Zwei Seelen, zwei Frauen, ein Mann

Rezension “Jekyll & Hyde”: Theater Magdeburg, 18. April 2009

Selbst schon Goethe wußte von der Zwiegespaltenheit des Menschen:

Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust,

Die eine will sich von der anderen trennen;

Die eine hält, in derber Liebeslust,

Sich an die Welt mit klammernden Organen;

Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust

Zu den Gefilden hoher Ahnen.

Diese Zeilen klingen fast so, als wären sie für dieses Musical geschrieben. So ist es also kein Wunder, daß die Veranstalter sie in ihrem Programmheft zitieren.

Ein gewaltiger Donnerknall, der alle verstummen ließ, läutete das Musical ein und genauso schwungvoll und donnernd ging es weiter. Lichteffekte wurden gekonnt eingesetzt, um die verschiedenen Persönlichkeiten, nicht zuletzt Jekyll und Hyde selbst, zu betonen und ihr Auftreten zu verstärken. Während Lisa (Tamara Weimrich) meist in helles, reines Licht getaucht war, trat Lucy (Katharine Mehrling) meist, passend zu ihrer Kleidung in leicht violettem Licht auf. Jekyll war grün umspielt, während der teuflische Hyde in ein teuflisches Rot getaucht wurde. Dieser Effekt wurde besonders in dem Lied ”Die Konfrontation” genutzt, da dort beide Charaktere direkt aufeinander trafen, eine Herausforderung besonderen Ausmaßes an den Künstler. Yngve Gasoy-Romdal wurde dafür mit begeisterndem Applaus gewürdigt.

Das Lied ”Könntest Du versteh’n, wie sehr ich liebe”, welches 2006 neu in das Musical eingebracht wurde, feierte in Magdeburg seine szenische Uraufführung. Es wurde hinzugefügt, um dem Publikum die Konsequenzen von Jekylls Handeln gegenüber seiner Verlobten zum Ausdruck zu bringen. Tamara Weimrich gelang es sehr gut, diese Konsequenzen dem gebannten Publikum darzubringen. Auch Katharine Mehrling stellte ihre Rolle eindrucksvoll dar, das Publikum belohnte sie dafür beim Abschlußapplaus mit tosenden Ovations, diese wurden nur noch von dem Applaus und dem Fußgetrappel für den Darsteller der Titelrolle übertroffen.

Erst nach minutenlangen Standing Ovations wurde das große und großartige Ensemble (Opernchor Theater Magdeburg, Ballett Magdeburg, Extraballett, Theater Magdeburg, Statisterie Theater Magdeburg und die Magdeburgische Philharmonie) um die Hauptdarsteller von der Bühne gelassen, und auch da nur sehr widerwillig. Schon beim Verlassen des Saales hörte man nur Lobeshymnen, welche sich auf der Straße fortsetzten und vom begeisterten Publikum durch ganz Magdeburg und Umgebung getragen wurden.

Nach solch einer gelungenen Premiere kann man den Darstellern nur eine genauso gute Fortsetzung der Inszenierung wünschen.

[yasr_overall_rating]

Quelle: Christine Daaé

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