Am Februar 2009 im Raimundtheater: Der letzte Kuss eines Prinzen

Wien präsentiert deutschsprachige Erstaufführung des Wildhorn-Musicals „Rudolf“

Österreicher mit dem Operettenhaus Budapest.

Ursprünglich hatte das Stück unter dem (Arbeits-)Titel “Affäre Mayerling” bereits ab Oktober dieses Jahres im Wiener Etablissement Ronacher gespielt werden sollen. Doch weil sich die Sanierung des Hauses verzögerte, wurde der Plan erst einmal wieder fallen gelassen. Zur Wiedereröffnung der Spielstätte wollen die VBW hier stattdessen am 30. Juni nächsten Jahres die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Hits “The Producers” präsentieren.

Zwischen Manderley und Globalsoft

Bevor sich ”Rudi”, der Spross des österreichischen Kaiserpaares Franz-Joseph und Elisabeth, im Raimund in die tödlich endende Liaison mit der hübschen und blutjungen Maria (”Mary”) Alexandrine Freiin von Vetsera stürzt, brennt’s im düsteren Manderley erst noch einmal weiter – zunächst bis zum 30. Dezember. Doch für “Rebecca” ist danach auch noch nicht Schluss. Das inzwischen schon zweimal verlängerte Levay-Kunze-Werk kehrt im Herbst 2008 für einige Monate zurück. In der Zwischenzeit wird daselbst aber erst einmal ein gewisser “Galileo Figaro” die Welt und den Rock’ ‘n Roll retten. Das “königliche” Musical “We will rock you” mit “Heimkehrer” Serkan Kaya in der Hauptrolle steht ab dem 24. Januar auf dem Spielplan.

Die Welturaufführung von ”Rudolf” war im Mai vergangenen Jahres im Operettenhaus in Budapest über die Bühne gegangen. Die gleiche Produktion lief dann ein paar Monate später im Sommer bei den ungarischen Freilichtspielen Szegedi Szabadtéri Játékok. Die Texte stammen von Jack Murphy und Nan Knighton, wobei sich in weiten Bereichen aus dem Roman ”Ein letzter Walzer” von Frederic Morton schöpften.

Mit Koen Schoots auf der sicheren Seite

Für Arrangements und Orchestrierung können die Wiener auf einen ausgewiesenen Frank Wildhorn-Spezialisten zurückgreifen: Koen Schoots. Ob bei ”Jekyll & Hyde” in Köln, ”The Scarlet Pimpernel” in Halle (Wiederaufnahme am 26. Januar 2008) oder ”Dracula” in Graz, kaum ein anderer dürfte prädestinierter sein, die vielfältigen, Ohrwurm trächtigen, aber auch komplexen Wildhorn’schen Klangwelten so stimmig und adäquat umzusetzen wie er. Dass der umtriebige Niederländer auch bei der Welturaufführung des neuen Wildhorn-Stücks ”Der Graf von Monte Christo”, die einen Monat nach der Rudolf Premiere im März 2009 im schweizerischen St. Gallen erfolgt, maßgeblich seine Hände im Spiel hat, ist da schon fast zwangsläufig.

Frank Wildhorn ist ”in” und schwimmt auf einer Welle der Popularität. Der US-Amerikaner ist produktiv wie nie zuvor, tanzt zeitgleich auf vielen Hochzeiten und erfährt inzwischen auch in Deutschland sowie im deutschsprachigen europäischen Ausland die ihm bis vor gar nicht langer Zeit immer noch vorenthaltene, aber längst überfällige Anerkennung.

Spannender als jeder Krimi

Die Lebensgeschichte und das mysteriöse, Geheimnis umrankte Ende von Kronprinz Rudolf, dessen Geburtstag sich am 21. August nächsten Jahres zum 150. Male jährt und der als Hoffnungsträger der Monarchien in Österreich und Ungarn galt, bietet alle Zutaten, nach denen sich ein Musicalautor die Finger leckt. Wie Frau Mama auch, hatte sich der Thronfolger vehement für die Rechte der Ungarn in der k.u.k.-Monarchie eingesetzt. Ob diese Mission in irgendeinem Zusammenhang mit seinem Tod steht, darüber mögen sich die Historiker und Mythenforscher die Hirne zerbrechen. Fakt ist jedoch, dass Erzherzog Rudolf Franz Carl Josephs Leiche zusammen mit der seiner Geliebten, eben jener Maria Vetsera, am 30. Januar 1889 in dessen Jagdschloss im niederösterreichischen Mayerling entdeckt wurden. Dorthin hatte des Kronprinzen Leibfiaker Bratfisch die Beiden zwei Tage zuvor unter größter Geheimhaltung von Breitenfurt aus kutschiert. Möglicherweise war er der Letzte, der sie noch lebend gesehen hat. Diesem Tête-à-Tête vorangegangen waren mindestens 20 weitere geheime Schäferstündchen. Ein Ärztekollegium konstatierte bei Mary Selbstmord durch Kopfschuss. Ob sich die junge Dame tatsächlich selbst umgebracht hat, von Rudolf erschossen wurde oder an den Folgen einer misslungenen Abtreibung verstarb, ist weiterhin strittig und gibt somit Stoff in Hülle und Fülle für die unterschiedlichsten Deutungen. Spannender kann kein Krimi sein. Für an der historischen Forschung darüber Interessierte bietet die Internetseite www.vetsera.info Material in Hülle und Fülle.
Quelle: Jürgen Heimann

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