besonders erwähnenswert ist das Outfit in dieser Szene. Rumpold wirkte dank einem märchenhaften Kleid mit Krönchen wie eine Prinzessin und man erwartete fast schon, dass der Froschkönig auftauchen würde.

Matthias Schuppli alias Georges hatte leider bei einem so präsenten Bühnenpartner etwas das Nachsehen. Sehr oft wirkte er auch schon fast eingeschüchtert und leider fehlte oft auch der Blickkontakt zu diversen Gesprächs/Gesangspartnern auf der Bühne. Das Publikum bezog er aber doch in seiner Tätigkeit als Conferencier schön ein. Dabei hätte er sich gar nicht so verstecken müssen, da er eine angenehme Stimme hatte. Bei der „Am Strand“ Szene hatte er ein schönes Liebeslied für Albin, sang es gefühlvoll und bekam von Albin dankbar den Kopf gegrault. Richtig laut wurde er erst, als er Albin beibringen wollte wie John Wayne zu laufen und ihm eine „männliche Lektion“ erteilte. Leider gab es beim großen Finale wieder jede Menge Unsicherheit zu spüren, die sich auch auf den Text übertrug, der letztendlich verloren ging und auch inmitten der tanzenden Cagelles wirkte er etwas fehl am Platz, vielleicht war das aber auch nur die Premierennervosität, die sich im Lauf der Zeit noch legen wird.

Jean-Michel (Benjamin Plautz) hob sich sehr von seinen Eltern ab, auch im Hinblick auf seine Kleidung. Er wirkte eher unscheinbar, aber das passte dann auch wieder zu seiner Verlobten Anne (Ulrike Figgener). Bei „Mit Anne im Arm“ gab es eine schöne Tanzszene mit seiner hereinschwebenden Bühnenpartnerin und sobald er an seine Anne dachte, strahlte das Gesicht von Plautz. Auch Figgener gab das brave Mädchen, das aber oh Wunder am Ende seinen Eltern widersprach und bei den Eltern seines Verlobten blieb.

Als strenger Edouard Dindon stand Franz Josef Koepp seinen Mann und überraschte vor allem beim großen Finale als schwarzes Vogerl. Michaela Mock als Marie Dindon war vor allem von den Tellern mit den nackten Männern angetan und konnte sich daran gar nicht satt sehen.

Wenn man sich von einem Charakter ein spin off wünschen dürfte, dann wäre das von Jacob dem Butler, der eigentlich Claudine, die Zofe sein möchte. Stefan Konrad ist schon ohne High Heels nicht der Kleinste, aber sobald er auf ca. 16 cm hohen Heels auf der Bühne herumraste war das schon eine Nummer für sich. Als hätte er nie etwas Bequemeres als diese wahnsinnig hohen Schuhe getragen. Er war einmal links, dann wieder rechts und kaum war er für ein paar Sekunden verschwunden, tauchte er an einer anderen Stelle auf, wohlgemerkt in einem neuen Outfit. Gefühlte 30 Umzüge, es waren tatsächlich „nur“ 19, brachten Konrad, zumindest für den Zuschauer nicht sichtbar, ins Schwitzen. Sein Charakter sollte um jeden Preis auffallen und das tat er, einmal im Sambalook, mit goldenem Höschen oder als Tina Turner Verschnitt. Schön war auch anzusehen, wie sehr er seinem Herrn und Meister (Albin) ergeben war und wie er alles für ihn tun wollte, um ihn glücklich zu machen. Einzig das viele ohrenbetäubende Gekreische war ab und zu vielleicht eine Spur zu viel.

In kleineren Rollen zu sehen waren Richard Schmetterer als Francis, Bühnenmanager, der von seiner Verlobten Hannah (ja genau die mit der Peitsche) besonders liebevoll behandelt wurde und Gabriele Kridl als Jacqueline, die gemeinsam mit Zaza fand „Die schönste Zeit ist heut…“.

Kompliment auch an die Riege der Cagelles, alle meisterten die schwungvollen Choreos gekonnt, zeigten sogar in der großen „La Cage aux folles“ Nummer eine Stepeinlage, schwangen die Beine, die sich sowohl von den Damen wie auch den Herren sehen lassen konnten und nahmen die Herausforderung der nicht immer ganz einfach zu handhabenden Stufen an.

Die Cagelles wurden verkörpert von: Kilian Berger, Victoria Demuth, Nicolas Huart, Clara Montocchio, Artur Ortens (so hatte man ihn noch nie oder selten gesehen, als peitschenschwingende Hannah lehrte er allen das Fürchten), Rico Salathe (gab das Singvögelchen Chantal, das schwer zu stoppen war), Ilvy Schultschik, Kevin Gordon Valentine (zeigte als Phädra sein ganz besonderes Talent nämlich das, ein langes Gesicht zu machen und dem Publikum die Zunge zu zeigen).

Baden ist ja bekannt dafür, dass es ein wunderbares Ballett und einen stimmgewaltigen Chor besitzt. Beides wurde hervorragend eingesetzt. Das Ballett verkörperte zusätzliche Cagelles, was natürlich bei den großen Showszenen toll wirkte. Der Chor durfte z.B. als Gäste im Lokal von Jacqueline mit auf der Bühne sein.

Das Premierenpublikum zeigte sich begeistert und spendete langanhaltenden Applaus.

Quelle: Andrea Martin

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