Frank Wildhorn & Friends, Kasemattenbühne Graz

Das letzte von drei Konzerten, im Rahmen des Grazer Musicalfestivals, welches am 26.8. stattfand, war aufgrund der Sänger und der dargebotenen Lieder etwas ganz Besonderes.

Nicht entgehen ließen sich dieses Konzert u.a. auch Gordon Bovinet, Michael Pinkerton, Lisa Antoni, Colleen Besett, Mari Hanafusa, Wao Youka (beide bekannt in Japan u.a. aus ”Elisabeth” oder ”Never say goodbye”) und sogar Don Black (Songwriter u.a. für ”Sunset Boulevard”, ”Song and Dance”, ”Sunset Boulevard”), der in den vordersten Reihen saß. Leider war, im Vergleich zur letzten Vorstellung von ”Dracula” das Publikum nicht sehr zahlreich erschienen. Vermutlich ist Frank Wildhorn doch nicht sovielen Leuten ein Begriff, sodass sie ihn mit seinen Musicalkompositionen in Verbindung bringen können.

Die Bühne war von den ”Dracula”-Requisiten leergeräumt worden und bis auf den Luster wurde das Orchester des Budapester Operettentheaters zum neuen ”Bühnenbild”. Frank Wildhorn selbst saß am Klavier und war auch für die Anmoderationen der einzelnen Songs zuständig. Auch einige private Anekdoten bekam das Publikum zu hören. Als Übersetzer wurde kurzfristig Michael Staringer eingesetzt.

Wildhorn’s friends waren: Pia Douwes, Thomas Borchert, Bernadett Vágó, Attila Dolhai (beide bekannte ungarische Musicaldarsteller) sowie Brandi Burkhardt (die amerikanische Sängerin spielte u.a. in ”Jekyll & Hyde” die Emma, ehemalige Miss New York und gehört zur Cast der US Serie ”Passions”). In den folgenden zweieinhalb Stunden wurden bekannte Wildhornklassiker dargeboten, es gab Songs, die noch nie in Österreich gesungen wurden und sogar eine Weltpremiere eines Titels durfte das Publikum erleben.

Die Kasemattenbühne, die aufgrund fast kompletten Überdachung eigentlich kein open air-Veranstaltungsort in diesem Fall war, bot eine gut Akustik, man hatte für eine stimmungsvolle Beleuchtung gesorgt und so nebenbei gab es auch noch gleich eine kleine Modenschau der Damen zu sehen. Während die Herren im Anzug auftraten, überraschten die drei Damen fast bei jedem Song mit einem neuen Outfit. Besonders Pia’s mitgebrachter Kleiderschrank schien sehr groß zu sein.

Als Einstieg gab es fünf Nummern aus ”Scarlet Pimpernel” zu hören. Besonders überraschte Bernadett Vágó – in ihr steckte wahrlich eine Gänsehautstimme, die man bei ihr nicht vermutet hätte. Schwierig hatten es die beiden Ungarn, da sie laut Wildhorn gar kein Englisch sprechen und für das Konzert extra die englischen Lieder einstudiert hatten. Man merkte ihnen fast keine Unsicherheiten an. Mit ”You are my home” interpretierten Dolhai und Douwes sogar einen Titel, der es dank Peabo Bryson und Linda Eder, bis in die Charts geschafft hatte. Die Harmonie im Gesang der beiden kam ab und zu abhanden, was vermutlich aber daran lag, dass nicht so oft gemeinsam geprobt werden konnte. Attila war nach einem kleinen Schlussbusserl von Pia sichtlich froh, es gut über die Bühne gebracht zu haben. Einen der besten ”Jekyll & Hyde” Interpreten, die Wildhorn je erlebt hatte, war die von Thomas Borchert in Wien. Borchert bewies bei ”Ich muss erfahr’n” einen langen Atem beim Schlusston und ließ Wildhorn mit seiner Darbietung hinter dem Klavier nur so strahlen. Bei ”In his eyes” hatte es Brandi sehr schwer gegen die stimmgewaltige Pia anzutreten und gab ihr Bestes, um auch gehört zu werden. Verführerisch wurde es, als Attila und Bernadett, wohlgemerkt auf ungarisch, ”A dangerous game” sangen. Attila wurde fast zu einem wilden Tier und beide lieferten eine heiße Showeinlage. Zum fürchten war ”Die Konfrontation”, in der Borchert den guten Jekyll und Dolhai den bösen Hyde sangen. Pia’s spezielle Stimme machte ”Bring on the man” zu etwas Besonderem. Aufreizend tänzelte sie umher und verlor sogar kurz den Text, als ihr Wildhorn auf ihre Einladung im Song ”I am there” flüsterte. Den Anfang nach der Pause machte Brandi mit der Wahnsinnsballade ”Gold”, die auch der inoffizielle Song der olympischen Winterspiele 2002 war. Ein toller Auftritt, wobei das Kleid von Burkhardt fast etwas vom Gesang ablenkte. In einem goldfarbenen Kleid sah sie wie ein Kronjuwel aus und gewährte aufgrund eines langen Schlitzes tiefe Einblicke. Als ”comedy part” kündigte Wildhorn sein Duett mit Vágó an, bei dem er selbst nicht nur für die alleinige musikalische Begleitung am Klavier zuständig war. Den Titel ”Learning in the shadows” aus ”Victor & Victoria” hatte er seinerzeit für Julie Andrews höchstpersönlich komponiert und schilderte dem Publikum seine erste Begegnung mit ihr. Natürlich durften auch Ausschnitte aus ”Dracula” nicht fehlen, welches während der letzten zwei Wochen in Graz gespielt wurde. Den Song der Mina ”Please don’t make me love you” gab es von Douwes zu hören, während Borchert und Burkhardt mit ”At last” einen präsentierten, der es nicht bis in das Stück, obwohl dafür vorgesehen, geschafft hatte. Eine Weltpremiere gab es mit dem Song ”Once more I can see”. Das Stück ”Wonderland”, die etwas andere Geschichte rund um Alice und das Wunderland wird erst 2009 Premiere feiern. Brandi durfte aber trotzdem einen kleinen Vorgeschmack geben und strahlte den Inhalt des Songs – Zuversicht und Hoffnung – aus. Dann folgte ein großer ”Rudolf”-Block und auch die Info, dass dieses Musical im Februar 2009 nach Wien kommen wird, wurde preisgegeben. ”Something more”, ein Liebesduett zwischen Thomas und Bernadett, bei dem plötzlich die Post abging, war ebenso vertreten, wie ”Only heroes there” (Pia Douwes) mit sehr interessanten musikalischen Arrangements. Frank Wildhorn gestand, dass er sehr nervös war, weil er seine Songs zum ersten Mal Österreich vorstellte, dass seine Sorgen unbegründet waren, bewies der tobende Beifall nach den Liedern. Bei ”The measure of a man”, das von Dolhai auf ungarisch gesungen wurde, verstanden nur jene, die der Sprache mächtig waren, aber man spürte, dass er mit Herz und Seele bei der Sache war. Eine der ganz großen Nummern aus ”Rudolf” gab es mit ”The steps of tomorrow”. Dolhai sang auf ungarisch die Leadstimme, während die anderen Solisten den Refrain auf englisch sangen. Eine powergeladene Nummer, die man sich merken sollte. Nach einer Verbeugung gab es zur Freude des Publikums noch ein paar Schmankerln mehr. Bei ”I was born to love you” (Dolhai, Vágó) musste man erneut feststellen, dass sich ungarisch auch zum singen eignet und zu Pia’s ”Someone like you” (”Jekyll & Hyde”) kann man eigentlich außer ”wow, was für eine Stimme” nichts sagen. Die letzte Zugabe hätte Borchert’s ”Dies ist die Stunde” sein sollen, bei der er noch einmal alles aus sich herausholte. Das Publikum war jedoch eines der hartnäckigen Sorte und so gab es noch einmal den Knaller ”The steps of tomorrow”. Mit soviel Jubel und Begeisterung hatte der Komponist und die Sänger nicht gerechnet und waren überglücklich ob des Erfolges.

Ein interessanter, abwechslungsreicher Abend mit vielen Überraschungen und vor allem erstklassigen Stimmen, der irgendwo, irgendwann einer Wiederholung bedarf.
Quelle: Andrea Martin

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