Hair – und doch nicht Hair.

Hair ist ein Klassiker und ein Beispiel dafür, daß auch “die alten” Musicals nicht vergessen sind. Während der Klassiker Hair immer noch aufgeführt wird und die Menschen in die Theater zieht, hat sich das English Theatre in Frankfurt an eine Neuauflage des Klassikers gewagt. Unter der Schirmherrschaft von Wella und den wachsamen Augen von Rainer Langhans wurde die altbekannte Geschichte um Berger und Sheila nicht neu erzählt, sondern einfach aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Der sterbende Berger liegt in einem Bett im Krankenhaus und läßt sein Leben und die Ereignisse im Central Park vor seinem geistigen Auge Revue passieren. Nun – vierzig Jahre später – sieht er, und auch die Zuschauer, die Geschehnisse von damals etwas anders. Es heißt noch immer “Let the sunshine” und auch “Aquarius”, doch werden die Lieder teilweise in einem anderen Zusammenhang gesungen, so daß sie eine völlig neue Bedeutung bekommen.

Es dauert nicht sehr lange, und man hat sich an diese Betrachtungsweise gewöhnt und genießt das Stück in vollen Zügen. Nach der Pause geht es psychedelisch weiter, also sollte man da sich einfach nur – wie die Darsteller auf der Bühne – von der Musik und den Bühnenbildern leiten lassen und nicht versuchen, eine Geschichte oder Logik zu finden, man wird scheitern.

Wer diese Ratschläge beherzigt, wird im English Theatre in Frankfurt einen unvergesslichen Abend geschenkt bekommen. Unter der Leitung von Ryan McBryde, der auch schon das Theaterstück “Deathtrap” brillant (wir berichteten) in Szene setzte, gelingt dem English Theatre erneut ein Meisterwerk an Unterhaltungskunst, die jedoch gleichzeitig auch zum Nachdenken anregt. Unterstützt, von musikalischer Seite her, wird er von Thomas Lorey, dessen Musikverständnis man auch bei “Little shop of horrors” (wir berichteten ebenfalls) schon erleben durfte. Zusammen sind die beiden ein wahres Dreamteam.

Doch auch die Darsteller um Matt Harrop (Berger alt), Peter Saul ( Berger), Josh Canfield (Claude), Matthew J Henry (Hud),Alan Pearson (Woof) und Ellie Boswell (Sheila) und die Tribe Members: Rosalind James, Carly Mercedes Dyer, Grant Murphy, Jacqui Sanchez, Stephan Sinclaire, Rebecca Wicking harmonierten wunderbar mit den Orchestermitgliedern Thomas Lorey (Keyboard), Martin Krämer (Trompete), Heinz Lyko (Tenor Saxophone / Flöte / Klarinette), Kai Picker (elektrische und akkustische Gitarre), Stefan Kreuscher (elektrischer Bass) und Thomas Elsner (Drums / Percussions), so wie man es vom English Theatre gewöhnt ist. Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß man, egal, wann und zu welchem Stück man in dieses Theater geht, man wird nie enttäuscht sein.

Die der Premiere am 22.11.2008 folgenden Aufführungen werden Theater der Extraklasse sein, davon sind wir überzeugt, denn Fakt ist und bleibt: Hair, wie auch immer gespielt und interpretiert, ist ein Meisterwerk – volle Perücke!

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Quelle: Christine Daaé

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