Die Entführung in die Märchenwelt

Mozart ? Natürlich vielen ein Begriff. Eine Oper von Mozart ? ”Die Zauberflöte” wird wohl als häufigste Antwort kommen, gleich gefolgt von ein paar Takten vom Vogelfänger oder der Königin der Nacht. ”Die Entführung aus dem Serail” wird weniger genannt werden, ist aber dennoch ein Begriff und zählt ebenso zu den bekanntesten Werken Mozarts. Aus diesem Grund wird sie häufig an den Opernhäuser aufgeführt.

So auch in Nürnberg. Dort wurde das Singspiel ”Die Entführung” im Juli 2011 wiederaufgenommen, inszeniert von Andreas Baesler. Die Inszenierung des Staatstheaters Nürnberg überzeugte erneut das Publikum und sorgte für positive Meinungen im Foyer.

Das Bühnenbild von Harald Thor und die Kostüme von Susanne Hubrich entführt den Zuschauer allerdings nicht in einen Serail aus dem 18. Jhdt. oder 1001 Nacht. Im Gegenteil, das Publikum findet sich in der Jetztzeit wieder. Vor einem Haus, das in einer Stadt wie Nürnberg oder Fürth stehen könnte: Sandstein, europäische Formen – ein typisches Haus in einem typischen Viertel eben. Das Bühnenbild sorgte für Überraschung beim Publikum, das sich beim ersten Anblick das eine oder andere ”interessant…” nicht verkneifen konnten.

In dem vertraut wirkenden Bühnenbild wirkte er keinesfalls deplatziert, dieser Bassa (Mehmet Yilmaz) in seinem Haus, umgeben von seinen Janitscharen und Gefolge, und verliebt in Konstanze. Ebenso wenig, der Jüngling Belmonte (Tilman Lichdi), der in seinem Strickpulver an den braven Jungen von nebenan erinnerte. Der treue Diener Pedrillo (Martin Nyvall) im grauen Hausmeisterkittel hatte ihm in einem Brief mitgeteilt, wohin Belmontes Verlobte Konstanze (Heidi Elisabeth Meier), deren Zofe Blonde (Melanie Hirsch) und Pedrillo verschleppt worden waren. Ohne zu Zögern hatte sich der Jüngling aufgemacht und war in das Türkenland gereist, um dort die Vermissten zu finden und zu befreien.

Der Plan war schnell gefaßt und die Entführung aus dem Serail geplant. Doch es lief nicht alles so, wie man es sich gwünscht hatte und die Fliehenden werden von des Bassas mürrischen Diener Osmin (Guido Jentjens) gestellt. Das Schicksal schien besiegelt, doch der Bassa Selim schenkt ihnen als Demonstration seiner Großherzigkeit die Freiheit.

Unterstützt von Chor (Einstudierung: Edgar Hykel) und Orchester (Leitung: Christof Prick) boten die Darsteller ein gelungenes Gesamtbild von Vertrautem und Befremdlichen dar. Wunderbare Gesangsstimmen gepaart mit Witz und Überheblichkeit machten das Treffen der Kulturen zu einem Kulturerlebnis. Mehmet Yilmaz, in der Rolle des Bassa Selim, hatte die einzige Sprechrolle, stand aber mit in seiner Überzeugungskraft den Gesangsrollen in nichts nach.

Die für ein Singspiel typischen Dialoge, mal in deutsch, mal in türkisch und mal in englisch, wie es eben gerade paßte, gaben der Inszenierung Publikumsnähe, könnte das Schauspiel doch auch eigentlich gleich in der Nachbarschaft um die Ecke seinen Platz finden, ohne gleich die Klischees vom mürrischen Türsteher oder Dönerverspeisenden Türken zu bedienen.

Eine Moral gibt es auch und das sollte man sich zu Herzen nehmen. Trotz aller Unterschiede, sind wir doch nur Menschen, die nebeneinanderher leben können und sollten. Und wenn es doch einmal Überschneidungen der negativen Art gibt, gibt es immer Wege sie friedlich zu lösen – wenn man es mal schafft, über seinen Schatten zu springen.

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Quelle: Alexander Brock

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