Marktbereinigung nach amerikanischen Muster: Gershwins Krieg um den Käse

Gelsenkirchen zeigt deutschsprachige Erstaufführung von „Strike Up the Band“

Diese Schnapsidee könnte durchaus auch von George ”Dabbel-ju” Bush stammen, doch sie wurde in einer Zeit geboren, als der amtierende US-Präsident noch nicht einmal ahnen konnte, wie man ”Laugenbrezel” buchstabiert. Der Kreuzritter aus Texas war damals, in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts, allenfalls ein Gedanke im Experimentierkasten des Großen Manitu. Andererseits. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass die Amerikaner ein kleineres Land ob eines wirtschaftlichen Vorteils willen überfallen. Und genau das passiert den Schweizer Eidgenossen.

Die lila Kühe unter Feuer

Der Alm-Öehi, die Heidi und die vielen glücklichen lila Kühe bekommen Saures von der missgünstigen Konkurrenz. Die sitzt auf der anderen Seite des großen Teichs und fürchtet um ihre Marktstellung. Die qualitativ höherwertigen Importe aus Helvetia verhageln dem amerikanischen Käseproduzenten Horace J. Fletcher die Laune und das Geschäft. Der Chef der ”Fletcher American Cheese Company” heuert kurzer Hand eine auch von der Regierung unterstützte Privatarmee an und macht die alpenländischen Mitbewerber platt. Marktbereinigung nennt man so etwas.

Spritzige Musical-Satire

Gut, dieses Ereignis ist historisch nicht belegt und entstammt allein der Fantasie des amerikanischen Autors George S. Kaufmann. Der war zu seiner Zeit u.a. auch Ideen- und Steilvorlagen-Lieferant der Marx Brothers, aber in diesem Fall schien das Thema bei den Gebrüdern Gershwin wohl in den besseren Händen. Georg und Ira, die Väter des unsterblichen ”Porgy and Bess”, strickten daraus eine vor Einfällen und Gags nur so schäumende Musical-Satire, die den US-Chauvinismus ebenso unverhohlen aufs Korn nimmt wie sie die Eigenarten der eigenbrötlerischen Bewohner dieses beschaulichen europäischen Alpenländles augenzwinkernd betrachtet: ”Strike Up the Band”. Da hagelt es Seitenhiebe auf den ”militärischen-industriellen Komplex” in den USA und die politischen Eliten des Landes.

Mit Geistesblitzen scharf geschossen

Anno 1927 war das vor Witz sprühende Werk das 1930 seinen Broadway-Einstand gab, in New Jersey uraufgeführt worden und ist nun, 80 Jahre später, im Ruhrpott angekommen. Das ”Musiktheater im Revier”, das sich damit nach ”Crazy for you” (2002) eines weiteren Gerschwin’schen Frühwerkes annimmt, präsentiert das turbulente, temporeiche Stück, in dem (mit Geistesblitzen) scharf geschossen wird, in einer Inszenierung von Matthias Davids als deutsprachige Erstaufführung. Premiere ist am 8. Dezember im Großen Haus am Kennedyplatz. Die Musikalische Leitung obliegt Kai Tietje. Die Songs wurden im Original belassen und werden, um die Verständlichkeit zu erhöhen, mit deutschen Untertiteln unterlegt. Viele Nummern der Partitur sind längst zu Evergreeens geworden. Dazu zählen neben dem Titelsong beispielsweise ”The Man I Love”, ”Yankee Doodle” und ”Soon”.

In der Gelsenkirchener Inszenierung sind, wie bei den meisten größeren MIR-Musicalproduktionen der vergangenen Jahre, auch Anke Sieloff (als Fletcher-Tochter Joan) und Gaines Hall (in der Rolle des Jim Townshend) wieder am Start. Die Choreografie liegt in den bewährten Händen von Melissa King. Bis zum 20. Mai nächsten Jahres sieht der Spielplan zunächst 21 Aufführungen von ”Strike Up the Band” vor.
Quelle: Jürgen Heimann

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