4 Opern an einem Abend

Richard Wagners Opern sind weltbekannt. Nicht nur dank den Bayreuther Festspielen oder diversen Regenten, die den düsteren Komponisten zu ihren Lieblingen zählten. Seine Opern haben ihren eigenen Charme und es gibt nur zwei Optionen: Man liebt sie oder man hasst sie. Ein Zwischending gibt es nicht.

Wie schafft man(n) oder frau es nun, seine 4 bekanntesten Opern an einem Abend zu sehen, wenn doch alle Opern zusammen eine reine Spieldauer von über 15 Stunden haben? Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: eine ordentliche Portion Sitzfleisch und Ausdauer.

Nein, im Ernst: Natürlich gab es am 13.06.2015 im Hofer Theater nicht alle vier Wagner-Opern, zumindest nicht in voller Länge. Es wurden einige Passagen leicht gekürzt und man kam somit auf eine Spielzeit von 3 Stunden und 20 Minuten. Den Kürzungen fielen – logischerweise – auch einige Arien und Musikstücke zum Opfer. Doch braucht der geneigte Zuschauer und -hörer nicht traurig zu sein. Denn die gekürzten Szenen wurden nicht einfach weggelassen, sie wurden erzählt, auf unnachahmliche Weise von Ralf Hocke, mit den Texten von Loriot. Ja Loriot, man liest richtig. Deutschlands bekanntester Humorist hat sich dem Nibelungenlied angenommen und erschuf „Den Ring an einem Abend“.

Zum ersten Mal am Theater Hof konnte der Zuschauer die gelungene Kombination aus Wagners düsteren Arien und Loriots bekanntem und beliebtem Wortwitz genießen. Die Geschichte um Siegfried und das Rheingold wurde gekonnt zusammengefasst und immer zum richtigen Moment gab es wieder Wagners Musik. So passte alles perfekt zusammen.

Musikauswahl:
Lugt, Schwester! Die Weckerin lacht in den Grund
Wotan, Gemahl! Erwache!
Ha! Zertrümmert! Zerknickt! Der Traurigen traurigster Knecht!
Zur Burg führt die Brücke

O süßeste Wonne! Seliges Weib!
Siegmund! Sieh auf mich!
Fort denn eile, nach Osten gewandt!
Leb’ wohl, du kühnes, herrliches Kind

Mein Herz, das lehrt dich kenne
Nun, ehrlicher Zwerg, sag’ mir zum ersten
Mime ist König, Fürst der Alben
Aber wie sah meine Mutter wohl aus?
Bleibst du mir stumm, störrischer Wicht?
Erwache, Brünnhilde! Wache, du Maid

Zu seiner Halle entbiet’ ich dich.
Hier sitz’ ich zur Wacht.
Welch’ banger Träume Mären
Hagen, was tust du?
Fliegt heim, ihr Raben

Wagners Opern sind gross und gewaltig. Die Hofer Philharmoniker und die Sänger des Theaters Hof schafften es gekonnt, dieses Meisterwerk zu stemmen und „Den Ring“ dem Publikum nahezubringen, „an einem Abend“. Sie ergaben zusammen eine Einheit, die man nicht durchbrechen konnte, selbst wenn man es gewollt hätte, doch wollte das niemand. Alle schafften es, dass man in DAS deutsche Nationalepos eintauchen konnte.

In eleganter Abendrobe standen sie alle auf der Bühne des Hofer Theaters und harmonierten zusammen. Mit ihren Stimme verschmolzen die Sänger mit dem Orchester und agierten, trotz der konzertanten Aufführung, miteinander und lebten ihren Rollen. Sie gingen darin auf. Mit ihren Stimmen brachten sie die Rollen dem Publikum nahe und zeigten, dass man keine aufwändigen Kostüme braucht.

Mitwirkende:
Musikalische Leitung: Arn Goerke
Koordination Bühne und Kostüme: Annette Mahlendorf
Koordination Szene und Dramaturgie: Thomas Schindler
Inspizienz: Jerzy Barankiewicz

Sprecher: Ralf Hocke
Woglinde: Inga Lisa Lehr
Wellgunde: Juliane Schenk
Flosshilde Stefanie Rhaue
Alberich / Gunther: Wieland Satter
Fricka / Waltraute: Stefanie Rhaue
Wotan / Wanderer: Sangmin Lee
Loge / Froh / Mime: Mathias Frey
Siegmund / Siegfried: Scott MacAllister
Sieglinde / Gutrune: Angelina Ruzzafante
Brünnhilde: Sabine Paßow
Hagen: Hyung Wook Lee

Hofer Symphoniker

Das Publikum war begeistert, schon in der Pause unterhielt man sich angeregt über das Stück und auf dem Weg hinaus konnte man den Leute lauschen, dass sie diesen Abend genossen hatten. Endlich, so sagte ein Mann, hätte er verstanden, worum es bei den Nibelungen ginge. Und das ist doch das schönste Kompliment, was man machen konnte.

Quelle: Christine Daaé

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