Ein bombiger Auftakt für „THE ONE Grand Show“ im Friedrichstadt-Palast, Berlin 7.10.2017

Es hätte ein entspannter Abend werden können…die Besucher der Revue im Berliner Friedrichstadt-Palast flüchteten sich vor dem unwirtlichen, regnerischen Wetter in das Foyer und nahmen auch schon ihre Plätze ein. Knapp zehn Minuten vor Showbeginn (19:30) war der Saal schon so gut wie voll… plötzlich hörte man eine Stimme mit einer Durchsage, auf die alle gerne verzichtet hätten. Ansagen vor einer Show verheißen prinzipiell nichts Gutes, meistens deuten sie auf einen Ausfall oder eine Erkrankung eines Darstellers hin. Nicht so in diesem Fall. Intendant Berndt Schmidt hatte sich per Lautsprecher in den Saal geschaltet und erklärte mit ruhiger Stimme, dass eine Bombendrohung eingegangen wäre und bat alle Besucher umgehend und ruhig das Gebäude zu verlassen. Die Ruhe, die von den Besuchern ausging war fast schon gespenstisch, keine Hektik kam auf, lediglich ein kleiner Hauch von Unmut, da man in Kälte und Regen musste und die meisten ja a und verneigte sich vor der tollen Mithilfe in dieser Ausnahmesituation, die es während seiner 10jährigen Intendanzzeit bisher noch nie gegeben hatte. Als kleine Entschädigung lud er alle auf ein Freigetränk in der Pause ein. Er äußerte Mutmaßungen warum und wieso, wichtig war aber die Tatsache, dass letztendlich die Drohung als ungefährlich eingestuft werden konnte und die Show 50 Minuten später als geplant beginnen konnte. Um 20:20, es gab noch eine kleine Verzögerung, da sich die Tänzer & Co erst fertigmachen mussten, ging es dann los und man konnte eine tolle Revue genießen.

Revueshows haben keinen roten Erzählfaden im klassischen Sinn, in der Show wird ein verlassenes Revuetheater durch eine Undergroundparty aus dem Tiefschlaf gerissen. Ein Gast (Roman Lob) gerät in eine Welt aus Traum und Wirklichkeit und die damalige Theaterdirektorin (Brigitte Oelke) erweckt die alten Zeiten zum Leben. Der junge Mann hat eine große Sehnsucht, nach dem einen Menschen, der alles für ihn bedeutet – THE ONE.

Die erste Szene der von dem fetzigen Song „Just a second left“ (Leadstimme Kediesha Mc Pherson, die an diesem Abend allein die Backing vocals bestreitet, im Normalfall steht ihr Kollegin Maike Katrin Merkl zur Seite) untermalt wird präsentieren sich diverse Gestalten in den unterschiedlichsten Kostümen, die niemand geringerer als Jean Paul Gaultier designed hat. Man weiß gar nicht genau, wo man hinsehen soll, soviele verschiedene Paradiesvögel tummeln sich auf der großen Fläche. Ein Catwalk der ganz besonderen Art. Infolge erscheinen auch sechsbeinige bzw. dreiköpfige Frauen und Oelke besingt „These bodies are alive“, was ganz eindeutig ist, zumal auch Darya Vintilova ihr Können unter Beweis stellte. Tuchstrapatenkünstlerin Anastasia Makeeva verzaubert während Oelke „Schwerelos fallen“ interpretiert. Makeeva schwingt sich in schwindelerregende Höhen, zeigt spektakuläre Sturzdarbietungen, einen luftigen Spagat und niemand, auch nicht Lob, der sie auf der Bühne als seine „The One“ ansieht, kann sich ihrer Faszination entziehen. Eine sportliche Herausforderung für Lob ist der Gang bzw. im Verlauf des Songs „Glaubst du“ der Lauf auf dem Band. Es wird immer schneller und dass er danach außer Puste ist, ist nur zu verständlich. Auch die Cyr Wheel Künstlerin Nora Zoller sorgt mit ihrem Rad, bei dem man nicht wusste, ob sie in ihm oder es um sie war, für Aufsehen. Die Lieder sind in englischer und deutscher Sprache. Oelke interpretiert im zweiten Teil ein sehr gelungenes „Warte nicht!“. Sie wirkt die ganze Zeit wie eine Diva und hat dank einer sehr imposanten „Lockenwicklerperücke“ ordentlich zu tragen. Dann wird sehr extravagante Bademode präsentiert, beswingte Musik mit Charlestonelementen lockert die düstere Atmosphäre auf.

„Midnight on feather reef“ ist ein toller Song mit wunderbaren musikalischen Arrangements, gesungen von Brigitte Oelke. Während Roman Lob „SOS“ singt, zeigt das Männer-Duo Les Farfadais einmalige Luftakrobatik, bei dem einem der Atem stehen bleibt. Trapezkünstlerin Darya Vintilova sorgt mit ihren Schrauben in luftiger Höhe am schaukelnden Trapez für Aufsehen. Aggressiv geht es bei „Arrested“ zu, wo die Tänzer wie aus den „Körperwelten“ entsprungen wirken. Feuersolist Volker Maria Maier sorgt für heiße Stimmung. „Bist du wirklich wahr?“ singt Lob mit samtiger Stimme und natürlich darf er seinen Engel wiedersehen, aber nicht erreichen. Dann kommt die fulminate Darbietung der Tänzerinnen, die Präzision und Beinarbeit erfordert – die „Girls Kickline“. Zum Abschluss kommen alle in den Anfangskostümen und es gibt nocheinmal den Titel „Just a second left“ zu hören.

Aus verschiedenen Gründen ist dies eine ganz besondere Show gewesen und man kann nur Hut ab vor allen Beteiligten hinter, vor und auf der Bühne sagen, dass alles so stattfinden konnte, wie es letztendlich stattfand!

Quelle: Andrea Martin
One Grand Show,, Berlin, 07.10.2017
Warte nicht
Sven Darmer
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