Ehre wem Ehre gebührt: Michael Kunze – A musical tribute, Theater Akzent, Wien

Nein, der deutsche Liedtexter, Schriftsteller, Librettist und Jurist Michael Kunze ist noch nicht gestorben, ganz im Gegenteil, er erfreut sich bester Gesundheit. Nichtsdestotrotz haben sich die Veranstalter der Sound of music Konzerte zu einer Ehrung dieses Künstlers mit einem entsprechenden Programm entschlossen. Seit Anfang der 1990er Jahre ist Kunze vor allem als Autor für diverse Musicals wie „Elisabeth“, „Tanz der Vampire“, „Mozart!“, „Rebecca“, „Marie Antoinette“ und „Die 10 Gebote“ in vielen Ländern Europas, aber auch in Japan und Südkorea bekannt.

Er schrieb und produzierte aber auch Lieder für Caterina Valente, Münchner Freiheit, Peter Alexander, Udo Jürgens und viele andere mehr.

Nach einer kleinen eingespielten Grußbotschaft ging das Konzert im Wiener Theater Akzent am 23.10.2017 auch schon los. Als erste sei in jedem Fall Marina Komissartchik zu erwähnen, die als „Einfrauorchester“ wieder einmal sensationell die Lady hinter dem Klavier gab. Kaum, dass Jan Ammann die Bühne betrat jubelte das Publikum schon begeistert, noch ehe er einen Ton von sich gegeben hatte. Der erste große Block widmete sich dem Musical „Rebecca“. „Zauberhaft natürlich“ und „Gott, warum? waren seine Lieder, die natürlich wieder einmal, dank seiner unverkennbaren Stimme und seiner Präsenz, einmalig waren. Interessant war die Wahl von Michaela Schober in der Rolle der „Ich“, es sollte sich später herausstellen, warum dem so war. Anfänglich wirkte sie noch etwas zurückhaltend, aber im Laufe des Abends entwickelte sie sich zu einem Überraschungspaket sondergleichen. Sie wäre die perfekte Kandidatin für die Show „The Voice of Germany“, da man auf den ersten Blick nicht so eine Megastimme in ihr vermuten würde. „Sie ergibt sich nicht“ stellte Kerstin Ibald fest und machte mit vielen kleinen Gesten klar, dass Rebecca sehr wohl auch im Theater Akzent noch anwesend war. Für den Wienabend hatte man Florian Peters gewonnen, der in Wien im Musical „Schikaneder“ den Johann Friedel verkörperte und im Musical „Mozart!“ u.a. Mozart coverte. Bei „Eine Hand wäscht die andere Hand“ setzte er sich lässig auf den Bühnenrand und sang den Titel wunderbar mit der für den Charakter typischen Überheblichkeit. Besonders herzig, als Schober mit Ammann händchenhaltend „Jenseits der Nacht“ zum Besten gab.

Natürlich gab es nicht nur Titel aus der Hand von Kunze zu hören, die man aus der Welt der Musicals kennt. So interpretierte Peters mit einer Inbrunst „Du“, welches man von Peter Maffay kennt und welches sich dank seiner Stimme fast so anhörte, als würde es aus einer Operette stammen. „Freu dich bloß nicht zu früh“ verkündete Ibald, die offensichtlich ein Gegenüber im Kopf hatte, das sie gekonnt ansang. Dann wurde der „Elisabeth“-Block von Kerstin Ibald angekündigt. Viele hatten es schon geahnt, aber jetzt wurde es offiziell verkündet. Roberta Valentini, die eigentlich auch auftreten hätte sollen war leider krankheitshalber verhindert. Das war die schlechte Nachricht, die gute Nachricht war, dass sich die Verantwortlichen für einen Ersatz umgesehen hatten, der das Quartett zumindest bei „Elisabeth“ unterstützen konnte. Der Name, der dann fiel ließ im Publikum eine Welle der Begeisterung ausbrechen – Annemieke van Dam. Das Besondere war noch zusätzlich, dass es sich hierbei vermutlich um ihren allerletzten Auftritt auf der Bühne für einige Zeit handelte, da sie hochschwanger war und in etwa drei Wochen vor der Geburt stand. Ein Dankeschön an die sympathische Holländerin, die mit diesem Rettungseinsatz das Publikum verzückte. Ein außergewöhnliches Duett gab es somit von Jan und Annemieke bei „Wenn ich tanzen will“ und van Dam unterstütze auch Florian Peters als Erzherzog Rudolf bei „Wenn ich dein Spiegel wär“. Auch diese Rolle wäre wie gemacht für Peters, da er, mit verstrubbelten Haaren, perfekt den um Rat suchenden Sohn gab. Ibald hat zwar noch lang nicht das Alter der Erzherzogin Sophie erreicht, trotzdem trug sie mit Würde ihr „Bellaria“ vor. Die Schatten länger werden ließen Ammann und Peters, ebenfalls ein tolles Duett der beiden Herren. Annemieke van Dam beendet den ersten Teil vor der Pause mit einem „Ich gehör nur mir“. Bald wird sie wohl ganz ihrer kleinen Familie gehören… die Fans feierten sie mit standing ovations und waren sehr begeistert. Van Dam verabschiedete sich mit den Worten „sie kann nichts Anderes außer Elisabeth“, gerade dieser kleine Ausflug mit ihr kam aber sehr gut an. Toi toi toi an dieser Stelle für die Geburt und viel Freude mit dem neuen Erdenbürger!

Im zweiten Akt wurde mit „Mozart!“ gestartet. Ibald holte für das Publikum das „Gold von den Sternen“ und Peters sorgte mittels einiger kleiner, aber durchaus feiner neuer Betonungen im Lied „Warum kannst du mich nicht lieben?“ für kurze Gänsehautmomente und auch bei „Wie wird man seinen Schatten los?“ wirkte er wirklich wie jemand, der vor sich selbst auf der Flucht ist. „Irgendwo wird immer getanzt“ steuerte Michaela Schober mit passendem Gesichtsausdruck einer Constanze Mozart bei. „Was wichtig ist“ erfuhr man von Kerstin Ibald und Ammann verriet am Bühnenrand sitzend „Ich bin stark“ (Gitte Haenning), was natürlich niemand bezweifelte. Kaum wurden die ersten Klänge vom „Tanz der Vampire“ Block angespielt geriet das Publikum schon völlig aus dem Häuschen und die „Einladung zum Ball“ wurde gerne angenommen. Michaela Schober ist definitiv keine Sarah, wie man sich diesen Charakter vorstellt, aber genau das macht diese Konzerte aus. Typgerecht wird diese Rolle im Stück besetzt, bei Konzerten ist es egal, wie die Sängerin aussieht. Stimmlich passte Schober perfekt und auch mit Jan Ammann harmonierte sie toll. Florian Peters würde auch einen adäquaten Alfred abgeben und deshalb durfte er auch „Für Sarah“ singen und brachte es mit der gewissen Alfredunsicherheit perfekt rüber. Natürlich durfte „Die Unstillbare Gier“ von Jan Ammann nicht fehlen, nach der das Publikum nicht mehr auf den Plätzen zu halten war.

Als Zugaben folgten zwei Duette aus „Don Camillo & Peppone“. Ammann und Ibald träumten von Zweisamkeit bei „Du und ich auf einer Insel“ und Peters und Schober gefielen bei „Gold, Gold auf schwarzem Wasser“. Das Interessante war ja, dass beide Titel im Musical vom gleichen Paar gesungen werden, in der Gala sich beide aber so unterschiedlich anhörten, das ist eben der Reiz von solchen Veranstaltungen, dass man Lieder interpretieren kann, abseits vom Musical und dessen Inhalt. Ein allerletztes Lied gab es vom kompletten Quartett, dass das Publikum mit „Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein“ nachhause schickte. Vielleicht wird sogar der ein oder andere von dem Abend mit den vielen überraschenden Momenten geträumt haben und freut sich jetzt schon, wenn das nächste Sound of music Konzert in Wien ansteht.

Quelle: Andrea Martin

6 thoughts on “Ehre wem Ehre gebührt: Michael Kunze – A musical tribute, Theater Akzent, Wien

    1. Guten Morgen Malin,

      schade, daß Sie uns nicht mitteilen, welchen Teil der Kritik Sie bemängeln. Ich gehe davon aus, daß Sie diesen hier meinen: “Michaela Schober ist definitiv keine Sarah, wie man sich diesen Charakter vorstellt, aber genau das macht diese Konzerte aus. Typgerecht wird diese Rolle im Stück besetzt, bei Konzerten ist es egal, wie die Sängerin aussieht.”

      Nun… auch wenn Sie mir sicherlich vorwerfen, befangen zu sein, möchte ich darauf hinweisen, daß Sie den Sinn (und damit auch Subtext) des Absatzes wohl anders erfasst haben, als es gemeint ist. Es sollte damit zum Ausdruck gebracht werden, daß es erfrischend ist, nicht immer dieselben Stereotypen in den gleichen Rollen zu sehen, sondern eben etwas anderes, nicht minder hervorragend. Auf der Bühne ist das nicht möglich, da die Rollen von unterschiedlichsten Regeln bestimmt werden, wie Sie sicher wissen. Anders aber bei Konzerten, da dort die Regeln nicht greifen. Dort erst – eben weil die Zwänge von Rollen nicht existieren – können die Sänger und Sängerinnen ihr Potenzial zeigen.

      Das – und nichts Anderes – wollte meine Redakteurin zum Ausdruck bringen.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Alexander Brock

      1. Hallo Alexander,

        ich meine mehrere Aussagen der Rezension, u.a.:
        1. “Sie wäre die perfekte Kandidatin für die Show „The Voice of Germany“, da man auf den ersten Blick nicht so eine Megastimme in ihr vermuten würde.”
        2. “Typgerecht wird diese Rolle im Stück besetzt, bei Konzerten ist es egal, wie die Sängerin aussieht.”

        Diese beiden Formulierungen implizieren, dass “Megastimmen” bei Ihrer Autorin an ein bestimmtes Erscheinungsbild geknüpft sind. Welches das ist, wurde auf Facebook ja hinlänglich thematisiert. Entsprechend lässt sich feststellen, dass nicht nur ich den Subtext “anders erfasst” habe, als er “gemeint” war.
        Dazu kommt, dass die Körperlichkeit/das Aussehen der anderen Künstler überhaupt nicht erwähnt wird( mit Ausnahme der Erwähnung der Schwangerschaft von Annemieke van Damm).

        Ich stimme Ihnen insofern zu, dass Rollen natürlich nach bestimmten Vorgaben, wenn nicht sogar Stereotypen gecastet und besetzt werden und es spannend ist, diese Rollen in Konzerten in anderer Besetzung zu erleben. Das macht, neben vielen anderen Dingen, den Reiz dieser Konzerte aus.

        Dennoch: Hier wird jetzt ein sehr wichtiges gesellschaftspolitisches Thema auch noch verharmlost, weil es die Autorin nicht so gemeint oder der Leser es nicht bzw. falsch oder anders verstanden habe. Das ist doch genau das Problem. Das, was da als (vermeintliches) Kompliment daherkommt, ist eigentlich nur eine viel perfidere Form von Bodyshaming und Co.

        Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht; die beiden oben zitierten Formulierungen sind im besten Fall äußerst unglücklich gewählt. Umso erstaunlicher, dass sie veröffentlicht wurden, denn Ihre Stellungnahme zeigt deutlich, dass eine eindeutig interpretierbare Formulierung möglich ist.

        Mit freundlichen Grüßen

        1. Hallo Malin und alle anderen Empörten,

          ich mische mich an dieser Stelle auch mal ein. Tatsächlich finde ich es sehr spannend, dass ihr euch alle unglaublich über einen Text empört, der offensichtlich schon als gegenteilig erklärt wurde. Warum dass jetzt auf so taube Ohren stößt, scheint mir ein hübsches Beispiel für vorauseilenden Gehorsam zu sein – und dann wird eben mit gerade hippen Termini wie “Bodyshaming” um sich geschmissen, wie andere andere verbale Keulen schwingen. Mir scheint, dass man dem Bericht mit aller Vehemenz ein böse Absicht unterstellen möchte, die er vermutlich nie hatte. Das hat durchaus etwas latent “trolliges” an sich. Wie hier gewettert wird, trägt recht unschöne Züge nach außen. Außerdem verrät es im Moment des Aussprechens bereits die eigenen, für sich beanspruchten Ideale (sei’s direkt oder indirekt). Es scheint also, als wolle hier auf “political correctness” gepocht werden, die im gleichen Atemzug bei sich selbst großzügig umgangen wird – dann jubelt man halt eben mal der Autorin “bodyshaming” unter. Ja, so geht’s natürlich auch. Deshalb lieber Empörten, ein bisschen mehr Toleranz und Empathie an dieser Stelle wäre schön zu lesen.

          Herzliche Grüße

  1. Das Konzert war wirklich toll und soweit stimmt diese Kritik auch! Aber was nun die Figur bzw. das Äußere der einzelnen Sänger mit ihrem Können zu tun haben, versteh ich nicht. Es ist wirklich unverschämt und unhöflich, so über Michaela Schober zu schreiben!

    1. Guten Morgen MusicalFan91,

      schön,daß Ihnen die Kritik gefällt. Schade ist es aber, daß Sie uns nicht mitteilen, welchen Teil der Kritik Sie bemängeln. Ich gehe davon aus, daß Sie diesen hier meinen: “Michaela Schober ist definitiv keine Sarah, wie man sich diesen Charakter vorstellt, aber genau das macht diese Konzerte aus. Typgerecht wird diese Rolle im Stück besetzt, bei Konzerten ist es egal, wie die Sängerin aussieht.”

      Nun… auch wenn Sie mir sicherlich vorwerfen, befangen zu sein, möchte ich darauf hinweisen, daß Sie den Sinn (und damit auch Subtext) des Absatzes wohl anders erfasst haben, als es gemeint ist. Es sollte damit zum Ausdruck gebracht werden, daß es erfrischend ist, nicht immer dieselben Stereotypen in den gleichen Rollen zu sehen, sondern eben etwas anderes, nicht minder hervorragend. Auf der Bühne ist das nicht möglich, da die Rollen von unterschiedlichsten Regeln bestimmt werden, wie Sie sicher wissen. Anders aber bei Konzerten, da dort die Regeln nicht greifen. Dort erst – eben weil die Zwänge von Rollen nicht existieren – können die Sänger und Sängerinnen ihr Potenzial zeigen.

      Das – und nichts Anderes – wollte meine Redakteurin zum Ausdruck bringen.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Alexander Brock

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