Ein Kurztrip für Pia Douwes nach Wien in den Ehrbarsaal wurde zu einer Zeitreise durch ihre Karriere für das Publikum

Ich gebe es zu, ich kannte diesen Saal noch nicht und war umso gespannter, endlich wieder einmal eine neue Location kennenzulernen.

Der Ehrbar Saal wurde 1876 von dem Klavierfabrikanten Friedrich Ehrbar in der Mühlgasse 30, 1040 Wien errichtet. Er war damals neben dem großen Musikvereinssaal der einzige ausschließlich Konzertzwecken gewidmete Saal in Wien. 1911 wurde die Galerie zugebaut und der Saal bekam seine heutige Form.Während des ersten Weltkrieges diente er als Lazarett, war Lager einer Tischlerei, bis er 1946 mit einem Konzert der Wiener Philharmoniker unter Rudolf Moralt feierlich wiedereröffnet und seiner ursprünglichen Bestimmung wieder übergeben wurde. In den letzten 30 Jahren wurde es um den Ehrbar-Saal jedoch etwas ruhiger. Seit 2005 finden in diesem Saal wieder regelmäßig Konzerte mit namhaften Musikern und Schauspielern statt (http://www.stadtinitiative.at/).

Für Musicalbegeisterte natürlich einer DER Namen im Genre ist die Holländerin Pia Douwes. Douwes steht für Qualität auf höchstem Niveau und ist seit vielen vielen Jahren ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil aus der Musicallandschaft. Viele Fans kamen in den Saal der allein schon durch sein Erscheinungsbild in Staunen versetzte und eine imposante Kulisse bot. Kein Wunder, dass auch Pia diesen Saal toll fand und am liebsten dort gleich mehrere Konzerte gegeben hätte.

Douwes wurde bei ihrem Konzert “The very best of Pia Douwes” von drei Musikern (Otmar Binder: Klavier, Alexander Lackner: Bass und Christian Ziegelwanger: Schlagzeug) begleitet. Für Proben hatten die Musiker nur einen Nachmittag Zeit, aber genau das macht eben Profis aus.

Als Lady in Black ging bei ihren Auftritten die Sonne auf, auch wenn sie als erstes das „Mondlicht“ aus „Cats“ besang. Zwischen den Liedern, die ihre Karriere geprägt, begleitet und verändert hatten, gab sie auch kleine Anekdoten zum Besten. So z.B. dass ihre Karriere in Wien mit „Der kleine Horrorladen“ begann, wo es tatsächlich vorkam, dass nur drei Leute im Publikum saßen und beschlossen wurde erst bei einem „Ansturm“ von drei, darunter nicht mehr, zu spielen. Dann stellte sie ihren special guest Werner Mai vor, der hauptberuflich eigentlich Arzt ist, aber auch über eine tolle Stimme verfügt. Im Laufe des Abends meinte sie, dass die Kranken vermutlich deshalb bei ihm gesund werden, weil er ihnen etwas vorsingt und das waren keine leeren Worte. Wenn es seine Stimme auf Rezept verschrieben geben würde, dann würden sicher viele dieses in der Apotheke einlösen wollen. Auch Mai freute sich mit dem Idol seiner Kindheit zum dritten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen zu dürfen und man merkte im Lauf des Abends, dass die Chemie bei den beiden stimmte. Mit „Willst du ein schönes Duett mit mir singen“ holte Douwes ihren Gesangspartner auf die Bühne. Gemeinsam interpretierten sie dann „One hand, one heart“ aus der „West Side Story“. Mai „das Duett kann man nicht ohne Blumen singen“ und brachte eine rote Rose, wobei er sich entschuldigte, dass es sich um keine holländische Tulpe handelte. Douwes verschmitzt „ich bin die Tulpe aus Amsterdam“. Bei seinem ersten Solo „Maria“ bewies Mai, dass er durchaus auch Qualitäten hätte einen Programm allein zu bestreiten. Für Pia ist „Ich hab geträumt“ aus „Les Miserables“ eines der schönsten Lieder und deshalb durfte es in ihren Programm auch nicht fehlen. Genau wie ein kleiner Block, der „Elisabeth“ gewidmet war, dem Musical, mit dem sie ihren Durchbruch feierte und von dem niemand am Anfang wusste, ob es ein Erfolg werden würde. Mai überzeugte mit einem sehr interessanten musikalischen Arrangement von „Der letzte Tanz“. Dass Mai alles andere als ein Verlierer war, wie es im Text vorkam, bewies das sehr begeisterte Publikum nach dieser Nummer. Als Duett folgte „Wenn ich tanzen will“, bei dem sich beide auf der Bühne etwas umgarnten. Dass „Ich gehör nur mir“, „ihr Lied“ nicht fehlen darf ist ganz klar und Gottseidank gehört sie zumindest für diesem einen Abend auch ganz vielen begeisterten Zuschauern. Plötzlich stoppte sie mitten im Song und meinte belustigt „jetzt wollte ich auf Holländisch weitermachen“. Sie wies Binder an, nochmal ein paar Takte zurückzugehen und brachte das Lied in gewohnt souveräner Art zu Ende. Ein absolut entzückendes Hoppala, das bewies, dass der Mensch keine Maschine ist und sich lustigerweise fortsetzte, nämlich dann als sie die letzte Strophe für die Anwesenden als Zugabe auf Holländisch singen wollte und dann auf Deutsch anfing. Sehr schlau umging sie den Wunsch eines lauten Rufers den Song doch in mehr Sprachen zu singen. Geschickt verwies sie auf ihre CD, die man während der Pause auch im Foyer erwerben konnte. Bei ihrem Folgeengagement in „Grease“ dachte sie anfangs, dass es sich um eine lustige Rolle handeln würde, doch die Sache mit der Schwangerschaft von Rizzo machte diese Rolle dann doch nicht so humorig. Kleines Trostpflaster für Pia war, dass diese Rolle im Stück nicht sterben musste. Aus „Grease“ gab es dann „There are worse things I could do“, „Sandy“ (Werner schmachtete seine imaginäre Sandy an) und als gemeinsames Duett mit Pia in Lederjacke „You are the one that I want“, bei dem sich beide sehr bewegungsfreudig gaben. Vor allem Mai hatte einen 1A Hüftschwung drauf und brachte Pia sogar mit einem Popowackler durcheinander (und ihren Text auch). „Cabaret“ aus dem gleichnamigen Stück machte ihr auch sichtlich Spaß und auch zu diesem Stück hatte sie eine Geschichte parat. Nämlich als sie während eines Auftritts in Bad Hersfeld mit einer Kollegin so stark zusammenkrachte, dass die Show unterbrochen werden musste und sie sogar infolge genäht werden musste. Mai interpretierte dann „High flying adored“ aus „Evita“. Wenn er so ein exakter Arzt wie Sänger ist, dann können sich die Patienten glücklich schätzen, denn bei ihm sitzt jeder Ton. Mit jeder Menge Emotionen gab es dann von Douwes „Wein nicht um mich, Argentinien“, auch diese Rolle hatte sie bereits verkörpert. Werner Mai hatte sich die Erlaubnis von Pia geholt (und bekommen), ein Lied aus einem Stück zu singen, wo sie noch nie mitgespielt hatte. Bei seinem „Warum kannst du mich nicht lieben?“ legte er sich mächtig ins Zeug, betonte einige Stellen anders und machte so den Song zu seinem eigenen. Unter dem Leitsatz „das Leben ist zu kurz, um es nicht in vollen Zügen zu genießen“ stand dann die letzte Nummer vor der Pause „Life is just a bowl of cherries“ am Programm.

Im zweiten Teil gab es von Pia Douwes einen Outfitwechsel, sie blieb der Farbe schwarz treu, jedoch was es dieses Mal das kleine Schwarze. Sie verriet, dass „Milady ist zurück“ aus „Die 3 Musketiere“ extra für sie geschrieben wurde, da mit der Zeit klar wurde, dass dieser Charakter ein großes Solo für den ersten Auftritt brauchte. Danach schilderte sie ihre West End- und Broadwayerfahrungen, die sie im Zusammenhang mit dem Musical „Chicago“ sammeln durfte. Und natürlich folgte „All that jazz“ in einer sehr schönen Version, bei der man sich fast wie in einem exklusivem Club vorkam. Nach „Nur ein Blick“ aus „Sunset Boulevard“ durfte Werner im Alleingang diesen beschreiten. Auch mit „Mut zur Tat“ durfte sich Pias Gast einen Wunsch erfüllen, denn auch in „Rudolf-Affaire Mayerling“ hatte sie nicht mitgespielt. Dass er in seinen Wunschsong sein ganzes Herzblut legte war zu merken und einmal mehr eroberte er die Herzen des Publikums mit seiner Stimme. Eines ihrer Lieblingsmusicals, wo Pia einmal keine Diva spielen muss, ist „Next to normal“ und daraus gab es dann „I miss the mountains“ zu hören. Als letzter offizieller Song auf der Programmliste stand „Liebe endet nie“, das Duett aus „Der Besuch der alten Dame“. Das Publikum spendete kräftig Beifall und konnte dadurch sogar noch sage und schreibe drei Zugaben erreichen. Als erstes gab es von Douwes „Big Spender“, bei dem sie sogar von der Bühne stieg und im Publikum einige Personen ansang. Werner Mai lieferte mit „This is the moment“ einen weiteren tollen Augenblick und zum Schluss hieß es „Suddenly Seymour“ für beide gemeinsam. Das wäre es dann eigentlich schon gewesen, aber laut eigenen Angaben wurde Pia vom Pianisten zu einer allerletzten Nummer, nämlich „Maybe this time“ aus „Cabaret“ gezwungen. Das Publikum bedankte sich für den tollen Abend ein letztes Mal mit ohrenbetäubendem Beifall und konnte dann im Anschluss sowohl von Pia als auch Werner in einem Nebenraum noch Autogramme holen und Fotos machen.

Quelle: Andrea Martin

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