The Exterminating Angel: Keiner kann gehen

Man stelle sich vor, man ist in einem Raum und kann ihn nicht mehr verlasen.

Keine Tür, keine Barriere – nichts was einen hält und dennoch hält es einen.

Das ist das Grundthema des Films “El ángel exterminador” (deutsch: “Der Würgeengel” ), den Thomas Adès zusammen mit Tom Cairns (Regie und Mitarbeit am Libretto) in eine Oper umgesetzt hat. Sie erlebte 2016 die Uraufführung in Salzburg.

Man muß zugeben, wer bisher “nur” klassische Opern gesehen oder gehört hat, der wird über den Stil und den Aufbau ein wenig verwundert sein, aber genau deswegen sollte man es wagen, sich “The Exterminating Angel” anzusehen. Man wird überrascht sein.

Die Unterschiede zu einer klassischen Oper fangen schon bei den Hauptrollen an. Es gibt dero 15, die alle zusammen die gesamte Dauer der Oper auf der Bühne stehen. Bis auf wenige Ausnahmen, aber darüber sei hier nichts weiter verraten. Eine Arie findet man nicht und die Songs erinnern mehr an gesungene Theatertexte als an die gewohnten Opernlieder. Insgesamt also ungewöhnlich und vielleicht auch gewöhnungsbedürftig, aber im Endeffekt erfrischend anders.
Man könnte hier nun die einzelnen Rollen aufzählen und die Darstellung dieser durch die jeweilige Person erörtern, aber bei diesem Stück ging es gar nicht so sehr um die einzelnen Charaktere. Jeder hatte zwar seine eigene Stimmlage und seinen eigenen Stil im Gesang, so daß man sie als Individuum identifizieren konnte, doch wurde das immer weniger wichtig, je mehr die Geschichte fortschritt. Denn am Schluß war jeder irgendwie Mensch aber dennoch irgendwie Tier.
Die gesangliche (und auch schauspielerische) Leistung der Darsteller und Darstellerinnen war überragend. Ihnen wurde viel abverlangt, wie man auch in den Interviews hören konnte, aber sie alle haben es mit Bravur gemeistert. Das war, um es kurz zu sagen: Leistung auf dem allerhöchsten Niveau.

“The Exterminating Angel” hinterläßt einen Eindruck. Nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch die Musik, die so ungewöhnlich ist und auch durch den Gesang, der sich nicht in eine Schublade stecken läßt.

Und zugegeben: man mag skeptisch sein, wenn man bisher nur Ausschnitte gesehen hat, aber danach ist man froh, es gewagt zu haben – und im Gegensatz zu den Figuren im Stück kann man freien Willens den Saal verlassen.

For our english readers, a short version:

“The Exterminating Angel” is an uncommon and mesmerizing play created by Thomas Aden. Based on the movie <..> his opera tells the story of people, meeting for dinner but after that being unable to leave the room. There are no locked doors or anything else that would hold them back but though they are doomed to stay.

The actors, all principal roles, stay on the stage for the whole opera. Their quality in singing and acting was fabulous and from high standard. The music was something new and refreshing. Both, singing and music, so different to the known opera music – and that’s why it was so delightening to listen and watch it.

Mitwirkende:

Dirigent: Thomas Adès

Joseph Kaiser,Amanda Echalaz,Audrey Luna,Alice Coote,Sally Matthews,Iestyn Davies,Christine Rice,Rod Gilfry,Sophie Bevan,David Portillo,Frédéric Antoun,David Adam Moore,Kevin Burdette,Sir John Tomlinson,Christian Van Horn,John Irvin,Ian Koziara,Paul Corona,Mary Dunleavy,Catherine Cook,Andrea Coleman,Marc Persing,Jeff Mattsey,Lucas Mann

Quelle: Alexander Brock

 

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