Von Blumenmädchen auf Lady in 2 ½ Stunden

Am 12. November 2011 feierte das wohlbekannte Musical ”My Fair Lady” im Nürnberger Opernhaus in einer Neuinszenierung von Thomas Enzinger Premiere.

Das Stück von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner nach dem Stück ”Pygmalion” von George Bernard Shaw ist nicht nur durch den Film mit Audrey Hepburn und Rex Harrison sondern auch durch zahllose Inszenierungen berühmt geworden. Kein Wunder, denn das Stück ist ein typisches ”Wohl-fühl-Stück”, auch wenn ein wenig der moralische Zeigefinger erhoben wird. ”Sich wohlfühlen”, das ist es, was der Besucher nach Besuch von ”My fair Lady” möchte und dies zu gewährleisten sollte sich jedes Theater auf die Fahnen schreiben, das die Geschichte vom Blumenmädchen das eine Lady werden möchte, inszeniert.

Das Team um Gábor Káli (Musikalische Leitung) und Thomas Enzinger (Inszenierung) hat es geschafft, diesen Anspruch zu erfüllen und nicht wenige der Zuschauer gingen sichtlich beschwingt nach Hause. Zum Wohlfühlen eben.

Die Wahl des Dialektes, der so ungemein das niedere Volk kennzeichnet, hätte besser nicht sein können: fränkisch. Kaum hatte Eliza die ersten Worte gesprochen, hatte das Publikum sie schon ins Herz geschlossen. Lokalkolorit macht sich immer gut und ist bei ”My Fair Lady” äußerst passend. Dazu noch Volker Heißmann und Martin Rassau, den Fürthern und Nürnbergern als Comedy-Duo wohl bekannt, als Alfred P. Doolittle und Mrs. Higgins machten das Heimaterlebnis so perfekt, daß der eigentliche Spielort des Stückes, nämlich London, gar nicht mehr ins Gewicht fiel – das war auch gar nicht nötig.

Henriette Schmidt, die mit hervorragender schauspielerischer und gesanglicher Qualität die Eliza mimte, brachte mit Ihrer fränkischen Mundart das Publikum zum Schmunzeln und Professor Henry Higgins, überzeugend und hervorragend von Kurt Schober gespielt, zum Verzweifeln. Grüne Blüten sind eben auch schwer zu üben. Da konnte auch Oberst Pickering nicht weiterhelfen, ganz gleich wie sehr er sich bemühte der ruhende Pol zu sein. Die Rolle war mit Richard Kindley sehr gut besetzt und macht das Triumvirat der Phonetik letztendlich komplett.

Volker Heißmann, als grobschlächtiger Vater Elizas, bot Theatergenuß pur und überraschte manchen mit seinem Talent in Gesang und Tanz – ohne Zweifel eine Bereicherung für das Stück. Sein Kollege Martin Rassau überzeugte dagegen als Mrs. Higgins in einem Traum aus Flieder, wohl einer der elegantesten Damen der britischen Oberschicht.

Auch die weiteren Mitwirkenden zeichneten sich durch Qualität und Spielfreude aus, so daß der langandauernde Applaus verdient war und wieder einmal bestätigte, daß es möglich ist, ein Publikum zu begeistern.

Doch auch die Moral von der Geschichte soll nicht verschwiegen werden. Ebenso wenig wie Kleider Leute machen, machen Worte einen Menschen anders. Das Täuschungsmanöver mag zwar eine Weile gelingen, doch wenn es zu Gefühlen kommt, hilft nur die Ehrlichkeit – auch zu einem selbst. Die Worte sind dann völlig zweitranging, wie zum Schluß eindrucksvoll vermittelt wurde – Sprache ist eben nicht alles.

[yasr_overall_rating]

Besetzung des Abends:

Kurt Schober (Professor Henry Higgins)

Henriette Schmidt (Eliza Dolittle)

Volker Heißmann (Alfred P. Dolittle)

Richard Kindley (Oberst Pickering)

Martin Rassau (Mrs. Higgins)

Teresa Erbe (Mrs Pearce)

Adolf Pivernetz (Harry)

Klaus Brummer (Jamie),

Chor Staatstheater Nürnberg (Obsthändler)

Martin Platz (Freddy Ensford-Hill)

Angelika Straube (Mrs. Ensford-Hill)

Und mit der freundlichen Unterstützung des Damenclubs zur Förderung der Oper Nürnberg e. V.
Quelle: Alexander Brock

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