Mord und TOtSChlAg

Es gibt Opern, die kennt jeder, doch gesehen haben sie dann doch die Wenigsten. “Tosca” ist eine sehr bekannte Oper, doch worum es genau geht oder wie es endet wissen dann wieder weniger. Dabei ist Puccinis Werk ein Krimi, wie ihn die heutigen Stückeschreiber nicht besser machen könnten. Es gibt Liebe und Eifersucht, Betrug, Begierde, Hass und Mord. Es geht um Freiheitskämpfer und Künstler, um einen lüsternen Baron, der sein sadistisches Spiel spielt, um eine junge Sängerin, die binnen Stunden gebrochen wird. Um wehrlose Geiseln, um Gewalt und Folter… und dann schlägt das Schickal brutal zu, gerade in dem Moment wo man glaubt, jetzt wird alles gut. Tja, denkste, denn am Ende sind 100% tot. Ne gute Quote hm? Jeder Tatort wäre neidisch.

Die Hauptpersonen
Floria Tosca dargestellt von Celeste Siciliano
So stellt sich doch jedes kleine Mädchen eine Opernsängerin vor! Ihre Stimme erstreckte sich in die höchsten Höhen und in die tiefsten Tiefen und es war eine wahre Freude, ihr zuzusehen und zu hören. Ihre Tosca lebte auf der Bühne. Ihre Eifersucht war echt, ihre Verzweiflung ebenso, jedes noch so kleine Gefühl stellte sie fast schon in unheimlicher Perfektion dar. Sie zog jeden in ihren Bann. Am Ende konnte jeder verstehen, warum diese Frau, die so betrogen und hintergangen wurde, den Freitod wählte. Sie bekam zu Recht tosenden Applaus, Fussgetrappel und Standing Ovations.

Mario Cavaradossi dargestellt von Milen Bozhkov
Toscas Geliebter, der ihre – nennen wir es mal Stimmungsschwankungen – am meisten abbekam und es dennoch immer wieder schaffte, sie mit Engelszungen zu besänftigen. Seine Stimme harmonierte wunderbar mit der Stimme seiner Partnerin, zusammen schwangen die beiden sich durch das LTC. Man litt mit ihm unter der Folter und erfreute sich zusammen mit ihm an den Kleinigkeiten, die das Leben doch so lebenswert machen. Jeder, ausnahmslos jeder, hätte zu Beginn so gehandelt wie er. Auch er wurde beim Schlussapplaus frenetisch gefeiert.

Il Barone Scarpia dargestellt von Michael Lion
Was für ein widerliches Ekel! (um Tosca zu zitieren) Und dennoch bekam der Bösewicht des Stückes am Ende beinahe den meisten Applaus. Aber auch wohlverdient. Denn so herrlich widerwärtig und fies wie er war, das muss man auch erst einmal spielen können. Michael Lion war, so muss man sagen, eine Idealbesetzung für diese Rolle. In seinem Gesicht konnte man eine Freude am Spielen dieses Fieslings erkennen. Wer möchte nicht einmal einen absolut bösen und ekelhaften Charakter spielen. Davon träumen doch sehr sehr viele. Seine Stimme passte perfekt zu seiner Rolle und sein erster Auftritt war einfach atemberaubend. Genauso soll es sein.

Cesare Angelotti dargestellt von Beniamin Pop
Er war zwar verhältnismäßig kurz nur auf der Bühne, verglichen mit den drei oben genannten, aber ihm reichte diese kurze Zeit um das Publikum zu fesseln. Sofort bekam man Mitleid mit diesem verfolgten und geprügelten Mann. In seiner Stimme schwang die Angst mit. Bei jedem seiner gesungenen Worte hörte man Verzweiflung und auch Dankbarkeit. In seinen Gesten, in seinen Augen, in allem was er tat, spürte man seine Angst. Ihm gelang es, das Publikum zu berühren, mit Stimme und Gesten. Auch er lebte seine Rolle auf der Bühne und wurde am Ende gefeiert vom Publikum.

In weiteren Rollen:
Il Sagrestano: Felix Rathgeber
Spoletta: Dirk Mestmacher
Sciarrone / Un Carceriere: Marcello Mejia-Mejia
Un Carceriere: Christian Huber
Polizisten: Simon van Rensburg, Martin Trepl
Un Pastore: Saskia Fruntke

Auch sie alle bekamen ihren verdienten Applaus, wobei auch hier wieder die Bösewichte vom Publikum doch sehr gefeiert wurden.Sie alle spielten und sangen ihre Rollen mit Leidenschaft und Hingabe. Jede noch so kleine Rolle war perfekt besetzt. Das LTC wartete mit allem auf, was es zu bieten hat: das Philharmonische Orchester, der Chor, der Extrachor, der Kinderchor und die Statisterie. Alle auf und unter der Bühne des Landestheaters Coburg gaben mehr als einhundert Prozent, um dem Publikum einen unvergesslichen Opernabend zu schenken. Und das ist ihnen mehr als gelungen.

Doch auch die besten Darsteller brauchen ein gutes Bühnenbild, gute Regie, gute Korrepetitoren, gute Intendanten und ein gutes Creativeteam. Und das war in diesem Fall einfach nur verdammt gut.

Musikalische Leitung: Roland Kluttig
Inszenierung: Hans Walter Richter
Bühnenbild und Kostüme: Bernhard Niechotz
Video: Anna Dischkow
Dramaturgie: Susanne von Tobien
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio / Davide Lorenzato
Einstudierung Kinderchor: Daniela Pfaff-Lapins

Auch sie wurden mit dem Schlussapplaus gefeiert und bekamen ihre Belohnung für eine lange und bestimmt auch nervenzehrende Arbeit.

Und was ist die Moral von der Geschichte? Die mag jetzt ein wenig bitter klingen, doch leider ist es genau so: Die Guten verlieren mal wieder, diesmal sogar ihr Leben. Und die Bösewichte kommen gut durch – gut, bis auf den Oberbösewicht, der auch stirbt – und werden gefeiert. Ein lehrreicher und unterhaltsamer Opernabend ging viel zu schnell in die erste Pause und dann viel zu schnell zu Ende.

Quelle: Christine

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