Märchen schreibt die Zeit

Woran denkt man als erstes, wenn man ”die Schöne und das Biest” hört? Viele denken sofort an die Disney-Version, entweder als Film oder als Musical, weitaus weniger denken an das deutsche Original-Musical, und nur sehr wenige werden wohl daran denken, daß es außer diesen beiden Versionen noch einige, wenn nicht gar viele, andere gibt.

Und es gibt sogar Ballett-Versionen von dieser uralten Geschichte. Eine davon kann man zurzeit in der Hallenser Oper bewundern. Es ist die Version von Ralf Rossa. Die Musik zum Ballett stammt von Erich Wolfgang Korngold. Die musikalische Fassung wurde von Ralf Rossa und David T. Heusel zusammengestellt und enthält Ausschnitte aus folgenden Werken:

Konzert D-Dur für Violine und Orchester op. 35

”Viel Lärm um Nichts” Bühnenmusik für Kammerorchester op. 11 nach William Shakespeare

Sinfonische Serenade B-Dur für Streicher op. 39

Sinfonie in Fis op. 40

”Märchenbilder” 7 Stücke für Klavier op. 3 in der Orchesterfassung von 1911

Quintett E-Dur für zwei Violinen, Viola, Violoncello und Klavier op. 15

Darsteller:

Das Biest: Michal Sedlacek

Belle: Marketa Slapotova

Belles Schwestern: Ludivine Revazov-Dutriez / Marion Schwarz

Belles Vater: Andriy Holubovskyy

Der Prinz: Zdenko Galaba

Freier der Schwestern: Dalier Burchanow / Sylvain Guillot

Ensemble (Freier / Ballgesellschaft / Wald / Inventar des Schlosses): Anneli Chasemore, Lucia Colom, Denise Dumröse, Paloma Figueroa, Yuliya Gerbyna, Constanze Marei Hubalek, Hyona Lee, Kaori Morito, Ludivine Revazo-Dutriez, Anna Vila, Tobias Almasi, Dalier Burchanow, Niels Funke, Zdenko Galaba, Vasily Glushchik, Sylvain Guillot, Edwyn Roig Garcia, Johan Plaitano, Jonathan dos Santos, Gorden Wannhoff

Solo-Violine: Dorothee Stromberg

Zusammen gelang ihnen allen, mit der Staatskapelle Halle und der Statisterie der Oper Halle, ein berauschendes Märchen aus Ton, Bild und Tanz. Das Bühnenbild von Matthias Hönig, der auch für das Licht zuständig war, wurde durch die Kostüme von Götz Lanzelot Fischer und Ursula Mennike und die Videoprojektionen von Anke Tornow betont und unterstützt, so daß es ein wunderschönes und harmonisches Gesamtbild ergab. Man fühlte sich richtig in das Schloß des Biestes versetzt und fand sich kurz darauf wieder in dem Anwesen des Kaufmanns (Belles Vater) wieder.

Nur ein Blick

Faszinierend an Ballett ist ja, daß der Darsteller seine Gefühle und die Geschichte ”lediglich” über seine Körpersprache und seinen Gesichtsausdruck, insbesondere den Blick, zum Ausdruck bringt. Daher bedarf es eines enormen schauspielerischen Talentes, eine so faszinierende Geschichte, wie der von der Schönen und dem Biest, in einer Ballettversion dem Publikum nahezubringen.

Dies ist dem Ensemble d er Oper Halle ausgezeichnet gelungen. Auch die jungen Zuschauer waren begeistert und spendeten eifrig Applaus für die Darsteller. Ein wenig unverständlich war es, daß sich das Biest am Ende des Stückes nicht, wie man es ja erwartet, wieder in einen Prinzen verwandelt, sondern das Biest bleibt. Jedoch gibt dies der Geschichte auch einen ganz besonderen Reiz.

Bezaubert wurde man auch vom Interieur des Schlosses, welches ja zum Leben erwacht. Die meisten Lacher erntete, neben dem Kronleuchter, dessen ”Besetzung” während der Tanz-Szenen seinen besonderen Spaß hatte, das Eisbärenfell. Der junge Mann sorgte, ob mit oder ohne das Fell, durch seinen Moonwalk und seine lustigen Tanzeinlagen für Begeisterungsstürme.

Besonders gefeiert beim Schlußapplaus wurde Michal Sedlacek, der durch seine Darstellung des Biestes dem Zuschauer zum einen Schauer über den Rücken laufen ließ und es gleichzeitig schaffte, Mitleid zu erwecken. Auch seine Partnerin Marketa Slapotova erhielt großen Applaus für ihre beeindruckende Leistung. Doch auch die anderen Darsteller brauchten sich nicht zu verstecken und erhielten begeisterten Schlußapplaus.

Das Abschlußbild des Balletts wird sich für immer in das Gedächtnis der Zuschauer einprägen. Genauso beeindruckend und bewegend ist das Cover des Programmheftes. Schlicht und dennoch wunderschön.

Für alle Menschen, die Märchen lieben, die sich verzaubern lassen möchten und dann, wie das Biest, nicht wieder zurückverwandelt werden möchten, denen sei ein Besuch in diesem Ballett sehr an das Herz gelegt.

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Quelle: Christine Daaé

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