Ein anderer Blick auf einen großen Namen: Uraufführung des Musicals “Rasputin” am 28.10.17 im Theater Hof

Manche Namen sind einfach bekannt. Der Name Rasputin ist einer dieser Namen, zu dem jeder sofort ein Bild und auch eine Geschichte, oder zumindest einen Bruchteil davon im Kopf hat. Und man ganz im Vertrauen: Halbwissen bewiesen leider sehr viele Zuschauer am gestrigen Abend im Hofer Theater, und das auch noch lautstark. Aber das soll nicht Teil dieser Rezension sein, dafür gibt es unsere Rubrik “Subjektiv”.

Aber kommen wir nun zu dem wirklich Wichtigen zurück: nämlich dem Genuss der Uraufführung dieses Stückes, welches, wie wir schon auf Instagram schrieben, sich endlich mal wieder von dem Einheitsbrei, den es momentan auf dem Markt gibt, abhebt. Das Musical behandelt ein nicht gerade leichtes Thema, spielt es doch in einer Zeit des Umbruchs im Zarenreich. Dass man da keine spritzigen Melodien oder Tanzeinlagen erwarten kann oder sollte, dürfte jedem, der sich mit der Geschichte auskennt, klar sein.

Geschichte
Am Hof des Zaren Nikolaus II. (eindrucksvoll gespielt von Thilo Andersson, der diese Rolle in 5 Tagen komplett neu erlernen musste und dazu noch dem Zaren sehr ähnlich sah) herrscht Sorge: Sein kleiner Sohn Zarewitsch Alexej (goldig und gleichzeitig hoch professionell dargestellt von Elias Himes) ist Bluter und schwebt in ständiger Lebensgefahr. Zarin Alexandra (die Frau die als Einzige den Zaren anschreien durfte und dennoch immer höchst bezaubernd war, wurde gespielt von Cornelia Löhr) hört von einem geheimnisvollen Wanderprediger aus Sibirien, dem Wunderkräfte nachgesagt werden. Sein Name ist Rasputin (überzeugend dargestellt von Christian Venzke, der diese Rolle ebenso in 5 Tagen komplett lernen musste). Und tatsächlich schafft es Rasputin, die Verletzung des Zarewitsch zu heilen, durch Gebete und eine kleine Geschichte. Und so beginnt der Aufstieg des Mönches aus Sibirien zum Günstling der Zarin. Doch dies ruft auch Neider auf den Plan, zumal sich der Mönch auch nicht gerade gottgefällig benimmt. Ist er doch Frauen und dem Alkohol zugetan. Das Volk hält ihn für okkult, und das ist am Vorabend der Revolution ein sehr gefährliches Spiel…

alle Mitwirkenden:
Christian Venzke: Rasputin
Cornelia Löhr: Zarin Alexandra
Thilo Andersson: Zar Nikolaus II.
Dirk Konnerth: Felix Felixowitsch Fürst Jussopow
Judith Jakob: Irina, Felix’ Frau
Daniel Printz: Leutnant Oswald Rayner
Stefanie Rhaue: Galina, Jungfrau Maria
Elias Himes: Zarewitsch
Peter Potzelt: Kislukhin
Christian Seidel: Valentin Bazhanov, Sergei, Wächter im Winterpalast, Vermieter, 2. Stimme
Dong-Joo Kim: Leidende Frau, Nina
Wladimir Polatynski: Armer Mann, Kellner, 3. Stimme
Daniel Milos: Ivan, Fremder, Schaffner, 1. Stimme
Opernchor Theater Hof
Statisterie
Hofer Symphoniker

Jeder der Darsteller erfüllte seine Rolle(n) mit Liebe und Perfektion und nahmen die Zuschauer mit auf die Reise in das Zarenreich. Mit ihren Stimmen ent- und verführten sie und gaben alles. Ebenso die Musiker, der Chor und die Statisterie. Zurecht gab es am Ende gebührenden Applaus, besonders für den Zarewitsch.

Das Schöne an diesem Musical ist, dass es dem Zuschauer mal einen anderen Blick auf die Figur des Rasputin und seine Beweggründe gibt und er nicht gleich als der ultimative Bösewicht, der mit dem Teufel im Bunde steht, abgestempelt wird. Es gibt immer zwei Seiten einer Geschichte, die man sich ansehen oder -hören sollte.

Creativeteam
Musikalische Leitung: Michael Falk
Inszenierung: Roland Hüve
Choreographie: Barbara Buser
Bühne und Kostüme: Annette Mahlendorf
Chor: Hsin-chien Fröhlich // Claudio Novati
Dramaturgie: Lothar Krause
Regieassistenz und Abendspielleitung: Philipp Gehringer
Inspizienz: Jerzy Barankiewicz
Soufflage: Izabela Kuc
Musikalische Einstudierung und Korrepetition: Clemens Mohr // Michael Falk

Dieses Musical war eine Uraufführung, und endlich auch mal wieder eine sehens- und hörenswerte. Das Theater Hof hat uns bisher noch nie enttäuscht mit seinen Inszenierungen und so war es auch gestern. Egal ob das Bühnenbild, welches von Requisiten her wenig war, aber dafür mit wunderschönen Einblendungen aus dem Winterpalast oder St. Petersburg allgemein glänzte, oder ob die Kostüme, die sehr detailreich gearbeitet waren. Zusammen ergaben sie die perfekte Illusion.

Quelle: Christine

2 thoughts on “Ein anderer Blick auf einen großen Namen: Uraufführung des Musicals “Rasputin” am 28.10.17 im Theater Hof

  1. Thanks for this review. It’s so good to read that people understand what we were trying to do with this musical. Glad that you enjoyed the evening. Spread the word!
    With best wishes
    Paul Graham Brown (Author/Composer “Rasputin”)

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