Vom 3.-26.6.2008 war im Renaissancetheater ein heftiges Gequake zu hören. Dazwischen gesellte sich auch ein unüberhörbares “Honk”, was aber nicht so oft zu hören war und somit auf eine gewisse Außenseiterposition hinwies. Das “Theater der Jugend” hatte mit dem Musical “Honk!” von Anthony Drewe und George Stiles auf eine österreichische Erstaufführung gesetzt und die Besucher wurden in keinster Weise enttäuscht. Erzählt wird die Geschichte frei nach Hans Christians Andersens “Das hässliche Entlein”.

Auf der Geflügelfarm herrscht große Aufregung. Ente Ida steht kurz davor 5-fache Mutter zu werdet und wendet alle Tricks an, die sie im Bruthilfekurs gelernt hat wie z.B. das Nachhelfen mit einer UV-Lampe. Die Kükendarsteller stecken in einer Art Eierkinderwagen und befreien sich nach einem kleinen Eierschalentanz von ihren zu eng gewordenen Hüllen. Die geschlüpften vier Babies begrüßen mit einem ordentlichen Hallo die Welt, erst als es mit Papa Erwin Erpel zum schwimmen geht, kann die Mama aufatmen. Doch ihr gibt ein übergroßes Ei, das noch immer geschlossen ist, zu denken. Während sie “anders” singt, schlüpft es und sieht im Vergleich zu seinen Brüdern und Schwestern wirklich sonderbar aus. Das bekommt Gnomy auch von den anderen Bewohnern zu spüren, alle lachen ihn aus und verspotten ihn mit “Schau mal den”. Mit den Nerven ist auch der Erpel fertig, da er glaubt ein Monster gezeugt zu haben. Nur Ida steht auf der Seite ihres Kindes und beschützt es mit aller Kraft. Einzig der Kater will sich die Situation des Kükens zu Nutze machen, da er in ihm ein gefundenes Fressen sieht. Er lockt Gnomy von den anderen weg und erklärt ihm “Mit dem Essen spielt man”, doch es kommt anders als geplant. Der Kater wird, durch einen gezielten Ballwurf der Menschen, außer Gefecht gesetzt und das Entlein läuft weg. Der Arme findet nicht mehr nachhause und verläuft sich hoffnungslos. Während er von seiner Familie gesucht wird, begegnet er einer Gänseschar, die ihm zwar helfen möchte, doch selbst Ziel einer Jagdgesellschaft wird. Gnomy landet auch in einem Haus der Menschen, wo er auf Stummel, die Henne und Prinzesschen, die Katze trifft. Beide sind stolz domestiziert zu sein (auch wenn die Kinder im Publikum nicht unbedingt wissen, was das bedeutet) und erklären dem Entlein “An Lebensformen gibt es viele”. Plötzlich taucht der gemeine Kater auf. Doch kaum sieht er die Katze, ist es um ihn geschehen. Am liebsten möchte die Katze mit dem Kater gehen, doch die Henne möchte nicht alleine zurückbleiben. Sie fädelt es geschickt ein, dass das Entlein fliehen kann und dass der Hunger des Katers über die Liebe siegt und er auch das Haus verlässt. Penny, ein schöner Schwan hat sich in einer Angelschnur verfangen. Gnomy befreit sie und muss trotz Schmetterlingen im Bauch “nein” sagen, da er nicht so gut fliegen kann, als sie ihn fragt, ob er sie nicht begleiten möchte. Trost findet er beim selbstironischen Frosch, der immer einen flotten Spruch parat hat. Der Sager des Stücks ist aber mit Sicherheit die Feststellung des Frosches “Bam Oida, wer knutscht an Frosch?” Diese Anspielung auf einen gerade herrschenden Modetrend wurde von den Kindern verstanden und mit einem großen Lacher quittiert. Großes Kino gibt es bei der Szene, wo das gesamte Ensemble in grün glänzenden Outfits als Frösche verkleidet mit Schwimmflossen eine Stepeinlage hinlegt. Nachdem das Entlein die Frösche verlassen hat, wird es von einem Menschen gefangen. Um freizukommen geht es mit der Katze einen Deal ein. Diese befreit ihn, damit er ein letztes Mal seine Mutter sehen kann, dann würde er Katzenfutter werden. Doch die beiden werden vom kalten Winter überrascht. Sie geraten in dichtes Schneetreiben und das Entlein wird von einer Schneedecke eingehüllt. Die winterliche Landschaft wurde sehr schön mit Schneefall und Spiegelwänden, an denen Eiskristalle waren, dargestellt und wenn es im Theatersaal nicht so heiß gewesen wäre, dann hätte man sicher die dargestellte Kälte auch gespürt. Ida, die sich allein auf die große Suche nach ihrem Kind gemacht hat, entdeckt es und glaubt, dass es erfroren ist. Doch plötzlich erhebt es sich und sieht so ganz anders als vorher aus. Weg ist das eintönige grau des Federkleides – es erstrahlt in hellstem weiß und ist ein schöner Anblick. Alle Anwesenden, Ida, Penny und ihre Schwanenfamilie erkennen in Gnomy einen Schwan und er ist froh, endlich seine wahre Identität gefunden zu haben. Eigentlich sollte er sich den Schwänen anschließen, doch er will seine Mutter nicht allein lassen und so beschließen Penny und er an den Teich der Enten zu ziehen. Dort angekommen sind alle sprachlos und entschuldigen sich für ihr schlechtes Benehmen. Ente gut, alles gut. Oder wie ging das Abschlusswort im Stück? “Honk!”

Obwohl das Stück im Rahmen des “Theaters der Jugend” gezeigt wurde, ist es nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Junggebliebene sehenswert. Es hat wirklich alles, was ein gutes Stück braucht, eine lehrreiche Geschichte (niemand ist auf der Welt wie der andere und doch müssen wir lernen miteinander auszukommen), interessante Kostüme von Jan Hax Halama (die nur von der Farbgebung her an die dargestellten Tiere erinnerten und sonst die Darsteller als menschgewordene Tiere agieren ließen, anspruchsvolle und witzige Choreographien (Alonso Barros) und wandelbare Darsteller, die fast alle mehrere Rollen während des Stücks spielten. Auch einfallsreiche Regieinfälle bei den Requisiten wie z.B. die Binsen-Northern-Walking-Stöcke des Moorhuhns Moni oder das Flugzeug der Gänse, das u.a. aus Bügelbrettern und Reifen zusammengesetzt wurde oder die Tatsache, dass oft Sprichwörter etwas zweckentfremdet verwendet wurden, trugen zur Erheiterung des Publikums bei.

Angeführt wurde das 12köpfige Ensemble von Martin Niedermair, der in der Rolle des hässlichen Entleins Gnomy strahlte. Er spielte das kleine Küken, dass am liebsten schon in den ersten Stunden nach seiner Geburt die Welt erobern möchte mit viel Überzeugungskraft und Hingabe. Es macht Spaß ihm zuzusehen, vor allem, wenn er der Welt und ihren Lebewesen wie z.B. dem Kater mit einer kindlichen Naivität begegnet. Niedermair scheint in seinem Element, wenn er beim Herumhampeln als ungestümes Entchen seine Körperlichkeit samt seinem wunderbaren Humor mehr als einmal unter Beweis stellen darf. Berührend, wenn er von allen im Stich gelassen “Anders” singt oder seiner Verliebtheit in Penny bei “Dann sah ich dich” Ausdruck verleiht.

Tania Golden war mehr als nur eine besorgte Glucke. Sie war eine Bilderbuchmama, die versucht, alle ihre Babies zu lieben und gleich zu behandeln. Es schmerzt sie sehr, dass Gnomy nicht anerkannt wird. Am liebsten würde man sie bei “Jede Mutterträne” gleich trösten.

Reinhold G. Moritz als Vater Erwin Erpel hat, aufgrund seiner witzigen Sager oft die Lacher auf seiner Seite. Er ist eher ein lockerer Familienvater, doch kaum wird er von seiner Frau allein gelassen, sind ihm die häuslichen Pflichten auch schon zuviel.

Melanie Bayer, Sabine Bina, Jürgen Kapaun und Peter Kratochvil verkörpern die vier Geschwister von Gnomy und sind alles andere als ruhige, brave und anständige Küken. Aufmüpfig erkunden sie ihre neue Umgebung und stellen alles mögliche an.

Susanne Altschul spielt die erwürdige Mandarinente Grazia, die am Ende Gnomy sogar mit dem “Schwanengütesiegel” auszeichnet. Ebenso mimt sie Stummel, die Haushenne, die sehr an ihrer Genossin der Katze hängt.

Bettina Reifschneider schlüpfte in die Rolle des sportlichen Moorhuhns Moni, wie auch in die der verhätschelten Hauskatze Prinzesschen.

Robert G. Neumayr hatte seinen fulminanten Auftritt als Krötenfrosch bei der Froschrevuenummer “Einfach so” und war für kurze Zeit der Liebling der Kinder. Weiters stellte er den Truthahn Flocke dar.

Sigrid Spörk gackerte als Huhn Henriette herum, durfte aber als schöner junger Schwan dem Entlein den Kopf verdrehen.

Den einzig bösen Charakter durfte Roman Straka spielen. Der Kater war durch und durch nur auf sein Fressen fixiert und stellte dem Federvieh nach, wo es nur ging. Es machte Straka sichtlich Spaß auch einmal einen weniger netten Charakter darzustellen.

Leider wurde die Produktion von einem kleinen Unfall am 6.6. des Hauptdarstellers Martin Niedermair überschattet. Drehbühne und das Einsammeln von Requisiten wurden ihm zum Verhängnis. Im Zuge dessen zog er sich eine Wunde am Kopf zu, die sofort genäht werden musste. Die Vorstellung wurde sofort abgebrochen und auf einen späteren Zeitpunkt (drei Wochen später) verschoben. Um die Vorstellungen während des Krankenstandes nicht alle absagen zu müssen, gab es plötzlich mehrere Entchenbesetzungen, die schnell einsprangen und so die Produktion retteten.
Quelle: Andrea Martin

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