“Die Zauberflöte” mit Alpenpanorama im Staatstheater Nürnberg

Mozart. Zauberflöte. Zeitlos. – Was haben diese Begriffe gemeinsam ? – Nein, nicht nur das “Z” – sondern auch Raum für Freiheit, für Gestaltung und für Interpretation.

Bei einer ausländischen Inszenierung wurde einmal einleitend gesagt, “Die Zauberflöte” sei eine Märchenoper, denn sie hat alles, was ein Märchen braucht: Prinz und Prinzessin. Bösewichte und Helden. Phantasie und Moral. Und natürlich: Happy End.

Genauso wie Märchen ist auch “Die Zauberflöte” wandelbar. Von klassischen Inszenierungen, die deutlich auf das Freimaurermotiv setzen bis hin zu phantasievollen Produktionen mit Fabelwesen im Puppenspiel – alles ist möglich. Warum also nicht auch einmal die Geschichte in die Alpen setzen, wo der Prinz sich mit Skier an den Füßen beweisen muß und man auf Schlitten flieht ?

Laura Scozzis Inszenierung wurde bei der Erstaufführung zuerst kritisch betrachtet, dann aber bejubelt. Auch in der gestrigen Vorstellung war es so: das Publikum wußte zuerst nichts mit der Szenerie anzufangen, mußte sich erst eingewöhnen. Einen Prinzen in prächtiger Uniform ist man gewöhnt, in Skijacke ? Wohl eher kaum. Doch nach einer kurzen Zeit der Verwirrung taute das Publikum auf und spendete den Künstlern begeistert Applaus. Verdient, in jeder Hinsicht.

Denn an diesem zauberhaften Abend in Alpenkulisse fühlte man sich unter der musikalischen Leitung von Andreas Klippert an ein kleines und idyllisches Bergdorf versetzt, das es hinter den Kulissen ganz schön in sich hat. Der Machtkampf zwischen Sarastro (ehrfurchtgebietend und wohlklingend von Alexey Birkus in Szene gesetzt) und der Königin der Nacht, die ihren Kummer über die Entführung ihrer Tocher – so scheint es – mit Alkohol und Tabletten zu ersticken versucht. Pauline Rinvet verlieh der Rolle sowohl stimmlich als auch schauspielerisch (beides herausragend) die nötige Verzweiflung, Dramatik und den Stolz, der bis zuletzt lodert, nur um dann, nach Zauberflöten-Manier erstickt zu werden; mit einem kleinen Zusatz, der bestimmt so manchen Zuschauer schmunzelnd überrascht hat.

Mitten in diese Streitigkeiten platzt der Prinz Tamino, der durch die drei Damen (erfrischend dargestellt von Isabel Blechschmidt, Irina Maltseva und Ida Aldrian) von einem Alptraum gerettet wurde. Martin Platz mimte den Prinzen meisterhaft und überzeugte mit seiner Leistung nicht nur die Gemeinschaft der Eingeweihten.

Seine Mission, die Rettung der Prinzessin Pamina, tritt er zusammen mit Papageno, dem Vogelfänger, an – in dieser Inszenierung ein Draufgänger in Leder mit Schwächen. In der Rolle des Papageno sah das Publikum Martin Berner, der seine Rolle wundervoll spielte und dem Vogelfänger all die schillernden Facetten verpaßte, von denen diese Rolle lebt. Beide machen sich auf, um Pamina zu finden, die Tochter der Königin der Nacht. Ina Yoshikawa verlieh der Prinzessin überzeugende Eleganz und Entschlossenheit, untermalt von stimmlicher Qualität.

Nachdem die Helden etliche Begegnungen mit den drei Knaben (herrlich dargestellt von Laura Demjan, Berenike Huber und Martina Langbauer), Priestern (überzeugend: Jens Waldig und Timothy Hamel), Geharnischten (gut gespielt: Ilker Arcayürek und Wonyong Kang) und natürlich Monostatos (wunderbar und glaubwürdig von Hans Kittelmann gespielt)

Am Ende bekommt Tamino Pamina und Papageno endlich sein langersehntes Weibchen, Papagena (zuckersüß und frech gespielt und gesungen von Theresa Steinbach).

Nach dem verdienten Applaus, Jubel und Bravorufen war das Märchen dann vorbei, doch so mancher zog pfeifend in die kühle Abendluft hinaus. Mozart hinterläßt eben Eindruck. Immer noch. Und immer wieder.

Weitere Termine:

16.01.2018 19:30 Uhr
23.01.2018 19:30 Uhr

Die kreativen Köpfe:

Musikalische Leitung: Guido Johannes Rumstadt
Inszenierung und Choreographie: Laura Scozzi
Bühne: Natacha Le Guen de Kerneizon
Kostüme: Jean Jacques Delmotte
Chor: Tarmo Vaask
Videokunst: Stéphane Broc
Lichtdesign: Marie-Hélène Pinon

Besetzung

Andreas Klippert (Musikalische Leitung)
Alexey Birkus (Sarastro)
Martin Platz (Tamino)
Jens Waldig (Sprecher/1. Priester)
Timothy Hamel (2. Priester)
Pauline Rinvet (Königin der Nacht)
Ina Yoshikawa (Pamina)
Isabel Blechschmidt (1. Dame)
Irina Maltseva* (2. Dame)
Ida Aldrian (3. Dame)
Laura Demjan (1. Knabe)
Berenike Huber (2. Knabe)
Martina Langbauer (3. Knabe)
Martin Berner (Papageno)
Theresa Steinbach* (Papagena)
Hans Kittelmann (Monostatos)
Ilker Arcayürek (1. Geharnischter)
Wonyong Kang (2. Geharnischter)

Staatsphilharmonie Nürnberg, Chor des Staatstheater Nürnberg

* Mitglied des Internationalen Opernstudios

Mehr Informationen gibt es auch auf der Webseite des Staatstheaters Nürnberg

Quelle: Alexander Brock

 

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