Ich, Subjektiv: Der kleine Horrorladen – Gib’s mir!

Endlich mal wieder “Der kleine Horrorladen”! – keine Ahnung, wie lange der letzte Besuch einer Inszenierung schon her ist. 10 Jahre vielleicht ?

Mit dem kleinen Horrorladen verbindet mich so einiges.

Es war das erste Musical, das ich live gesehen habe. Zusammen mit anderen Ereignissen legte es den Grundstein für das Erwachen der Leidenschaft zum Musical, die sich in dem Gründen einer Webseite niederschlug und sich dann in eine Leidenschaft zum Theater und zur Kunst entwickelte.

Es war der Grund, warum ich in die Theatergruppe der Schule eingetreten bin. Es waren zwei tolle Jahre! – wenn auch nicht immer einfach, aber so ist das Theaterleben nunmal.

Es war die erste CD, die ich mir jemals gekauft habe (den Soundtrack zum Film), gleich nachdem ich meinen CD-Player bekam – man betrachte den Einkaufszettel mal ganz genau, kein Witz! Und ja, ich habe ihn immer noch – nicht wissend, daß ich ihn 23 Jahre später mal für einen Artikel verwenden würde.

Es war das erste Bühnenstück, das ich fotographisch begleitet habe – sehr bescheiden, wegen mangelnder Ausrüstung und das Stück war eine Schulaufführung – aber immerhin.

Viele erste Male mit diesem Stück – viele verschiedene Inszenierungen bis dahin.

Und jedes Mal war es neu, war es anders, war es ein Wiedersehen und war es Erinnerung.

Ich halte nichts davon, hunderte von Malen in dieselbe Inszenierung zu gehen. Wozu auch ? Aber ich gehe gerne in unterschiedliche Inszenierungen, von verschiedenen Theatern aber auch gerne mal von demselben Theater. Darstellern entwickeln sich weiter, Ansichten auch. Ebenso Technik und Einstellungen zu einem bestimmten Thema. Ein Regisseur geht anders heran als der davor. Und so bleibt es immer wieder spannend. Neben dem kleinen Horrorladen kann ich für mich persönlich die Zauberflöte anführen. Ich habe davon schon etliche Inszenierungen gesehen, aber niemals dieselbe.
Ich bezeichne mich nicht als Fan von irgendetwas oder von irgendwem. Ich habe einfach nur Vorlieben für das eine oder andere Stück, für die ein oder andere Person. Ich würde mich also auch nicht als Fan vom kleinen Horrorladen bezeichen.

Aber ich mag ihn einfach.

Ich kann nicht einmal sagen, warum das so ist. Vielleicht die Story, vielleicht die Musik, vielleicht die Charaktere, vielleicht die Pflanze. Vermutlich aber das Komplettpaket. Und genau darauf achte ich, wenn ich das Glück habe, eine Inszenierung besuchen zu können.

Es sind die Details, die zählen. Allen voran: die Pflanze. Wenn die Pflanze nicht gut genug gebaut und gespielt ist, dann kann kaum noch etwas gerettet werden. Vor allem dann, wenn der Sänger der Pflanze nicht in der Lage ist, das teuflische aber auch zugleich das verführerrische der Audrey II glaubwürdig in den Zuschauersaal zu transportieren.
Der kleine Horrorladen ist nunmal eines der Stücke, die stark von der Ausführung von einzelnen Faktoren abhängen. Jekyll & Hyde ist da noch so ein Bespiel. Wird die Rolle des Jekyll / Hyde nicht mitreißend gespielt, dann leidet die gesamte Inszenierung darunter. Zu retten ist da kaum noch was.

Stimmt die Pflanze (und das tat sie in Hof!), dann kommen noch die Charaktere dazu. Beim kleinen Horrorladen sind die Charaktere etwas überzeichnet und jede Rolle genau definiert: Der Duckmäuser Seymour, der eine Wandlung durchleben muß. Die quietschige grellbunte Audrey, der Sadozahnarzt Scrivello und der bodenständige Mushnik. Diese vier Rollen tragen die Hauptlast. Sind sie nicht überzeugend, wird es schwer trotz fabelhafter Pflanze und tollem Ensemble das Stück in Gang zu bekommen. Das Theater Hof hatte hierbei dank hervorragender Schauspieler keinerlei Probleme.

Das Bühnenbild ist zweirangig, meiner Meinung nach. In Hof war es ausgefeilt und schon fast eine Filmkulisse. Das gibt natürlich etwas zum Stück dazu, aber auch Inszenierungen mit weniger waren überzeugend.

Nicht zu verachten dagegen ist noch die Musik. Das Stück lebt von den Musiknummern, wie jedes Musical. Sie unterstreicht aber hier auch die Charaktere und deren Gefühlsleben. Und natürlich die Bedrohlichkeit der Pflanze. Wird hier geschludert, bekommt der kleine Horrorladen schon eine gewaltige Schlagseite.

Ich persönlich messe eine Inszenierung an der Kombination der genannten Faktoren. Überzeugen mich alle, dann überzeugt mich auch die Inszenierung. Dem Theater Hof ist das nicht nur bei mir gelungen, sondern es riß vom ersten Ton an den gesamten Saal mit. Da kann nicht mehr viel schief gehen.

Am Schluß ging ich mit dem wohligen Gefühl aus dem Saal, daß sich die Anreise gelohnt hatte. Meine Erwartungen wurden erfüllt und mein Wiedersehen mit dem Stück, das mich schon lange begleitet war ein Freudiges.

Mein Dank geht an alle Beteiligten!

Rezension zur Inszenierung: Nam nam lecker: “Der kleine Horrorladen” im Theater Hof

Quelle: Alexander Brock

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