In Sachsen regnet es ab 18. Januar „Gold von den Sternen“

Mozart!“ mit Schockrock in Plauen und Zwickau

Die Inszenierung wird an ausgewählten Terminen zunächst bis 21. Juni zu sehen sein, und zwar im Wechsel an beiden Standorten des Hauses. In Zwickau (Gewandhaus) geht es los, im Vogtlandtheater in Plauen hebt sich dazu am 15. März erstmals der Vorhang. Beide Häuser hatten im Jahre 2000 fusioniert und damit ihre Kräfte gebündelt. Dank der dadurch erzielten Synergieeffekte entwickelten sie ein Kulturangebot, das ob seiner Vielseitigkeit und thematischen Streuung weit und breit einzigartig ist und beispielhaft für andere Regionen sein dürfte. Das Spektrum reicht vom Schauspiel über Tanz zu Konzerten und Musicals bis zum Puppentheater. Und es erreicht Großstadtniveau.

Erstmals in einem Repertoire-Theater auf dem Spielplan

”Mozart!” nun ist das bislang ehrgeizigste (Musical-)Projekt der Einrichtung. Bislang hat sich in Deutschland noch kein Kommunaltheater an die Umsetzung des Stücks heran getraut bzw. die Rechte dafür erhalten. Insofern hat die Inszenierung auch den Charakter einer ”Deutschlandpremiere” und ist deshalb ”Chefsache”. Regie führt Intendant Ingolf Huhn selbst, für die Choreografie ist Sonja Elstermann verantwortlich. Die Musikalische Leitung obliegt Victor Puhl, die Ausstattung besorgt Robert Schrag.

Das packende Stück war 1999 unter der Regie von Harry Kupfer mit Yngve Gasoy-Romdal in der Titelrolle am Theater an der Wien uraufgeführt worden. Es gilt, obwohl längst nicht so erfolgreich wie ”Elisabeth”, vielen als eines der besten und faszinierendsten Werke des Gespanns Sylvester Levay (Musik) und Dr. Michael Kunze (Buch, Texte). Es erzählt die Story des Komponistengenies auf eine etwas andere Art und aus etwas anderer Sicht heraus. Dessen Leben war nämlich mindestens genauso spannend wie seine Musik. Als Kind und Heranwachsender bevormundet und fast erdrückt vom fürsorgenden Vater versucht Mozart seinen eigenen Weg zu gehen und sich, erwachsen geworden, von den Fesseln, die man ihm schon als Junior angelegt hat, zu befreien. Kunze hat dem ”Helden” ein Porzellankind zur Seite gestellt, dessen alter Ego aus der Wunderkinderzeit. Und das begleitet (oder verfolgt) ihn sein Leben lang bis zum Tod.

Nach Wien, Hamburg und München jetzt im Osten

Nach Wien war das Musical nach Hamburg gelangt, wo es allerdings mehr oder weniger floppte und schon nach relativ kurzer Zeit wieder abgesetzt wurde. Das lag aber kaum an handwerklichen oder inhaltlichen Mängeln der Produktion. Die Konkurrenz damals war nur besser aufgestellt und vor Ort präsenter. Hinzu kamen eklatante Mängel in der Vermarktung. Nicht wenige Besucher glaubten, wo Mozart drauf stände, sei auch Mozart drin. Aber das war ein Satz mit X. Stattdessen flogen den fassungslosen Klassik-Puristen Rock-Klänge um die Ohren.

Im Deutschen Theater in München erlebte das Publikum im November 2006 ein knapp vierwöchiges Gastspiel mit einer überwiegend durch Ensemblemitglieder des Budapester Operettenhauses bestückten Cast, worunter die Textverständlichkeit allerdings etwas litt. In der Titelrolle war Patrick Stanke zu sehen, der dieses Jahr während der weltweit ersten Freilicht-Inszenierung von Mozart in Tecklenburg auch wieder an vorderster Front steht. In Plauen/Zwickau schlüpft Maximilian Nowka in den ”Schockrock”, während Michael Junge als Papa Leopold versucht, den rebellischen Nachwuchs zu zähmen. Als Mozarts Schwesterherz ”Nannerl” agiert Sandrine Guiraud, Michael Kunze (nicht verwandt oder verschwägert mit dem Libretto-Papst) übernimmt den Part des Fürstbischofs Colloredo. Silke Richter lässt es als ”Baronin von Waldstätten” ”Gold von den Sternen” regnen. In weiteren Rollen: Sabine Münkner (Cäcilia Weber), Inga Britt-Andersson (Constanze) und Markus Sandmann (Schikaneder).

”Baby Talk” und ”Solo Sunny”

”Mozart!” ist in der aktuellen Spielzeit zwar die ambitionierteste Musical-Inszenierung der Sachsen, die einzige ist es nicht. So steht ab 2. März auch ”Baby Talk” von Peter Lund und Thomas Zaufke auf dem Spielplan. Ein mit pointierten Dialogen und mitreißenden Songs garniertes musical-isches Zwei-Personen-Stück ums Kinderkriegen. Bereits am 2. Februar (und in Folge bis 13. Juni) hat ”Ingrid Sommer” ihren großen Auftritt. So heißt Sängerin ”Sunny”, die zu DDR-Zeiten mit Ihrer Band durch die ostdeutsche Provinz tingelt, mit bürgerlichem Namen. Bronislav Roznos lässt sie und alle anderen Figuren aus dem ostdeutschen Erfolgsfilm ”Solo Sunny” in dem gleichnamigen Tanzmusical lebendig werden. Tickest und weitere Infos unter www.theater-plauen-zwickau.de
Quelle: Jürgen Heimann

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