“Vertraulichkeiten”, Wiener Volksliedwerk

Das „Arme Theater Wien“ gibt es seit 12 Jahren. Es wurde von der Schauspielerin Krista Pauer gegründet, die somit ihr Glück nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne fand. Seit Beginn wurden in etwa zwei Dutzend Produktionen gespielt, die alle von Erhard Pauer inszeniert wurden. Das Konzept „Armes Theater“, natürlich heißt es nicht so, um Mitleid zu erregen, basiert auf dem Gedanken Jerzy Grotowskys (1933-1999), der die einzelne schauspielerische Leistung in den Vordergrund stellte und auf theatrale Hilfsmittel so gut wie verzichtete. Auch Peter Brooks und sein Hang zum „leeren Raum“ standen Pate. Nicht immer finden die Produktionen im Spiegelsaal des Wiener Volkswerks statt, so muss sich das freie Ensemble immer wieder neuen Gegebenheiten und Herausforderungen stellen. Ein wichtiger Grundsatz ist, dass es keine Haupt- und Nebendarsteller gibt. Alle sollen für das Publikum sichtbar in gleicher Weise wertgeschätzt angelegt sein.

Das Ensemble bietet bearbeitete Versionen der Moderne von Ödön von Horváth und Anton Tschechow bis Pierre Carlet de Marivaux. Es soll für alle Bevölkerungsschichten leistbar sein, somit steht dem Genuss von Weltliteratur im Bezirk Ottakring nichts im Wege.

Am 11.8.2017 ging das Werk „Vertraulichkeiten“ von Pierre Carlet de Marivaux über die Bühne. Die etwa 100 Besucher wurden in einen Liebesreigen der besonderen Art entführt. Im Publikum befanden sich auch Markus Spiegel, Lotte Ledl, Rene Rumpold und Werner Sobotka.

Man lernt den jungen Mann Dorante (Thomas Wegscheider) kennen, der Araminte (Krista Pauer) liebt. Eine aussichtslose Liebe, da er mittellos ist und sie reich. Als Vermögensberater wird er bei Madame Araminte eingeschleust, damit er ihr nah sein kann. Diener Dubois (Jörg Stelling) versucht mit diversen Mitteln seine Herrin auf den Verliebten aufmerksam zu machen. Zu dumm, dass da noch die herrische Mutter, Madame Argante (Beatrice Gleicher) ist, die Dorante nicht ausstehen kann. Sie sieht es lieber, wenn ihre Tochter den Grafen Dorimont (Aris Sas) ehelichen würde. Ein Grundstücksprozess zwischen diesen beiden sorgt allerdings für Unruhe und Araminte hätte lieber das Grundstück ohne den Grafen. Dann gibt es da auch noch den lebenslustigen Onkel von Dorante, Remy (Manfred Jaksch), der seinen Neffen mit Marton (Linda Fischer), der Angestellten von Araminte verkuppeln will. Diese nimmt dem Onkel die Verliebtheit des Neffen ab, wird aber im Endeffekt enttäuscht. Auch sie spielt bei der Sache mit dem Grafen eine Rolle, da dieser ihr Geld versprochen hat, wenn die Heirat zustande kommt. Bis zum Schluss ist es ein spannendes Hin und Her zwischen den einzelnen Charakteren und mehr als einmal fragt man sich „wird Araminte dem Charme Dorantes erliegen“?
Im Endeffekt gestehen sie einander ihre Liebe, da beide ob dieses Geständnisses aber fassungslos bleiben und es zu keinem finalen Kuss kommt bleibt es offen, ob die beiden einander tatsächlich eine Chance geben.

Thomas Wegscheider ist aktuell Student an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien und verkörperte den unsterblich verliebten Dorante. Er gab den jungen Mittellosen, dem man wirklich abnahm, dass es für ihn genug ist, seiner Angebeteten nur nah sein zu können. Er verbarg gekonnt sein Inneres vor Araminte, den anderen und dem Publikum, in ihm drinnen sah es sicher ganz anders aus.

Krista Pauer übernahm die Rolle der unnahbaren Araminte. Diese Fassade begann aber sichtlich zu bröckeln, je mehr sie herausfand, dass sie Dorante wirklich gern hat und nicht nur hinter ihrem Geld her war. Sie verteidigte ihn wie die Löwin ihr Junges gegenüber den anderen, man merkte aber dennoch bis zum Schluss eine gewisse Unsicherheit. Vermutlich hatte sie schlechte Erfahrungen gemacht, um sich auf so einen jungen Kerl sofort einlassen zu können.

Jörg Stelling war der immer und überall auftauchende Diener Dubois, der Dorante mit allen möglichen lauteren und unlauteren Mitteln zum Glück verhelfen versuchte. Ein paar kleine Notlügen seinen Schützling betreffend hier, ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl dort Mit seinen Aktionen sorgte er mehr als einmal für Lacher.

Auch Manfred Jaksch als Onkel Remy hatte man sofort ins Herz geschlossen. Seine Versuche dem Neffen Lockerheit im Umgang mit Frauen beizubringen waren sehr amüsant anzusehen („Hopfen und Malz erhalten die Balz“). Wie er Marton seinem Neffen gschmackig zu machen versuchte, waren auch eine Klasse für sich, kein Wunder, dass dieser darauf hereinfällt. Er war auf jeden Fall ein liebenswertes Schlitzohr, aber mit Familiensinn.

Diesen hatte auch Beatrice Gleicher als Madame Argante, wenn auch auf eine etwas andere Art. Sie war die resolute, herrische Mama von Araminte, die für die Tochter nur das Beste bzw. den Besten und Reichsten wollte.

Als Marton strahlte Linda Fischer wie ein Honigkuchenpferd als sie von der angeblichen Verliebtheit Dorantes erfuhr. Sobald sie aber vom Gegenteil überzeugt wurde, war sie natürlich eingeschnappt, beleidigt und zeigte das perfekt in Mimik und Gestik.

Aris Sas gab den Graf Dorimont, der mit lässiger Sonnenbrille immer der Meinung war als Sieger aus der Geschichte hervorzugehen. Er hatte zum Teil sehr komplizierte Textpassagen zu bewältigen, die man vielleicht ein weiteres Mal hätte hören müssen, um sie auch zu verstehen. Er wollte mit aller Macht Araminte von der Heirat überzeugen, dass man aber nicht immer das bekommt was man möchte, musste er am Ende einsehen.

Fazit des Stück: Wenn man ein Ziel erreichen will, muss man dahinter sein und es ist gut, wenn man Freunde hat, die einem mit Ideen hilfreich zur Seite stehen, auch wenn es möglicherweise ein längerer Weg bis zum Ziel ist.

Quelle: Andrea Martin

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