High Society

Am 9.2.2008 ging im Stadttheater in Baden die Premiere des Cole Porter Musicals “High Society” über die Bühne. Man konnte zwar nicht alle im Publikum zur “High Society” zählen, dennoch gab es eine illustre Schar an Prominenten, die dem Stück beiwohnten, so u.a. Birgit Sarata, Topsy Küppers, Gerda Rogers mit Schwester Renate, Otto Wanz, Dany Sigl, Heinz Zuber, Edith Leyrer, Christoph Wagner-Trenkwitz, Gerhard Ernst, Peter Hofbauer und Susanne Altschul.

Das Bühnenstück verdankt seinen Erfolg auch dem gleichnamigen Film, der mit Grace Kelly, Bing Crosby und Frank Sinatra hochkarätig besetzt war. Einer der bekanntesten Songs, der daraus hervorgegangen ist, ist “True Love”, welcher u.a. von Elvis Presley, Shakin’ Stevens oder Elton John im Duett mit Kiki Dee interpretiert wurde.

Die Geschichte spielt im Haus der schönen Tracy Samantha Lord, die kurz vor ihrer nächsten Hochzeit mit George Kittredge steht. Er ist zwar etwas langweilig, aber irgendwie doch eine gute Partie. Da Paul Lord, der Brautvater gerade seiner Gattin untreu ist und in den Armen einer Tänzerin weilt, wurde er einfach nicht zur Hochzeit eingeladen. Die hektische Mutter und der, dem Alkohol nicht abgeneigte Onkel Willie übernehmen die Hochzeitsvorbereitungen. Die kleine Schwester von Tracy, Dinah, ist das Küken im Haus und schwärmt unverholen für den Ex ihrer Schwester, C.K. Dexter Haven. Plötzlich taucht dieser auf und die Gefühle der zukünftigen Braut geraten heftig durcheinander. Noch schlimmer wird es, als sich zwei Klatschreporter, Liz Imbrie und Marc Connor, ankündigen, um über das Ereignis Bericht zu erstatten. Dann gehen die Verwirrspielchen los. Liz ist in ihren Kollegen Marc verliebt, während Onkel Willie ein Auge auf Liz geworfen hat. Marc bandelt mit Tracy an und landet sogar nackt mit ihr im Pool. George wird das Theater zuviel, will Tracy aber trotzdem noch eine Chance geben. Sie sieht jedoch ein, dass sie beide keine gemeinsame Zukunft haben und so kommt das Sprichwort “wenn sich zwei streiten, freut sich der dritte” zu tragen. Während er sich die ganze Zeit eher im Hintergrund gehalten hat, schlägt für Dexter die große Stunde, denn schlussendlich darf er seine Ex Tracy zum Traualter führen.

Das Stück wird in Baden komplett in deutscher Sprache gespielt. Leider geht bei den deutschen Liedern etwas der Charme, der durch die englischen Texte verbreitet wird, verloren.

Die Inszenierung von Attila E. Lang ist schwungvoll und auch das Ensemble ist gefordert, da es des öfteren zwischen den Szenen z.B. Ansätze des Titelliedes präsentieren darf.

Ein interessanter Einfall auch ab und zu den Saal etwas mehr zu beleuchten und das Publikum in die Handlung miteinzubeziehen. So spielt es Gäste des Polterabends und bei der Hochzeit. Besonderes Highlight des Abends war mit Sicherheit und aufgrund des begeisterten, langen Applauses die Can Can Einlage des Balletts, das im Rahmen des Polterabends für George und Tracy auftrat. In schwarz-roten Can Can-Outfits schwingen die Damen die Beine in die Höhe und machen Spagate bis zum umfallen, während die Männer mit Sprüngen und Räder schlagend für die akrobatischen Momente sorgen.

Das Bühnenbild ist einfach, aber zweckmässig. Links und rechts befinden sich hölzerne Bäume mit bunten Plexiglasscheiben, die für Farbkleckse in der Landschaft sorgen. Im Hintergrund gibt es ab und zu Teile der “True Love”, dem Segelboot Dexterx0092s zu sehen. Räume werden mit wenigen Hilfsmitteln wie Tische, Stühle oder Bänke dargestellt. Sobald die Kissen auf der Gartenbank umgedreht werden, hatten sie eine andere Farbe und man befand sich wieder im Haus oder umgekehrt.

Das ganze Musical ist rund um die Figur der Tracy Samantha Lord aufgebaut und Maya Hakvoort, die diese Rolle verkörpert, ist sich der Verantwortung einmal mehr bewusst, die sie hat, wenn sie eine zentrale Rolle spielt. Bei der Hakvoort muss man wahrlich keine Angst haben, dass sie einer im Mittelpunkt stehenden Figur nicht gerecht wird. Sympathisch gibt sie die Frau, die knapp vor der nächsten Ehe steht und doch noch nicht so genau weiß, was oder wen sie wirklich möchte. Trotz blonder Perücke spielt sie nicht das naive Blondchen, sondern ist mit allen Wassern gewaschen. Flüssigkeiten spielen besonders am Polterabend eine große Rolle u.a. fließt jede Menge Champagner. Es ist ein Vergnügen Maya zuzusehen, wie sie immer mehr neben sich steht und ihr die Kontrolle über sich etwas entgleitet. Ihre Songs sind u.a. “Ich fühl mich high”, “Ganz Paris träumt von der Liebe” (ein tolles Duett mit Claudia Rohnefeld, die ihre Schwester spielt und bei dem beide in kurzen Fransenkleidchen viel Bein zeigen) oder “Ich genieß es mit dir”.

Als ihr Ex und zugleich auch zukünftigen Ehemann Dexter gibt sich Andreas Steppan die Ehre. Mit seinem herrlich trockenen Humor, den er in dieser Rolle unter Beweis stellen kann, schafft er es, den links liegengelassenen Ex gut darzustellen. Er versucht die Situation locker und entspannt zu sehen, was natürlich dann nicht gelingt, wenn seine Ex gemeinsam mit ihm auf der Bühne steht. Es kommt zwar des öfteren zu einem wilden Schlagabtausch zwischen ihnen, aber man merkt hinter der Fassade, wie sehr er Tracy noch liebt. Romantisch wird es, wenn er gemeinsam mit ihr “Schon vor langer Zeit” singt. Bei “Ist das zu glauben” macht er sich, gemeinsam mit Jens Janke, über das vornehme Fest lustig und beide legen einen Tanz mit Tabletts aufx0092s Parkett. Swingend, locker und ehrlich interpretiert Steppan seine Songs und man gönnt seinem Rollenego das Happy End.

Das Reporterduo, dass auf der Suche nach dem neuesten Klatsch und Tratsch der High Society ist, wird von Gabriele Kosik und Jens Janke gespielt. Beruflich sind sie ein gutes Team, privat brauchen sie einige Anläufe, um zueinander zu finden. Beim spritzigen Duett “Wer wär schon gerne Millionär” gibt es eine flotte Steppeinlage von beiden zu sehen. Besonders witzig, als Kosik den armen Onkel Willie, der sich gar nicht mehr halten kann, bei “Ich mach mich jetzt fertig für dich” heiß macht, um nicht dauernd an ihren Kollegen Marc erinnert zu werden. Jens Janke als draufgängerischer Reporter lässt vor allem seinen Charme bei Kollegin Maya Hakvoort spielen. Sein Liebeswerben, dass umso heftiger wird, je mehr Veuve Cliquot fließt, trägt auch Früchte, da Tracy vor ihrer Hochzeit einem kleinen Flirt nicht abgeneigt ist. Sein “Du bist wundervoll” endet sogar in einem kleinen Kuss der beiden.

Hans Dieter Knebel, der den Onkel Willie spielt, ist nicht der größte Sänger, macht es aber wieder durch sein köstliches Schauspiel wett. Er hat einen herrlichen Humor, der vor allem dann zu Tage kommt, wenn er Kollegin Kosik nachstellt. Er gibt den kleinen Charmeur der Familie und sorgt mit seinen kleinen Verfolgungsjagden für Lacher.

Aus dem Ensemble hervorzuheben ist noch Claudia Rohnefeld, die die kleine Dinah Lord verkörpert. Auf süßes Mädchen gestytlt, mit Engelslocken und Kleidchen, möchte man meinen, dass sie kein Wässerchen trüben kann. Doch weit gefehlt. Dinah hat es faustdick hinter den Ohren, ist aufmüpfig, widerspenstig und will immer das letzte Wort haben. Claudia schafft es, nicht nur aufgrund ihrer Größe, die Rolle gut darzustellen. Herzig, wie sie sich bei “Kleiner Schatz” vor Dexter unter dem Tisch versteckt oder sie ein Loblied “Mein Herz gehört nur Papa” auf ihren Vater singt. Mit dem Charakter der Dinah lässt sich viel lachen, z.B. wenn sie lernt, dass man “es duftet zum Himmel” sagen soll.

Franz Josef Koepp gibt den etwas zu korrekten Fastehemann von Tracy sehr glaubwürdig, dennoch freut man sich über das neuerliche Zusammenfinden von Dexter und Tracy.

Das Elternehepaar Margaret und Paul Lord wird von Felicitas Morawitz und Klaus Ofczarek dargestellt. Während man Ofczarek nicht so ganz eine Affäre mit einer Tänzerin abnimmt, spielt Morawitz die ständig besorgte Mutter, die für ihre Kinder nur das Beste will.

Einen Dauerscherz abonniert hatte Werner Schwab als Majordomus Arthur. Vor jeder Szene hob er theatralisch die Hände und sagte “Licht”, welches auf diesen Befehl hin auch anging. Lediglich nach dem Polterabend war das Personal so erschöpft, dass kein Licht kam.

Der 1. Akt wirkte noch etwas langatmig, aber der 2. Teil machte wieder alles wett, da in diesem einfach mehr action geboten wurde. Dank einer großartigen Maya Hakvoort und einem gut aufeinander abgestimmten Ensemble kommt das Stück gut beim Publikum an und wird wieder einen hohen Zustrom verzeichnen dürfen.
Quelle: Andrea Martin

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