Matthias Davids inszeniert den Bernstein-Klassiker in der Stiftsruine

Mit der “West Side Story” will Hersfeld verlorenes Terrain zurück gewinnen

Premiere in der imposanten Stiftsruine soll das hoch dekorierte, 1957 am New Yorker Broadway uraufgeführte Jugend-Drama am 16. Juni nächsten Jahres haben. Mit der Regie hat die Festspielleitung Matthias Davids betraut, die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Christoph Wohlleben. Für die Choreografie zeichnet Melissa King verantwortlich. Die Produktion, in die alle Beteiligten hohe Erwartungen setzen, soll das wirtschaftliche Fundament der neuen (allerdings um eine Woche verkürzten) Aufführungsreihe bilden. Die beinhaltet darüber hinaus eine Bühnenfassung von Homers “Odyssee” sowie das Ritterschauspiel “Das Käthchen von Heilbronn” von Heinrich von Kleist.

Die West Side Story, eine musikalische Adaption des Romeo- und Julia-Motivs, gilt als bis heute unerreichtes Meisterwerk, das zu einem der erfolgreichsten Bühnenstücke aller Zeiten wurde. Dies vor allem ob der unübertroffenen Verschmelzung von Schauspiel, Musik und Tanz zu einer Form des “totalen Theaters”. Dabei gerät vor allem die einzigartige, atemberaubende Choreografie zum beinahe wichtigsten, dramaturgischen Stilmittel. Von der unsterblichen Musik Bernsteins einmal ganz abgesehen. Die Lied-Texte stammen übrigens von keinem Geringeren als Stephen Sondheim.

Die “größte Liebesgeschichte aller Zeiten” wird in der osthessischen Stadt zwischen dem 16. Juni nd 2. August 2009 insgesamt 30 Mal zu sehen sein. Damit erfülle sich für sie ein Herzenswunsch, sagte die Intendantin während der Programmvorstellung. 2009 wird hier für die Österreicherin das letzte Jahr sein. Danach übernimmt Holk Freytag, zuletzt Intendant am Staatsschauspiel in Dresden, das Kommando. Nach den Aufführungsrechten für das Stück lecken sich auch noch ganz andere Häuser und Institutionen die Finger. Doch dahingehend sind die Rechteinhaber ziemlich restriktiv. Nach welchen Kriterien sie dabei freilich verfahren, bleibt ihr Geheimnis.

Die Hersfelder können einen Erfolg, wie sie sich ihn von und mit West Side Story erhoffen, gut gebrauchen. In der abgelaufenen Saison waren sie in die roten Zahlen geschlittert, die tatsächlichen Ticketverkäufe blieben erheblich hinter den Erwartungen zurück. Unterm Strich ein dickes Minus; die Stadt musste, trotz erheblicher Landes- und Bundeszuschüsse, ihre Stütze noch einmal kräftig erhöhen.

Zumindest in Musical-Kreisen hatten die Festspiele zuletzt erheblich an Reputation eingebüßt. Dies, nachdem vor drei Jahren erst gar keine Musicalproduktion mehr auf dem Spielplan aufgetaucht war und man in den beiden Folgejahren mit “Les Misérables” (2007) und “Jekyll & Hyde” (2008) Inszenierungen anbot, die jeweils in der Saison zuvor schon von der Konkurrenz (Tecklenburg) als Open-Air-Premieren “abgefrühstückt” worden waren und deshalb nicht wirklich Neues mehr bieten konnten. 2009 bietet sich jedoch die große Chance, verloren gegangenes Terrain zurück zu erobern.

Quelle: Jürgen Heimann

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