My fair lady, Volksoper

Es ist schon einige Zeit her, dass “My fair lady” auf dem Spielplan der Volksoper gestanden ist. Am 3.4. feierte das Stück nach Bernard Shaws “Pygmalion” und der Musik von Frederick Loewe seine Wiederaufnahme. Die am 5.4. besuchte Vorstellung war ausgesprochen gut besucht, vor allem war sehr junges Publikum gekommen.

Für diejenigen, die nicht “My fair lady” bewandert sind, hier ein Einblick in die Geschichte:

London im Jahr 1912. Das Blumenmädchen Eliza verdient seinen Unterhalt beim Veilchenverkauf. Bei dieser Inszenierung darf Eliza in breitestem Praterslang ihre Veigerln anbieten und auch sonst kommt das Wienerische (Kieberer, Deppata, Schmähdandler) nicht zu kurz. Professor Henry Higgins, seines Zeichens Sprachforscher, wird auf das Mädchen aufmerksam und fragt sich “Kann denn die Kinder keiner lehren, wie man spricht?” Eliza, die seine Bemerkung, er könne aus jemandem mit Rinnsteinjargon binnen sechs Monaten eine feine Dame machen, ernst genommen hat, erscheint bei Higgins und möchte Unterricht bei ihm nehmen. Higgins und Oberst Pickering schließen eine Wette ab, ist dieses Vorhaben realisierbar? Eliza zieht in das Haus des Professors ein und bekommt tagein tagaus Unterricht in Sachen Sprache und Benehmen. Natürlich wird das Getue um sie Eliza bald zuviel und sie lässt ihrer Wut bei “Wartx0092s nur ab” freien Lauf. Alfred P. Doolittle, ein Müllkutscher und dem Alkohol nicht abgeneigt, versucht auch seinen Vorteil aus der Situation seiner Tochter Eliza zu ziehen und verlangt Geld von Higgins. Irgendwann stellen sich Fortschritte ein und mit dem Song des Stücks “Es grünt so grün” wird ausgelassen gejubelt und getanzt. Zur Feier dieses Ereignisses wird sie von Higgins beim Derby in Ascot in die feine Gesellschaft eingeführt. Sie hält sich bis zum Schluss an alle Regeln, doch als das Pferd, auf das sie gesetzt hat, anfeuern will, schreit sie in alter Manier “Lauf Donner (Name des Pferdes), sonst streu ich dir Pfeffer in den A… Alle sind entsetzt bis auf Freddy Eynsford-Hill, der sich Hals über Kopf in sie verliebt hat. In “Sie sind es, der es geschafft hat” feiern Oberst Pickering und Higgins den Erfolg des Experiments. Eliza wird in den Hintergrund gedrängt und merkt, dass sie nur wie ein x-beliebiges Ding behandelt wird und packt ihre Sachen. Higgins ärgert sich über ihr Verschwinden und fragt sich “Kann eine Frau nicht sein wie ein Mann?” Sowohl Higgins als auch Eliza suchen Rat bei Higgins Mutter. Dort treffen beide aufeinander und beiden wird bewusst, dass zwischen ihnen mehr ist, als eine Lehrer-Schüler-Beziehung. Eliza kommt zu Higgins zurück und es gibt ein Happy End für die beiden.

Als Eliza holte man sich die junge Katharina Straßer, die am Volkstheater einen Triumph nach dem anderen feiert und bereits den Nestroy- und den Karl-Skraup Preis für ihre Schauspielleistungen erhalten hatte. Ihre schauspielerische Begabung kommt ihr in dem Stück auch sehr zugute, da sie viele Facetten dieses Charakters gut darstellen kann. Besonders wenn sie widerspenstig reagiert und beleidigt ihre Lippen schürzt. Mit ihrem Ausdruck und ihren Bewegungen bringt sie die Rolle auf den Punkt, wäre da nicht die Tatsache, dass es sich bei “My fair lady” letztendlich doch um ein Musical handelt. Das musikalische wird ihr leider auch zum Verhängnis, da nur selten ein Ton sitzt. Es ist fraglich, ob mehr Übung den Meister machen würde oder ob Straßer nicht doch in reinen Schauspielstücken besser aufgehoben wäre. Schade um die schönen Titel, die somit nur dank eines guten Orchesters (unter der Leitung von David Levi) zur Geltung kommen.

Ist es ein Risiko in einem Stück gleich zwei Direktoren zu engagieren und unter einen Hut zu bekommen (und das nicht nur unter den Elizas auf dem Bild des Fotografen)? Mit Robert Meyer, seines Zeichens Direktor der Volksoper hatte man schon einen “My fair lady”-erprobten Darsteller gewinnen können. Die Rolle des Alfred P. Doolittle ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Er schlüpft in die Rolle des, gern zur Flasche greifenden, Vaters von Eliza und ab dem ersten Auftritt hat er die Sympathien des Publikums auf seiner Seite. Seine Songs “Mit nem kleinen Stückchen Glück” und das mitreißende “Bringt mich pünktlich zum Altar” sind die Showstopper schlechthin und sorgen für viele Lacher. Kein Wunder, dass Meyer bei fast jeder seiner Szenen einen besonders langen Applaus bekommt.

Herbert Föttinger, Direktor des Theaters in der Josefstadt, wurde für die Rolle des Professor Henry Higgins verpflichtet. Ihm nimmt man den gebildeten Sprachforscher ab, zumal er durch eine schöne, deutliche Aussprache besticht. Er gibt den Lehrer, der seiner Schülerin Disziplin und Ordnung beibringen will, streng und mit verstecktem weichen Kern unter der harten Schale, der erst am Ende des Stücks zum Vorschein kommt. Da Föttinger aus der Riege der eigentlich nicht singenden Schauspieler kommt, war das Metier Musical auch Neuland für ihn. Er gab sein Bestes, auch wenn seinem Sprechgesang ein wenig die Melodie fehlte.

Für Lukas Perman, zum ersten Mal an der Volksoper engagiert und unter den Hauptdarstellern der einzige Musicalerfahrene, ist die Rolle des Freddy schon fast zu klein. Er holt dennoch alles aus dem in Eliza verliebten Burschen und hat gegenüber seinen Kollegen natürlich einen großen Vorteil – er kann singen. Leider hat er nur ein einziges Lied “In der Straße, mein Schatz, wo du lebst”, interpretiert dieses aber mit viel Gefühl und Sehnsucht, sodass man ihm den Verliebten abnimmt.

Peter Mati als Obert Pickering, Louise Martini als Higgins Mutter, Ulli Fessl als Mrs. Pearce sowie Stefan Cerny und Joseph Prammer als Harry und Jamie.

Das Bühnenbild und die Kostüme sind sehenswert, besonders die Ascotszene ist eindrucksvoll mit all den schönen Kostümen. Auch das Innere des Hauses von Higgins ist prachtvoll anzusehen, Bücher über Bücher, Grammophone und viele andere liebevolle Details laden auch das Publikum zum verweilen im Haus ein.

Natürlich wird man diese “My fair lady” in der Volksoper lieben, gar keine Frage, obwohl man vielleicht das Thema “Musical” besser zur Geltung bringen hätte können. Aber da es sich um einen Klassiker handelt, muss man sich keine Sorgen machen, dass das Haus vielleicht nicht so gut besucht sein könnte.

Quelle: Andrea Martin

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