Die Nächte in München sind tropisch – Von „Miami Vice“ zu „Miami Nights“

Dem turbulenten Gute-Laune-Musical glückte an der Isar ein Bilderbuchstart

Während in der Kultserie aus den 80-er Jahren die blauen Bohnen flogen, tun es hier die Beine. Als verbindendes Element kommen die Hits und die Mode aus dieser Dekade hinzu. Insofern ist die Krve zu den tatsächlichen und fiktiven Gemeinsamkeiten schnell genommen. Don Johnson, der inzwischen auch schon 57 Lenze auf dem Rücken, sich aber seit seinen abenteuerlichen Tagen als Undercover-Agent physiognomisch kaum, vom textilen Outfit aber erheblich verändert hat, hatte sich Mitte vergangener Woche unter die 1600 Premierengäste in der Schwanthalerstrasse 13 gemischt, um in dem zweitgrößten Theater der Isar-Stadt dem Revival des von Alex Balga neu inszenierten Salsa-Spektakels beizuwohnen.

Ein Rhythmus, bei dem jeder mit muss

Neben ihm hatte sich auch eine ganze Armada weiterer ”Promis” in den Sesseln des Hauses bequem gemacht, sich die schrille, knall-bunte Gute-Laune-Orgie rein zu ziehen. Und der auf Tourneetauglichkeit getrimmten Produktion glückte ein furioser Start, wie die Reaktionen des Publikums und der Kritiker beweisen. ”Um diese Nächte beneidet uns die Welt”, titelte ein großes Boulevard-Blatt gar. Angesichts des Potentials an Hits wie ”What A Feeling”,

“Time After Time”, “The Rhythm Is Gonna Get You”, “I Wanna Dance With Somebody” oder “Let´s Dance” und der rasanten, abwechslungsreichen Choreografie von Natalie Holtom findet selbst der verstockteste Besucher schnell Zugang zum Stück. Da fällt es schwer, sich dem beschwingten und witzigen, als freche Hommage an die großen Tanzfilme der 80-er konzipierten musical-ischen Parforce-Ritt zu verschließen.

Spätestens nach 10 Minuten sieht sich der Gast unentrinnbar im Zauber und der Rasanz dieser Show verstrickt. Dies auch, weil die Songs, für die Heribert Feckler, der musikalische Leiter, die Arrangements geschrieben hat, noch fetziger und treibender daher kommen als seinerzeit im Original. Die preisgekrönte Choreografie ist eine ”scharfe Soße”, wie ”Salsa” wörtlich übersetzt ja heißt. Ein trefflicher Mix aus verschiedenen Stilen. Neben Salsa flocht Natalie Holtom geschickt Elemente des Cha-Cha-Cha, Mambo, Rumba, Tango, Jazz-Dance und Rock’n Roll mit ein.

Keine Botschaft, aber viel Tempo und Charme

”Miami Nights” will keine inhalts- und bedeutungsschweren Botschaften transportieren und ist, gemessen an solchen von den Damen und Herren Rezensenten gerne als qualitative Gradmesser bemühten Kriterien recht einfach gestrickt. Aber gerade das und der Verzicht auf krampfhaft erzeugten Anspruch macht auch den Charme dieses beschwingten und temporeichen Bühnenfestes (Buch: Marcus Haseloff) aus. Es bereitet Spaß und garantiert kurzweilige, vergnügliche, sorgenfreie Unterhaltung. Was will man/frau mehr?

Inhaltlich geht es ”nur” um die Tanzmeisterschaften von Miami, die zu gewinnen die Parkett-Artisten und die Schulen, denen sie entstammen, alles daran setzen. Eine Lovestory zwischen dem Champion und einem kubanischen Aschenputtel, das sich zur strahlenden Salsa-Queen mausert, inklusive. Romantik, Liebe, Herz, Schmerz, übersteigerter Ehrgeiz und Eifersucht sind die weiteren Zutaten. Dass alles ein gutes Ende nimmt, versteht sich von selbst.

Der ”MN”-Stern war im März anno 2002 aufgegangen, als das Capitol-Theater in Düsseldorf dieses Musical als Eigeninszenierung auf den Spielplan setze und es in Folge ob der enormen Resonanz nicht weniger als fünfmal verlängern musste/durfte. Das Ganze entpuppte sich als veritabler Kassenschlager. Mehr als eine halbe Million Besucher ließen sich weiland in der Erkrather Straße von dem Stück, das anschließend, bevor es in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde, noch mehrere Wochen lang in Wien zu erleben war, mitreißen. Produzent Thomas Krauth war ob dieses Echos selbst (angenehm) überrascht. Die Tecklenburger Freilichtspiele präsentierten dann in der diesjährigen Saison eine eigene, natürlich auf dem Original basierende Version – und erlebten das gleiche ”blaue Wunder”. Die eigentlich als ”Zweitstück” der Aufführungsperiode konzipierte Bühnenparty wurde zum Besuchermagnet.

Starkes Ensemble

Und jetzt die Neuauflage. Neues Spiel, neues Glück. Bühnenbild und Dialoge sind gegenüber der Ursprungsinszenierung noch einmal überarbeitet worden, was dem Endresultat nicht zum Nachteil gereicht. Hinzu kommt eine völlig neue und junge Cast, die das Stück durch ihren prickelnden Enthusiasmus mit Leben und Dynamik füllt. Mit Patricia Meeden als rassige Latino-Prinzessin ”Laura Maria Conzuela Martinez Montoya Gomez”, Felix Maximilian als Turnier-Favorit ”Jimmy Miller”, Henrik Wagner als whiskyverliebter, abgehalfterter Titelverteidiger ”Roy Fire” sowie Natacza Soozie Boon als Zicken-Queen ”Jessica Diamond” sind die Hauptrollen glänzend und mit Gespür besetzt. Was übrigens auch und ohne Abstriche für alle anderen Parts gilt, wobei nicht zuletzt Isabel Dörfler als überdrehte Miller-Mama ”Betty”, Marc Seitz und Nina Weiß als ”Traumpaar Nr. 2” Andy und Sarah der besonderen Erwähnung bedürfen. Als Tanzlehrer ”Mr. Bob” begegnen wir hier auch ”Alt-Meister” Tom Zahner wieder, der sich diesen Job mit Heiner Dresen teilt.

In München wird ”Miami Nights noch bis zum 2. Dezember” für Partylaune sorgen. Danach geht es an den Ursprungsort, ins Düsseldorfer Capitol-Theater, zurück. Daselbst säuft Roy Fire bis zum 13. Januar Abend für Abend eine Flasche Jim Beam auf Ex. Basel/Musical-Theater (15. Januar – 20. Januar), Bremen/Musical-Theater im Richtweg ( 22.1. – 10.2.), Zürich/Theater 11 (12.2. – 14. 2.) und Berlin/Admiralspalast (26.2. – 16.3.) sind die darauf folgenden Tournee-Stationen. Weitere Infos gibt es auch unter www.miami-nights.de.
Quelle: Jürgen Heimann

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