Wenn Märchen wahr werden – Aladdin und die Wunderlampe, das Familienmusical am Stadttheater Baden

In der Vorweihnachtszeit ist es schon fast Tradition, dass im Stadttheater Baden ein Musical für die ganze Familie gezeigt wird. Ziel ist es, auch die Kleinen ins Theater zu locken und schon am Premierennachmittag, den 18.11.2017 war das Ziel erreicht. Viele neugierige Kinderaugen blickten gespannt Richtung Bühne, um sich von einer Neuinterpretation des orientalischen Märchens aus 1001 Nacht verzaubern zu lassen. Auch ein paar bekannte Gesichter konnte man im Publikum erblicken wie Gernot Kranner samt seinen Kindern, Katja Berg, Thomas Weissengruber und Kristina Sprenger.

Das Stück stammt von Robert Persché (Musik, Liedtexte, Buch) und Andreas Braunendal (Buch). Persché hatte auch die Inszenierung übernommen und verknüpfte auf magische Weise das Märchen mit der Jetztzeit. Das Orchester der Bühne Baden, unter der Leitung von Oliver Ostermann, versetzte das Publikum dank der orientalischen Klänge in eine andere Welt.

Das Bühnenbild von Gerhard Mayer konnte schnell von einer Ausgrabungsstätte in einen Palast verwandelt werden, besonderer Hingucker war das langsam entstehende Heim des Sultans. Mignon Ritter zeichnete für die Kostüme verantwortlich. Farbenfroh ging es vor allem im Palast zu und die Damen des Balletts und des Chors wurden zu sexy Bauchtänzerinnen.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom armen jungen Aladdin, der sich mit Hilfe eines Dschinns des bösen Dschafars entledigt und im Endeffekt noch das Herz der Prinzessin Jasmin erobert? Und war da nicht noch etwas mit einem fliegenden Teppich? In der ursprünglichen Geschichte gab es ihn nicht, wohl aber u.a. bei Disneys Zeichentrickfilm. In Baden wurde quasi der Teppich unter den Teppich gekehrt, man vermisste ihn aber auch nicht sonderlich, denn es gab genug andere magische Momente.

Am Anfang sieht man den bösen Dschafar, der den Schatz der Schätze sucht und dazu ein reines Herz braucht. In der Eingangsszene fühlt man sich wie im Märchen, dann allerdings ändert sich der Schauplatz und man findet sich an der Ausgrabungsstätte des Prof. Arthur John Evans wieder. Dschafar hat sich den Jungen Aladdin auserkoren, dieser soll ihm helfen den Schatz zu finden. Aladdin ist auch auf der Ausgrabungsstätte und hat bald nur mehr Augen für Jasmin, die Tochter des Archäologen. Mit einer List kann Dschafar Aladdin dazu bewegen ihm zu helfen. Frauen mögen nur Abenteurer und Helden und zu so einem soll Aladdin nun werden. Der Junge schafft es den Eingang zum Schatz zu finden, allerdings hält er sich nicht an das Verbot nichts zu berühren und er wird zur Strafe von den Naturgeistern eingeschlossen. Die Wunderlampe fällt ihm in die Hände und kaum hat er daran gerieben, erscheint Dschinn. Dass er wieder in die Freiheit will, ist klar und da der Lampengeist Wünsche erfüllen kann, befinden sich beide schnell außerhalb der Höhle. Da Aladdin gerne mehr Aufmerksamkeit von Jasmin hätte, wünscht er sich, dass alles wie in einem Märchen ist. Und ehe man es sich versieht, sind der Archäologe ein Sultan, seine blonde Tochter eine dunkelhaarige Prinzessin, Robinson, der Assistent vom Professor wird zu einem Eunuch und Aladdin wird zu einem Prinzen. Auch das Bühnenbild wird dank vielen fleißigen Händen zu einem farbenfrohen Palast mit vielen Annehmlichkeiten. Zu dumm, dass dann Dschafar samt dem diebischen Baltazar als Schuldeneintreiber erscheint und den Vertrag, den er mit dem Sultan geschlossen hat, erfüllt sehen möchte. Dieser ist pleite und so soll Jasmin als Pfand Dschafar ehelichen. Im Märchen findet der Held aber immer einen Ausweg, so auch dieses Mal und Jasmin kann dem Bösewicht entkommen. Der Sultan ist so glücklich, dass er Aladdin seiner Tochter zur Frau geben will. Die ist nicht sehr erfreut, da sie keinen Prinzen möchte. Doch Aladdin weiß, wie er sich durch kleine Gesten enttarnen kann und Jasmin erkennt in ihm den Straßenjungen. Zur Hochzeit schleichen sich auch Dschafar und Baltazar, wohlgemerkt gut verkleidet und schaffen es, Jasmin die Lampe abzuschwatzen. Der traurige Dschinn zieht mit seinem neuen Meister von dannen. Es folgt ein Schauplatzwechsel. Man befindet sich im magischen Märchenmuseum. Dort befinden sich alle Personen der Handlung regungslos und werden von Schulkindern bewundert. Dschafar erwacht und findet, dass für ihn eigentlich alles gut gelaufen ist. Er spielt im Scherz die Geschichte von Jasmin und Aladdin nach und lässt sie wie Marionetten tanzen, bis die beiden die Regie selbst übernehmen und deren Liebe siegt. Auch der Dschinn kann den Befehl „tu etwas gegen die Liebe“ nicht ausführen, da diese einfach stärker ist. Aladdin gelangt in den Besitz der Lampe, befreit Dschinn mit einem letzten Wunsch und die Naturgeister holen sich den Bösewicht Dschafar. Happy End für alle. Aladdin hat seine Jasmin, Dschinn und auch Baltazar sind endlich frei und der Sultan ist endlich schuldenfrei. Interessant das Ende, da offenbar alle Personen im Märchen „gefangen“ bleiben und scheinbar keinem das frühere Leben auf der Ausgrabungsstätte fehlt.

Benjamin Plautz als Aladdin hatte zu seinem Charakter passend viele verträumte Momente und konnte auch mit seiner lockeren, unbeschwerten Art bald Jasmins Herz erobern. Im richtigen Leben hätte es vermutlich keiner Wunderlampe bedurft, sondern eher etwas Zeit, nur die wollte er sich nicht geben. Vor allem seine Blicke sprachen Bände und er hätte der Erfinder der Redensart „mit offenen Augen träumen“ sein können.

Mit Ulrike Figgener, die sowohl als blonde Tochter des Archäologen als auch dunkelhaarige Prinzessin wunderschön anzusehen war, hatte er ein schönes Duett mit „Hand in Hand“ und es war auch für die vielen Kinder schön anzusehen, dass sie endlich zueinander gefunden hatten.

Jasmin wusste genau, was sie von einem Mann wollte. Sie hatte im wahrsten Sinn des Wortes die Hosen an, zumindest am Anfang und auch ihr Vater bekam die ein oder andere Rüge zu hören. Bei Aladdin aber kam dann auch ihre weiche Seite hervor und sie musste endlich nicht mehr die starke Tochter spielen, sondern konnte sich auch fallen lassen.

Highlight für die Kinder war natürlich Dschinn, in dessen blauen Körper niemand geringerer als Russkaja Frontman Georgij Makazaria schlüpfte. Er war definitiv nicht ein Geist, der immer nur lustig ist, sondern hatte durchaus auch nachdenkliche Momente, wie z.B. als er von der Freiheit träumte. Vor allem bei seiner Nummer „Wunderbar“ ging das Publikum mit und freute sich, wenn der blaue Geist ein Freudenstänzchen vollführte und sich im Applaus sonnte.

Robert Sadil gab den etwas schrulligen Professor Evans mit dem Faible für Kopfbedeckungen wie auch den im wahrsten Sinn des Wortes umfangreichen Sultan. Hier amüsierte vor allem die Tatsache, dass er immerzu essen wollte und deshalb kein Geld mehr hatte.

Beppo Binder als Assistent Robinson hatte am liebsten Freitage und sorgte als Eunuch Ibrahim für Lacher, wenn er plötzlich nur mehr mit hoher Stimme auftrat.

Dennis Kozeluh als Dschafar wurde besonders bedrohlich geschminkt und wirkte auch dank seiner tiefen Stimme alles andere als vertrauenserweckend. Er hatte aber, gemeinsam mit János Mischuretz als Baltazar humorige Momente, als sie z.B. als Dame Edna lookalike die Hochzeitsplaner gaben.

Auf der Bühne tummelte sich auch das Ballett und der Chor der Bühne Baden, die perfekt in das Bühnenbild aus 1001 Nacht eingebaut wurden. Auch standen einige Kinder auf der Bühne. Hier handelte es sich um den Kinderchor Gumpoldskirchner Spatzen, die u.a. mit ihrem Schulbus, der von Nonnen gefahren wurde, die Ausgrabungsstätte neu erfanden.

Aladdin ist ein buntes, unterhaltsames Stück für die ganze Familie, das zu einem Besuch in das Stadttheater Baden einlädt.

Quelle: Andrea Martin

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